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Elf Gender-Commerce-Trends: Warum alle Shops weiblicher werden müssen
03.07.2014 Keine Zielgruppe wird im E-Commerce so sehr übergangen wie die Frauen. Bisher. Denn erste Shops fangen jetzt an, die User Experience besser auf weibliche Vorlieben zuzuschneiden. Warum alle anderen nachziehen und den Frauen gerecht werden müssen. Wie der optimale Onlineshop der Zukunft aussieht, zeigen elf Gender-Commerce-Trends.
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Das soll sich dank Gender-Commerce nun ändern. Immer mehr Onlineshop-Betreiber erkennen nämlich, dass Frau anders angesprochen werden will. Der weibliche Faktor soll Shops einen entscheidenden Vorteil in der bevorstehenden ECommerce-Konsolidierungswelle verschaffen. Denn immer noch viel zu wenig Shops berücksichtigen ihn beziehungsweise immer noch die meisten Shops sind eindeutig männlich geprägt.
Frauen werden zu einer immer wichtigeren Zielgruppe im Netz - und das nicht nur für Mode- und Bücher-Shops. Das zeigt unter anderem die Studie KauFrausch 2013 von der Agentur Rascasse , dem BEVH und der GIM Gesellschaft für innovative Marktforschung , die das geschlechtsspezifische Einkaufsverhalten untersucht hat:
- Sie besagt, dass Frauen durchschnittlich 4,4 Stunden pro Woche in Onlineshops verbringen. Männer nur mickerige 3,5 Stunden.
- Das Gesamteinkaufsbudget pro Quartal von Frauen ist gestiegen (von 629 auf 671 Euro zwischen 2012 und 2013). Währenddessen ist das der Männer gleich geblieben. Dieses Zusatzbudget investieren die Frauen laut der Studie ausschließlich im Onlinehandel. Das legt die These nahe, wonach es bei weiblichen Kunden auch weiterhin ungenutzte Budgetpotenziale im E-Commerce geben wird.
- Die Erwerbsquote deutscher Frauen steigt stetig: Zwischen 1999 und 2013 ist sie von 57 auf 69 Prozent gewachsen. Entsprechend wird auch deren Kaufkraft immer größer.
- Die Bereitschaft der Frauen, auch sehr teure Produkte online zu kaufen, steigt ebenfalls: Während 2012 das teuerste online gekaufte Produkt der befragten Frauen noch bei 614 Euro lag, kostete es ein Jahr später bereits knapp 900 Euro.
Dennoch: In vielen Bereichen hinken die weiblichen Onlineshopper den männlichen hinterher. Das ist sicherlich zum Teil auf das durchschnittlich größere Einkommen der Männer und auf deren Affinität zu Technikprodukten zurückzuführen, die zumeist hochpreisig sind. Aber vielleicht hat auch die überwiegend männlich geprägte Shopgestaltung einen Anteil daran:
- Die Warenkörbe von Männern sind insgesamt größer als die von Frauen. Die Ausgaben pro Quartal lagen 2013 bei 570 Euro (2012 waren es noch 630). Ihr Gesamtbudget ist mit knapp 860 Euro im Jahresvergleich stabil geblieben.
- Männer kaufen mehr teure Produkte wie Elektronikartikel. In dieser Warengruppe mit dem tendenziell höchsten Warenwert pro Produkt im E-Commerce liegen die Männer 16 Prozent vor den Frauen. Kein Wunder also, dass der Preis für das höchstbezahlte online gekaufte Produkt im Schnitt bei knapp 1.500 Euro lag, während die Frauen nur auf knapp 900 kommen.
- Nicht nur in der Kategorie Unterhaltungselektronik kaufen Männer mehr: Auch für den E-Commerce mit Lebensmitteln, Autozubehör, Dienstleistungen allgemein, Finanzdienstleistungen im Speziellen und Autos sind Männer affiner.
Die Zahlen zeigen, dass bei den Frauen im Onlinehandel noch Luft nach oben ist. Denn sie werden in Zukunft nicht nur mehr Budget zur Verfügung haben. Händler sollten es auch schaffen, die Frauen für nicht typisch weibliche Produktkategorien stärker zu begeistern. Und das geht nur durch eine neue Herangehensweise an die Shopgestaltung. "Frauen wollen Beratung, Inspiration und zum Beispiel im Fashionbereich komplette Looks für spezielle Lebenssituationen", sagt Carlo Bonati, Head of Consulting der Marketingagentur Unic . "Das können die listenartig gestalteten Shops, die wir heute vorwiegend finden, nicht leisten." Dadurch geht den Händlern viel Potenzial durch Spontankäufe verloren.
Zwar gibt der Markt inzwischen etliche Studien zur optimalen Ansprache von Frauen her. Doch umgesetzt wurde von den Erkenntnissen bisher wenig. "Um einen Onlineshop entsprechend neu zu gestalten, braucht es erhebliche Investitionen", begründet der ECommerce-Experte. "Viele Händler verschieben diese Umgestaltung auf den nächsten Relaunch."
Ob in den nächsten zwölf Monaten oder den kommenden drei Jahren - es ist nur eine Frage der Zeit, bis immer mehr Händler weibliches Design in ihren Webshop integrieren und mit dem bisherigen in Einklang bringen. Schon heute ist es für jeden Onlinehändler höchste Zeit, sich zum Thema Gender-Commerce Gedanken zu machen und einen Plan aufzustellen, wie der eigene Shop weiblicher wird. Wie das geht, zeigen die folgenden elf Erkenntnisse:
1. Frauen stöbern
Während Männer im E-Commerce vor allem deutlich zielstrebiger vorgehen, lassen sich Frauen eher von Marken leiten und anregen. Auch online gehen viele Frauen aus Spaß shoppen statt einzukaufen. Die KauFrausch-Studie bringt zutage, dass 30 Prozent der Frauen ohne echte Kaufabsicht auf Shoppingseiten gehen. Sie wollen sich beim Stöbern entspannen. Unter den Männern stimmten hier nur 10 Prozent zu. Das hat die User Experience-Designerin Razan Sadeq vom Onlineshopping-Portal Stylight ebenfalls beobachtet: "Selbst wenn Frauen nicht die Absicht haben, explizit etwas zu kaufen, kommen sie regelmäßig zurück auf die Webseite, um zu stöbern und Mode zu entdecken. Sie schaffen so eine aktive Nutzerbasis."
"Frauen schauen gern über den Tellerrand des eigentlichen Bedürfnisses hinaus", so formuliert es Carlo Bonati. Sie überlegen vor einem Kauf länger hin und her, vergleichen Shops und Bewertungen, bevor sie sich zum Kauf entschließen - oder eben nicht. Deshalb kommt es bei Frauen seltener vor, dass sie nicht mehr als einen Klick bis zum Kauf benötigen (35 Prozent). Bei den Männern sind es 42 Prozent, fand Intelliad in einer Customer-Journey-Analyse heraus.
Wie Shops dem gerecht werden:
Ein positives Einkaufserlebnis bieten, passende oder alternative Produkte anzeigen ('Kunden kauften auch ...'), Bewertungen anzeigen, viele Fotos, detaillierte Beschreibungen, persönliche Produktempfehlungen auf allen Kanälen.
Und die Männer?
Sie werden von den Online-Cross-Selling-Angeboten, weiteren Infos etc. nicht gestört, sondern freuen sich bei Bedarf ebenfalls über den Mehrwert.
2. Frauen sind anspruchsvoller
Weil Frauen aus Spaß an der Freude online shoppen und wesentlich mehr Zeit in den Shops verbringen, legen sie viel Wert auf ein tolles Einkaufserlebnis. Razan Sadeq: "Frauen sind anspruchsvoller in Bezug auf die Onlineshopping-Erfahrung als Männer. Sie wünschen sich ein glamouröses Einkaufserlebnis." In fast allen Punkten, besonders im Detail, sind die Ansprüche höher als die der Männer:
- Sie legen Wert auf gute Fotos aus allen Blickwinkeln und im Nutzungskontext, auf denen sie viele Details wie die Textur erkennen können.
- Sie wünschen sich besonders detaillierte Beschreibungen. Zum Beispiel genaue Längen, Gewicht, sonstige Maße, Haptik der Kleidung. Auch Beschreibungen nach dem Motto 'unser Model ist 175 Zentimeter groß und trägt Größe 36' helfen ihnen.
- Bildliche oder schriftliche Nutzungsszenarien unterstützen bei der Kaufentscheidung.
- Bewegtbild ist ein weiterer guter Einkaufshelfer für Frauen.
- Da viele Shops unzählige schwarze Pumps oder weiße Couchtische anbieten, sind gute Filtermöglichkeiten wertvoll.
- Frauen wählen den Shop eher nach den Bezahlverfahren aus als Männer. Bevorzugt ist der Kauf auf Rechnung.
- Da Frauen tendenziell mehr retournieren, ist die kostenlose Retoure ein wichtiges Kriterium.
- Die Benutzerfreundlichkeit der Website ist Frauen wichtiger als Männern.
- Frauen freuen sich über eine tolle Verpackung, zum Beispiel Seidenpapier im Karton oder eine persönliche Karte. Es wirkt hochwertiger und reduziert Retouren.
- Einfache Retoure lässt zwar die Rücksendungen ansteigen, erhöht aber auch die Zufriedenheit der Frauen.
Gute Usability, informative, hochwertige Produktbeschreibungen, szenische/praktische Produktbeschreibungen, viele Bezahlverfahren.
Und die Männer?
Sie profitieren ebenfalls von den genaueren Beschreibungen. Auch viele Männer legen auf diese Shopfeatures Wert, wenn auch nicht ganz so deutlich wie Frauen.
3. Frauen wollen Inspiration
Im Gegensatz zu den sterilen Produktlisten, die wir heute im E-Commerce sehen, wünschen sich Frauen einen inspirativen Zugang zu den Produkten. Bevor sie sich durch 768 Kleine Schwarze klicken, die auf weißem Hintergrund fast gleich aussehen, lassen sie sich lieber durch die ansprechend aufbereiteten Microsites "Party" oder "Business-Event" inspirieren. Denn sie zeigen nicht nur Kleidung, sondern Looks im Kontext. Gleiches gilt für Wohnaccessoires, die eher nach Stilen statt nach Produkten geordnet sein sollten - man vergleiche die Ikea-Möbelausstellung mit der Markthalle. "Das Produkt und sein Nutzen müssen so inszeniert werden, dass es für Frauen relevant wird", ermahnt Astrid Wunsch, Head of Design von Triplesense Reply .
Die ersten Shops bieten neben der Produktliste bereist erste Inspirationswelten: Zum Beispiel Bonprix hat einige Produkte nach Thema mit Kontext aufbereitet. Vorwerk zeigt seine Produkte vorwiegend mit hochwertigen Fotos in konkreten Anwendungen. Und das Otto-Projekt About You bietet verschiedene Apps, die die Kundinnen mit Celebrity-Styles oder Themenseiten inspirieren wollen.
Wie Shops dem gerecht werden:
Themenseiten, Produktwelten, viele Fotos, Crossbuying-Vorschläge, Videos.
Und die Männer?
Wenn sie keine Inspiration wollen, nutzen sie wie bisher einfach den normalen Shop in Listenform. Auf den sollten Shopbetreiber trotz allem nicht verzichten.
4. Frauen sind Usability-Vorreiter
Das, was sich Frauen bei der Onlineshop-Gestaltung wünschen, nehmen auch die Männer gern an. "Wenn man das Portal aus einem weiblichen Blickwinkel heraus designt, spricht das auch Männer stärker an", ist sich Kerstin Richartz von der ECommerce-Agentur Commerce Plus , sicher. Zum Beispiel den typischen weiblichen Trend, dass Waren in Seidenpapier verpackt und mit persönlicher Karte versehen verschickt werden, adaptieren inzwischen auch männliche Shops. Der Curated-Shopping-Service Outfittery etwa, der ausschließlich Männer bedient, knotet das Kleidungspaket liebevoll mit einer Kordel zusammen und legt bei jeder Bestellung eine handgeschriebene Karte mit persönlicher Anrede für den Kunden bei. Ein schöner Nebeneffekt dieser Strategie zeige sich bei Männern wie Frauen, sagt die ECommerce-Beraterin: "Eine schöne Verpackung reduziert die Retourenquote, weil die Lieferung dadurch hochwertiger wirkt."
Wie Shops dem gerecht werden:
Weibliche Shop-Optimierungen auch bei Männern testen.
Und die Männer?
Wenn es nicht gerade um rosa Blümchendesign geht, dürften sie sich die weibliche Shopoptimierung gefallen lassen.
5. Frauen wollen Beratung
Frauen legen großen Wert auf Service, und das nicht nur online. Wer eine Frau rundum zufrieden stellen will, der bietet Beratungsmöglichkeiten an. Sowohl für die Presale-Beratung als auch für den Aftersale-Support sind hier Callcenter und Foren zu empfehlen, in dem sich die Kunden austauschen. Aber auch persönliche Lesetipps des Buchhändlers oder Empfehlungen für die Wahl des richtigen TV-Geräts durch den Elektronikshop-Mitarbeiter, die die Shops anzeigen, haben für Frauen hohen Servicecharakter. "Grundsätzlich vertrauen Frauen anderen Frauen übrigens eher", gibt Carlo Bonati zu bedenken. Entsprechend sollte Mediamarkt darüber nachdenken, dem Tech-Nik eine Tech-Niky zur Seite zu stellen.
Diese Präferenz sollten Händler beim Einrichten eines Forums bedenken. Zwar hören hier Frauen eher auf die Meinung anderer Kundinnen oder Moderatorinnen, aber "Frauen sind introvertierter und geben ihre eigene Meinung in Foren seltener preis als Männer", weiß der Unic-Berater. Deshalb rät er Forum-Betreibern dazu, Expertinnen zu bestimmen oder einzustellen, die Themen lancieren, die Diskussion anregen und gleichzeitig als Vorbilder dienen. Viele weibliche Kommentare ermutigen weitere Frauen, sich aktiv am Gespräch zu beteiligen.
Wie Shops dem gerecht werden:
Die Pre- und Aftersale-Service-Strategie ausbauen, die Interaktion mit Kunden in Foren, Social Media etc. vorantreiben, Frauen als Community Manager einstellen.
Und die Männer?
Sie nutzen Foren ebenfalls gern und wesentlich aktiver. Für sie sollten weibliche wie männliche Community Manager bereitstehen.
6. Frauen retournieren
Frauen sind mit einem bestellten Produkt eher unzufrieden und schicken es wieder zurück. Sie sind gerade bei Kleidung perfektionistisch und retournieren alles, was nicht 100-prozentig passt. Männer dagegen nehmen die nicht optimale Passform, Farbe oder Funktion eher in Kauf. Deshalb sind die Retourenquoten von Frauen höher als die von Männern. Hinzu kommt laut den Machern der KauFrausch-Studie, dass sich Männer eher Produkte auswählen, die vorab im Web und offline recherchiert, getestet und ausprobiert werden können.
Die wichtigsten Gründe für Frauen, ein Produkt wieder zurückzuschicken, lauten:
- Das Produkt passte nicht.
- Das Produkt hat mir nicht gefallen / hat meinen Erwartungen nicht entsprochen.
- Das Produkt hatte eine schlechtere Qualität als erwartet.
- Farbe / Aussehen war anders als im Internet dargestellt.
Wie Shops dem gerecht werden:
Das heißt, wie schon oben beschrieben, Shops sollten viele hochwertige Fotos, Videos, Detailansichten, ausführliche Beschreibungen, Bewertungen etc integrieren.
Und die Männer?
Auch wenn die Quoten niedriger sind, retournieren sie aus ähnlichen Gründen. Genauere Beschreibungen sollten also auch ihre Rücksendungen verringern.
7. Frauen wechseln gern den Kanal
Frauen legen viel Wert auf Haptik, sie schätzen Beratung, sind häufiger unzufrieden mit dem Aussehen der Produkte oder brauchen viele Entscheidungshilfen. Aus all diesen Gründen stöbern sie während einer - zugegeben langen - Customer Journey gern online wie offline. "Frauen nutzen gern die Möglichkeit, sich online inspirieren zu lassen und sich das Produkt dann offline noch genauer anzuschauen oder zu fühlen", hat Carlo Bonati beobachtet. Stationäre Läden, Showrooms und Ähnliches ziehen also besonders Frauen an. Dort schätzen sie die persönliche Beratung und die weitere Inspiration für passende oder andere Produkte.
Gleiches gilt für Click & Collect, Online-Verfügbarkeitsanzeige oder Offline-Rückgabe - zumindest wenn das Geschäft der Frau nicht einfach wortlos das Paket in die Hand drückt. "Frauen lassen sich lieber persönlich beraten als Männer", sagt Kerstin Richartz. Die Online-Offline-Kanalverknüpfung rentiert sich für den Shop wie für die Kundin also nur, wenn sie die Ware gleich anprobieren kann, beraten wird und vor Ort umtauschen kann. Dann packt sie vermutlich sogar mehr in die Einkaufstasche als geplant.
Wie Shops dem gerecht werden:
Crosschannel professionell implementieren und die Mitarbeiter entsprechend schulen.
Und die Männer?
Sind dafür vielleicht etwas weniger affin und nutzen das Crosschannel-Angebot seltener. Aber auch sie profitieren zum Beispiel von einer schnellen und kostenlosen Click-&-Collect-Lieferung.
8. Frauen shoppen Herrenkleidung
Nicht nur Shops für Damenunterwäsche, Lippenstift und Pumps sollten sich Gedanken über ein weibliches Shopdesign machen. Denn Frauen kaufen alles. Von der Versicherung über den Rasenmäher bis hin zu Herrensocken. Schließlich verwalten Frauen oft das Haushaltsbudget und kaufen für die ganze Familie - und teilweise sogar für Freunde - mit ein. Ganz zu schweigen von Geburtstags- und Weihnachtsgeschenken. Das heißt, Frauen sind alle Zielgruppen in einem - beziehungsweise alle Zielgruppen beinhalten Frauen. "Sobald sich Frauen in einem Shop befinden, sind sie offen für Angebote, die für ihr soziales Umfeld relevant sind", sagt Sandra Kröger, Geschäftsführerin von Rascasse, die an der KauFrausch-Studie beteiligt war. "Shops sollten in ihrer Kommunikationsstrategie das soziale Umfeld von Frauen daher mit adressieren: Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen." Dies biete Onlinehändlern die Chance, diese Zielgruppe zweiten Grades ebenfalls zu erreichen und indirekt an sie über den sozialen Hub 'Frau' zu verkaufen.
Wie Shops dem gerecht werden:
Alle Shops mit weiblichen Elementen versehen, auch die, die keine weibliche Zielgruppe zu haben scheinen.
Und die Männer?
Die freuen sich, weil ihre Frauen, Mütter, Töchter ihre Einkäufe viel lieber übernehmen als vorher.
9. Frauen sind anders als Frauen
Frau ist nicht gleich Frau: Nicht alle Frauen sind blond, lieben teure Handtaschen und überlassen die Heimelektronik ihrem Mann. Deshalb bedienen die Tipps für die optimale Ansprache der weiblichen Zielgruppe immer eher den Durchschnitt und zeigen eine Tendenz. Im konkreten Fall kann das ganz anders aussehen. Zum Beispiel ist die Frau, die stöbert und sich inspirieren lässt nur eine von vielen Facetten. Unter anderem deshalb sollte ein Onlineshop zugunsten emotionalisierender Produktwelten nicht auf die Listendarstellung mit vielen Filtermöglichkeiten verzichten. Das würde die berufstätige Mutter mit zwei Kindern ausschließen, die zum Stöbern keine Zeit hat, sondern schnell und effizient einkauft.
Mitunter ist die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen in einem Shop sogar nur zweitrangig: "Bei einem Sportartikel-Händler etwa", berichtet Carlo Bonati, "ist der Unterschied zwischen einem Genuss- und einem Leistungssportler unter Umständen viel größer als der zwischen Frau und Mann." Die Zielgruppenansprache müsse immer in Anbetracht der primären Differenzierungsmerkmale stattfinden. Sei dies nun das Geschlecht oder etwas anderes.
Wie Shops dem gerecht werden:
Genaue Zielgruppenanalyse, die den Genderfaktor nicht außen vor lässt. Sie resultiert in einer Zielgruppenansprache, die so individuell wie möglich ist und trotzdem alle abholt.
Und die Männer?
Sind genauso gleich und anders wie Frauen auch und profitieren ebenso von einer möglichst genauen Zielgruppenanalyse und -ansprache.
10. Frauen wollen nicht nur Pink und Lila
Astrid Wunsch von Triplesense und ihre Kollegin Silke Berz haben einige typisch weibliche Gestaltungskomponenten für Onlineshops, aber nicht nur, identifiziert. Dazu gehören:
| Weibliche Präferenz | Männliche Präferenz |
|---|---|
| Lebendige und helle Farben, vier bis sechs Farben | Dunkle Farbtöne, zwei bis drei Farben |
| Bögen, weiche und ruhige Linien | Vertikale, dynamische Linien |
| Strukturen und Muster | Glatte, glänzende Oberflächen |
| Ausgefallene Schriften, verschiedene Schriften | Einfache Schriften, Großbuchstaben |
| Farbe ist wichtiger als Form | Form ist wichtiger als Farbe |
| Stumpfe Perspektiven, schematische Darstellung | Scharfe Perspektiven, realistische Darstellung |
| Statische Bilder, Abläufe | Animationen, 3D-Darstellung |
| Geschichten, Testimonials | Statistiken, Fakten, Zahlen |
| Persönliche, wortreiche, spontane Sprache | Formale, faktische, unspontane Sprache |
Doch ob diese Präferenzen in der Tat auf die individuelle weibliche Zielgruppe eines einzelnen Shops zutreffen, können nur A/B-Tests bestätigen. Zum Beispiel Stylight ist dadurch auf einen Trugschluss aufmerksam geworden und änderte das Design der Website von Lila zu Schwarz: "Zuerst war die Hauptfarbe von Stylight Violett, weil wir glaubten, sie würde Frauen am besten ansprechen", erzählt die User-Experience-Designerin Razan Sadeq. "Wir haben unterschiedliche Designs mit verschiedenen Farben bei unseren Nutzern getestet und dabei herausgefunden, dass Frauen die lila Farbe als zu mädchenhaft und optisch unangenehm empfinden. Im Vergleich 'Lila gegen Schwarz' zeigte sich deutlich, dass Männer und Frauen Schwarz bevorzugten, weil sie es mit Mode und Eleganz verbinden."
Wie Shops dem gerecht werden:
Testen, testen, testen.
Und die Männer?
Auch ihre Vorlieben fließen durch ausgiebige Tests in die endgültige Shopgestaltung ein.
11. Frauen sind in Interaktivagenturen unverzichtbar
Wie Shops dem gerecht werden:
Für die Shopkonzeption solle man sich nicht nur auf ein paar Nutzerdaten verlassen. Sondern ein möglichst heterogenes Team beauftragen, das Mitglieder aus den Zielgruppen des Shops beinhaltet.
Und die Männer?
Die sind dort genauso repräsentiert wie Frauen, müssen sich aber eventuell an mehr weibliche Konkurrenz in den Agenturen gewöhnen.

