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Interaktiv-Trends 2013 (12): Couch-Commerce statt Mobil-Commerce

02.01.2013 Hartnäckig hält sich der Mythos vom mobil kaufenden Kunden. Dass Nutzer aber eben nicht unterwegs online-shoppen ist belegbar. 2013 wird auf breiter Front die Erkenntnis bringen: "Mobil"-Commerce ist ein Couch-Commerce.

 (Bild: Jeremy Keith / flickr.com)
Bild: Jeremy Keith / flickr.com
Bild: Jeremy Keith / flickr.com unter Creative Commons Lizenz by
Nutzer nutzen mobile Geräte, kaufen aber nicht mobil ein (Bild: Jeremy Keith / flickr.com)
Bild: Jeremy Keith / flickr.com
Bild: Jeremy Keith / flickr.com unter Creative Commons Lizenz by
Nutzer nutzen mobile Geräte, kaufen aber nicht mobil ein

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Das Webanalyse-Unternehmen Etracker   hatte im Frühjahr 2012 nachgeprüft, ob Mobilgeräte wirklich mobil genutzt werden. Der bezwingend einfache Hebel, den sie ansetzten, war der Anteil von WLANs an der Internetnutzung von iPad und Co. Denn wer in einem WLAN surft, bewegt sich nicht vom Fleck (es sei denn, man zählt ICE-Fahrgäste mit, die die WLAN-Angebote der Deutschen Bahn   nutzen). Das Ergebnis: Bis zu 94 Prozent der Internetzugriffe von Tablets und Smartphones finden in WLANs statt.

Das tatsächliche Umsatzvolumen des M-Commerce in Deutschland
Das tatsächliche Umsatzvolumen des M-Commerce in Deutschland (Grafik: Hightext Verlag)
Das legt nahe, was schon immer einleuchtend erschien: Von Mobilgeräten eingekaufte Waren sind mehrheitlich keine mobil gekauften Waren. Sondern der M-Commerce bezeichnet ein Shopping, das daheim im WLAN stattfindet - nur mit dem fixen Mobilgerät statt dem PC, den man erst umständlich hochfahren muss. Rechnet man aus den 30 ECommerce-Milliarden mit Hilfe der Etracker-Zahlen, den durchschnittlichen auf Mobilgeräten eingekauften Warenkörben und einigen anderen Parametern den wahren M-Commerce heraus, bleiben etwa 170 Millionen wirkliche, mobile Einkäufe übrig. Ein extremer Nischenmarkt, der hauptsächlich aus virtuellen Gütern bestehen dürfte.

Nichtsdestotrotz gehen Prognosen von einem Umsatzvolumen des reinen M-Commerce bis 2015 von rund fünf Milliarden aus. De facto ist der M-Commerce jedoch ein Couch-Commerce. Das Einkaufsverhalten des mobilen Nutzers ist ein Lean-Back-Szenario und muss entsprechend vom Marketing und von Shops adressiert werden, um ihn zu konvertieren.

  1. Die-Mobil-ist-gleich-unterwegs-Illusion:
    Mobiler Commerce bedeutet: Der Nutzer kauft von unterwegs. Die Smartphone-Revolution hat neben dem stationären PC einen neuen Verkaufspunkt erschaffen: Das Überall.
    Die Wahrheit: :
    Es geht also nicht darum, via Local Targeting einen Nutzer anzusprechen, der mobil ist. Vielmehr verschiebt sich das Surfen vom stationären auf ein mobiles Endgerät.

  2. Die Nutzer-kaufen-mobil-gerne-physische-Güter-Illusion:
    Nutzer kaufen gerne von unterwegs aus physische Güter wie Möbel, Elektronik, Gartenzubehör, Bücher und so fort.
    Die Wahrheit:
    M-Commerce trägt mit hoher Wahrscheinlichkeit lediglich mit mobil konsumierbaren oder zum Mobilgerät als Zusatzausstattung zugehörigen, virtuellen Gütern zum E-Commerce bei (Games, Musik, virtuelle Währung).

  3. Die MCommerce-erhöht-den-ECommerce-Umsatz-Illusion:
    M-Commerce ist ein autonomer Wachstumsfaktor und versorgt den E-Commerce über dessen eigentliches Wachstumpotenzial hinaus mit neuen Geldzuströmen.
    Die Wahrheit: :
    M-Commerce ist auf das mobile Endgerät verlagerter E-Commerce. Das Wachstum stammt vom allgemeinen Wachstum des E-Commerce an sich oder entsteht dadurch, dass Smartphone-Nutzer zusätzliches Geld für mobile Güter ausgeben.

Analog zur Ernüchterung in Sachen Mobile-Commerce wird es zu einer Ernüchterung beim mobilen Advertising kommen: Noch gelten mobile Nutzer als besonders klickfreudig, mobile Banner als besonders aufmerksamkeitsstark. Doch die Aufdeckung der MCommerce-Lüge zeigt: Der mobile Werbemarkt hat keine finanzielle Säule auf der er ruht. Während (nicht-mobile) Internetwerbung den E-Commerce als Umsatzgenerator hat, gibt es für mobile Werbung keine Wertschöpfung als Gegengewicht, da nun mal mobil nichts gekauft wird - die paar Millionen Euro, die virtuelle Güter generieren, fallen kaum ins Gewicht.
  • Mobile Banner werden daher künftig immer weniger als explizite Mobilwerbung gesehen werden, sondern als Teil geräteübergreifender Kampagnen.
  • Die Klickzahlen werden sich den niedrigeren Desktop-Werten annähern, sobald mobile Banner ihren Novitäteneffekt verloren haben und anfangen, die Nutzer zu nerven.
  • Immer mehr Adblocking-Programme für mobile Betriebssysteme werden Ad Impressions in den Smartphones und Tablets eliminieren
.

Vor diesem Hintergrund der allgemeinen Mobile-Erdung in 2013 sind vier Szenarien möglich, wie es mit dem Mobile-Commerce weitergehen wird.

Vier Szenarien für die Zukunft von "Mobile"-Commerce

Best-Case-Szenarien
Worst-Case-Szenarien
Aktiv
5%
Best-Case-Szenario

Mobile-Commerce-Durchbruch

Große Teile des Konsums verlagern sich ins Mobile. Der M-Commerce als eigenes Shopping-Ökosystem zeitigt neue Werbe- und Einkaufsformen: Nutzer kaufen unterwegs auf Plakaten abgebildete, physische Güter ein, indem sie QR-Codes scannen oder NFC-Technologie nutzen. Käufer scharen sich um virtuelle, nur als Plakatwand existierende Supermarkttheken und shoppen zwischen Bahnsteig und Türschwelle Lebensmittel und so fort.

Aktiv
55%
Worst-Case-Szenario

Das M-Commerce-Soufflé fällt zusammen

Die Erkenntnis, dass M-Commerce ein Hype und Kunstprodukt ist, setzt sich immer weiter durch. Mit dem Hype fällt der MCommerce-Beratermarkt und der Markt für mobiles Advertising in sich zusammen. Mobil wird als Teil ganzheitlicher Werbestrategien gesehen, spielt aber keine Rolle im Vertrieb, da es kein Verkaufskanal ist.

Passiv
10 %
Best-Case-Szenario

MCommerce-Nischen

Mobiler Commerce setzt sich auch jenseits virtueller Güter teilweise durch: In einigen Warensegmenten etabliert sich M-Commerce: Zum Beispiel für den Lebensmittelkauf von unterwegs, große Güter werden aber weiterhin am PC oder mit dem Mobilgerät auf der Couch gekauft.

Passiv
30%
Worst-Case-Szenario

Die MCommerce-Illusion lebt weiter

Es gibt zwar keinen M-Commerce jenseits virtueller Güter, aber das können alle, die mit der Illusion eines M-Commerce gut verdienen (Berater, Marketeers) lange genug verschleiern: Firmen werfen viel Geld für nicht existierende mobile Absatzkanäle hinaus.

Thema: Interaktiv-Trends 2013 (12): Couch-Commerce statt Mobil-Commerce

Kommentar von Sebastian Halm

Langfristig gibt es Endgeräte-Agnostik und Commerce ohne M oder E

Mobiler Commerce ist jetzt schon ein veraltender Begriff. Die Unterscheidung zwischen Endgeräten wird schwinden und damit auch das M- und das E- vor Commerce.

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Bild: HighText Verlag
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Susanne Krause
Von: Susanne Krause ,  Forschungsverbund MV e.V.
Am: 02.01.2013

Zu: Interaktiv-Trends 2013 (12): Couch-Commerce statt Mobil-Commerce

Generell stimme ich Eurer Meinung voll zu. Der CouchCommerce ist eindeutig die treibende Kraft was die Post PC Geräte angeht. Nur hätte ich mir etwas aktuellere Untersuchungen gewünscht. Frühjahr 2012 ist doch etwas alt, zumal es aktuell diverse Untersuchungen der Holiday Season aus den USA gibt.
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