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Konkurrenz aus dem Ausland: Wen deutsche Onlinehändler künftig besonders fürchten müssen

von sr

03.06.2014 Immer mehr ausländische Händler und Marken starten deutschsprachige Onlineshops. Welche heimischen ECommerce-Märkte besonders bedroht sind. Und wie sich deutsche Händler gegen Attacken aus dem Ausland wehren.

Deutsche Händler müssen sich zunehmend mit ausländischen Anbietern messen (Bild: US Marine Corps / Public Domain)
Bild: US Marine Corps / Public Domain
Deutsche Händler müssen sich zunehmend mit ausländischen Anbietern messen
In dieser Nachricht steckt mehr Brisanz als man im ersten Moment vermuten mag: Ab kommendem Juli kümmert sich erstmals der deutsche Logistik-Dienstleister Docdata    um das Fulfillment des britischen Onlinehändlers Asos  . Pikant dabei ist, dass Docdata nicht in Großbritannien für Asos aktiv wird. Sondern in Deutschland. Genau genommen in einem Versandzentrum bei Berlin (Großbeeren). Von hier aus will der britische Mode-Versender nämlich sein Wachstum im "Schlüsselmarkt" Deutschland forcieren.

Diesem Ziel hat sich nicht nur Asos verschrieben. Denn momentan machen sich im deutschen Onlinehandel zunehmend die Schattenseiten der Internationalisierung bemerkbar. So expandieren inzwischen längst nicht mehr nur deutsche Onlinehändler immer stärker in ausländische Märkte, um neue Kundengruppen zu erreichen.

Auch die Big Player aus dem Ausland entdecken - wie es iBusiness.de bereits vor anderthalb Jahren prognostiziert hatte - zunehmend den deutschen ECommerce-Markt für sich und buhlen mit deutschsprachigen Onlineshops um die Gunst der einheimischen Kunden. Was diese durchaus auch zu schätzen wissen, wie Zahlen zum Cross-Border-Commerce belegen.

ECommerce-Trend: Shopper kaufen zunehmend im Ausland - bevorzugt bei den Briten

Eine Umfrage des Online-Auktionshauses eBay   unter 1.000 Internetnutzern zwischen 18 und 60 Jahren verdeutlicht: Mehr als jeder zweite der Befragten (60 Prozent) hat bereits einmal online bei einem ausländischen Anbieter eingekauft. Am liebsten kaufen deutsche Onlineshopper im europäischen Ausland generell bei Anbietern aus Großbritannien (37 Prozent der Befragten), Österreich (18 Prozent) und den Niederlanden (zwölf Prozent). Die Kaufentscheidung fällt dabei in der Regel zu Gunsten eines ausländischen Anbieters aus, weil Onlineshopper dort Produkte wahlweise günstiger als hierzulande oder vielleicht sogar exklusiv bekommen.

Deutsche Onlineshopper kaufen im Ausland gerne bei britischen Händlern (Bild: eBay)
Bild: eBay
Deutsche Onlineshopper kaufen im Ausland gerne bei britischen Händlern

Diese Umfrage zeichnet ein realistisches Bild. So ist es kein Zufall, dass deutsche Kunden im Ausland bevorzugt bei britischen Onlinehändlern kaufen. Denn diese nehmen zunehmend den deutschen ECommerce-Markt ins Visier und versuchen hierzulande Fuß zu fassen. Das kann vor allem für Online-Modehändler bedrohlich werden. Denn hierzulande ist inzwischen längst nicht nur Asos mit einem deutschsprachigen Onlineshop aktiv. Auch der britische Einzelhändler Marks&Spencer   beackert seit anderthalb Jahren erstmals mit einem deutschen Mode-Shop   den heimischen Markt. Dazu kommen weitere Dickschiffe wie das Mode-Label Next   oder die Kaufhaus-Kette Debenhams  , die ebenfalls zunehmend um deutsche Kunden buhlen (siehe Tabelle).

Dass gerade britische Fashion-Versender zunehmend nach Deutschland verkaufen, ist kein Zufall. So gibt es drei Gründe, warum deutsche Onlinehändler in Zukunft mit einem verstärkten Wettbewerb durch britische Anbieter rechnen müssen:

  1. Im Ausland lauert noch viel Umsatzpotenzial:
    Im vergangenen Geschäftsjahr 2013/2014 (Ende: 31. August) hat Asos beispielsweise im Heimatmarkt einen Umsatz von 276 Mio. Pfund netto eingefahren, in den gesamten übrigen Ländern der Europäischen Union kamen die Briten dagegen zusammen erst auf 177 Mio. Pfund. Noch stärker geht die Schere zum Beispiel bei der britischen Mode-Marke Next auseinander. Hier stieg der gesamte Online-Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr 2013/2014 (Ende: 31. Januar) um 12,4 Prozent auf 1,34 Mrd. Pfund netto - international wurden davon aber gerade erst einmal rund 100 Mio. Pfund umgesetzt.
  2. Konsumstimmung in Großbritannien weiter angespannt:
    Britische (Online-)Händler klagen bereits länger, dass die Konsumstimmung in Großbritannien schlecht sei und Verbraucher generell weniger Geld ausgeben. Kein Wunder: So war die Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent Anfang 2008 auf bis zu 7,7 Prozent im Jahr darauf gestiegen, wie Zahlen von Eurostat   - dem statistischen Amt der Europäischen Union - belegen. Inzwischen ist die Arbeitslosenquote wieder auf 6,7 Prozent gesunken und die wirtschaftliche Lage entspannt sich etwas. Grund zum Jubeln gibt es aber nicht. Weswegen die Expansion in weitere Märkte naheliegend bleibt.
  3. Britische Mode-Versender haben ideale Voraussetzungen:
    Anbieter wie Asos, Debenhams oder Marks&Spencer verkaufen Mode-Eigenmarken, die es in den meisten Fällen in Deutschland bei keinem anderen Händler gibt. Das ist kein Zufall: Denn Händler wie Debenhams oder Marks&Spencer haben teilweise über ein Jahrhundert Erfahrung im stationären Einzelhandel, wo in Großbritannien schon immer eine Differenzierung über Eigenmarken stattfand. Zwar verkauft beispielsweise Otto   online seit Dezember 2010 ausgewählte Mode von Next  . Andere Anbieter wie Asos bieten ihr Sortiment momentan nur in ihren eigenen Onlineshops an. Dadurch werden Kunden quasi zum Kauf bei ausländischen Anbietern gezwungen, wenn sie die Ware haben möchten.

Vor diesem Hintergrund müssen einheimische Onlinehändler neue Strategien entwickeln, um die zunehmenden Attacken aus dem Ausland abzuwehren. Denn die ausländischen Konkurrenten sind nicht nur gefährlich, weil prinzipiell der Wettbewerb in Deutschland zunimmt. Erschwerend kommt im Modehandel hinzu, dass hierzulande das Geschäft mit Textilien zurzeit kein Selbstläufer ist.

Fallstrick: Deutsche Onlinehändler können kaum mit Sortiment und Service punkten

Nach Schätzungen vom Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels   (BTE) haben Konsumenten im vergangenen Jahr zwar rund 20 Prozent mehr Bekleidung über das Internet gekauft. Parallel hat es aber im stationären Einzelhandel flächenbereinigt einen spürbaren Umsatzrückgang von zwei bis drei Prozent gegeben, während der Einzelhandel an sich nach Angaben vom Handelsverband Deutschland   (HDE) minimal um 1,1 Prozent auf 433,2 Mrd. Euro gewachsen ist. Verständlich daher, dass Multichannel-Händler wie der Hemden-Spezialist Walbusch   über einen "schrumpfenden Bekleidungsmarkt" klagen.

Deutsche Kunden kaufen im Ausland gerne günstige oder exklusive Produkte ein (Bild: eBay)
Bild: eBay
Deutsche Kunden kaufen im Ausland gerne günstige oder exklusive Produkte ein

Um die ausländischen Konkurrenten auszustechen, können sich einheimische Onlinehändler prinzipiell über Sortiment, Service und Preise vom Wettbewerb differenzieren.

Günstige Preise sind in der Regel aber kein Hebel, da die britischen Anbieter ja allesamt Eigenmarken bieten. Marks&Spencer beispielsweise verkauft ausschließlich Eigenmarken, bei Asos beträgt der Anteil der exklusiven Produkte etwa 50 Prozent am Sortiment (siehe Tabelle). Beim Sortiment angreifbar sind zwar prinzipiell Anbieter wie Debenhams oder Next, die neben Eigenmarken auch Fremdmarken führen wie Adidas   oder Puma  . Doch auch solche Konkurrenten können deutsche Shopbetreiber nicht einfach mit günstigeren Preisen unterbieten, wenn die Wettbewerber nach wie vor ein exklusives (Teil-)Sortiment führen.

Auch über das Sortiment können sich deutsche Onlinehändler daher kaum gegen die britische Invasion verteidigen - auch wenn das die von iBusiness befragten Onlinehändler ein klein wenig anders sehen.

Die Deutschland-Strategien der britischen Onlinehändler im Vergleich

HändlerAsosDebenhamsMarks&SpencerNext
Verkäufe nach DeutschlandSeit 2001keine AngabenSeit 2008keine Angaben
Deutscher ShopSeit 2010Seit 2012Seit 2012keine Angaben
ZielgruppeKunden zwischen 16 und 34 JahrenKunden mittleren AltersKunden mittleren AltersKunden mittleren Alters
Deutsches Angebot60.000 Produktekeine Angaben15.000 Artikelkeine Angaben
Anteil Eigenmarken50 Prozentkeine Angaben100 Prozentkeine Angaben
VersandlagerBerlin (ab Juli)UKUKUK
LieferzeitInnerhalb von vier Werktagen5-6 Arbeitstage4-6 ArbeitstageInnerhalb von vier Tagen
Versandkostenkein Porto4,90 Eurokein PortoGratisversand ab 20 Euro Bestellwert
Zahlverfahren (u.a.)Rechnung, Paypal, Kreditkarte, SofortüberweisungPaypal, KreditkarteRechnung, Sofortüberweisung, KreditkarteRechnung, Paypal, Kreditkarte
Native SpeakerLokales Team für PR und Marketing in Berlinkeine AngabenZwei deutsche Marketing-Manager in London, kein Team vor Ort in Deutschlandkeine Angaben
WerbewegeOnline-Marketing, PR-Arbeitkeine Angabenkeine Angabenkeine Angaben
Bedrohung für (u.a.)Bonprix  
H&M  
Zalando  
Otto  
Conleys  
Breuninger  
Otto  
Conleys  
Breuninger  
Otto  
Conleys  
Breuninger  

"Unser Wettbewerbsvorteil ist ganz eindeutig unsere einzigartige Produktauswahl, die es so weltweit nur bei uns gibt", argumentiert Jens Riewenherm , Managing Director des Münchner Luxusmode-Versenders myTheresa.com  , dessen ausländische Konkurrenten aus Großbritannien (Net-a-Porter  ) und Italien (Yoox  ) stammen.

In die gleiche Kerbe schlägt Ulf Cronenberg , Geschäftsführer der deutschen Creatrade Holding  , die beispielsweise im Fashion-Shop Conleys   neben Fremd- auch Eigenmarken anbietet. "Die Marken der Creatrade Holding verfügen jeweils über eine eigene Kundenbasis, ein uniques Sortiment und eine spezifische Ansprache", erklärt Cronenberg. "Die Wettbewerbsfähigkeit der Marken basiert auf ihrer spezifischen Identität und wird an diesen Kriterien ausgerichtet und ständig ausgebaut - unabhängig davon, ob andere Anbieter, die mit uns im Wettbewerb stehen, aus Deutschland oder aus dem Ausland kommen."

Das sieht auch die Otto-Tochter Bonprix   so. "Wir sind in 27 Ländern aktiv und sehen uns mit unserem Geschäftsmodell sehr gut aufgestellt", erklärt der für internationales Marketing verantwortliche Jan Starken auf die Frage, wie man sich gegen den zunehmenden Wettbewerb aus dem Ausland wappnen will. "Unsere Kundinnen schätzen, dass sie mit unseren Eigenmarken Modetrends zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis erstehen können."

Fashion-Experte Seeger: Wettbewerb wird zunehmen

Wenn sich Kunden aber beispielsweise für Mode von ausländischen Anbietern interessieren, müssen sie gezwungenermaßen dort zuschlagen. Und da in der Regel das Budget der Kunden begrenzt ist, dürfte dadurch den einheimischen Anbietern Umsatz verloren gehen - was nach Einschätzung von Fashion-Experten zunehmend der Fall sein wird. Schließlich verkaufen Unternehmen wie der irische Textil-Discounter Primark   in Deutschland bislang erst im stationären Einzelhandel und dürften daher ebenfalls in Kürze im heimischen ECommerce-Markt mitmischen.

"Im Zusammenhang mit der vom Konsumenten gern zelebrierten Individualisierung stehen neue Labels hochwertiger und angesehener ausländischer Händler hoch im Kurs", beobachtet Axel Seeger , Partner bei der auf den Bekleidungshandel spezialisierten Unternehmensberatung Tailorit  . "Durch Mode dieser Anbieter können sich Kunden als "State of the Art" und Fashion Victim outen."

Ähnlich argumentiert Sylvia Dömer von der Unternehmemsberatung Retailoring   , die Onlinehändler beim Mode-Einkauf berät. "Da die deutsche Handelslandschaft unter der Monotonie von Esprit, S.Oliver, Street One, Tom Tailor etc. in den Innenstädten leidet und sich langsam aber sicher die immer wieder gleichen Marken im E-Commerce wiederfinden, hat sich großes Interesse der deutschen Kunden nach alternativen Marken gebildet", beobachtet sie. "Außerdem kennt der reisefreudige Deutsche viele ausländische Marken und freut sich, dass er sie nun über das Internet bekommt."

Heikel: Kooperationen mit ausländischen Anbietern

Von diesem Trend können ihr zufolge aber einheimische Händler auch profitieren. Eine Strategie wäre daher, das Sortiment der Konkurrenten selbst ins Angebot zu nehmen - frei nach dem Motto: Wenn du deinen Feind schon nicht besiegen kannst, dann umarme ihn. "Die deutschen Händler suchen händeringend nach neuen Marken, um ihren Vorsprung der Markenkompetenz weiter auszubauen", argumentiert sie. "Für ausländische Anbieter wiederum stellen Kooperationen eine schnelle Einstiegsmöglichkeit dar."

Freut sich über die Konkurrenz aus dem Ausland: Otto-Vorstand Michael Heller

Der Otto-Versand beispielsweise fährt diese Strategie und verkauft hierzulande unter anderem in seinem Onlineshop die Mode von Next.

"Dass immer mehr internationale Anbieter ihre Fashion-Sortimente auch in den deutschen Markt bringen, stört uns gar nicht", betont daher Michael Heller , Bereichsvorstand Categories bei Otto und stellvertretender Sprecher des Hamburger Versandhändlers.

"Viele von ihnen schätzen die Reichweite von otto.de und sind bereits als Partner bei uns gelistet", argumentiert er auf Nachfrage von iBusiness. "Sie profitieren von unserer Online-Plattform und sparen sich dadurch unter anderem die Investition in ein eigenes CRM und Performance-Marketing."

Kooperationen mit ausländischen Anbietern - wie sie Otto beispielsweise mit der britische Mode-Marke Next führt - dürften aber künftig eher die Ausnahme als die Regel sein. Denn zum einen machen einheimische Händler die ausländischen Wettbewerber unter Umständen erst recht stark, wenn sie ihnen ihre Reichweite bieten. Zum anderen wollen viele der von iBusiness befragten ausländischen Händler auch gar nicht über Onlineshops von deutschen Anbietern verkaufen.

"Wir planen nicht, unsere Ware über andere ECommerce-Plattformen in Deutschland anzubieten", argumentiert auf iBusiness-Nachfrage stellvertretend Aoife Caffrey , verantwortlich für die internationalen PR-Aktitvitäten bei Asos. "Unsere Marke ist einzigartig und unsere Produkte sollen Kunden im Internet nicht bei anderen Anbietern bekommen".

Im Ausland kaufen Deutsche nicht, weil sie hohe Versandkosten abschrecken (Bild: eBay)
Bild: eBay
Im Ausland kaufen Deutsche nicht, weil sie hohe Versandkosten abschrecken

Erschwerend ist das nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass sich deutsche Onlinehändler auch beim Service nur schwer von ausländischen Konkurrenten differenzieren können. So zeigt die iBusiness-Tabelle, dass bereits heute viele Wettbewerber aus dem Ausland versandkostenfrei liefern - schließlich lassen sich Portokosten bei Eigenmarken geschickt in die Produktpreise einkalkulieren, ohne dass es Kunden merken.

In vielen Fällen müssen Kunden zwar vergleichsweise lange auf ihre Pakete warten. Wenn es die Ware aber bei keinem anderen Anbieter gibt, dürften Kunden lange Wartezeiten durchaus in Kauf nehmen. Kriegsentscheidend ist daher wohl auch nicht, dass viele ausländische Versender ihren deutschen Kunden den hierzulande beliebten Kauf auf Rechnung verwehren. Zumindest heute noch. Schließlich hat beispielsweise auch Asos den Rechnungskauf erst im vergangenen Herbst eingeführt.

Auch lange Lieferzeiten sind nicht in Stein gemeißelt: Sobald das Deutschland-Geschäft eine kritische Masse erreicht, dürften auch weitere Versender eigene Logistikzentren in der Bundesrepublik eröffnen. Zwar hat bislang keiner der von iBusiness befragten ausländischen Anbieter entsprechende Pläne. Das dürfte aber auch damit zusammenhängen, dass viele Anbieter erst seit kurzer Zeit einen deutschen Shop betreiben - während Asos beispielsweise bereits seit über zehn Jahren nach Deutschland verkauft (siehe Tabelle). "Der Wettbewerbsdruck wird für deutsche Händler weiter zunehmen", fürchtet daher auch Fashion-Experte Seeger.

Mit Offline-Marketing lassen sich die Konkurrenten schlagen

Dennoch ist gegen ausländische Anbieter ein Kraut gewachsen. Schließlich müssen Konkurrenten aus dem Ausland kräftig in Marketing investieren, um ihre eigenen Onlineshops bekannt zu machen und Begehrlichkeiten bei deutschen Kunden für ihre Eigenmarken zu wecken. Doch momentan setzen ausländische Anbieter bevorzugt noch auf kleine Hebel wie Performance-Marketing oder PR-Arbeit, während einheimische Konkurrenten wie Bonprix, Otto oder Zalando momentan kräftig in TV-Kampagnen investieren. Darin liegt eine große Chance: Denn deutsche Onlinehändler können ihre Marke im Idealfall so sehr bei ihrer Zielgruppe verankern, dass Kunden zum Mode-Shopping direkt die Onlineportale von Bonprix, Otto und Zalando aufsuchen. In diesem Fall starten Kunden dann ihre Kaufvorbereitung erst gar nicht bei Suchmaschinen wie Google   - wo beispielsweise ausländische Konkurrenten wie Asos mit Adwords werben und dadurch Verbraucher abfangen können.

Gegen-Strategie: Eigene Expansion ins Ausland beschleunigen

Möglicherweise ist auch Angriff die beste Verteidigung. "Wehren können sich deutsche Online-Retailer durch eine sinnvoll betriebene Internationalisierungsstrategie", argumentiert beispielsweise Fashion-Experte Seeger.

Stellt sein Unternehmen international auf: myTheresa-Manager Jens Riewenherm

Ähnlich argumentiert auch myTheresas Managing Director Riewenherm. "Als internationales Unternehmen erwirtschaftet mytheresa.com bereits mehr als 70% des Gesamtumsatzes im Ausland", berichtet er gegenüber iBusiness. "Dieser Anteil wächst überproportional."

Zwar sind auch weitere einheimische Mode-Versender wie Zalando bereits in vielen europäischen Ländern aktiv. Andere Fashion-Spezialisten wie die norddeutsche Creatrade Holding   dagegen betreibt beispielsweise für ihre Händlermarke Conleys   (Motto: "The Fashion Online Store") bislang erst einen deutschsprachigen Onlineshop.

"Für unsere Marken sehen wir aktuell noch viel Potenzial in der DACH-Region", argumentiert Creatrade-Chef Cronenberg. "Kurzfristig ist deshalb kein weiterer Ausbau geplant."

Eine Expansion ins Ausland kann sich aber nicht nur als sinnvoll erweisen, weil zunehmend britische Marken und Händler die deutschen Kunden ins Visier nehmen. Auch in Österreich und den Niederlanden machen Onlinehändler mobil, was einheimischen Shopbetreibern künftig das Leben schwerer machen könnte. Kein Wunder: Einerseits fallen die Sprachbarrieren bei einer Expansion nach Deutschland gering aus. Zum anderen sind die Umsatzperspektiven in Österreich und den Niederlanden begrenzt.

Welche ausländischen Onlinehändler man ebenfalls im Blick behalten sollte

HändlerBlue TomatoFonqYooxNelly
Verkäufe nach Deutschlandkeine AngabenSeit 2012Seit 2000Seit 2010
Deutscher Shopkeine AngabenSeit 2012Seit 2000Seit 2010
SortimentStreet- und SportswearAccessoires, DIY, HaushaltswarenLuxusmodeMode
Deutsches Angebotkeine Angabenkeine Angabenkeine Angabenkeine Angaben
Anteil Eigenmarkenkeine Angabenkeine Eigenmarkenkeine Angabenkeine Angaben
VersandlagerGraz (AT)Utrecht (NL)Bologna (IT)Falkenberg (SE)
Lieferzeit2-5 Werktage2-3 Werktage4-6 Arbeitstage2-4 Werktage
Versandkostenab 40 Euro kein Portoab 50 Euro Bestellwert gratis13 Euro5,95 Euro
Zahlverfahren (u.a.)Kreditkarte, Vorkasse, Sofortüberweisung, Nachname, PaypalVorkasse, Rechnung, Paypal, Kreditkarte, SofortüberweisungKreditkarte, Paypal, Nachnahme, SofortüberweisungPaypal, Kreditkarte, Rechnung, Sofortbanking
Native Speaker...5 Muttersprachler, 1,5 Stellen in Deutschlandkeine AngabenMuttersprachler im Team, aber nicht vor Ort
Werbewegekeine AngabenAffiliate, AdWords, Social, NewsletterOnline-Marketing, PROnline-Marketing, TV, PR
Bedrohung für (u.a.)Frontlineshop  
Planet Sports  
GartenXXL  
Butlers  
myTheresa  Zalando  
Otto  
Conleys  
BesonderheitBlue Tomato betreibt bereits acht stationäre Filialen in Deutschland.Fonq nutzt Online-Marktplätze, um Reichweite und Vertrauen aufzubauen.Die Yoxx-Gruppe betreibt auch noch die Portal Thecorner   und Shoescribe  Hinter Nelly.com steht die CDon-Gruppe  , die in Deutschland auch den Fitness-Shop Gymsector   betreibt.

Laut einer Studie des EHI Retail Institute   haben die einhundert größten österreichischen Onlineshops im Jahr 2012 zusammen gerade einmal einen kumulierten Gesamtumsatz von 1,8 Mrd. Euro   erzielt - während die Top 100 der deutschen Onlinehändler im selben Zeitraum auf eine stattliche Summe von 18,5 Mrd. Euro kommen. In den Niederlanden wiederum hat der Marktführer Wehkamp mit seinem Universalangebot im vorletzten Geschäftsjahr 2012/2013 (Ende: 31. März) einen Umsatz von deutlich unter 500 Mio. Euro eingefahren. Zum Vergleich: Hierzulande kommt allein der Otto-Versand mit einem vergleichbaren Sortiment auf einen ECommerce-Umsatz von 1,8 Mrd. Euro im Jahr.

Der Onlineshop Fonq soll in Deutschland eine große Nummer werden (Bild: Screenshot)
Bild: Screenshot
Der Onlineshop Fonq soll in Deutschland eine große Nummer werden

Seit kurzem auf dem deutschen Markt aktiv ist beispielsweise der niederländische Online-Pureplayer Fonq  , der Accessoires, Gartenbedarf und Haushaltswaren anbietet (siehe Tabelle). Das Angebot an Fremdmarken wie Gardena   oder Philips   wirkt zwar austauschbar. Unterschätzen sollte man die Holländer aber nicht.

Zum einen gehört Fonq seit wenigen Monaten komplett der holländischen Handelsgruppe RFS Holland Holding  , die bereits hinter Dickschiff Wehkamp steht und damit über reichlich ECommerce-Erfahrung verfügt.

Zum anderen verkaufen die Holländer bereits heute - im Gegensatz beispielsweise zu den britischen Fashion-Versendern - über alle wichtigen deutschen Online-Marktplätze wie MeinPaket.de  , Amazon  , Rakuten und Hitmeister  , so dass Fonq aus dem Stand ein Millionenpublikum erreichen und nach und nach seine Händlermarke hierzulande bekannt machen kann.

"Wir vergrößern unser Team und wollen bei unserem Sortiment zu einem der zehn größten Onlinehändler in Deutschland werden", sagt Fonq-Gründer Patrick Kerssemakers . Kein Wunder: Durch die räumliche Nähe - das Lager in Utrecht liegt nur 100 Kilometer entfernt von der Grenze - können die Holländer bereits heute deutsche Kunden in zwei bis drei Tagen beliefern.

Chance: Hohe Retourenquoten vermiesen ausländischen Anbietern das Geschäft


Nicht unterschätzen sollte man auch den österreichischen Multichannel-Händler Blue Tomato  , der mit seinem Spezialsortiment rund um Street- und Sportswear gegen deutsche Anbieter wie Planet Sports   oder den Frontlineshop   antritt.

Kein deutscher Onlineshop mehr: Simply Be konzentriert sich wieder auf UK (Bild: Screenshot)
Bild: Screenshot
Kein deutscher Onlineshop mehr: Simply Be konzentriert sich wieder auf UK

Weil die Österreicher eigentlich ihre Wurzeln im Snowboard-Sport haben, hatte sich das Geschäft lange Zeit auf die Alpenrepublik konzentriert. 2012 hat sich der Fokus aber verschoben, nachdem der US-amerikanische Sportartikelhändler Zumiez   die Österreicher übernommen hatte. So hat das Unternehmen stark expandiert und betreibt heute bereits acht Filialen in Deutschland.

Weitere Konkurrenten sind zum Glück aber vorerst nicht in Sicht. Denn holländische Big Player wie Wehkamp konzentrieren sich zum einen auf ihren Heimatmarkt. Zum anderen wird der österreichische Markt von Tochtergesellschaften deutscher Händler wie Conrad   , Otto, Weltbild   und Zalando dominiert, die hierzulande ja bereits vertreten sind.

Obendrein müssen ausländische Onlinehändler erst einmal beweisen, dass sie überhaupt im deutschen Markt bestehen können. Denn die britische Versandhandelsgruppe N Brown   hat sich in Deutschland zum Beispiel durchaus eine blutige Nase geholt.

So wurde der deutsche Onlineshop der Große-Größen-Marke Simply Be   nach wenigen Jahren kürzlich wieder eingestampft, weil die Briten in Deutschland mit einer Retourenrate von 60 Prozent zu kämpfen hatten.

So ein Wert ist hierzulande zwar üblich, in Großbritannien wird dagegen weitaus weniger retourniert. Kein Wunder: Denn hierzulande wird weitaus mehr auf Rechnung gekauft als in anderen europäischen Ländern, sodass Kunden einfach mehr Ware bestellen können als sie überhaupt brauchen - bezahlen müssen sie ja erst, wenn sie Ware behalten wollen. Und durch den vergleichsweise teuren Rückversand nach UK hat sich das Geschäft für N Brown nicht mehr gerechnet. Was wiederum auch ein Grund ist, warum Asos nach Berlin zieht. Denn von hier aus können die Briten nicht nur schneller liefern. Sondern auch Retouren günstiger abwickeln.

Vier Szenarien zur Gefährdung deutscher Onlinehändler durch ausländische Konkurrenten

Best-Case-Szenarien
Worst-Case-Szenarien
Aktiv
40%
Best-Case-Szenario

Einheimische Händler starten Gegen-Offensive

Deutsche Onlinehändler treten gegen ausländische Konkurrenten an, indem sie den Spieß umdrehen und selbst verstärkt ins Ausland expandieren. Um sich Alleinstellungsmerkmale zu verschaffen, müssen Händler allerdings in Eigenmarken investieren und Kunden dafür begeistern können - was nur einem Bruchteil der Onlinehändler gelingen wird.

Aktiv
20%
Worst-Case-Szenario

Deutsche und ausländische Anbieter verbünden sich

Einheimische Shopbetreiber sehen die zunehmende Konkurrenz als Chance, um ihr eigenes Onlinesortiment aufzuwerten. Aus diesem Grund schließen deutsche Händler immer öfter Allianzen mit ausländischen Anbietern und nehmen deren Marken ins Sortiment. Wenn der ausländische Partner einen eigenen Shop für deutsche Kunden aufsetzt, wandern diese mit und einheimischen Händlern geht Umsatz verloren.

Passiv
30%
Best-Case-Szenario

Ausländische Anbieter ziehen sich wieder zurück

Der deutsche ECommerce-Markt wird für ausländische Händler immer attraktiver, sodass diese verstärkt in die Bundesrepublik expandieren. In der ersten Euphorie übersehen ausländische Anbieter allerdings, dass deutsche Kunden zum Beispiel sehr viel retournieren. Ausländische Anbieter müssen sich eingestehen, dass sich das Geschäft in Deutschland nicht rechnet und ziehen sich wieder zurück.

Passiv
10%
Worst-Case-Szenario

Deutsche Händler unterschätzen die Gefahr

Ausländische Anbieter überrollen den deutschen ECommerce-Markt und rauben einheimischen Händlern die Kunden. Diese wechseln zu ausländischen Anbietern, weil sie dort neben einem Standardsortiment an Fremdmarken auch exklusive Eigenmarken bekommen. Deutsche Onlinehändler halten an ihren bestehenden Geschäftsmodellen fest und verlieren zunehmend Marktanteile.

Thema: Konkurrenz aus dem Ausland: Wen deutsche Onlinehändler künftig besonders fürchten müssen

Kommentar von sr

Angriff ist die beste Verteidigung

Ausländische Onlinehändler erschweren einheimischen Shopbetreibern zunehmend das Geschäft. Das ist doppelt ärgerlich. Denn zum einen können deutsche Onlinehändler die Invasion aus dem Ausland nicht aufhalten. Und zum anderen stehen Shopbetreiber der zunehmenden Konkurrenz oft machtlos gegenüber. Weshalb deutsche Onlinehändler den Spieß umdrehen müssen.

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 (Boris Giesl)
Bild: Boris Giesl
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