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Versandhandelsstudie: Wer die Gewinner sind
06.07.2007 Ohne das Wachstum beim Onlinehandel wäre bei der Vorstellung der Jahreszahlen des Versandhandels Heulen und Zähneklappern ausgebrochen. Während der klassische Versandhandel zurückgeht, boomt der Online-Handel. Besonders stark wächst das Ebay-Powerseller-Geschäft. Experten gehen jetzt davon aus, dass schon bald der Online- den Kataloghandel überholt. Und dass jeder vierte Handels-Euro im Internet umgesetzt wird.
Der Online-Handel konnte im Vergleich zum Vorjahr von rund 10 Milliarden Euro auf 10,9 Milliarden Euro (plus neun Prozent) zulegen. Und erreicht damit einen Anteil von 39,5 Prozent am gesamten Versandhandel. Damit ist eines klar: "Händler die sich bisher nur auf den Katalogversand stützen, müssen schnellstmöglich umdenken", erklärt Roland Fesenmayr , Vorsitzender der Fachgruppe ECommerce vom BVDW gegenüber iBusiness.
Er geht davon aus, dass sich die verschiedenen Channel immer stärker verzahnen. Seiner Ansicht nach wird der Kataloge zwar nicht aussterben, aber der Trend geht dahin, dass "sich Kunden den Kataloge anschauen und anschließend im Internet bestellen."
Das bestätigen die aktuellen Zahlen des Versandhandels: Auch wenn die Verbraucher ihre Bestellung über das Internet oder E-Mail aufgeben, haben doch 73 Prozent (Vorjahr: 71,4 Prozent) von ihnen zuerst in den Katalog geschaut.
Im Vergleich zum Vorjahr verlief die Entwicklung sich die einzelnen Marktbereichen unterschiedlich. Den meisten Umsatz erwirtschaften die Multi-Channel-Versender, die ihre Waren per Katalog und Internet anbieten. Mit einem Minus von 0,5 Prozent und einem Gesamtumsatz von 17,4 Milliarden Euro können sie ihren Vorjahreswert (17,5 Milliarden Euro) nahezu unverändert halten.
Der Umsatz der Teleshopping-Versender geht um 17,7 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro (Vorjahr 1,29 Milliarden Euro) zurück, während die reinen Internetversender (Internet-Pure-Player) ihren Platz als zweitstärkste Gruppe ausbauen und ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf rund 3,3 Milliarden Euro (Vorjahr rund drei Milliarden Euro) steigerten. Noch dynamischer entwickelten sich die Ebay-Powerseller mit einem Umsatzplus von 26 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro (Vorjahr: rund zwei Milliarden Euro).
Pro Kopf geben die Deutschen im Jahr den neuen Rekordwert von 335 Euro (Vorjahr: 318 Euro) für Waren im Versandhandel aus. Die meisten Bestellungen werden über das Web aufgegeben (48 Prozent), gefolgt von Bestellungen via Telefon (39 Prozent), Brief und Postkarte (zehn Prozent), E-Mail (sechs Prozent) und Fax (drei Prozent).
- Bekleidung, Textilien und Schuhe sind mit rund 12,4 Milliarden Euro Umsatz (plus zwei Prozent, Vorjahr: 12,1 Milliarden Euro) weiterhin die größte Warengruppe. Etwas mehr als jedes fünfte Kleidungsstück wird in Deutschland über den Versandhandel verkauft.
- Der Gesamtumsatz mit Medien verbessert sich um 12 Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro.
- Der drittgrößte Umsatzanteil wird mit Unterhaltungselektronik und -technik erreicht (2,1 Milliarden Euro, Vorjahr: rund zwei Milliarden),
- gefolgt von Möbeln und Dekorationsartikeln (2,0 Milliarden Euro, Vorjahr: 1,7 Milliarden Euro) sowie
- Produkten aus dem Bereich Hobby, Sammeln und Freizeit (rund 1,8 Milliarden Euro, Vorjahr: 1,4 Milliarden Euro).
Neben den Bestellungen im Online-Versandhandel (Umsatz: 10,9 Milliarden Euro) geben die Deutschen zusätzlich pro Jahr rund 5,9 Milliarden Euro für digitale Dienstleistungen im Internet aus. Dazu gehören die Handy-Klingeltöne ebensowie der Download von Programen, Musik- und Videodateien sowie Tickets, Urlaubsbuchungen und Fahrkarten.
37 Prozent der Dienstleistungsumsätze entfallen auf den Bereich Mobilität (Flugtickets, Bahntickets, Mietwagen), 34 Prozent auf Reiseausgaben (Pauschalreisen und Übernachtungen), 13 Prozent auf das Ticketing, neun Prozent auf Entertainment ( Download-Musik, Klingeltöne, Spiele) und zwei Prozent auf Software.
HDE und BVDW gehen davon aus, dass der Online-Handel in diesem Jahr 18 Milliarden Euro umsetzt. Fesenmayr: "Mittelfristig gehen wird davon aus, dass er den Versandhandel überholt und die Umsätze im ECommerce auf 100 Milliarden Euro steigen." Das entspricht einem Viertel des gesamten Einzelhandels.
