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Studie Employer-Marketing: Zeitenwechsel bei Agenturen
23.01.2019 Die aktuelle Auswertung des interaktiven Jobmarktes zeigt, dass Agenturen bei der Personalbeschaffung entweder besonders innovativ sind. Oder besonders verzweifelt. Deutschlands Agentur-Geschäftsführer sind inzwischen vor allem auf der Suche nach einer noch rareren Spezies von Mitarbeitern als Programmierern.
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Hatte im März 2018 der deutschsprachige Jobmarkt der Interaktiv-Industrie mit knapp 7.700 gleichzeitig ausgeschriebenen offenen Stellen eine Höchstmarke erreicht - so viele wie noch nie seit Beginn unserer Auswertung im Jahr 2012 - so markierte der Jahreswechsel 2018/2019 mit knapp unter 5.000 offenen Stellen ein Drei-Jahres-Tief.
Zwischen März und September 2018 war die Zahl der gefundenen Stellenanzeigen von Woche zu Woche weniger geworden - um in den Monaten vor Weihnachten wieder die alte Menge zu erreichen. In den Folgewochen rund um die Weihnachtszeit nehmen mehr und mehr Agenturen ihre Stellenanzeigen aus dem Netz. Das ist generell nicht ungewöhnlich, verblüfft jedoch in der Zahl: Die Anzahl der gleichzeitig online sichtbaren Stellenanzeigen von Agenturen stürzt um ein Drittel ab. Erst Mitte Januar 2019 steigt diese Zahl langsam wieder.
Aktuell sind knapp 5.300 Agentur-Stellenangebote auf iBusiness.de/jobs abrufbar. Die hohe Zahl von Interaktiv-Stellenangeboten macht das iBusiness-Jobportal zur weitaus größten Fach-Stellenbörse der deutschsprachigen Interaktivbranche. Es lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt. Die Idee dahinter: Wer einen Mitarbeiter sucht, schaltet eine Stellenanzeige - zumindest auch auf der eigenen Homepage. Hier erfasst sie unser Crawler und stellt sie auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereit - sofern das technisch automatisiert möglich ist.
Der erneute Absturz bestätigt eine ungewohnte Entwicklung, die sich im Spätsommer bereits angekündigt hat. Ungewöhnlich deswegen, weil sich an der Personalnot der Agenturen ja nichts geändert hat. Auch auf der Dmexco war an den Agenturständen nichts davon zu hören, dass der Mitarbeitermangel weniger geworden wäre - im Gegenteil. Auch wenn die Zahl der ausgeschriebenen offenen Stellen von Woche zu Woche schwankt - die Zahl der gesuchten Agenturmitarbeiter wuchs sein 2012 kontinuierlich (und damit die Zahl der von unserem Crawler gefundenen Stellenanzeigen - auch wenn es kaum mehr Agenturen und Dienstleister sind, deren Websites der Crawler auswertet).
Seit 2012 folgte die Entwicklung bei den ausgeschriebenen Stellen dem Bild einer Treppe: Über das Jahr hinweg steigt die Zahl der aktiven Stellenanzeigen wenig bis gar nicht an, bevor sie kurz um den Jahreswechsel sowie nach der Dmexco deutliche Sprünge nach oben macht, um dann rund um den Jahreswechsel einen Ausschlag nach unten zu machen.
Dieses Muster ist immer noch zu erkennen. Allerdings werden die Ausschläge nach unten heftiger. Der Grund dürfte in dem sich ändernden Personalsuchverhalten der Agenturen zu finden sein. Agenturen gehen immer mehr über Active-Sourcing an Kandidaten ran und nutzen auch ihre Mitarbeiter als Corporate Influencer, um neue Talente zu finden. Die Studie Recruiting Trends des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg und des Karriereportals Monster hatte 2018 ermittelt, dass bereits jede fünfte Stelle bei Digitalunternehmen über Active-Sourcing besetzt wird - die restlichen Neueinstellungen werden über klassische Recruiting-Kanäle generiert. Als Top-Kanäle dafür nutzen Unternehmen nach wie vor die eigene Webseite und Internet-Stellenbörsen.
Active-Sourcing wird immer wichtiger, denn: 59,1 Prozent der Kandidaten wollen angesprochen werden, anstatt sich selbst zu bewerben, das entspricht einer Steigerung von 20 Prozentpunkten seit 2012. Ein wesentliches Element im Recruiting und im Active-Sourcing ist inzwischen Social Media. Unternehmen mit expliziter Social-Media-Strategie sind im Active-Sourcing fast doppelt so erfolgreich. Die Top-Performer zeichnen sich dadurch aus, das ihre Mitarbeiter besser geschult, die Zielgruppen besser definiert und die Anschreiben individueller sind. Zusätzlich haben sie das Nachfassen bereits angesprochener Kandidaten sowie die Kontaktaufnahme für ein erstes Gespräch definiert.
Die Agentur-Website verliert an Bedeutung
Die Verlagerung der B2B-Kommunikation (und damit auch der HR-Kommunikation) weg von der klassischen Website, hin zu mobil und sozial ist ein Grund, weswegen der Jobanzeige auf der eigenen Website weniger Stellenwert eingeräumt wird. In Kombination mit einer "Auf die Stellenanzeigen auf unserer Website meldet sich ohnehin kein Mensch"-Mentalität kann das durchaus für solch einen Rückgang sorgen.Der Wiederanstieg der Zahl der ausgeschriebenen Stellenanzeigen nach der Dmexco und jetzt nach der Weihnachtspause ist zumindest ein Indiz dafür, dass das Fachkräfteproblem bei deutschsprachigen Agenturen sicher nicht ausgestanden ist - und dass sie auch wieder mehr Stellen auf ihre Website packen - selbst, wenn sie nicht mehr an den Erfolg einer Jobanzeige dort glauben. Die Hoffnung stirbt auch bei Digital-HR-Verantwortlichen bekanntlich zuletzt. Und verzweifelt genug sind sie immer noch.
Im Januar 2019 sind es - wie auch schon in den vergangenen Jahren - immer noch vor allem die Programmierer (1.375), die von den Agenturen gesucht werden. Hier ist der Rückgang der Stellenanzeigen besonders gering. Dadurch wächst der Anteil der Programmierer am gesamten gesuchten Personal noch einmal deutlich: Inzwischen suchen 27 Prozent aller ausgeschriebenen Stellen von Interaktiv-Dienstleistern und Agenturen einen Programmierer.
Ebenfalls stark gesucht werden Technik-Mitarbeiter (587) und Designer (661). Schaut man in die ausgeschriebenen Funktionen, dann sieht man, dass vor allem Mitarbeiter in der (Software-)Qualitätssicherung gesucht werden sowie Systemadministratoren, technische Berater und Systemingenieure zur Konzeption komplexer Architekturen.
Auf den folgenden Plätzen stehen auf den Personal-Wunschlisten
- Onlinemarketer (465)
- Consultants (370)
- Vertriebsmitarbeiter (354) sowie
- Projektleiter (347)
Hier haben sich allerdings vergleichsweise wenige Änderungen ergeben. Deutlich mehr nachgefragt jedoch sind Mitarbeiter in Administration und Office. Offensichtlich zieht das nach wie vor starke Wachstum der Agenturen nach wie vor einen höheren Overhead nach sich, der mit mehr Mitarbeitern abgefangen werden muss - oder die Agenturgeschäftsführer versuchen die durch den anhaltenden Arbeitskräftemangel schwierig zu findenden Spezialisten durch eine vermehrte Einstellung von Office-Allroundern zu entlasten.
Die Reihung der am dringendsten gesuchten Mitarbeiter zeigt, dass es den meisten Agentur- und Dienstleister-Geschäftsführern vor allem um das Abarbeiten von Onlinemarketing- und ECommerce-Projekten geht. Der ungebrochen hohe Bedarf an Consultants zeigt, dass es in den Projekten wohl vor allem um die margenstarke Beratung rund um digitale Transformation geht. Mitarbeiter für Vertrieb werden von Dienstleistern weniger stark nachgefragt. Offenbar sind die Auftragsbücher voll. Oder, ebenso wahrscheinlich: Man kann gar nicht so viel abarbeiten, wie man wollen würde, weswegen Vertrieb weniger wichtig wird.
Dass Projekte nicht angenommen werden können, weil die Leute fehlen, sie auch abzuarbeiten - das klagen Agentur-Geschäftsführer in so gut wie jedem Gespräch. Da passt die Reihung der gesuchten Mitarbeiterqualifikationen ins Bild. Das bleibt allerdings ein Warnsignal: Denn in einem immer härter umkämpften Markt sollte die Zahl der gesuchten Vertriebsmitarbeiter eher wachsen. Wenn die Zahl der Stellenanzeigen hier bei der Hälfte der Zahl von Januar 2017 liegt, dann ist das als Warnsignal für die Branche zu verstehen: Der Flaschenhals 'Personalgewinnung' droht, nicht nur das Wachstum bei immer mehr Agenturen abzuwürgen - sondern macht sie auch krisenanfällig. Sei es, wenn ein großer Kunde ausfällt, sei es, wenn eine Rezession im Anzug ist, wie das verschiedene Wirtschaftsexperten prognostizieren.
Beim E-Commerce ist die Weihnachtspause vorbei
Bei den ECommerce-Stellenausschreibungen steigt die Zahl der ausgeschriebenen Stellen nach dem Jahreswechsel wieder an. Offensichtlich benötigen Agenturen und Dienstleister jetzt wieder vermehrt Berater und Umsetzer, die in der Folge von bereits abgeschlossenen Digital-Transformationsprojekten bei ihren Kunden nach dem Rechten sehen sollen. Hier liegt der Index aktuell bei 115. Also die Zahl der ausgeschriebenen ECommerce-Stellen liegt 15 Prozent oberhalb der Zahl von Januar 2017.Nach wie vor dient der (B2B-)Onlineshop vor allem im Mittelstand als Herzstück eines digitalen Umbaus. Auch wenn das Knowhow für ECommerce-Prozesse etwas ist, das zunehmend direkt in den Unternehmen selber angesiedelt wird: Alleine scheinen die Unternehmen diese Neuorientierung bei den Geschäftsprozessen nicht zu bewältigen. Der Großteil der bei Agenturen erfassten ECommerce-Stellenanzeigen sind spezielle Entwicklerpositionen und Projektleiter - also klassische Agentur-Servicepositionen für Shopbetreiber.
Standzeit der Stellenanzeigen steigt wieder
Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Der iBusiness-Crawler überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche sichtbar waren. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.
Aktuell liegt die Standzeit der ausgelaufenen Stellenanzeigen bei durchschnittlich 151 Tagen - ein Viertel weniger als im September. Das bedeutet: Die Stellenanzeige, die ein Personalverantwortlicher der Internetwirtschaft heute abschalten lässt, weil die Stelle endlich besetzt worden ist, ist vor fünf Monaten live gegangen. Dieser Wert ist seit Jahren nahezu konstant geblieben, sank im Winter und zieht jetzt wieder an, wie man an der dunkelroten Trendlinie (gleitender 12-Monate-Durchschnitt) erkennt. Die Wechselwilligkeit der Interaktiv-Mitarbeiter steigt seit Jahren und ist traditionell um den Jahreswechsel besonders hoch.
In der Detailauswertung zeigt sich: Besonders schwer zu finden sind SEO-Spezialisten und Programmierer sowie Techniker. Am längsten - knapp sieben Monate - suchen Agenturen allerdings Berater und Consultants. Dass dieser Markt so leergefegt ist, ist neu und nur dadurch zu erklären, dass gegenwärtig einfach alle das margenstarke Geschäft mit der Beratung rund um die Digitale Transformation machen wollen - und die großen Consultingkonzerne den Markt leerkaufen.
Zu: Studie Employer-Marketing: Zeitenwechsel bei Agenturen
Nur eben nicht so wie man es seit Jahrhunderten gemacht hat. Und eben das ist das Problem!
Genau wie in vielen anderen Bereichen auch, wird sich die Wirtschaft auf die neuen Anforderungen umstellen müssen und nicht umgekehrt. Wenn ich bei der Grafik sehe, dass bei Agenturen auf Platz 1 steht "Suche über Social-Media", hab ich ja bereits das Kernproblem. Mitarbeiter kann man nicht länger suchen! Mit Zahlen, Daten & Fakten sind Unternehmen maximal vergleichbar! Agenturen müssen sich wandeln,wenn sie noch Bewerber bekommen wollen. Von Rercruitment-Agenturen zu einem Schmelztiegel aus Werbeagentur, Social-Media und Online-Marketing Center.
Denn das Zauberwort heisst Begeisterung. Nur wer Bewerber begeistert, lange bevor er eine Stellenofferte unterbreitet, wird noch Bewerber bekommen. Also eine authentische & glaubwürdige Arbeitgeber-Marke, die den social proof in den sozialen Medien stand hält! Wir kümmern uns zwar vorwiegend im Bereich Gesundheitswesen, also bei Praxen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Ärzte um die Darstellung als Arbeitgeber-Marke. Aber auch dort sind die meisten nach wie vor erfolglos mit Stellenanzeigen in Jobportalen und Social-Media unterwegs.
Warum? Unter https://www.geruweb.de/personalproblem-im-gesundheitsmanagement/ kann man an einem Beispiel nachlesen, wie Einrichtungen zwar schon vermuten wo der Hase im Pfeffer liegt, aber sich dem noch sehr zögerlich stellen. Das Image das ein Unternehmen bei Bewerbern hat, muss passen und dann auch den Bewerbern unterhaltsam und Social-Media-gerecht präsentiert werden.
Einmal mehr werden Unternehmen jetzt bestraft die sich aus Bequemlichkeit, Angst oder Unkenntnis aus allen sozialen Medien bewusst rausgehalten haben. Erst waren es die Kunden die sie dort verloren haben. jetzt sind es die Arbeitskräfte.
Wenn es dabei bleibt, werden nur noch junge innovative Startups überhaupt qualifizierte Bewerber bekommen. Denn die verstehen, dass Work-Life-Balance und Wohlfühlfaktor inkl. Emotionen auf vielen Ebenen heute wichtiger sind als 1,5€ mehr oder weniger die Stunde!
