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Die Wahrheit über 10 SEO-Mythen

12.02.2019 Blogs sind gut, soziale Signale sind sogar noch besser und viel Content ist am besten. Zu viele Links auf einmal zu generieren dagegen ... schlecht! So erzählt die SEO-Legende. iBusiness analysiert die enthaltene Wahrheit in zehn populären SEO-Mythen.

Es gibt einige große SEO-Mythen - aber steckt in ihnen Wahrheit? (Bild: Comfreak / Pixabay)
Bild: Comfreak / Pixabay
Es gibt einige große SEO-Mythen - aber steckt in ihnen Wahrheit?

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TL;DR
Die meisten Mythen haben einen wahren Kern, aber werden unvollständig begriffen - auch hier gilt: Halbwissen kann schnell gefährlich werden.
SEOs bilden eine vertüftelte Gemeinde im Volk der Online-Marketeers. Es gibt kaum einen nischigen Aspekt der Suchmaschinenoptimierung, der ausgelassen worden wäre bei ihren Forschungen zu Rankings und Sichtbarkeit. Man weiß: Wer eine Seite mit Rezepten betreibt, sollte strukturierte Daten benutzen - und so verwenden deutsche Rezept-Websites im Schnitt viel mehr Mikrodaten als Seiten rund um Dating oder Scheidung (mehr dazu auf iBusiness.de). Sie befassen sich mit den positiven Effekten von Corporate Influencer Blogging auf die Generierung von Content. Es gibt unzählige Teildisziplinen, gute Local-SEOs etwa verhindern, das die Nutzer wegen inkorrekter Öffnungszeiten im Knowledge Graph vor verschlossenen Ladentüren stehen, wie es sechs von zehn Deutschen schon einmal erging, weil online angegebene Öffnungszeiten nicht stimmten.

All diese und viele andere Erkenntnisse sind das Ergebnis von SEOs ewigem Versuch in die Blackbox namens Google-Algorithmus hineinzuspitzen: Was passiert, wenn ich Aktion A auf meiner Homepage vornehme? Was wenn ich Aktion B ausführe? Mittels dieses Verfahrens sind SEOs zu einigen Erkenntnissen gelangt, die als unumstößliche Wahrheiten gelten. Doch tatsächlich halten nicht alle solcherart extrapolierten SEO-Urteile einer Revision durch eine objektive Prüfung stand. Sie sind Mythen - entstanden daraus, dass manchmal mehr als eine Ursache am Werk ist oder schlicht die falsche Ursache für eine Wirkung verantwortlich gemacht wird.

Zeit, zu enttarnen wie viel Mythos tatsächlich in zehn vermeintlich in Stein gemeißelten SEO-Geboten steckt.

Mythos eins: Ein Blog bringt eine Website nach vorne

Das hört man oft und ja, es kann durchaus passieren, dass ein Blog so etwas tut. Doch genau genommen ist es nicht der Blog aus sich selbst heraus, sondern der Content und seine Qualität entscheiden über den SEO-Effekt, nicht aber der Ort oder die Lösung, an dem er verwahrt wird. Unter dem Strich ist es also nicht bedeutend, ob der Content auf der Homepage oder im Blog steckt und ob er beispielsweise mit Wordpress erstellt wird. Korrekt ist also: Content bringt eine Webseite nach vorne, das CMS ist ein davon vollkommen losgelöstes Problem.

Der Anteil von Links, die pro Blogpost generiert werden. Eine Zwei-Prozent-Rate bedeutet: Manchmal müssen erst fünfzig Posts getätigt werden, bis mal ein link abfällt.
Der Anteil von Links, die pro Blogpost generiert werden. Eine Zwei-Prozent-Rate bedeutet: Manchmal müssen erst fünfzig Posts getätigt werden, bis mal ein link abfällt. (Grafik: Bloofusion)


Ein Blog hilft, wenn...
  • Inhalte stark und auf Suchbegriffe ausgerichtet sind
  • der Blog zur aktiven Kommunikation genutzt wird.
Und: Ein Blog ist kein Selbstläufer: Manch Shop muss erst 50 Beiträge schreiben, bis er schließlich einen Link generiert, bei Spitzenreitern in der Ausbeute sind es 10 Posts pro verdientem Link und manche Blogs generieren weder Top Rankings noch Links: Das liegt häufig an den Themen.
Der SEO-Champion Blog unterscheidet sich grundsätzlich von der Homepage und muss das auch, soll er funktionieren.
Der SEO-Champion Blog unterscheidet sich grundsätzlich von der Homepage und muss das auch, soll er funktionieren. (Grafik: HighText Verlag)

Zu beachten ist, wie sehr klassische Blogs alte Beiträge zurückrutschen lassen, weil sie eine strenge, chronologische News-Orientierung besitzen: Schlechte Link-Generierung und Sichtbarkeit der Beiträge sind dann die SEO-suboptimale Folge. Eine Lösung ist es, zahlreiche Kategorien für eine bessere Übersichtlichkeit der Inhalte zu erstellen.

Mythos zwei: Für Duplicate Content setzt es Abstrafungen

Gut, jetzt werden wir mal pingelig: Eine Abstrafung ist eine manuell vorgenommene Aktion, die eine Mail von einem Google-Mitarbeiter an den Webmaster nach sich zieht. Eine Abwertung dagegen ist eine algorithmisierte Aktion, die kaum zu erkennen ist und keine Benachrichtigung nach sich zieht. Ob es Abstrafungen für Duplicate Content (DC) gibt, würde man also merken, wenn einem Post ins Fach flattert, aber die Abwertungen sind ein schleichendes Gift. Doch wie sieht es aus? Wird man für DC abgewertet?

Hier ist es sinnvoll, zu unterscheiden zwischen internem und externem Duplicate Content:
  • Intern: Gleiche Inhalte unter zwei Verzeichnisbäumen: Also 'shop.de/produkte/herren/schuhe' und 'shop.de/schuhe/herren/schuhe' etwa.

So etwas ist in der Tat nicht gut, denn Google sucht sich dann eine der doppelten Seite aus (entweder würfelt sie darum, welche oder es pickt sich die besser laufende heraus) und der Traffic, der auf der Doublette landet, geht für ein einheitliches Ranking verloren (ein sogenannter 'Page Rank Split'). Die SEO-Lösung dafür: Die Seiten via Canonical Tag zusammenziehen.

  • Extern: Ein Stück Content von der Homepage landet auch auf einer anderen Seite außerhalb der Homepage. Schlimmstenfalls wird eine der Seiten mit dem doppelten Inhalt von Google zwar gecrawlt, aber nicht berücksichtigt (das heißt: es findet keine Indizierung statt). Und schlimmstenfalls trifft es die eigene Homepage.

Für eine wirkliche Abwatschung von Seiten Googles indes spielt der Umfang des DC eine Rolle: Werden ganze Webseiten von jemandem online kopiert, ist das schlimmer als das harmlose Phänomen, wenn sich homöopathische Stückchen Content im Netz verteilen (Zitierungen etwa).

Mythos drei: Man darf nur eine bestimmte Zahl an Links in gewisser Zeit aufbauen

Es heißt: Gibt es Peaks bei der Zahl der aufgebauten Links (etwa tausende generierte Backlinks an einem Tag) droht eine Abstrafung: Dies ist de facto ein nicht verifizierbares Problem. Und zwar aus dem Grunde, weil die Messwerkzeuge/Tools anders zählen als Google. Bedeutet: Was das Mess-Tool als Peak erfasst, sind nicht unbedingt Peaks für Google und umgekehrt. Dies würde voraussetzen, dass Google die Links gleich schnell und gleich vollständig erfasst und zählt.

Vor allem aber sind zu viele Backlinks ein Luxusproblem.

Entsprechende Fallbeispiele viral gegangener Contents beweisen: Weder negative noch positive Effekte waren die Folge. Ein ziemlich klarer Mythos also.

Mythos vier: Soziale Signale helfen beim SEO

Soziale Signale (wie etwa Likes, Shares, Retweets und so fort) sind oft nicht öffentlich: Google kann also nicht darauf zugreifen.

Nun gibt es auch öffentliche soziale Signale, wie auf 'öffentlich' gestellte Posts bei Facebook  : Und diese kann Google   nicht strukturiert erfassen, aus dem einleuchtenden Grunde, weil dafür ja beispielsweise ein Facebook komplett gecrawlt werden müsste.

Dennoch sind soziale Signale manchmal bedeutsam: Denn Posts können auch externe Links bringen (etwa in Blogs). Oder das Ergebnis einer in Social Media aufgebauten Marke ist direkter Traffic via Marken-Suchen .

Doch bessere Rankings aufgrund Social Signals als direkte Folge sind ein Mythos.

Mythos fünf: Google-Ad-Spendings befeuern das Ranking

Machen wir es kurz: Das ist Quatsch.

Es gibt genau so viele Beweise für diese Behauptung wie für die Existenz des Weihnachtsmannes.

Mythos sechs: Google ändert täglich/stündlich seinen Algorithmus

Ja. tut es.

Doch auch hier hat man einen komplexeren Fakt etwas vereinfachend mythologisiert: Die zahlreichen Updates betreffen manchmal nur bestimmte Länder, einzelne Sprachen, isolierte Segmente (Desktop oder Mobil), bestimmte Produkte wie Local, die News - es sind also bei weitem nicht alle Updates für das eigene Tagesgeschäft relevant.
Zahl der Google-Updates pro Jahr laut SEO Pedro Dias auf Twitter
Zahl der Google-Updates pro Jahr laut SEO Pedro Dias auf Twitter (Grafik: Twitter/Screenshot/Bloofusion)

Was immer bleiben wird: Google mag Content, organisch aufgebaute Links sind gut und positive Nutzersignale (lange Verweildauer, geringe Absprungraten) auch toll. Wer sich daran hält, den erschüttert kein Update.

Mythos sieben: 404er schaden mir

Hier lautet die Diagnose: ein klares 'Kommt drauf an'. Aber worauf?

Angenommen man macht einen Relaunch und nimmt Seiten nicht in die neue Präsenz mit. Dann bliebt sie erstmal noch eine gewissen Zeit im Index und verschwindet schließlich nach unbestimmter Zeit daraus - die Folge ist, dass das Ranking verloren geht. Bei einer unbedeutenden Seite ist das nicht entscheidend. Denn - auch auf die Gefahr hin, redundant zu klingen - man verliert nur Rankings, wenn es überhaupt welche gab. Ein darüber hinaus gehender Negativeinfluss ("Google wird sauer, wenn es einen 404er entdeckt") ist nicht feststellbar.

Mythos acht: Man muss eine Site regelmäßig aktualisieren

Sorry, wenn wir hier wieder 'kommt drauf an' sagen, aber es kommt drauf an - auf die Inhalte: Ein kleiner Handwerksbetrieb muss nicht ständig etwas Neues produzieren, um Google glücklich zu machen, aber viele Betriebe produzieren genau in diesem Irrglauben noch Irrelevantes nach dem Motto: Hauptsache ich habe neuen Content, dann ist Google zufrieden.

So etwas ist unnütze Mühe, denn es gibt zeitlos schöne Themen, die man ohne Aktualisierungen stehen lassen darf. Die Faustregel lautet: Guter Content ist immer aktuell oder er ist nicht gut: Entweder bleibt er aus sich heraus aktuell, weil er zeitlos ist oder er wird aktualisiert.

Hier zeigt sich, dass man Content bewahren muss, ihn lediglich zu produzieren reicht nicht immer aus. Bedeutet in konkrete Handlungsanweisungen übersetzt: Content muss auf Zeitbezüge geprüft werden. Ist er hoffnungslos veraltet? Wegwerfen! Ist er überholt, sollte man ihn aktualisieren. Und ist er nach wie vor in Ordnung kann man ihn schlicht behalten.

Mythos neun: Content - viel hilft viel

Hilft viel Content viel? Eine Antwort erhält man, wenn man das Problem strukturiert ansieht:
Man kann zwei Dinge haben:
  1. Viele Seiten mit Content
  2. Eine Seite mit viel Content
Klar ist: Content erzeugt gute Rankings. Aber nur dann wenn Qualität Vorfahrt vor Quantität hat. Das berüchtigte Update 'Panda' zeigte das im August 2011 - auf einmal war die Keyworddichte nichts mehr wert und entsprechend hochgejazzte Seiten brachen brutal ein, während Content-starke Seiten profitierten.

Umgekehrt gibt es Seiten, die ohne Content gut ranken: Rubrikseiten bei Onlineshops etwa schaffen das.

Wie gute Inhalte aussehen, hat Google selbst beschrieben  . Die Maßstäbe lauten: Der Inhalt sollte relevant sein, umfassend und möglichst vollständig, redaktionelle Kontrolle (die etwa in korrekter Rechtschreibung zu tage tritt oder in guter Lesbarkeit) ist gut, ein strukturierter Inhalt ebenso.

Doch die Menge an Content und die Frequenz mit der man ihn ausstößt sind egal.

Mythos zehn: SEO ist technische Disziplin

Ja, stimmt. Aber.

SEOs befassen sich mit Technik, aber diese Themen sind für die Marken oft irrelevant: Google ist in der Lage immer mehr Aspekte einer hochwertigen Seite zu erfassen, ohne dass man die Suchmaschine qua technischer Optimierung darauf aufmerksam machen muss. Auch die den Seitenbetreibern zur Verfügung stehenden Tools werden immer besser: Shopsysteme mit eingebauten SEO-Funktionalitäten nehmen ihnen immer mehr Arbeit ab.

Somit ist Technik zweitrangig gegen die SEO-Dreifaltigkeit aus Links, Content, Nutzersignale.

Dieser Text basiert auf einem Webinar   von Markus Hövener, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Suchmaschinen-Marketing-Agentur Bloofusion   .

Thema: Die Wahrheit über 10 SEO-Mythen

Kommentar von Sebastian Halm

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An ihrem Standpunkt zu Herausforderungen - wie etwa den zehn SEO-Mythen - kann man das Wesen einer SEO-Agentur erkennen.

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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