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Publicis-Chef: "TV- und Print-Werbung hat keine Zukunft"
13.02.2007 Das werden die Interaktiven sicher gerne hören: Nach Meinung von Maurice Lévy, Vorstandsvorsitzender der internationalen Werbeagentur Publicis, hat "traditionelle Print- und TV-Werbung in einer Welt der digitalen und mobilen Medien keinen Platz mehr". Für diese Aussage erntet er allerdings nicht gerade uneingeschränkten Beifall von seinen klassischen Werber-Kollegen.
Onlinewerbung dagegen gehört Lévys Einschätzung nach die Zukunft: nicht zuletzt, "weil man im Internet die Wirksamkeit von Werbung besser messen kann." Lévy rechnet damit, dass bereits im Jahr 2010 zehn Prozent aller Werbeinvestitionen ins Internet fließen werden. Publicis selbst will laut Lévy schon in fünf Jahren 25 Prozent seiner Umsätze über das Internet-Geschäft generieren.
Lévys Prognose teilen aber nicht alle seiner Werber-Kollegen. "Die Menschen sind keineswegs alle so aktiv und mobil, wie das immer wieder unterstellt wird", echauffiert sich Lothar Leonhard, Chairman von Ogilvy & Mather Frankfurt . "Nicht jeder will und kann sich immer und zu jeder Zeit aktiv sein Programm zusammenstellen." Seiner Einschätzung nach wird es für Menschen immer ein großes Bedürfnis sein, sich passiv unterhalten zu lassen. "Entspannung heißt das. Und dafür bleiben TV und Illustrierte die Standards." Leonhard rechnet folglich damit, dass daher auch in Zukunft kräftig in TV- und Printwerbung investiert wird.
Laut Lévy wird sich auch die Art der Kommunikation im Marketing drastisch verändern: "Wenn wir künftig nicht mehr als Eindringlinge empfunden werden wollen, ist intelligentere Ansprache gefragt." Er appelliert an Werbetreibende, moderne Web-2.0-Marketingkonzepte zu erproben. "Wie dürfen nicht länger einbahnstraßenartig zu Konsumenten sprechen, sondern müssen ein Gespräch eröffnen."
In Deutschland hat Publicis bereits im vergangenen Jahr eine Online-Offensive gestartet. Die deutschlandweit agierende Werbeagentur hatte im Januar 2006 all ihre bis dato verteilt arbeitenden Interaktiv-Units zusammen gelegt, um damit Kunden sämtliche Interaktiv-Dienstleistungen aus einer Hand zu bieten. "Wir wollen ab sofort mit den großen Interaktiv-Dienstleistern konkurrieren", startete Publicis seine Kampfansage an die etablierten Online-Agenturen.
