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Interaktiv-Trends 2010 (9): Service schlägt Content
28.12.2009 In den nächsten Monaten werden immer mehr Online-Publisher auf die vermeintliche Trumpfkarte Paid Content setzen. Und die allermeisten dieser Bezahlmodelle werden kläglich scheitern. Denn das Geschäft mit reinen Bezahlinhalten wird auch 2010 kaum funktionieren. Über Umwege dagegen schon.
Das Jahr 2010 wird Publishern dennoch einige spannende Ansätze aufzeigen, wie sich Produktionskosten für redaktionelle Inhalte refinanzieren lassen. Nur aber für Content einfach die Hand aufzuhalten, wird mit Sicherheit nicht funktionieren. Und es hilft bestimmt kein Pochen auf den viel zitierten Qualitätsjournalismus, wenn der Content unterm Strich dann doch nur aus verstümmelten DPA-Meldungen besteht.
Die meisten Paid-Content-Aktivisten aber wollen von dieser düsteren Zukunftsperspektive lieber nichts wissen. Stattdessen planen Bildzeitung , der Spiegel oder die Welt am Sonntag unbeeindruckt ihre kommenden Paid-Content-Angebote, obwohl Nutzer daran augenscheinlich gar kein Interesse haben. Immer mehr Content wird daher in den kommenden Monaten hinter einer Bezahlschranke verschwinden. Und spätestens nach weiteren zwölf Monaten wieder frei verfügbar im Web auftauchen.
Wie bereits beim letzten Paid-Content-Desaster vor rund fünf Jahren werden auch in den kommenden Monaten nur die wenigsten Internetnutzer etwas für redaktionelle Inhalte bezahlen. Warum auch, wenn bereits das Online-Geschäft mit Film-Downloads und MP3-Files bislang nicht läuft und eigentlich noch nie so recht funktioniert hat. Dabei haben diese Formate noch den Vorteil, dass Nutzer im Prinzip genau wissen, wofür sie bezahlen. Was bei einem kostenpflichtigen Artikel längst nicht der Fall ist.
Die aktuelle Paid-Content-Diskussion hat längst absurde Züge angenommen. Denn es wird bestimmt nicht funktionieren, einzelne Nutzergruppen auf einmal auszusperren oder völlig unpassende EPaper-Formate auf dem iPhone zu verkaufen. Dabei lässt sich mit Content eigentlich auch künftig noch Geld verdienen. Wenn man als Anbieter eben ein wenig mehr verkauft als nur ein klitzekleines Stückchen Content. Das Zauberwort heißt Service.
Auf Konzerten beispielsweise verkaufen immer mehr Künstler einen Mitschnitt vom Auftritt auf einem USB-Stick. Und während das Gechäft mit Musik-Downloads im Internet weiter ausgesprochen mühsam bleibt, boomt das Geschäft mit den Konzertmitschnitten. Obwohl es sich auch nur um Musikdateien handelt. Wenn auch kombiniert mit einem Service-Versprechen für den Käufer ("Du bekommst nach dem Auftritt das komplette Konzert und verpasst daher nichts, selbst wenn du einmal auf die Toilette gehst.").
Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei Fachverlagen zu beobachten. Auch hier werden die reinen Content-Anbieter von der Bildfläche verschwinden und serviceorientierte Verlagshäuser an Bedeutung gewinnen. Aus diesem Grund funktioniert auch das Geschäftsmodell von iBusiness. Weil Kunden eben nicht nur Zugriff auf wertige Informationen (Charts, Datenbanken) und exklusive Inhalte erhalten. Sondern die Redaktion aus der Flut an täglichen Blogpostings, Tweets und anderen Newsquellen immer die wichtigsten Ereignisse herausfiltert. Service pur sozusagen ("Ich sage dir, was für dein Business wirklich wichtig ist.").
An Content verdienen daher künftig Fachverlage, Publikumszeitschriften und Medienhäuser nur noch, wenn sie ein passendes Gesamtpaket für ihre Zielgruppe schnüren. Dann aber wird hochwertiger Content nicht mehr das Produkt an sich sein, sondern nur noch Teil eines funktionierenden Geschäftsmodells. Fraglich allerdings, ob traditionell aufgestellte Medienhäuser diesen Paradigmenwechsel wahrhaben wollen. Was aber andererseits auch vielen jungen Online-Dienstleistern glänzende Zukunftsperspektiven eröffnet.
