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Mythen, Märchen und Methoden: Wo Local Commerce eine Chance hat
08.12.2014 Ob Buchhandel.de oder die Online-City Wuppertal: Immer mehr Online-Marktplätze starten, über die Verbraucher im Internet bei lokalen Händlern kaufen können. Doch viele dieser Marktplätze haben von vornherein einen schweren Stand. Weil die Zukunft des Local Commerce wohl woanders liegt.
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Da gibt es das Onlineportal Buchhandel.de , auf dem Kunden ihre Schmöker auch online beim Buchhändler aus ihrer Innenstadt ordern können. Und die lokale Suchmaschine Locafox , auf der Kunden interessante Produkte in ihrer Nähe finden sollen. Oder die Online-City Wuppertal , bei der regionale Unternehmen "lokales 1A-Shoppen" mit dem Onlinehandel verknüpfen wollen.
Auch wenn sich die einzelnen Regionalportale im Detail unterscheiden, verfolgen alle lokalen Online-Marktplätze dasselbe Ziel. So sollen auf der einen Seite stationäre Einzelhändler erstmals vom boomenden Onlinehandel profitieren, indem sie sich zusammenschließen und gemeinsam gegen die Online-Konkurrenten antreten. So sollen Einzelhändler einfacher vom E-Commerce profitieren können als mit einem Shop in Eigenregie - denn es kümmert sich meist der Portal-Betreiber um das Marketing, sodass Händlern dieser Aufwand erspart bleibt.
Grundgedanke: Chance für Händler, Alternative für Kunden
Auf der anderen Seite besteht ein Grundgedanke der lokalen Online-Marktplätze aber auch darin, Kunden im Internet eine Alternative zu den scheinbar übermächtigen Online-Pureplayern wie Amazon und Zalando zu bieten. Womit sich die zahlreichen Regio-Marktplätze momentan am Puls der Zeit wähnen."Es gibt klare Anzeichen, dass die Bereitschaft der Kunden wächst, den lokalen Handel zu unterstützen", argumentiert stellvertretend Burkhard Schwetje , der als Senior-Produktmanager Digital für das Portal Buchhandel.de verantwortlich ist. Denn ihm zufolge macht sich im Buchhandel bereits der Trend zu einem veränderten Einkaufsverhalten zunehmend bemerkbar.
"Die großen Online-Anbieter stehen nicht nur wegen Arbeitsbedingungen und der Versteuerung ihrer Umsätze in der Kritik", erklärt er. "Immer mehr Stimmen sprechen sich auch gegen Datamining aus und gegen Monopolisten, die anderen Marktteilnehmern die Konditionen diktieren."
So gesehen müssten Regional-Portale eigentlich der heilige Gral des deutschen E-Commerce sein, da sie sowohl Kunden als auch Händlern handfeste Mehrwerte bieten und damit eine dieser viel beschworenen "Win-win-Situationen" schaffen. Skepsis ist dennoch angebracht. Denn zum einen lässt sich über keine Zahlen valide untermauern, dass Kunden wirklich vermehrt lokal kaufen oder zumindest kaufen wollen. Vielmehr zeigen die aktuellen Zahlen der Online-Riesen Amazon und Zalando, dass die Platzhirsche im E-Commerce weiter von Umsatzrekord zu Umsatzrekord eilen - trotz schlechter Presse wegen angeblich schlechter Arbeitsbedingungen.
Fallbeispiel Schanzenport: Wieso Regio-Portale kein Selbstläufer sind
Zum anderen sind regionale Online-Marktplätze kein völlig neuer Trend im deutschen E-Commerce. Im Gegenteil. Denn vergleichbare Gehversuche von lokalen Playern hat es auch schon vor dem aktuellen Regio-Boom gegeben - ohne dass sich dadurch der deutsche Onlinehandel nachhaltig verändert hat."Ich kenne derzeit kein funktionierendes Regional-Portal", zweifelt auch Stefan Mues , Geschäftsführer der Multichannel-Beratung Elaboratum am Lokaltrend. "Bislang sind alle Ansätze daran gescheitert, dass Händler nicht in der Lage - oder willens - waren, ihre Produktdaten in ausreichender Qualität und Quantität zur Verfügung zu stellen."
Seine These stützt das Beispiel Schanzenport . Unter diesem Motto hatte der WCM-Anbieter ePages mit der Regionalinitiative der Hansestadt Hamburg Hamburg@Work das Hamburger Szeneviertel 'Schanze' virtuell im Internet abgebildet.
Ab November 2011 hatten sich Hamburger Einzelhändler auf dem Portal präsentiert und dabei auf ihren frisch gestarteten Onlineshop verwiesen. Heute ist das Portal wieder offline, weil damit zum Start lediglich die Shops der Händler beworben wurden. Von den ursprünglich 40 Händlern betreiben dagegen immer noch etwa 30 Anbieter einen Onlineshop auf ihrer Website - aber ein lokales Schanzen-Portal gibt es nicht mehr.
Bereits ein Jahr nach dem Start war es ruhiger geworden um den Schanzenport. Damals hieß es, dass viele Händler stark vom Filialgeschäft beansprucht seien und den Online-Vertriebskanal stiefmütterlich behandeln. "Der stationäre Händler wird eben nicht plötzlich zum Onlinehändler", hatte Epages-Geschäftsführer Wilfried Beeck seinerzeit erzählt.
"Der stationäre Händler wird nicht plötzlich zum Onlinehändler"
Das Beispiel Schanze legt also ebenfalls nahe, dass nicht jeder Einzelhändler im Tagesgeschäft auch noch zusätzlich E-Commerce betreiben kann. Selbst wenn Bereitschaft vorhanden ist. Diese These vertritt jedenfalls Hagen Fisbeck , der sich als Berater auf den Multichannel-Handel spezialisiert hat."Gegenüber dem Onlinehandel hat ein stationärer Einzelhändler immer einen entscheidenden Nachteil: Was ein Onlinehändler während der Arbeitszeit macht, muss der lokale Einzelhändler nach seiner Arbeitszeit tun", erzählt er. "Der Onlinehandel funktioniert zudem nach einem vollkommen anderen Geschäftsmodell mit eigenen rechtlichen Rahmenbedingungen, was für ihn ebenfalls Neuland bedeutet und den Aufwand zusätzlich erschwert."
Das Geschäft auf lokalen Online-Marktplätzen wird nicht zuletzt auch dadurch erschwert, dass alle neuen Portale ebenfalls bei Null starten und daher Reichweite aufbauen müssen. Ohne entsprechende Werbung wird sich daher auch kein Kunde auf ein regionales Online-Portal verlaufen.
Damit droht der klassische Henne-Ei-Teufelskreis: Ohne bekannte Marke bleiben die Kunden aus. Ohne Marke fehlen die Händler, was das Portal für Kunden wiederum unattraktiv macht.
Um Reichweite zu schaffen, geben Betreiber von Regionalportalen ihren Handelspartnern zwar in der Regel Werbemittel an die Hand. So wurden im Schanzenviertel vor Geschäften mannshohe "Stecknadeln" aufgestellt, mit denen gemeinhin Einträge in Online-Kartenbüchern visualisiert werden. Dies sollte Kunden in der Innenstadt verdeutlichen, welche Geschäfte auch einen Onlineshop betreiben:
Allerdings um mehr Aufmerksamkeit zu erreichen, müssten bei lokalen Online-Marktplätzen die Stadtmarketing-Verbände eine zentrale Rolle übernehmen. "Mit dieser Aufgabe sind die Verbände leider aber oftmals sehr überfordert", weiß Handelsberater Mues. Ihm zufolge verpufft das beste Marketing zudem, wenn die regionalen Online-Marktplätze die Kunden enttäuschen und keine Mehrwerte beim Onlineshopping bieten.
Drei Erfolgsfaktoren für lokale Online-Marktplätze
Wenn man nun solche Erfahrungswerte zusammenfasst, ergeben sich daraus schnell entscheidende Faktoren, die über Erfolg und Niedergang von lokalen Online-Marktplätzen entscheiden. Demnach haben die Betreiber von regionalen Shopping-Malls im ECommerce-Geschäft immer dann gute Zukunftsperspektiven, wenn sie:- dem Einzelhändler wenig Mehraufwand aufhalsen
- eine reichweitenstarke regionale Online-Marke etablieren
- dem Kunden bei Service oder Sortiment einen Mehrwert bieten
Anhand dieser Erfolgsfaktoren lässt sich nun analysieren, wie die Zukunftsperspektiven der verschiedenen Anbieter aussehen, die momentan für Furore sorgen. Dabei zeigt sich allerdings recht schnell, dass keines dieser Portale ein Selbstläufer werden dürfte. Denn neben Stärken offenbart jedes der von iBusiness untersuchten Portale letztlich auch zentrale Schwächen. Einen besonders schweren Stand dürfte vor allem das Portal Buchhandel.de haben, hinter dem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels steht.
Buchhandel.de: Kein Mehrwert bei Sortiment und Preis
Das Prinzip des Portals ist schnell erklärt: Kunden können auf Buchhandel.de einen lokalen Buchhändler auswählen, bei dem sie ihre Bestellung aufgeben wollen. Momentan sind rund 400 Händler auf dem Portal vertreten, wodurch das Portal etwa zehn Prozent der stationären Verkaufsstellen abdeckt. Prinzipiell kann der Börsenverein mit seinem Angebot davon profitieren, dass mit Amazon der größte Wettbewerber immer wieder wegen seiner Arbeitsbedingungen in der Kritik steht. Doch Bücher bieten neben Amazon eben auch andere zahlreiche Anbieter im Netz - beispielsweise Online-Pure-Player wie Buch.de oder Filialisten wie Thalia .Dank Buchpreisbindung kosten alle Titel zudem genauso viel wie beim Wettbewerb, sodass Buchhandel.de weder beim Sortiment noch Preis einen Mehrwert bietet. Bleibt als Kundenvorteil also der Service. Von vielen Buchhändlern wird Ware ab einem Bestellwert von 20 Euro zwar gratis geliefert, bei Amazon und Weltbild sind reine Büchersendungen dagegen immer kostenfrei. Dafür aber erlaubt Buchhandel.de, dass Kunden ihre Bestellung ohne Versandkosten in einem Ladengeschäft der rund 400 Partner abholen können.
Hier sieht der Börsenverein einen Wettbewerbsvorteil. "Bei der Abholung profitieren Kunden davon, dass bestellte Bücher verlässlich und meist in zentraler Lage bei lieferbaren Titeln spätestens am nächsten Tag zur Verfügung stehen", argumentiert Produkt-Manager Schwetje. Bei meinem Test sah das aber anders aus. So war ein Titel erst in zwei bis drei Tagen lieferbar, das andere Buch in fünf bis sieben Tagen (siehe Screenshot).
| Die Geschäftsmodelle verschiedener Local-Commerce-Portale im Überblick | ||||
|---|---|---|---|---|
| Logo | ||||
| Projekt | Buchhandel.de | Online City Wuppertal | Locafox | @myStore |
| Start | Oktober 2014* | November 2014 | April 2014 | Mai 2014 |
| Portalbetreiber | Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH** | Wirtschaftsförderung Wuppertal (u.a.), Atalanda (Technik) | Locafox GmbH | at-my-store GmbH & CO. KG |
| Partner | 400 Händler | 31 Händler | 100 Händler | keine Angaben |
| Mehrwert für Kunden | Lieferung nach Hause oder zur Abholung in ein Geschäft (Click & Collect). Händler empfehlen Bücher auf dem Portal, Rezensionen mit Tiefgang fehlen aber. | Express-Lieferung über Same-Day-Delivery oder Abholung vor Ort (Click & Collect). Kaufen kann man zudem regionale Waren, die es nicht überall gibt. | Kunden können sich online informieren, welcher Händler in der Nähe welche Produkte vorrätig hat. Ware kann man nur reservieren und abholen. | Nutzer sollen Ware entdecken, indem sie Fotos von Geschäften ansehen. Eine Reservierung ist aber nur am Telefon möglich. |
| Werbung | Eigene Marketing-Maßnahmen | Acht Partner sind an dem Portal beteiligt. | Eigene Marketing-Maßnahmen | Eigene Marketing-Maßnahmen |
| Aufwand für Händler | Händler greift bei Bestellungen auf seinen eigenen Bestand zu. Wenn das Produkt nicht vorrätig ist, wird es bestellt. Bestände der Filialen werden nicht in Echtzeit abgeglichen. | Händler müssen ihre Warenwirtschaft selbst pflegen oder Produkte händisch verwalten. Auch hier gilt: Ein Abgleich der Filialbestände mit dem Online-Angebot findet kaum in Echtzeit statt. | Händler müssen ihre Bestände per Datenexport an den Portalbetreiber senden. Aktuelle Infos zu Filialbeständen gibt es daher auch hier nicht in Echtzeit. | Händler müssen nur Fotos anfertigen. Mit Beständen wird nicht gearbeitet, bei einer Anfrage per Telefon muss der Händler den Vorrat schnell prüfen. |
| Kosten | Listung als Partner ist kostenlos. Pro Verkauf berechnet der Portalbetreiber eine Transaktionsgebühr. | Bei Verkäufen fällt eine Provision an. Die Lieferung kostet Kunden 5,95 Euro, das Porto kann der Händler aber subventionieren. | Die Integration in das Such-Portal ist für Händler kostenlos. Wenn es zu einem Verkauf kommt, wird der Portalbetreiber am Umsatz beteiligt. | Da kein Verkauf möglich ist, gibt es keine Provision. Händler zahlen einen Fixbetrag pro Monat. |
| Perspektiven | Kunden bekommen Bücher in zahlreichen anderen Onlineshops zum selben Preis. Die Lieferung dauert bisweilen lange, aussagekräftige Rezensionen fehlen - und damit auch ein Grund, warum Kunden kaufen sollten - außer um lokale Händler zu unterstützen. | Schneller Versand allein reicht nicht als Mehrwert. Auf dem Portal gibt es aber exklusive Produkte, die Partner verfügen zudem über viel Marketing-Potenzial. Für das Portal spricht auch, dass die Betreiber ihren Service nur in einem begrenzten Gebiet bekannt machen müssen. | Locafox bietet wenig Mehrwert für Kunden, solange keine Lieferung angeboten wird. Das Start-up muss seinen Service zudem bundesweit bekannt machen, weil es zu jeder Stadt lokale Bestände online geben soll. Das dürfte kaum zu schaffen sein. | Händler haben zwar wenig Aufwand. Einigen Kunden dürfte eine telefonische Reservierung aber zu wenig sein. Es fehlen zudem lokale Partner, die den Service bewerben. So muss man sowohl Kunden als auch Händler akquirieren. Es droht ein Teufelskreis. |
Solche langen Lieferzeiten haben ihren Grund. Denn sobald Kunden auf dem Portal bestellen, greift der vom Kunden ausgewählte Buchhändler zwar prinzipiell zuerst auf seinen Bestand vor Ort zurück. Die Plattform ist aber nicht an die Warenwirtschaftssysteme der einzelnen Händler angebunden. Der Kunde kann daher beim Händler seiner Wahl einen Titel ordern, den dieser gar nicht vorrätig hat und ihn selbst erst einmal bestellen muss.
Es klemmt aber nicht nur im Backend. Auch beim Frontend ist noch viel Luft nach oben. So sollen Kunden nach eigenen Angaben zwar von "der individuellen Beratungskompetenz der teilnehmenden Buchhändler" und "prominent platzierten Empfehlungen" profitieren.
Doch Titel wie diese Weihnachtsgeschichten aus dem Ruhrgebiet werden beispielsweise von der Gimmerthal Buchhandlung aus Bochum lediglich mit nichtssagenden Inhalten beworben ("Unbedingt lesen, Lachen garantiert!").
Das dürfte wiederum daran liegen, dass Buchhändler ihre Rezensionen nebenher schreiben müssen und andere Dinge im Tagesgeschäft wichtiger sind. Das ist besonders bitter, weil: Rezensionen anderer Kunden gibt es auf Buchhandel.de auch nicht.
Ohne Content fehlt aber ein Köder für die Kunden. Und auch für Händler ist das Portal eigentlich unattraktiv. So betont Schwetje zwar, dass man dem lokalen Händler "zusätzliche Sichtbarkeit in der digitalen Welt" verschaffe. Das trifft aber vor allem zu, wenn Kunden sich bereits auf dem Portal befinden. Doch der Weg dahin ist schwer. Wer etwa bei Google mit den Suchbegriffen "Buch kaufen" sucht , findet auf der ersten Seite nur Treffer von konkurrierenden (Online-)Buchhändlern - die sich eben den ganzen Tag mit Onlinemarketing beschäftigen. Das stützt die These, dass lokale Player gegen die Marktmacht der ECommerce-Riesen kaum Chancen haben.
Offline beworben wird das Portal zudem nur über eigene Werbemittel wie Postkarten . Regionale Partner wie Stadtmarketing-Verbände fehlen zudem, was die Bekanntheit nicht gerade steigern dürfte. Unterm Strich kann Buchhandel.de in der aktuellen Form daher weder Kunden noch Händlern signifikante Mehrwerte bieten.
Online-City Wuppertal: Viele Pluspunkte, aber auch viele Fragezeichen
Etwas anders verhält es sich bei der Online-City Wuppertal , wo Einzelhändler ihre lokale 1A-Lage mit den Vorzügen des Onlineshoppings für Kunden kombinieren sollen. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundes, das durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert wird. Projektträger ist die Wirtschaftsförderung Wuppertal .Gestartet ist das regionale Shopping-Portal erst vor wenigen Tagen, aktuell sind daher erst 31 Händler auf der Online-Plattform vertreten.
Um das Portal zu bewerben, gibt es Aufkleber, Flyer und Werbebanner, mit denen teilnehmende Händler in ihren Geschäften trommeln und von ihrer Website aus auf das Portal verlinken können (Motto: "Online-City Wuppertal - wir sind dabei").
Insgesamt unterstützen acht Partner aus der Region das Portal, darunter lokale Sparkassen, Verbände und Medien. Die Partner verfügen damit zusammen durchaus über Potenzial, um das Portal gemeinsam groß zu machen.
Den Portalbetreibern spielt zudem in die Karten, dass sie nur Kunden aus Wuppertal auf sich aufmerksam machen müssen. Das könnte mit klassischen Werbemitteln wie Flyern gelingen. Zum Vergleich: Das Portal Buchhandel.de buhlt zwar auch um Kunden mit einem Faible für lokale Anbieter. Da der Börsenverein aber Kunden aus ganz Deutschland an lokale Händler vermitteln will, muss er sein Portal bundesweit bewerben.
Irrglaube: Express-Versand allein reicht nicht als Mehrwert
Beim Marketing haben es die Wuppertaler also einfacher. Und auch beim Service bietet man Mehrwerte. Punkten wollen die Projekt-Partner mit Same-Day-Delivery. So wird die Ware noch am selben Tag geliefert, wenn Kunden bis 17 Uhr auf dem Portal bestellen. Denn der E-Commerce-Dienstleister Atalanda kümmert sich nicht nur um den Shop-Betrieb, sondern koordiniert auch die Zustellung am selben Tag. Geliefert wird die Ware dabei über den Kurierdienst MyCocktail Taxi .Alternativ können sich Kunden auch die Ware in einer Filiale reservieren und anschließend vor Ort abholen. Mit beiden Vorteilen will man gegenüber Online-Pure-Playern wie Amazon kontern, die keine Filialen in der Nähe der Kunden betreiben und Ware in der Regel erst nach zwei bis drei Werktagen zustellen.
Same-Day-Delivery allein wird aber als Mehrwert nicht reichen. So zeigt eine Verbraucherbefragung des ECC Köln stellvertretend, dass Kunden ihre Ware lieber kostenlos als noch am selben Tag haben möchten (siehe Grafik).
Wichtiger als Same-Day-Delivery ist Kunden auch, dass die Ware zu einem verbindlichen Termin geliefert wird. Prinzipiell kann die Online-City Wuppertal diese Wünsche erfüllen. So ist statt einer Expresslieferung auch die Zustellung zu einem Wunschtermin möglich. Die Versandkosten von 5,95 Euro können Händler zudem subventionieren und für ihre Kunden übernehmen - wenn sie das denn möchten.
Ein kostenloser Versand ist aber kein Wettbewerbsvorteil auf Dauer, da diesen Service die Konkurrenten jederzeit kopieren können. Glücklicherweise entsteht aber auch über das Sortiment ein Mehrwert.
Einige Produkte wie diese Wuppertaler Früchtchen in Schokolade aus dem Naschkatzenparadies konnte ich bei meinen Recherchen jedenfalls bei keinem anderen Onlinehändler finden. Wer das Produkt schätzt und online kaufen will, muss also bei der Online-City Wuppertal kaufen.
Beim Sortiment kann die Online-City Wuppertal also punkten. Andere Produkte aus dem Angebot wie diese Armbanduhr von Junkers findet man allerdings auch in unzähligen Onlineshops. Die Projektpartner wären daher gut beraten, sich auf regionale Produkte zu konzentrieren und so subtil einen Kaufdruck zu erzeugen.
Damit das klappt, ist aber auch in Wuppertal jeder Einzelhändler selbst gefordert. So müssen teilnehmende Händler ihre Produktdaten eigenständig auf das Portal schaufeln, rechtskonforme Widerrufsbelehrungen texten und ihre Warenbestände aktuell halten. Die Projektträger schulen daher Händler und bieten eine Facebook-Gruppe, in der sich Partner gegenseitig unter die Arme greifen sollen. Ob das reicht, bleibt fraglich. Schließlich verdirbt ja nicht zuletzt die Produktdatenpflege vielen Händlern schnell die Lust am E-Commerce.
Locafox-Modell: Online finden, im Geschäft kaufen
Um Händlern möglichst jeden Mehraufwand zu ersparen, verfolgt das Start-up Locafox bei seinem Regional-Portal ein etwas anderes Geschäftsmodell als Buchhandel.de oder die Online-City Wuppertal. Das Prinzip: Locafox ist eine Online-Suchmaschine, die Bestände von lokalen Händlern listet. Kunden sollen sich auf dem Portal online über Produkte informieren, gekauft wird aber ausschließlich vor Ort in der Filiale. Denn der zentrale Gedanke hinter Locafox besteht darin, die Konsumenten von zuhause wieder in ein Ladengeschäft zu führen.Für Kunden soll dieses Modell einen zentralen Mehrwert bieten. Schließlich besagen Studien in schöner Regelmäßigkeit, dass sich Kunden zunächst online informieren und anschließend offline kaufen (Motto: Research online, purchase offline). Die lokale Online-Suchmaschine soll Kunden also Bestände von regionalen Händlern aufzeigen, damit sie diese dort kaufen können.
"Das Problem für viele stationäre Einzelhändler ist, dass sie im Internet im Vergleich zu Onlinehändlern meist eine geringere Sichtbarkeit für Konsumenten haben", sagt PR-Manager Thilo Grösch . "Und genau das möchten wir ändern."
Doch um dieses Ziel zu erreichen, muss auch Locafox erst sein Portal bekannt machen. Das wollen die Verantwortlichen einerseits über Onlinemarketing-Maßnahmen wie SEO erreichen, andererseits soll in TV- und Print-Werbung investiert werden. Das dürfte das Start-up aber kaum schaffen - auch wenn man seit dem Start im Frühjahr 2014 in der Teststadt Berlin bereits über 100 Händler als Kooperationspartner gewinnen konnte.
Die Krux: Langfristig will Locafox in allen deutschen Städten loslegen und regionale Kunden mit lokalen Händlern vernetzen. Wie der Börsenverein muss daher auch das Start-up sein Portal bundesweit bewerben und kann sich nicht auf ein beschränktes Einzugsgebiet wie die Online-City Wuppertal konzentrieren.
@myStore: Virtueller Schaufensterbummel soll Kunden inspirieren
Ganz ohne Eigeninitiative der Händler geht es zudem auch nicht. So muss der Einzelhändler natürlich auch für Locafox.de ein Warenwirtschaftssystem pflegen, in dem er seine Bestände aktuell hält. Dabei komme auf den Händler zwar so wenig Arbeit wie möglich zu. Letzten Endes sind sie aber doch wieder gefordert.Einige Händler könnten zwar bereits ihre Filialbestände in Echtzeit aktualisieren, andere dagegen erst mehrmals am Tag. Ein Händler muss daher eine Onlinereservierung zusätzlich bestätigen. Sonst kann es passieren, dass ein Produkt online beworben wird, das im Geschäft nicht mehr vorhanden ist. Um so etwas zu vermeiden, geht ECommerce-Berater Fisbeck bei seinem Projekt @myStore einen ganz anderen Weg.
Das Prinzip von @myStore: Kunden können in einer Smartphone-App virtuell die Schaufenster von Geschäften in ihrer Nähe begutachten. So sollen sich Kunden zu Käufen inspirieren lassen, wenn sie etwas kaufen wollen. Statt der Produktsuche wie bei Locafox steht also die Bedarfsweckung im Vordergrund, wie das Video zeigt:
Um Händlern keinen großen Aufwand zuzumuten, müssen diese nur ihr Schaufenster fotografieren. Über eine Smartphone-App lassen sich Bilder dann ins System spielen und Kunden über neue Produkte informieren. Wer Ware kaufen will, kann sie telefonisch reservieren. Denn eine Bestellfunktion gibt es mit Absicht nicht.
Düstere Aussichten: Ebay kann die Konkurrenz plattmachen
Ein schwierig zu realisierendes Konzept. Denn: "Eine Reservierung setzt voraus, dass die Bestände bekannt sind", erklärt Fisbeck. "Doch nicht einmal die großen nationalen Handelsketten verfügen in der Regel über Echtzeit-Informationen ihrer Filialbestände, die online abgebildet werden." Bei einer Reservierung per Telefon kann der Mitarbeiter dagegen während dem Gespräch einfach nachsehen, ob es den gewünschten Artikel noch zu kaufen gibt.Ein Teufelskreis droht allerdings auch bei diesem Modell, da Fisbeck sowohl Kunden als auch Händler parallel für sein Portal begeistern muss. Insofern stellt sich zwangsläufig die Frage, warum lokale Einzelhändler nicht von vornherein dort online verkaufen, wo sich ihre Zielgruppe bereits befindet - zum Beispiel auf Ebay.
Tatsächlich verknüpft Ebay zunehmend sein Portalgeschäft mit dem stationären Einzelhandel. So können seit diesem Herbst erste Multichannel-Händler wie Cyberport oder Conrad Electronic ihre lokalen Filialbestände auf dem Online-Marktplatz anzeigen. Dadurch kann der Kunde die Ware bei Ebay bestellen und vor Ort bei einem Händler in seiner Nähe abholen.
Damit macht Ebay also bereits heute genau das, was sich die Online-City Wuppertal und Konsorten zunehmend auf die Fahnen schreiben.
Mit dem entscheidenden Pluspunkt, dass Ebay bereits über eine etablierte Onlinemarke und 16,5 Mio. aktive Kunden in Deutschland verfügt. "Stationäre Händler können über Ebay das Sortiment ihrer Filialen zusätzlichen Käufern online zugänglich machen", argumentiert auch Stephan Zoll , Vice President von Ebay Deutschland.
Prinzipiell steht Ebay zwar allen interessierten Einzelhändlern offen, die über das Portal ihre Filialbestände verkaufen möchten. Voraussetzung ist aber eine Anbindung des Warenwirtschaftssystems des Händlers an Ebay Click & Collect. Ein Abgleich erfolgt dann in einem Zyklus von ca. 30 Minuten. Gleichzeitig wird beim Kaufabschluss ein weiterer Echtzeitabgleich durchgeführt, der die Warenverfügbarkeit sicherstellt.
Auch über Ebay werden langfristig also nur solche Einzelhändler erfolgreich verkaufen, die in den Onlinehandel investieren und E-Commerce nicht nur nebenbei betreiben. Diese Klientel dürfte mit Ebay in vielen Fällen aber besser fahren als mit einem jungen Regional-Portal, das erst mühsam Reichweite aufbauen muss. Die Zukunft des E-Commerce mag daher lokal sein. Auf Nischen-Portalen findet sie aber wohl nur in Ausnahmefällen statt.
Vier Szenarien zur Zukunft des lokalen Onlinehandels
Der Wildwuchs der Marktplätze
Immer mehr Verbraucher möchten auch online bei lokalen Händlern kaufen. Aus diesem Grund schließen sich immer mehr Einzelhändler auf verschiedenen Onlineportalen zusammen, die allesamt andere Regionen bedienen. Die Zahl der Marktplätze steigt rasant.
Die Monopolisierung schreitet weiter voran
Die Nachfrage nach lokalen Shopping-Portalen steigt zunehmend. Bedient wird diese Nachfrage aber von etablierten Online-Playern wie Ebay, die verstärkt regionale Angebote führen. Nischen-Portale haben im Wettbewerb keine Chance und verschwinden vom Markt.
Keine Zielgruppe für Local Commerce
Kunden kaufen weiter zunehmend online - woher die Produkte stammen, ist ihnen aber letztlich egal. So gewinnen die Big Player wie Amazon und Ebay weiter Marktanteile, eine Nachfrage nach regionalen Angeboten gibt es nicht. Die Zielgruppe für lokale Marktplätze gibt es daher nur auf dem Papier.
Local Commerce findet weiter offline statt
Verbraucher möchten durchaus lokal kaufen, tun das aber in diesem Fall weiter am liebsten offline. Nach regionalen Produkten wird online zwar gesucht, gekauft wird aber weiter vor Ort. Der Onlinehandel ist daher dann gefragt, wenn man überregionale Produkte wie zum Beispiele Mode kaufen möchte.

