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SEO: Wie die Agentur von morgen aussieht und wo sie ihre Mitarbeiter findet

23.10.2017 Wir dokumentieren ein Streitgespräch, wie sich die Zukunft der SEO-Agenturen verändert. Wir analysieren, welche Herausforderungen es bringt, wenn ein neuer Agenturtyp entsteht. Und wir zeigen, wo die neuen Mitarbeiter zu finden sind, den ein neuer Agenturtyp braucht.

Wie SEO-Agenturen die richtigen Mitarbeiter erkennen, hängt vor allem vom SEO-Geschäftsmodell ab (Bild: eak-kkk/ CC0/ Pixabay)
Bild: eak-kkk/ CC0/ Pixabay
Wie SEO-Agenturen die richtigen Mitarbeiter erkennen, hängt vor allem vom SEO-Geschäftsmodell ab

HANDLUNGSRELEVANZ

 
Operativ
Strategisch
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Wirtschaft
 
heute
morgen
übermorgen
Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Der Bedeutungsschwund der reinen SEO-Agentur hält an, Mitarbeiter zu finden ist kreative Herausforderung.
Sind die Agenturen, die heute noch SEO machen eigentlich noch SEO-Agenturen? Oder sind es Agenturen, die neben einer ganzen Menge anderer Digitalmarketing-basierter Dinge auch SEO machen? Seit Jahren berichtet iBusiness kontinuierlich über die SEO-Branche und seit Jahren lässt sich beobachten, wie die einstigen Suchmaschinenoptimierer sich immer breiter und strategischer aufstellen. So nennen sich SEOs heute auch meistens lieber - weil es treffender ist - Sichtbarkeitsoptimierer und bezeichnen ihre Agenturen beispielsweise eher als Digitalmarketing-Agenturen mit Suchmaschinenschwerpunkt denn als klassische 'Technik-Buden', wie es einer von ihnen im iBusiness-Gespräch ausdrückt.

Getrieben hat diese Transformation Richtung breit aufgestellter Dienstleister zum einen Googles unermüdliche Evolution seiner Suche, die nun soziale Signale ebenso berücksichtigt wie Relevanz oder Offline-Faktoren. Zum anderen hat sich digitales Marketing selbst weiterentwickelt und lässt sich ohne die Inklusion von Kanälen außerhalb von SEO kaum mehr realisieren. Daher stellt sich die Frage, ob die SEO-Agenturen nicht heimlich und leise ausgestorben sind, ohne dabei pleite zu gehen - weil sie sich in andere Agentur-Modelle verwandelt haben. Darauf antworten SEOs eindeutig zweigeteilt.

Reine SEO-Agenturen werden obsoletSEO-Agenturen bleiben bestehen

 (Bild: Xing)
Bild: Xing

"Mein Eindruck ist, dass eigenständige SEO-Agenturen keine große Zukunft mehr haben. Sie sind bereits größtenteils im SEM aufgegangen oder wurden geschluckt von Netzwerken."

- Ömer Atiker, Geschäftsführer Click Effect Internet Marketing GmbH   

"Wenn es um komplexere Fragestellungen geht braucht man schon jemanden, der primär SEO betreibt und auch über viel Erfahrung verfügt."

- Markus Hövener von der auf SEM spezialisierten Onlinemarketing-Agentur Bloofusion   

"Ich halte das SEO-Agenturmodell (...) für hinfällig, da SEO zu 'kommunikationslastig' und 'kompetenzintensiv' ist. Ich habe deswegen schon vor fünf Jahren angefangen, mein Geschäftsmodell zu einer SEO-Beratung und Softwarefirma zu wandeln."

- Severin Lucks von der Onlinemarketing-Beratung und SEO-Agentur Delucks GmbH   

 (Bild: XING)
Bild: XING

"SEO wird nach wie vor nachgefragt. Aber das Verständnis, dass es zunehmend in andere Bereiche reinreicht, wächst. (...) Es zeigt sich (aber) immer wieder, dass Digitalagenturen meistens nicht so spezialisiert sind in SEO."

- Thomas Kaiser, Geschäftsführer der SEO-Agentur Cyberpromote   

 (Bild: Xing)
Bild: Xing

"Die Anforderungen an die Website sowohl von den Suchmaschinen als auch den Usern selbst erlauben es gar nicht mehr, einen Kanal alleine zu betrachten."

- Siwen Zhang, Director SEO bei Explido iProspect   

 (Bild: seomaxx.de)
Bild: seomaxx.de

"Wenn Sie in jedem Kanal einen der Besten wollen, finden Sie das in keinen Gemischtwarenladen (...), sondern holen sich (...) einen Spezialisten. "

- Michael Pauls, Inhaber der Berliner SEO-Agentur SEO Maxx   

Diese Standortbestimmungen der Agenturen sind nur scheinbar volatil - sieht man darauf, was die jeweiligen Agenturen machen und wie sie organisiert sind, so zeigen sich zwei Strömungen, die zwar unterschiedlich sind, aber in keinerlei Widerspruch zueinander stehen:
  1. Den Lead in Kampagnen und Projekten oder den Auftrag zur Konzeption einer Digitalstrategie bekommen reine SEO-Agenturen praktisch nicht mehr: Marketingstrategien und Kampagnen werden von Agenturen gefahren, die breiter aufgestellt sind als reine SEO-Firmen.

  2. Als externe Zulieferer von Expertise sind reine SEO-Häuser nach wie vor gefragt, wenn es in hochkompetitive Umfelder geht - Branchen, in denen ein regelrechter Sichtbarkeitskrieg herrscht oder aber komplexe SEO-Probleme zu verhandeln sind - beispielsweise bei nahezu ausschließlich seogetriebenen Geschäftsmodellen - dann kommt auch häufig eine starke Nachfrage nach SEA, der bezahlten Sichtbarkeit, hinzu.
Es mutet als wahrscheinlich an, dass die SEO-Agentur mehr und mehr zugunsten komplexerer Dienstleistungsgebilde (Full-Service-Agenturen, Agenturgruppen und breiter aufgestellte Fachagenturen) verschwindet und das reine SEO reine zugekaufte Beratungsleistung von Freelancern oder aber kleinen bis Kleinst-Agenturen werden wird. Damit ändern sich auch die Anforderungsprofile an die Mitarbeiter weiter.

2. Wo die (nicht mehr wirklich so zu bezeichnenden) SEO-Agenturen die besten Mitarbeiter finden

Es gab schon keinen klassischen Ausbildungsweg für SEOs, als ihr Handwerk noch enger gefasst war - ein eher technisches Programmierergeschäft. Umso weniger gibt es heute standardisierte Lebensläufe, da die Agentur-Portfolios komplexer werden. In welchem Recruiting-Pool der SEO-Agenturleiter fischen muss, hängt vom Geschäftsfeld ab.
Wo Agenturen mit SEO-Portfolio ihre Mitarbeiter finden
SEO-GeschäftsfeldRecruiting-PoolStolpersteine
Content-Marketing-SchwerpunktJournalisten: Redaktionen, geisteswissenschaftliche Studiengänge, StellenbörsenContent-getriebenes SEO benötigt gute Rechercheure mit der Fähigkeit heute über Sportnahrung und morgen über Schrumpfschläuche zu texten - die technischen Aspekte lassen sich im Crashkurs lernen oder von anderen Mitarbeitern erledigen
Technisches SEO (Programmier-Ebene, html-Optimierung...)Fachinformatiker: Universitäten, über Stellenanzeigen nur in abnehmendem Maße machbarITler sind zum einen teuer, weil heiß begehrt, zum anderen müssen Firmen aktiv werden: Acht von zehn IT-Spezialisten haben keinen Bock mehr auf Bewerbungen und erwarten, dass die Chefs auf sie zukommen (iBusiness berichtete)
KundenbetreuungMitarbeiter von Werbeagenturen-
kleinere SEO-Agenturen mit klarem SuchmaschinenfokusSEO-Mitarbeiter anderer Agenturen/ Programmierer, Webdesigner (selbstständige, andere Agenturen)/ Quereinsteiger, Autodidakten Es gibt keinen klassischen Weg, diese Mitarbeiter aufzuspüren - gute Vernetzung, eigene Web-Recherchen und vor allem: Empfehlungen spielen eine Rolle - einen normierten Königsweg gibt es nicht
Große Full-Service-Agenturen mit SEO-AbteilungenMitarbeiter mit verschiedenen Profilen (Qualifikationsmix) aus diversen Quellen: Techniker, BWLer, Quereinsteiger (siehe also alle vorgenannten Recruiting-Pools). Außerdem: Eigener Anbau - geeignete Praktikanten, Werkstudenten (mit Marketingstudium) und Mitarbeiter anderer Abteilungen animieren, im SEO kleben zu bleiben/ zu wechselnNur für große Agenturen geeignet (eher drei- als zweistellige Mitarbeiterzahl)
SEO-ConsultingInhouse: Projektmanager, Designer und Programmierer mit projektübergreifender Perspektive koordinieren die Projekte - der Rest kommt von außerhalb: SEO-Dienstleistungs-Plattformen (wie Textbroker, Textking), Influencer-Börsen sowie aus dem eigenen NetzwerkZum Teil herausfordernd, wenn es darum geht, Qualitätsstandards zu halten
Outsourcing spielt dabei je nach Unternehmen eine sehr unterschiedliche Rolle.
  1. Die strategisch aufgestellten Agenturen, die eher Disziplinen-übergreifend vorgehen, sourcen nur vorsichtig aus - und tendenziell meist jene Aufgaben, die sowieso klassisch outgesourct werden: Das Design etwa. Technik und Kundenbetreuung dagegen sind Outsourcing-No-gos. Bei anderen Aufgaben bevorzugen es die Dienstleister, die Kompetenz selbst im Haus zu haben und setzen nur vorsichtig auf externe Helfer. Grund: Mit Freelancern lassen sich qualitative Standards nur schwer garantieren.
  2. Kleine Agenturen oder Ein-Mann-Unternehmen, die auf klassisches, technisch orientiertes SEO setzen, sourcen schneller aus (weil es anders auch nicht geht) und nutzen dafür mitunter auch berüchtigte Dienste wie Text-Plattformen oder Linkfarmen, die wegen ihrer Qualität und Tarife in Teilen der Branche regelrecht verhasst sind.
Die SEO-Agentur der Zukunft erscheint somit als eine breiter aufgestellte Fachagentur, die sich eigentlich nicht mehr SEO-Agentur nennen lässt - und ihre Teams sind zunehmend Mischungen aus interdisziplinär agierenden Marketing-Fachleuten: Der Geisteswissenschaftler, der als Quereinsteiger die SEO-Texte schreibt und Themen recherchiert, sitzt neben dem Programmierer, der sich das notwendige Handwerk selbst beigebracht hat. Reine SEO-Agenturen werden mehr und mehr Zulieferer für diese Agenturen der Zukunft oder für die Unternehmen selbst.
Thema: SEO: Wie die Agentur von morgen aussieht und wo sie ihre Mitarbeiter findet

Kommentar von Sebastian Halm

Das bisschen Technik macht sich von allein, sagt mein SEO

Wenn eine studierte Archäologin SEO macht, zeigt das, wie sehr sich die Disziplin gewandelt hat.

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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