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Die App-Strategie: 15 Wege auf das Kunden-Smartphone
12.07.2012 Allein im Appstore kämpft eine halbe Million Apps um Aufmerksamkeit. Dabei nutzt der Smartphonebesitzer im Schnitt nur sieben davon. Um mit ihrer App auf das Kundenradar zu kommen, brauchen Unternehmen eine plattformübergreifende Marketingstrategie. 15 Werkzeuge für den Erfolg.
Wohin mit der App: Die Vor- und Nachteile der bekanntesten drei Appstores
Um dem Vereinsamungstod im Appstore zu entgehen, müssen die Unternehmen einige Kanäle zum Bewerben ihrer App ausprobieren. Das Anwenden des Try-and-Error-Prinzips bei der Kanalauswahl ist jedoch nicht für alle Apps das Richtige. "Es gibt zwar rund um den Globus mehr als genügend Appstores, aber auf der Mehrheit davon kommen dann später nur ein paar wenige Downloads dabei herum", erläutert Christopher Kassulke , Geschäftsführer des Spiele-Entwickler und -Publishers HandyGames das Marketing-Dilemma. Und in jedem einzelnen davon seine Apps zu platzieren, lohne sich nicht immer und besonders nicht für jeden. Denn: Auch das Hochladen in den Store kostet Zeit und damit auch Geld. Hinzu kommt die Schnelllebigkeit der Kanäle: Beliebte digitale Business-Modelle, die heute funktionieren, könnten bereits morgen nicht mehr populär oder gar existent sein. Rat weiß Vince Staybl , Geschäftsführer des Game-Cloud und -App-Anbieters GoFresh . "Entscheidend bei der App-Vermarktung ist nicht, was welcher Kanal kostet, sonder wie viel ich in welchem Kanal unternehme oder unternehmen kann", berichtigt er.
iBusiness beschränkt sich bei der Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile verschiedener Kanäle auf die drei populärsten momentan: Google Play, den Appstore von Apple und Facebooks App Center.
| 1. Google Play für Android | ||
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| Vorteil: Android hat die größte Nutzerreichweite durch die höchste Verbreitung. Des weiteren sind bei Google Play Updates und dank des offenen Systems Android auch Verbreitung der Werbemittel via USB-Stick möglich. Auch sind alternative Methoden wie Cost-per-Install möglich. | ||
| Nachteil: Technische Umsetzung sehr komplex wegen der hohen Fragmentierung des Android Markets: Es gibt X verschiedene Gerätetypen und damit X verschiedene Auflösungen. Hier wird es deswegen sehr schwer, den Mittelweg zu gehen. | ||
| 2. Apples Appstore für IOS | ||
|---|---|---|
| Vorteil: Fast keinerlei Fragmentierung, dies vereinfacht die Entwicklung. Vertrauensvorschuss durch das Image der Marke Apple. | ||
| Nachteil: Der Time-to-Maket-Zeitverlust ist mit drei bis vier Wochen relativ hoch, da Apple die Apps selber freigibt. Eine Sache die speziell Start-ups bei zeitkritischen Projekten beachten müssen. Apple ist kein besonders großer Fan von Push-Diensten oder Bots und reagiert auf solche Praktiken für gewöhnlich durch Inanspruchnahme des Hausrechts mit einer extremen Runterstufung oder gar Verbannung der App aus dem Store. | ||
| 3. Facebooks App Center für Android und IOS | ||
|---|---|---|
| Vorteil: Das Einstellen der Apps ist einfach und passiert umgehend. Die Apps werden erst später anhand von Nutzerbewertungen geprüft. | ||
| Nachteil: Das Facebook App Center ist noch nicht vollständig etabliert. Nur die Apps werden gelistet, die gute Bewertungen haben. | ||
15 Tools, um im Appstore nach oben zu kommen
Die eigene App im Appstore, Google Play oder Facebooks App Center unterzubringen, ist - vorausgesetzt man hält sich an deren Regeln - noch relativ einfach. In deren Top25 zu kommen hingegen ist bedeutend schwerer. Hierzu muss man verschiedene Marketing-Tools geschickt einsetzen und verknüpfen.| Die 15 wichtigsten Marketing-Tools für Top-Platzierungen im App-Store und die Meinung der Experten dazu: |
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- In-App-Advertising:
In-App-Advertising in bereits erfolgreichen und bekannten Apps, etwa in Form von Bannerwerbung
Sehr hohe Effektiviät und geringe Zielgruppen-Streuverluste. - Mobile SEO für den Appstore:
App-Marketing ist einwichtiger Baustein von Mobile SEO. Viele SEO-Gesetze greifen, wenn man im Appstore gesehen werden will. Extrem wichtig für eine gute Platzierung ist der Beschreibungstext. Dieser muss gut geschrieben sein, die richtigen Keywords enthalten und regelmäßig aktualisiert werden. "Ein einmaliger Aufwand beim Texten für den Appstore reicht nicht, wenn die App aber das ganze Jahr über beworben wird", warnt Vince Staybl. - Screenshots:
Screenshots haben eine sehr hohe Bedeutung, da sie einen ersten Eindruck der App beim Nutzer hinterlassen und damit eine Türöffnerfunktion innehaben. - Direkte Verlinkung zum Download im Appstore:
Die direkte Verlinkung zum Download im Appstore ist extrem wichtig für die Downloadgenerierung der App. Umgekehrt ist der Link auf die eigene Seite für eine nähere Beschreibung der App genauso wichtig. Es sollte dem Nutzer immer so einfach wie möglich gemacht werden, sich über die App informieren zu können und diese herunterladen zu können. - YouTube Videos und Slideshare-Präsentationen als Bedienungsanleitung:
Laut Dr. Ralf Lauterbach , Geschäftsführer des Full-Service-Providers für Apps Appseleration verstehen viele Unternehmer beim Stichwort Social Media sofort und ausschließlich Facebook. Dies sei ein Fehler, denn die Verwendung der Plattformen Slideshare und Youtube als interaktive Bedienungsanleitung sei bei den Nutzern sehr gefragt. - Suchfunktion im Appstore:
Die Suchfunktion in den Appstores muss mit den richtigen Tags und Keywords zum Auffinden der App gefüttert werden. Sie ist essenziell für eine erfolgreiche App-Positionierung und trägt zur Nutzer-Experience bei. - Social Media und Word of Mouth:
Kanäle wie Facebook und Twitter sind besonders aus Entwicklersicht sehr wichtig, da die Stores ihnen in der Regel keine Möglichkeit bieten, Feedback zu geben, auf welches sie auch antworten können. "Die Social-Media-Kanäle helfen also einerseits den Entwicklern bei der Verbesserung der App und sorgen andererseits für den viralen WOM-Schub." Zudem sei Social Media und WOM für den Entwickler kostengünstiger als andere Marketingkanäle, weil der Entwickler diese selber speisen könne. Allerdings seien diese Methoden sehr zeitaufwändig. WOM und SM hätten aber dennoch das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis, weil mit extrem wenig Arbeit extrem viel erreicht werden könne - vorausgesetzt die richtigen Kontakte sind vorhanden. - Micro-Websites:
Entwickler sollten immer eine eigene Website für ihre App anbieten, findet Martin Spitzenberg ,Geschäftsführer der Hamburger Mobile Agentur Appmotion . Nicht zuletzt deswegen, weil sie in den Stores nie die Chance dazu hätten, ihre App so zu präsentieren, wie es den Entwicklern eigentlich lieb wäre. Sei es anhand eines eingebauten Videos und schöneren Hintergründen als im Store. - Nutzerbewertungen:
"Bei einer drei von fünf Punkten Bewertung schrecken die Leute schon zurück und laden sich die App dann nicht runter", erzählt Cristopher Kassulke. - In-App-Purchases:
"Wichtig ist, dass der Kunde bereit ist, für die App zu bezahlen - auch bei Freemium-Modellen", erinnert Vince Staybl. Hier soll der Umsatz in Form von In-App-Purchases oder Abos erwirtschaftet werden. - Presse und Blogs
Die virale Verbreitung via Influencer-Blogs hält Martin Spitzenberg für derzeit am beinahe wichtigsten. - Bestehende Nutzerbasis:
Eine bereits etablierte Marke wird für die Vermarktung und das Bewerben ihrer Apps ihre bereits existierenden Marketing-Kanäle nutzen, weiß Dr. Lauterbach. - Printwerbung: mit integrierten QR-Codes
Die Mehrheit der von iBusiness befragten Mobil-Experten nannten immer Print als ersten Kanal bei der App-Vermarktung. Bei Print zählt neben der Auflage auch noch das große Nutzervertrauen, welches diese immer noch in dieses Medium setzen, so Michael Reuter. Einen weiteren Grund für die starke Beliebtheit der Printwerbung erkennt Dr. Lauterbach. Der Preis einer App variiert ebenso wie der Betrag des einsetzbaren Marketingbudgets. Schließlich muss alles individuell geplant, veranschlagt und umgesetzt werden. Die Preisspanne kann von 3.000 Euro bis hin zu einer halben Million Euro betragen und sei deswegen vergleichbar mit der eines Autos. Ist deswegen der Kanal-Print und der Einsatz von QR-Codes derzeit so gefragt, weil dort anhand der Mediadaten bereits vorab exakte Beträge für die Werbung veranschlagt werden können? Lauterbach denkt ja. - TV:
In der anbrechenden SmartTV- und Second-Screen-Zeit steigt die Bedeutung des Mediums Fernsehen als Werbekanal durch die Verknüpfung mit dem Internet noch zusätzlich an. "Das Medium Fernsehen erreicht - besonders in Verbindung mit dem Internet - immer noch die meisten Zuschauer mit dem geringsten Medienbruch", so Michael Reuter von AppAdvisors. Das Stichwort hier laute Second Screen, was nach aktuellen Zahlen zufolge bereits 49 Prozent der Onliner nutzen. - Hochkaufen mittels Marketing-Tools wie KatAPPult von Madvertise :
"Hoch kommen geht noch relativ schnell mit genügend Geld im Hintergrund durch so genanntes "hochkaufen". Aber die App sollte auch oben bleiben", kritisiert Kassulke diese Methode. Denn sobald das Marketingbudget ausgegeben sei, fielen diese gepushten Apps wieder sehr schnell - und zwar tief. Unternehmen sollten die Marketingstrategie für ihre App daher lieber langfristig anlegen. Und auch jegliche Applikation sollte auf Dauer ausgelegt sein, rät Kassulke. "Wir haben Spiele im Sortiment, die wurden 2002 entwickelt und damit verdienen wir heute noch Geld." Zudem gebe man, wenn man seine Applikation nur kurz nach oben schieße, meist mehr Geld aus als man dann später zurückbekomme. Ein langfristiges Business-Modell sei deswegen das Erfolgsrezept.
Wie sich der Erfolg von Apps messen lässt
Downloads werden sehr oft als eine der wichtigsten Messmethoden genannt. Vince Staybl zieht hier jedoch lieber die Häufigkeit der App-Nutzung und die Wiederkehr der App-Nutzer heran. "Nur so kann langfristig Umsatz generiert werden. Das ist auch deswegen erstrebenswerter, weil damit das Produkt im Vordergrund steht und nicht der Abverkauf der App", erläutert er.
Reichweite im Sinne von einer hohen Anzahl an Downloads sieht Martin Spitzenberg hingegen durchaus als ein erstrebenswertes Ziel an. "Denn genau dadurch wird deine App in den Stores höher gerankt, und genau da will ja jeder schließlich hin: In die Top 25." Denn durch diese von den Appstores hervorgehobene Position werden wiederum die Sichtbarkeit der App und damit deren Download-Zahlen erhöht. Und eine solche Platzierung durch Reichweite zu erreichen, müsse man den Nutzern laut Spitzenberg eine qualitativ hochwertige App mit einer guten Idee bieten, die ein gutes Design und eine gute Umsetzung vorweisen kann, sowie die Kombination der verschiedenen Vermarktungskanäle nutzen.
Dr. Lauterbach sieht den Mangel an erfolgskontrollierenden Maßnahmen vor allem in der Rückständigkeit des deutschen Mittelstandes begründet. "Viele Mittelständler stellen jetzt gerade erst fest, dass es ein iPhone gibt. Über Word of Mouth, Social Media und QR-Codes lernen sie gerade erst, nutzen es aber deswegen noch nicht in großem Stil. Und wenn doch, sind sie mit dem ganzen Feedback aus den verschiedenen Appstores dann gänzlich überfordert." Eine Ausnahme bilde hier jedoch der B2B-Sektor. Hier sei man bereits einen Schritt weiter. Nehme man etwa das Beispiel iPad im Vertrieb, werde derzeit in den Unternehmen nicht mehr zuerst über die technischen Details diskutiert, sondern über die Organisation. Denn:"Ich muss zuerst an meiner Organisation schrauben, um das ganze, durch die Apps anfallende Feedback, an der richtigen Stelle sammeln und auswerten zu können", erklärt Dr. Lauterbach. Die Auswertung im Bereich Apps sei wesentlich komplexer als etwa die von Klickzahlen. "Es gibt hier einfach noch keine Standards", klagt Dr. Lauterbach.
Die Zukunft des mobilen Webs: Von der App zum Lesezeichen
Langfristig wird die geräteagnostische Programmiersprache HTML5 Apps in ihrer Bedeutung schwächen: Denn mit HTML5 lassen sich Anwendungen einfach und mit umfangreichen Funktionen direkt aus dem Web heraus laden, es unterscheidet nicht zwischen mobilen und Desktop-Geräten. Deswegen wird strategisch betrachtet das mobile Internet nach und nach die App wieder schlucken: Zunächst werden mehr und mehr Features in den Apps direkt aus dem Web geladen, bis die Anwendung schließlich ganz in der mobilen Seite aufgeht.
Das bedeutet: Die Reise geht von der Homepage zur App und zur mobilen Homepage. Die App ist damit so etwas wie ein festinstalliertes Werbebanner eines Unternehmens, ein Vorbote des Lesezeichens der mobilen Webseite.
Trotzdem oder gerade deswegen ist es wichtig, mit einer App auf den mobilen Endgeräten der Kunden vertreten zu sein - sie sorgen für Sichtbarkeit der Marke, lenken Traffic direkt zum eigenen Unternehmen. Wer heute keine App hat, wird vom Kundenradar verschwinden, wenn die Apps in den mobilen Webseiten aufgehen.
