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Interaktiv-Trends 2017/2018 (6): Alleskönner-Messenger
23.12.2016 Während Facebook immer mehr Apps in seine Messenger einbaut, arbeitet Google an der Abschaffung der App: Während mobile Anwendungen also unter doppeltem Beschuss stehen, wird vor allem der Conversational-Commerce von dem Trend profitieren.
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Facebook hat angekündigt, seinen Messenger zu einer Plattform mit diversen Funktionen und Schnittstellen für Apps aufzubohren - in Teilen ist dies in Deutschland bereits geschehen: Mitte Januar wurde bekannt, dass eine Schnittstelle im Messenger Marken gestattet, eigene Chatbots zu programmieren. Bei denen können Nutzer dann automatische Newsupdates abonnieren, wie in einem Newsfeed. Die erste Zeitung, die sich in Deutschland dieser Schnittstelle bedient, ist Bild.de.
Fast zeitgleich gab Facebook bekannt, seinem Messenger in 2016 neue Funktionen zu verpassen - wie etwa Ticketkauf aus dem Chat heraus, einen virtuellen Assistenten namens M und einfachere Wege, mit Marken zu kommunizieren (da sich die Nutzer ja nichts sehnlicher wünschen, als mit Advertisern verkuppelt zu werden, die ihnen das Geld aus der Tasche ziehen wollen).
Was bedeutet es aber, wenn Messenger zu Plattformen werden? Zum einen sollen 'Threads' die neuen Apps werden - mit diesen Worten bläst Facebook selbst in seiner Ankündigung zum Angriff auf den mobilen Anwendungsmarkt. Neben Apps könnten sich aber auch Aktivitäten aus sozialen Netzwerken Richtung Messaging verschieben. Wie realistisch das ist, zeigt der Blick nach Fernost - da kommt das Vorbild her, bei dem sich Facebook seine Pläne abgeschaut hat: Weixin/WeChat .
Was Facebook plant, das tut Weixin schon seit Jahren: Der chinesische Messenger bietet ein ganzes Arsenal an Funktionen an: Nutzer können shoppen, bezahlen, Coupons beziehen - und Marken wiederum können auf elaborierte Ad-Steuerungs-Tools zugreifen oder eingabegesteuerte Service-Bots die Kundenberatung übernehmen lassen.
Neben Facebook arbeitet vor allem Google am Verschwinden der App: Wer sich in den Medien über Googles Entwicklermesse I/O 2016 informierte, bekam allenfalls mal einen verbuddelten Satz zur brisantesten Neuerung des Abends: Den Android Instant Apps - Apps, die Nutzer verwenden können, ohne sie zu installieren.
Damit läutet Google eine neue Ära ein: Das Ende der App-Ökonomie, die Dämmerung der Agenten - und vielleicht sogar den Niedergang eines mächtigen, konkurrierenden Ökosystems.
Die Apps, die nicht mehr installiert werden müssen, sollen zunächst einmal für Nutzer lästige Ladezeiten und fehlende Funktionen obsolet machen: Schickt jemand einem Freund ein Bild aus Snapchat heraus, dann kann der es dank Instant Apps künftig aus der Cloud heraus öffnen. Denn sein Android-Handy lädt nur eben kurz die Teile der Snapchat-App in den Zwischenspeicher, die es für die Bilddarstellung benötigt. Und danach verschwindet Snapchat wieder vom Handy. Nur ein Link, eingeblendet in das übermittelte Foto, fragt den Nutzer noch, ob er die ganze App downloaden will.
Dieses Instant-Prinzip kann wiederum gut für Commerce-Zwecke instrumentiert werden - man benötigt keine App eines Shops mehr, sondern taucht nur kurz in den Checkout ein, kauft - und ist fertig. Im Trend, Apps in Messengern beziehungsweise im Betriebssystem eines Handys aufgehen zu lassen, stecken also drei Aspekte:
- Mehr Conversational-Commerce,
- das Ende der App und:
- Messenger als Alleskönner
Denn auch der Alles-Könner-Messenger wird hier eher Nischenprodukt bleiben: Der deutsche Nutzer mag eine App pro Funktion, Applikationen als Schweizer Taschenmesser sind ein eher asiatisches Phänomen.
Das Verschwinden der App dagegen erscheint unaufhaltsam - es folgt dem mächtigen Trend zu Cloud und As-a-Service-Anwendungen. 2017 wird die App noch nicht vollends sterben, aber es ist das Jahr, in dem ihr Stern erstmals auf breiter Ebene spürbar sinkt.
