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Zukunft des Interaktiv-Recruitings: Kein Licht am Tunnelende
08.10.2013 Die aktuelle Untersuchung von iBusiness belegt: Im Stellenmarkt der digitalen Wirtschaft wird hart um potenzielle Mitarbeiter gerungen - auch wenn an der einen oder anderen Stelle Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Aber vor allem in einem Segment scheint es eher der entgegenkommende Zug zu sein.
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Das geht aus der Auswertung der Stellenanzeigen hervor, die der Crawler der iBusiness Jobbörse auf den Online-Jobseiten der Internetagenturen und Interaktivdienstleistern gefunden hat. 3.388 interaktive Jobausschreibungen hat unserer Robot Anfang Oktober 2013 gefunden und auf iBusiness.de/jobs eingestellt. Das macht das iBusiness-Jobportal zur weitaus größten Fach-Stellenbörse der Branche. Und lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Agentur-Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt.
Kontinuierlich hoher Personalbedarf ohne saisonale Schwankungen
Auch wenn die eine oder andere Agentur ihre Stellenanzeigen bei großen Jobportalen einstellt (die der iBusiness-Robot nicht crawlt): In aller Regel werden die Agenturen ihren Stellenbedarf doch zumindest auch auf der eigenen Homepage kommunizieren - und hier werden sie erfasst und auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereitgestellt.
In den vergangenen neun Monaten pendelte die Zahl der ausgeschriebenen Interaktiv-Stellen stets deutlich oberhalb der 3000er-Marke. Die Schwankungen lagen dabei unter zehn Prozent. Selbst in der Sommerpause im Juli und August - und während des branchenweiten Partyausflugs nach Köln Mitte September - suchten die Agenturchefs in Deutschland, Österreich und der Schweiz unverändert und unverdrossen nach neuen Leuten.
Unbereinigt um doppelte Ausschreibungen innerhalb einer einzigen Stellenanzeige, sind es in der Spitzenzeit Mitte Juni sogar über 4.500 Stellenanzeigen, mit denen die Agenturen um neue Mitarbeiter buhlen. In jeder vierten Stellenanzeige suchen die Agenturen dabei einen Programmierer - der Anteil hat sich seit Jahresanfang nicht verändert. Ebenfalls unverändert ist die Zahl der Stellenanzeigen, in denen Designer und Grafiker gesucht werden - rund jede zehnte Stellenanzeige fischt nach dieser Profession.
Leicht entspannt hat sich offensichtlich der Arbeitsmarkt bei Konzeptionern und Textern - hier ist ein Rückgang von einem Viertel zu beobachten. Auch bei der Administration (minus 19 Prozent) und bei der Technik (minus 15 Prozent) haben die Agenturen Stellen besetzen können - ebenso wie bei SEM/SEO (minus neun Prozent) und Vertrieb (minus acht Prozent).
Gewachsen ist hingegen die Nachfrage nach ECommerce-Experten. Sie hat sich gegenüber dem Jahreswechsel 2012/2013 fast verdoppelt - wenn auch von bescheidener Basis aus: Lediglich 2,7 Prozent aller im iBusiness-Jobmarkt gelisteten Stellenanzeigen stammen aus diesem Bereich. Das ist allerdings nicht verwunderlich, weil der iBusiness-Crawler vor allem die Webseiten von Dienstleistern und Agenturen besucht - Onlineshops, die für den Löwenanteil der offenen ECommerce-Jobs in Deutschland verantwortlich sind, werden bislang nicht berücksichtigt.
Durchschnittliche Standzeit von Stellenanzeigen:
Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Unser Robot überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche ausgelaufen sind. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.
Interessant ist deshalb vor allem die (im Chart rot markierte) Trendlinie, die den 12-Monats-Durchschnitt markiert. Der Anstieg der Trendlinie bis zum März 2013 ergibt sich daraus, dass iBusiness ein Jahr zuvor, im März 2012 - mit dem Setup des Crawlers fertig geworden ist: Erst ab April 2014 verfügt der iBusiness-Crawler über repräsentative Zahlen des Vorjahrs.
Seit April 2013 liegt die durchschnittliche Laufzeit einer (ausgelaufenen) Interaktiv-Stellenanzeige über alle Regionen und Positionen hinweg bei 120 bis 130 Tagen. Bis eine Stellenanzeige von der Agentur abgeschaltet wurde - entweder, weil die Stelle besetzt wurde oder aber wenn die Agentur die Suche aufgegeben hat (oder eine Agentur eine Stellenanzeige mit geändertem Text neu einstellt und unser Robot die Dublette nicht erkennt) - war sie im Schnitt etwas über vier Monate lang online gewesen.
Dieser gleitende Gesamtdurchschnittswert hat sich im abgelaufenen Monat leicht erhöht. Das liegt wahrscheinlich daran, dass im Umfeld der Dmexco Stellenanzeigen abgeschaltet wurden, die besonders lange liefen - entweder, weil auf der Dmexco deutlich geworden ist, dass die Stelle so wie ausgeschrieben überhaupt nicht besetzt werden kann - oder aber, weil man sich in Köln mit einem Bewerber handelseinig geworden ist.
Mit jeweils über 150 Tagen sind es Mitarbeiter für Konzeption/Text, Design und Programmierung, die von den Agenturen am schwierigsten zu finden sind, dicht gefolgt von SEO/SEM-Experten, für die Stellenanzeigen 147 Tage online standen. Ebenfalls schwierig zu finden sind kompetente Consultants. Hier stehen Jobofferten immerhin im Schnitt 132 Tage. Noch am leichtesten zu finden für Agenturen sind ECommerce-Experten - auf sie müssen sie im Schnitt 85 Tage warten - allerdings mit stark steigender Tendenz. Offensichtlich gibt es eine Reihe von Onlineshop-Experten, die die kreative Umgebung einer Agentur der eines Handelsunternehmens oder Start-ups vorziehen - nur so ist die relative kurze Zeit zu erklären, in der ECommerce-Stellen zu besetzen sind.
"Wir warten auf das Licht am Ende des Tunnels. Selbst wenn es der Zug ist"
Wie das Problem des Personalmangels zu beheben ist - dafür gibt es ein ganzes Bündel an Vorschlägen. Die deutschen Interaktivagenturen werden sie nutzen, wenn sie alle anderen Alternativen ausgeschöpft haben:- Aktives Personalmarketing in Deutschland ("zu teuer, wir sind zu klein")
- Personalmarketing in Spanien, Italien und Griechenland ("zu teuer, wir sind zu klein, mehrere Sprachen funktioniert bei uns nicht")
- Eigene Ausbildung ("dauert zu lange, dafür sind wir zu klein")
- Kooperation mit Hochschulen ("zu aufwändig und kompliziert, wir sind zu klein")
- Gezielte Ansprache von Mitarbeitern der Generation 50 plus ("passen nicht ins Team und sind zu teuer, dafür sind wir zu klein")
Studien warnen regelmäßig vor Fachkräftemangel: "Die Hälfte der befragten Unternehmen (50,0 Prozent) hat bereits heute große Schwierigkeiten bei der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften. Diese Situation wird sich laut 56,4 Prozent der Unternehmen in den kommenden drei Jahren weiter verschärfen", schreibt beispielsweise die BVDW-Studie. Die wichtigsten drei Initiativen der allermeisten Agenturen gegen den grassierenden Personalmangel sind der Besuch der Dmexco, das Posten auf Facebook und das Jammern.
Ansonsten wird gewartet auf das Licht am Ende des Tunnels. Dafür ist man wenigstens nicht zu klein für.

