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Interaktiv-Recruiting: Warum es immer schwerer wird, Mitarbeiter zu finden

26.06.2014 Noch nie wurden von Deutschlands Agenturen so viele Mitarbeiter gesucht wie im Juni 2014, so die aktuelle Stellenmarkt-Analyse von iBusiness. Vor allem bei drei Berufsgruppen ist der Bedarf in den vergangenen 18 Monaten drastisch gestiegen.

 (Bild: Microsoft)
Bild: Microsoft
Nur selten sprießt in der HR-Wüste für Agenturen ein Mitarbeiterpflänzchen (Bild: SXC.hu/stubil)
Bild: SXC.hu/stubil
Nur selten sprießt in der HR-Wüste für Agenturen ein Mitarbeiterpflänzchen

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4.478 offene Stellen in knapp 3.500 Stellenanzeigen - mehr als jemals zuvor haben die deutschsprachigen Interaktivagenturen und -dienstleister im Juni 2014 laufen. Der Frühsommer ist zwar traditionell die Zeit des Jahres, an dem die HR-Verantwortlichen die meisten neuen Mitarbeiter suchen. Dennoch ist es deutlich mehr als im Frühsommer 2013 - und ein Zehntel mehr als zu Anfang dieses Jahres.

Das geht aus der Auswertung der Stellenanzeigen hervor, die der Crawler der iBusiness Jobbörse auf den Online-Jobseiten der Internetagenturen und Interaktivdienstleister gefunden hat. 3.485 interaktive Jobausschreibungen hat unserer Robot Ende Juni 2014 gefunden und auf iBusiness.de/jobs eingestellt. Das macht das iBusiness-Jobportal zur weitaus größten Fach-Stellenbörse der Interaktivbranche. Und lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Dienstleister- und Agentur-Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt. Denn auch wenn die eine oder andere Agentur ihre Stellenanzeigen bei großen Jobportalen einstellt (die der iBusiness-Robot nicht crawlt): In aller Regel werden die Agenturen ihren Stellenbedarf doch zumindest auch auf der eigenen Homepage kommunizieren - und hier werden sie erfasst und auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereitgestellt.

Die Zahl der laufenden Stellenanzeigen auf iBusiness.de/jobs hat im Frühsommer 2014 seinen bisherigen Höchststand erreicht
Die Zahl der laufenden Stellenanzeigen auf iBusiness.de/jobs hat im Frühsommer 2014 seinen bisherigen Höchststand erreicht (Grafik: iBusiness.de/jobs)

Personalbedarf bleibt trotz leichten saisonalen Schwankungen hoch

In den vergangenen anderthalb Jahren pendelte die Zahl der ausgeschriebenen Interaktiv-Stellen stets deutlich oberhalb der 4000er-Marke. Die Hochphase liegt dabei regelmäßig zwischen Mitte Juni und Anfang August - offenbar suchen die Agenturchefs in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allem zur zweiten Jahreshälfte nach neuen Mitarbeitern (und rechtzeitig vor dem alljährlichen Kölner Branchenauftrieb). Unbereinigt um doppelte Ausschreibungen innerhalb einer einzigen Stellenanzeige, waren es in der Spitzenzeit 2013 über 4.500 Stellenanzeigen, mit denen die Interaktivagenturen um neue Mitarbeiter buhlten. Das lässt für den Sommer 2014 noch einiges erwarten, lag doch schon Anfang Juni 2014 der Spitzenwert weit über 4.600 - gegenüber 4.300 im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Im Juni 2014 sind es - wie auch schon in den Monaten zuvor - immer noch vor allem die Programmierer, die von den Agenturen gesucht werden. In jeder vierten Stellenanzeige suchen die Agenturen nach einem solchen, gefolgt von Technik-Mitarbeitern (600) und Designern (473). Auf den folgenden Plätzen sind es
  • Vertriebsmitarbeiter (409)
  • Consultants (380) und
  • Onlinemarketers (334)
die von den Interaktiv-Dienstleistern und Internetagenturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allem gesucht werden.

Die Zahl der ECommerce-Stellenanzeigen bei Deutschlands Interaktivagenturen ist im Frühjahr 2014 deutlich angestiegen
Die Zahl der ECommerce-Stellenanzeigen bei Deutschlands Interaktivagenturen ist im Frühjahr 2014 deutlich angestiegen (Grafik: iBusiness.de/jobs)
Dass Consultants und Designer in der Reihung der nachgefragtesten Mitarbeiter die Plätze getauscht haben, deutet darauf hin, dass der Schwerpunkt der Agenturen immer noch bei der operativen Umsetzung liegt - als beim Beratungsgeschäft, wo es ja stärker um Vorbereitung von Projekten geht. Hier scheint sich der Engpass zu verschärfen. Ebenso wie schon vor vier Monaten rangieren Vertriebsmitarbeiter lediglich auf einem hinteren Platz der Wunschliste. Das zeigt, dass es den meisten Agenturgeschäftsführern sehr viel weniger um potenzielles Neukundengeschäft geht, wenn die Agentur wachsen soll, als um die Fähigkeit, die ohnehin einlaufenden Aufträge rechtzeitig abarbeiten zu können.

Gewachsen ist vor allem die Nachfrage nach ECommerce-Experten. Sie hat sich gegenüber dem Jahreswechsel 2012/2013 fast verdreifacht - wenn auch von bescheidener Basis aus: Lediglich 3,2 Prozent aller im iBusiness-Jobmarkt gelisteten Stellenanzeigen stammen aus diesem Bereich.

Das ist allerdings nicht verwunderlich, weil der iBusiness-Crawler vor allem die Webseiten von Dienstleistern und Agenturen besucht - Onlineshops, die logischerweise für den Löwenanteil der offenen ECommerce-Jobs in Deutschland verantwortlich sind, werden bislang nicht berücksichtigt.

Stabilisiert hat sich die durchschnittliche Dauer, die für die Besetzung einer Interaktiv-Stelle benötigt wird (rote Linie: gleitender 12-Wochen-Durchschnitt). Sie liegt gegenwärtig bei rund 125 Tagen.
Stabilisiert hat sich die durchschnittliche Dauer, die für die Besetzung einer Interaktiv-Stelle benötigt wird (rote Linie: gleitender 12-Wochen-Durchschnitt). Sie liegt gegenwärtig bei rund 125 Tagen. (Grafik: iBusiness.de/jobs)


Schwierig zu besetzen: Consulting- und Programmierer-Stellen

Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Unser Robot überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche sichtbar waren. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.

Aus diesen Werten lässt sich ermitteln, dass Stellen für
  • Programmierer (172 Tage Standzeit)
  • Consulting (164 Tage) und
  • Konzeptioner/Texter (163 Tage)
gegenwärtig besonders schwer zu besetzen sind.
Auch Designer (137 Tage Standzeit) und Onlinemarketer (131 Tage) sind kompliziert zu finden - oder der Bedarf ist so kontinuierlich, dass die Stellenanzeigen in der Regel über eine lange Zeit geschaltet werden, auch wenn die eine oder andere Stelle besetzt wird. Allerdings fällt auf, dass die Standzeiten für ausgelaufene Stellenanzeigen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den vergangenen Monaten durchschnittlich eher leicht zurückgegangen sind - sofern man das aus den stark schwankenden Werten der abgelaufenen Wochen ermitteln kann.

Die Trendkurve zeigt gegenwärtig wieder eher nach unten, auch die Spitzenwerte für die einzelnen Gewerke liegen deutlich unter denen vom Februar 2014, als beispielsweise Programmierer-Stellenanzeigen im Schnitt deutlich über 200 Tage lang liefen. Daraus lässt sich gegenwärtig die Vermutung ableiten, dass Stellen zwar schneller besetzt werden - der Bedarf bei den Agenturen umgekehrt allerdings dennoch eher steigt. Das kann nun entweder daran liegen, dass
  1. die Mitarbeiter schneller als früher ihren Agentur-Arbeitgeber wechseln oder
  2. der (Agentur-)Arbeitsmarkt stärker als bisher von Nicht-Agenturquellen (zum Beispiel klassische Unternehmen oder Universitäten) versorgt wird, die Quellen werden aber genau so schnell aufgesaugt, wie sie sprudeln
Beim ersten Szenario (Mitarbeiter wechseln von Agentur zu Agentur) würde die Zahl der Mitarbeiter in den Agenturen eher konstant bleiben, im zweiten Szenario würden die Agenturen eher wachsen. Ein Blick in die Auswertung des Internetagentur-Rankings 2014 zeigt: 11.196 fest angestellte Mitarbeiter beschäftigten die (größten deutschen 217) Interaktivagenturen, das bedeutet nur einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr. iBusiness analysierte im April: "Schlussfolgern lässt sich daraus, dass die Branche den anhaltenden Fachkräftemangel nach wie vor nicht in den Griff bekommt. So steigt die Mitarbeiterzahl in den Agenturen deutlich langsamer als der Personal-Bedarf sein dürfte, um dem Markt- und Umsatzwachstum gerecht werden zu können."
Zusammen mit den Zahlen, die der Stellenmarkt-Robot ausspuckt, bedeutet das: Das Mitarbeiterkarussell dreht sich eher schneller, Mitarbeiterbindungsmaßnahmen werden für Dienstleister strategisch wichtiger.

E-Commerce und Schulung werden wichtiger

Eine interessante Erkenntnis kann man gewinnen, wenn man die Zahl der im Januar 2013 von deutschsprachigen Agenturen und Dienstleistern gesuchten Mitarbeiterarten mit einem Index von 100 ansetzt und dann die Veränderung in den vergangenen anderthalb Jahren betrachtet.

Entwicklung der Berufsgattungen in der Interaktivbranche nach Index Januar 2013 bis Juni 2014 (Basis: Zahl der laufenden Stellenanzeigen; Januar 2013 = 100)
Entwicklung der Berufsgattungen in der Interaktivbranche nach Index Januar 2013 bis Juni 2014 (Basis: Zahl der laufenden Stellenanzeigen; Januar 2013 = 100) (Grafik: iBusiness.de/jobs)


Hier stellt man fest, dass (trotz starker Schwankungen) drei Berufsgruppen herausstechen: Im Juni 2014 suchen Agenturen dreimal mehr ECommerce-Experten und mehr als doppelt so viele Trainings-Experten. Auch Redakteure werden immer wieder stark gesucht - so zuletzt zum Jahreswechsel 2013/2014 als auch Mitte Mai (jeweils plus 20 Prozent). Im Bereich Konzeption/Text ist die Nachfrage relativ um ein Viertel zurückgegangen - offensichtlich kaufen Agenturen hier zunehmend Dienstleistungen von Freelancern ein. In den anderen Tätigkeitsfeldern sieht man Schwankungen, die sich im Bereich von plus/minus zehn Prozent bewegen. Projektleiter werden tendenziell eher weniger gesucht, Mitarbeiter in der Administration phasenweise sehr stark.

Für Agenturgeschäftsführer und HR-Verantwortliche bedeuten diese Zahlen vor allem eines: Agenturen müssen sich verabschieden von ihrer Lieblings-Personalpolitik: Dem Durchwurschteln.
Thema: Interaktiv-Recruiting: Warum es immer schwerer wird, Mitarbeiter zu finden

Kommentar von Joachim Graf

Vier Szenarien für eine erfolgreiche Agentur-Personalpolitik

Durchwursteln, fliegen auf Sicht: Die gängigen Managementmethoden deutschsprachiger Agenturen funktionieren immer weniger. Das kann fatal werden.

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Joachim Graf (Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
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