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Interaktiv-Trends 2013 (12): Couch-Commerce statt Mobil-Commerce
02.01.2013 Hartnäckig hält sich der Mythos vom mobil kaufenden Kunden. Dass Nutzer aber eben nicht unterwegs online-shoppen ist belegbar. 2013 wird auf breiter Front die Erkenntnis bringen: "Mobil"-Commerce ist ein Couch-Commerce.
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Das legt nahe, was schon immer einleuchtend erschien: Von Mobilgeräten eingekaufte Waren sind mehrheitlich keine mobil gekauften Waren. Sondern der M-Commerce bezeichnet ein Shopping, das daheim im WLAN stattfindet - nur mit dem fixen Mobilgerät statt dem PC, den man erst umständlich hochfahren muss. Rechnet man aus den 30 ECommerce-Milliarden mit Hilfe der Etracker-Zahlen, den durchschnittlichen auf Mobilgeräten eingekauften Warenkörben und einigen anderen Parametern den wahren M-Commerce heraus, bleiben etwa 170 Millionen wirkliche, mobile Einkäufe übrig. Ein extremer Nischenmarkt, der hauptsächlich aus virtuellen Gütern bestehen dürfte.
Nichtsdestotrotz gehen Prognosen von einem Umsatzvolumen des reinen M-Commerce bis 2015 von rund fünf Milliarden aus. De facto ist der M-Commerce jedoch ein Couch-Commerce. Das Einkaufsverhalten des mobilen Nutzers ist ein Lean-Back-Szenario und muss entsprechend vom Marketing und von Shops adressiert werden, um ihn zu konvertieren.
- Die-Mobil-ist-gleich-unterwegs-Illusion:
Mobiler Commerce bedeutet: Der Nutzer kauft von unterwegs. Die Smartphone-Revolution hat neben dem stationären PC einen neuen Verkaufspunkt erschaffen: Das Überall.
Die Wahrheit: :
Es geht also nicht darum, via Local Targeting einen Nutzer anzusprechen, der mobil ist. Vielmehr verschiebt sich das Surfen vom stationären auf ein mobiles Endgerät. - Die Nutzer-kaufen-mobil-gerne-physische-Güter-Illusion:
Nutzer kaufen gerne von unterwegs aus physische Güter wie Möbel, Elektronik, Gartenzubehör, Bücher und so fort.
Die Wahrheit:
M-Commerce trägt mit hoher Wahrscheinlichkeit lediglich mit mobil konsumierbaren oder zum Mobilgerät als Zusatzausstattung zugehörigen, virtuellen Gütern zum E-Commerce bei (Games, Musik, virtuelle Währung). - Die MCommerce-erhöht-den-ECommerce-Umsatz-Illusion:
M-Commerce ist ein autonomer Wachstumsfaktor und versorgt den E-Commerce über dessen eigentliches Wachstumpotenzial hinaus mit neuen Geldzuströmen.
Die Wahrheit: :
M-Commerce ist auf das mobile Endgerät verlagerter E-Commerce. Das Wachstum stammt vom allgemeinen Wachstum des E-Commerce an sich oder entsteht dadurch, dass Smartphone-Nutzer zusätzliches Geld für mobile Güter ausgeben.
Analog zur Ernüchterung in Sachen Mobile-Commerce wird es zu einer Ernüchterung beim mobilen Advertising kommen: Noch gelten mobile Nutzer als besonders klickfreudig, mobile Banner als besonders aufmerksamkeitsstark. Doch die Aufdeckung der MCommerce-Lüge zeigt: Der mobile Werbemarkt hat keine finanzielle Säule auf der er ruht. Während (nicht-mobile) Internetwerbung den E-Commerce als Umsatzgenerator hat, gibt es für mobile Werbung keine Wertschöpfung als Gegengewicht, da nun mal mobil nichts gekauft wird - die paar Millionen Euro, die virtuelle Güter generieren, fallen kaum ins Gewicht.
- Mobile Banner werden daher künftig immer weniger als explizite Mobilwerbung gesehen werden, sondern als Teil geräteübergreifender Kampagnen.
- Die Klickzahlen werden sich den niedrigeren Desktop-Werten annähern, sobald mobile Banner ihren Novitäteneffekt verloren haben und anfangen, die Nutzer zu nerven.
- Immer mehr Adblocking-Programme für mobile Betriebssysteme werden Ad Impressions in den Smartphones und Tablets eliminieren
Vor diesem Hintergrund der allgemeinen Mobile-Erdung in 2013 sind vier Szenarien möglich, wie es mit dem Mobile-Commerce weitergehen wird.
Vier Szenarien für die Zukunft von "Mobile"-Commerce
Mobile-Commerce-Durchbruch
Große Teile des Konsums verlagern sich ins Mobile. Der M-Commerce als eigenes Shopping-Ökosystem zeitigt neue Werbe- und Einkaufsformen: Nutzer kaufen unterwegs auf Plakaten abgebildete, physische Güter ein, indem sie QR-Codes scannen oder NFC-Technologie nutzen. Käufer scharen sich um virtuelle, nur als Plakatwand existierende Supermarkttheken und shoppen zwischen Bahnsteig und Türschwelle Lebensmittel und so fort.
Das M-Commerce-Soufflé fällt zusammen
Die Erkenntnis, dass M-Commerce ein Hype und Kunstprodukt ist, setzt sich immer weiter durch. Mit dem Hype fällt der MCommerce-Beratermarkt und der Markt für mobiles Advertising in sich zusammen. Mobil wird als Teil ganzheitlicher Werbestrategien gesehen, spielt aber keine Rolle im Vertrieb, da es kein Verkaufskanal ist.
MCommerce-Nischen
Mobiler Commerce setzt sich auch jenseits virtueller Güter teilweise durch: In einigen Warensegmenten etabliert sich M-Commerce: Zum Beispiel für den Lebensmittelkauf von unterwegs, große Güter werden aber weiterhin am PC oder mit dem Mobilgerät auf der Couch gekauft.
Die MCommerce-Illusion lebt weiter
Es gibt zwar keinen M-Commerce jenseits virtueller Güter, aber das können alle, die mit der Illusion eines M-Commerce gut verdienen (Berater, Marketeers) lange genug verschleiern: Firmen werfen viel Geld für nicht existierende mobile Absatzkanäle hinaus.
Am: 02.01.2013

