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Interaktiv-Trends 2022/2023 (12): Post-Corona-Publishing
27.12.2021 Corona hat die Medienkonkurrenz neu angeheizt, der sich das Medium Buch gegenübersieht. Buchhändler, besonders kleine, haben die Lockdowns meisterhaft durchschifft, nun müssen Verlage von ihnen lernen.
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Das Buch dagegen, in seiner ursprünglichsten, gedruckten Form, ist derart erstaunlich widerstandsfähig - da wird jede Virus-Variante blass. "Die Menschen haben sich die Zeit genommen, Bücher zu lesen und der Handel hat sich als flexibel und kreativ bei der Lieferung erwiesen", sagt auch Buchmarkt-Experte Holger Ehling von Ehlingmedia . "Wo der Buchhandel während der Lockdowns geschlossen bleiben musste, haben die Händler online als Kanal genutzt und dann die Ware teilweise beim Metzger oder Bäcker nebenan zum Abholen abgelegt." Unter dem Strich steht am ersehnten Ende von Corona für den Buchhandel aktuell ein massiver Einbruch in 2020, der bei vielen mit Erfolg lebensrettende Eigeninitiative entfesselt hat - einige dagegen die Existenz gekostet hat. Große Ketten wie Waterstones und Barnes and Noble etwa "haben die Pandemie für eine Flächenbereinigung genutzt und Filialen dicht gemacht", sagt Holger Ehling, "das ist aber kaum jemandem aufgefallen, weil die Geschäfte geschlossen waren."
Für den Onlinehandel war die Pandemie eine Triebfeder: Der Anteil des E-Commerce mit Büchern am Gesamtumsatz ist deutlich gestiegen und hat trotz massiver Handelseinbrüche die Branche getragen.
Corona hat, wie in anderen Branchen, damit die Weichen für die weitere Entwicklung nicht gestellt, aber den Zug, der darauf fährt, mehr Fahrt aufnehmen lassen. Drei Trends bestimmen die Zukunft des Publishings in der Post-Corona- und Post-Lockdown-Ära.
Trend: Ressource Papier - weitere Verknappung der Titel-Vielfalt
Die Verlagerung des Buchgeschäftes vom stationären Handel (in dem man ein Buch einfach mitnimmt) auf den E-Commerce (der einen Karton benötigt, um es zu versenden), hat eine gravierende Folge gehabt: Weltweite Papierknappheit. Papiergigant StoraEnso hat in mehreren Firmen die Produktion ausschließlich auf Kartons umgestellt, um der Nachfrage der Onlineshops gerecht zu werden. In der Folge fehlt das Papier für Bücher. Verlage verwenden daher die Ressourcen, die sie haben, lieber auf potentielle oder sichere Bestseller und erhöhen hier die Auflage, statt ein breitgefächertes Programm zu fahren. Der bestehende Trend der Programm-Fokussierung bei den Verlagen wird also durch Corona zusätzlich befeuert.Trend: Ressource Zeit - weitere Verknappung des Aufmerksamkeitsbudgets
Neben dem Buch sind vor allem VoD-Streaming und Podcast-Konsum eine der Lieblingsbeschäftigungen der Menschen im Lockdown gewesen. Die Medien sind nicht zwingend unmittelbare Konkurrenten, Bücher lassen sich gut in Audio-Formate oder VoD-Serien überführen und der Konsum schließt einander auch nicht aus (sogar ein Kind, das Serien streamt, kann trotzdem ein Buch lesen, auch wenn gerne so getan wird, als wäre das Gegenteil der Fall). Die Knappheit liegt bei einer nicht vergrößerbaren Ressource, der Zeit. Das Buch ist zu einem von vielen Medien geworden, das um ein Kontingent vom Aufmerksamkeitsbudget buhlt und dieser Trend hat sich mit der steigenden Zahl von Streaming-Abos im Lockdown nur verstärkt. Dieser zunehmende Mangel an Zeit aufgrund zunehmender Medienkonkurrenz ist vielleicht der größte Gamechanger für die Verlagsbranche.Die Konsequenz daraus haben Verlage teilweise schon gezogen, müssen sie aber noch drastischer vorantreiben: Das enge Denken in Büchern gegen das Denken in Stoffen/Themen auszutauschen. Ein Buch ist nach wie vor das "resiliente Medium des Agenda-Settings", wie Publishing-Experte Ehrhardt Heinold , Geschäftsführer der auf Verlage spezialisierten Unternehmensberatung Heinold, Spiller & Partner Unternehmensberatung GmbH , es nennt. Doch hier endet die Verwertungskette nicht: Das Buch kann Film/Serie, App, Hörspiel, Podcast, Brett- und/oder Computerspiel werden - und sollte es, denn so partizipieren die Verlage wieder auf breiterer Ebene an der Verteilung des Aufmerksamkeitsbudgets.
