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Interaktiv-Trends 2010 (13): Widgets kommen wieder
04.01.2010 Widgets, die kleinen Helferanwendungen auf dem PC, gewinnen 2010 an Fahrt: Zusammen mit ihren Verwandten, den Apps auf Smartphones, treiben sie die Personalisierung von Software in den Netzen voran.
Eigentlich ist es noch gar nicht so lange her. Das US-Magazin Newsweek kürte 2007 zum Jahr der Widgets. Die kleinen Anwendungen hatten für eine breitere Öffentlichkeit gerade erst zwei Jahre zuvor das Licht der Welt erblickt: Mit dem Start von Apples Betriebssystem OS X 10.4, auch 'Tiger' genannt. Innerhalb der Umgebung 'Dashboard' ließen sich dort allerlei Helferprogramme installieren und betreiben. Am grundsätzlichen Prinzip hat sich bis heute nichts geändert - Wetterdaten weltweit, Börsen- und Wechselkurse, Fernsehprogramme oder Fahrpläne lassen sich so auf einen Blick anzeigen. Anfang 2007 erschien Microsofts Betriebssystem Windows Vista und führte damit ebenfalls die kleinen Anwendungen ein, hier wieder Gadgets genannt. Der Siegeszug fährt noch immer.
Widgets waren und bleiben fürs Marketing interessant
Inzwischen sind die Gadgets im Fenster/Window (daher der Name) auch von Google erhältlich. Innerhalb der Welt von Facebook sind sie mittlerweile ein Markt, der hunderte von Millionen Dollar schwer ist. Die Argumentation zugunsten der Applikationen bleibt überall gleich: Wozu ein umfangreiches Programm starten für vielerlei Anwendungen, wenn mich doch nur XY interessiert? Der Erfolg gab den Widgets recht. Auf den Siegeszug sprangen auch Marketer auf: Zeitungen und Zeitschriften zeigten so ihre neuesten Schlagzeilen, die Bahn Verspätungen, Brauereien ihre neuesten Getränkekreationen. In jedem Fall konnten Unternehmen mit relativ wenig Aufwand Zugang auf den Rechnern von Nutzern finden.
Geholfen hat der Verbreitung, dass die meisten Widgets kostenlos sind. Entweder verschenkt von Firmen oder programmiert von selbstlosen Entwicklern. Diese Szene zu begeistern und zu pflegen gehört mit zu den Erfolgsfaktoren der Helfer.
Zu den persönlichen Favoriten des Verfassers zählt eine Anwendung des Rijksmuseums in Amsterdam: Jeden Tag bekommt der Interessierte einen anderen Kunstgegenstand aus dem Bestand der Sammlung gezeigt. Inzwischen natürlich auch als App für Apples iPhone erhältlich.
Widgets und Apps: Starke Verwandtschaft mit großem Potenzial
Denn Geschichte wiederholt sich doch: Das Prinzip der Widgets haben nicht nur die Entwickler in Cupertino nahtlos in die mobile Welt des iPhone übertragen. Apps sehen oft nicht nur genau so aus wie die Widgets, sie funktionieren auch nach dem gleichen Prinzip: Spitze Informationen werden grafisch aufbereitet in einer kleinen Applikation angezeigt.
Den Stand der Dinge verdeutlichen die Zahlen: Derzeit bietet der iTunes-Store über 100.000 Apps für das iPhone. Letzter Stand in Sachen Widgets aus dem gleichen Haus: 3767. Microsoft listet für sein Betriebssystem Vista 746 Gadgets, Google hält allenfalls knapp 2.000 Widgets zum Download bereit. Auf Facebook können und sollen Nutzer via Widgets spielen. Allerdings gab es in diesem Zusammenhang auch Kritik über unseriöse Drittanbieter, die Spieler mittels versteckter Abonnement- und sonstiger Rechnungen abzuzocken suchten.
Inzwischen ist das Thema Widget in den Hintergrund gerückt, verdeckt von der Erfolgswelle der Nachfolger, der Apps. Vor dem Hintergrund des Verbreitungsgrads aller verfügbaren Endgeräte - PCs weltweit gegenüber iPhones - scheint diese Entwicklung unverständlich. Aus der Perspektive Erlöse betrachtet, wird die Sache klarer: Mit den Apps lässt sich Geld verdienen. Diesen Sprung haben die Widgets bisher nur in überschaubarem Rahmen geschafft.
Die Rückkehr der Widgets in der Cloud
Das wird sich ändern: Je stärker das Bezahlen für den Service aus den kleinen Applikationen zur Selbstverständlichkeit wird, desto machtvoller wird das Modell eine Rückübertragung ins Netz erfahren. Anbieter werden es etwa über Kombi-Pakete einführen (App + Widget zum Sonderpreis). Aus Sicht des Nutzers wiederum liegt nahe, auf ein Tool auf dem PC nicht verzichten zu wollen, das er mobil schon als nützlich erlebt hat. Für Werbetreibende und Firmen sprechen weitere Gründe für eine Kombination: Gleich aus zwei Kanälen erhalten sie Informationen über Nutzer, und auf beiden Kanälen werden sie der potenziellen Kundschaft näherrücken.
Ohnehin geht der Trend zum Cloud Computing: Daten und ihre Verarbeitung wandern ins Netz, die Endgeräte der Nutzer specken dagegen ab. Im Rahmen dieser Entwicklung machen Widgets noch mehr Sinn als je zuvor. Für das kleine individuelle Informationshäppchen zwischendurch bleiben sie das Mittel der Wahl.
