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Interaktiv-Trends 2010 (7): Echtzeit-ECommerce
22.12.2009 Im Online-Publishing zeigen Microblogging-Tools wie Twitter bereits heute auf, welches Potenzial im Real-Time-Web steckt. Im kommenden Jahr werden immer mehr Shopbetreiber versuchen, über Echtzeit-Verkäufe ihre Umsätze zu steigern. Und zwar abseits von bislang eher biederen Live-Shopping-Ansätzen.
Online-Shopping generell ist auch im Jahr 2010 noch in erster Linie ein rationaler Prozess. Kunden interessieren sich für ein Produkt, vergleichen Preise und kaufen nach einigen Überlegungen schließlich doch immer beim günstigsten Anbieter ein. Um unter diesem Preisdruck zu überleben, investieren Händler zunehmend mehr Budget in SEM und zunehmend mehr Zeit in Social-Media-Marketing. Und übersehen dabei einen wesentlichen Zukunftsaspekt im Onlinehandel.
Wer auch künftig seine gesamte Shop-Strategie auf ein statisches Produktsortiment konzentriert, wird langfristig nicht überleben können. Dafür herrscht im Markt ein viel zu hoher Preisdruck, der Händler zu immer mehr Kompromissen zwingt. Schließlich verkauft ein Händler bereits heute oft genug nur noch dann ein Produkt, wenn es genauso günstig ist wie bei der Konkurrenz.
Um dieser Preisspirale zu entkommen, müssen Shopbetreiber künftig verstärkt von eher statischen Produktkatalogen abrücken und mehr Dynamik in ihren Onlineshop zaubern. Händler müssen es schaffen, das Impulskauf-Potenzial im E-Commerce zu erhöhen. Wer beim Einkaufen im klassischen Ladengeschäft an der Kasse etwas Interessantes entdeckt, kauft das Produkt ohne großes Nachdenken gleich mit. Im nüchtern-rationalen E-Commerce dagegen funktioniert Impuls-Shopping meist noch nicht so recht. Kein Wunder, schließlich gibt es die meisten Artikel in einem Onlineshop 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche zu kaufen.
Mit klassischen Live-Shopping-Ansätzen versuchen bereits heute erste Händler, Impulskäufe auszulösen. Was meist eher schlecht als recht funktioniert. Wenn beispielsweise Shopbetreiber einzelne Live-Shopping-Aktionen zusätzlich im Shop anbieten, sind meist nur Restposten, Auslaufmodelle oder B-Ware im Angebot. Attraktiv für Kunden ist das nur bedingt. Und wer als Händler gleich voll auf Live-Shopping setzt und von den Verkäufen von einem einzigen Produkt am Tag leben will, hat von vornherein schlechte Karten.
Alle Woot-Shops versuchen im Prinzip, über möglichst günstige Angebote viele Produkte an einem Tag zu kaufen. Darunter leidet nicht nur das Alleinstellungsmerkmal, sondern auch der Gewinn. Denn gerade im Elektronik-Segment zahlen heute bereits viele Woot-Shops drauf, um unbedingt besonders günstig einen iPod oder eine Nintendo Wii anbieten zu können. Kurioserweise nutzt dagegen kaum ein Live-Shopping-Dienst seine Echtzeit-Strategie dazu, um Kunden in eine besondere Kauflaune oder ein außergewöhnliches Shopping-Ambiente zu versetzen.
Weil klassisches Live-Shopping in einer Sackgasse steckt, werden im kommenden Jahr erste Händler das Prinzip des Echtzeit-ECommerce für sich weiterentwickeln. Vorbild ist dabei das klassische Teleshopping. Stellen die Shopping-Sender doch nach wie vor eindrucksvoll unter Beweis, wie sich mit der passenden Zielgruppenansprache, einem wechselnden Shop-Sortiment und klassischem Verknappungsmarketing sehr viel Umsatz generieren lässt. Das Beispiel Teleshopping verdeutlicht zudem, dass Kunden für ein an sich wenig spannendes Produkt sogar auch gerne einmal einen Euro mehr bezahlen als nötig: Wenn Händler es schaffen, ein packendes Echtzeit-Erlebnis für ihre Zielgruppe zu schneidern.
Shopping-Portale wie Swoopo oder auch das frisch gestartete Angebot SpreadBooster versuchen bereits heute, über dynamische Preismodelle die Online-Kundschaft abseits der klassischen Amazon-Klientel zu monetarisieren. Viele dieser Versuche aber kranken oft noch daran, dass die Angebote noch zu sehr in Richtung der klassischen Zocker zielen. Doch auch im Echtzeit-ECommerce will die breite Masse an Kunden eben einfach einkaufen und nicht spielen.
Zukunftsweisender ist daher schon das Shopping-Portal Deutschlandklickt.de , bei dem Nutzer ohne klassische Spieleinsätze an Verkaufsaktionen teilnehmen können. Jeder Nutzer erhält zum Start einer Kampagne fünf Freiklicks, die er auf einer pixeligen Shop-Oberfläche einlösen darf.Hinter einem Pixel lauert dann entweder ein Sofortgewinn, ein besonders günstiges Angebot oder eine Niete. Finanziert wird das Shopping-Portal durch diejenigen Nutzer, die sich zusätzliche Klicks pro Kampagne erkaufen.
Im kommenden Jahr will Portalbetreiber Murat Icer ein weiteres Echtzeit-ECommerce-Angebot starten. Gut vorstellbar, dass damit dann endgültig der Startschuss für spannende Zukunftsprojekte im deutschen Realtime-Commerce fällt. Über mehr Umsätze durch Impulskäufe würde sich jedenfalls schon heute kaum ein Shopbetreiber beschweren.
