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Interaktiv-Trends 2010 (9): Service schlägt Content

von sr

28.12.2009 In den nächsten Monaten werden immer mehr Online-Publisher auf die vermeintliche Trumpfkarte Paid Content setzen. Und die allermeisten dieser Bezahlmodelle werden kläglich scheitern. Denn das Geschäft mit reinen Bezahlinhalten wird auch 2010 kaum funktionieren. Über Umwege dagegen schon.

 (Bild: SXC.hu/Rodolfo Clix)
Bild: SXC.hu/Rodolfo Clix
 (Bild: SXC.hu/Rodolfo Clix)
Bild: SXC.hu/Rodolfo Clix
Auch in absehbarer Zeit wird es den großen Publikumsverlagen nicht gelingen, gegen die Kostenlos-Kultur im Internet anzukämpfen. Denn das klassische Geschäftsmodell der Medien-Industrie (Inhalt gegen Bares) lässt sich nicht einfach eins zu eins auf das Internet übertragen, wo es an allen virtuellen Ecken und Enden nur so von frei verfügbarem Content wimmelt. Schließlich lässt sich auch am Sandstrand nur schwer Sand verkaufen.

Das Jahr 2010 wird Publishern dennoch einige spannende Ansätze aufzeigen, wie sich Produktionskosten für redaktionelle Inhalte refinanzieren lassen. Nur aber für Content einfach die Hand aufzuhalten, wird mit Sicherheit nicht funktionieren. Und es hilft bestimmt kein Pochen auf den viel zitierten Qualitätsjournalismus, wenn der Content unterm Strich dann doch nur aus verstümmelten DPA-Meldungen besteht.

Die meisten Paid-Content-Aktivisten aber wollen von dieser düsteren Zukunftsperspektive lieber nichts wissen. Stattdessen planen Bildzeitung  , der Spiegel   oder die Welt am Sonntag   unbeeindruckt ihre kommenden Paid-Content-Angebote, obwohl Nutzer daran augenscheinlich gar kein Interesse haben. Immer mehr Content wird daher in den kommenden Monaten hinter einer Bezahlschranke verschwinden. Und spätestens nach weiteren zwölf Monaten wieder frei verfügbar im Web auftauchen.

Wie bereits beim letzten Paid-Content-Desaster vor rund fünf Jahren werden auch in den kommenden Monaten nur die wenigsten Internetnutzer etwas für redaktionelle Inhalte bezahlen. Warum auch, wenn bereits das Online-Geschäft mit Film-Downloads und MP3-Files bislang nicht läuft und eigentlich noch nie so recht funktioniert hat. Dabei haben diese Formate noch den Vorteil, dass Nutzer im Prinzip genau wissen, wofür sie bezahlen. Was bei einem kostenpflichtigen Artikel längst nicht der Fall ist.

Die aktuelle Paid-Content-Diskussion hat längst absurde Züge angenommen. Denn es wird bestimmt nicht funktionieren, einzelne Nutzergruppen auf einmal auszusperren oder völlig unpassende EPaper-Formate auf dem iPhone zu verkaufen. Dabei lässt sich mit Content eigentlich auch künftig noch Geld verdienen. Wenn man als Anbieter eben ein wenig mehr verkauft als nur ein klitzekleines Stückchen Content. Das Zauberwort heißt Service.

 (Bild: HighText)
Bild: HighText

Auf Konzerten beispielsweise verkaufen immer mehr Künstler einen Mitschnitt vom Auftritt auf einem USB-Stick. Und während das Gechäft mit Musik-Downloads im Internet weiter ausgesprochen mühsam bleibt, boomt das Geschäft mit den Konzertmitschnitten. Obwohl es sich auch nur um Musikdateien handelt. Wenn auch kombiniert mit einem Service-Versprechen für den Käufer ("Du bekommst nach dem Auftritt das komplette Konzert und verpasst daher nichts, selbst wenn du einmal auf die Toilette gehst.").

Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei Fachverlagen zu beobachten. Auch hier werden die reinen Content-Anbieter von der Bildfläche verschwinden und serviceorientierte Verlagshäuser an Bedeutung gewinnen. Aus diesem Grund funktioniert auch das Geschäftsmodell von iBusiness. Weil Kunden eben nicht nur Zugriff auf wertige Informationen (Charts, Datenbanken) und exklusive Inhalte erhalten. Sondern die Redaktion aus der Flut an täglichen Blogpostings, Tweets und anderen Newsquellen immer die wichtigsten Ereignisse herausfiltert. Service pur sozusagen ("Ich sage dir, was für dein Business wirklich wichtig ist.").

An Content verdienen daher künftig Fachverlage, Publikumszeitschriften und Medienhäuser nur noch, wenn sie ein passendes Gesamtpaket für ihre Zielgruppe schnüren. Dann aber wird hochwertiger Content nicht mehr das Produkt an sich sein, sondern nur noch Teil eines funktionierenden Geschäftsmodells. Fraglich allerdings, ob traditionell aufgestellte Medienhäuser diesen Paradigmenwechsel wahrhaben wollen. Was aber andererseits auch vielen jungen Online-Dienstleistern glänzende Zukunftsperspektiven eröffnet.

Thema: Interaktiv-Trends 2010 (9): Service schlägt Content

Kommentar von Joachim Graf

Paid Content bleibt tot

Es lässt sich am Sandstrand nur sehr schlecht Sand verkaufen. Selbst, wenn man einen Polizisten patrouillieren lässt, der die Gratis-Nutzung von Sand unter Strafe stellt. Deswegen wird Paid Content auch in Zukunft nicht funktionieren.

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 (Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
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