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Interaktiv-Trends 2017/2018 (4): Microservices und agile Informationsarchitektur

21.12.2016 Die digitale Wirtschaft vernetzt sich immer intensiver. Damit geht eine Komplexitätserhöhung einher, die sich nur mit der richtigen Informationsarchitektur bewältigen lässt. Microservices werden 2017 ein wichtiger Bestandteil davon.

Bei einer Microservice-Architektur arbeiten viele kleine Zahnräder zusammen, die einzeln entnehm- und wartbar sind. (Bild: Pexels / Pixabay.com)
Bild: Pexels / Pixabay.com
Bei einer Microservice-Architektur arbeiten viele kleine Zahnräder zusammen, die einzeln entnehm- und wartbar sind.

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Web-Anwendungen, die Microservices nutzen, machen nicht nur Entwickler, sondern auch das Business-Development und das gesamte Unternehmen agiler.
Immer schneller schreitet die technologische Entwicklung voran - so schnell, dass Unternehmen allein durch Projektmanagement-Maßnahmen (Agile, Scrum, Kanaban) das Tempo kaum noch halten können. Je weiter der Produkt- und Aufgabenbereich gefasst wird, desto schwieriger wird es. Erforderlich ist daher eine Software- und Unternehmensarchitektur, die eine Konzentration auf die wesentlichen Kernaufgaben im Unternehmen ermöglicht. Oder anders gesagt: Je leichter und einfacher sich andere (externe) Prozesse in die eigene Anwendung integrieren lassen, desto besser kann sich das Unternehmen auf das Wesentliche konzentrieren, Flaschenhälse vermeiden und agiler auf neue Entwicklungen reagieren.

Nächste Ausfahrt: Microservice?

Derzeit wird in der Softwareentwicklung unter dem Namen Microservices ein Konzept populär, das eine ganze Reihe dieser Vorteile realisieren soll. Es handelt sich um die komplette Zerlegung einer (serverbasierten) Anwendung in ihre einzelnen Funktionen. Jedes Feature (etwa: Suche, Warenkorb, Navigation etc.) wird als eigene Anwendung konzipiert, die über APIs (in der Regel RESTfull) kommunizieren. Ein typischer Microservice ist dabei so klein und übersichtlich, dass er von einem fünf- bis sechsköpfigen Team in einem kurzen Zeitraum (etwa ein Monat) neu entwickelt werden kann.

So bleibt im Unternehmen die Einarbeitungszeit kurz, und der Code übersichtlich. Es gibt keine versteckten Abhängigkeiten oder gewucherten Codeteile. Der Kommunikationsaufwand im Team sinkt, die Entwicklungszeiten und das Testing verkürzen sich. Die Eigenständigkeit der einzelnen Microservices ist so hoch, dass sie sogar in unterschiedlichen Programmiersprachen geschrieben sein können.

Bei Microservices wird jede einzelne Funktion als eigene Applikation abgebildet, die (möglichst) eigenständig lauffähig ist. Über API-Schnittstellen kommunizieren die Module und bilden die Gesamtanwendung. Die einzelnen Module bilden optimalerweise einen Geschäftsprozess ab und sind so dimensioniert, dass sie von einem kleinen Entwicklerteam in rund einem Monat komplett neu geschrieben werden können. Im Chart ist rot beispielhaft die Abhängigkeit in einem Checkout-Prozess abgebildet.
Bei Microservices wird jede einzelne Funktion als eigene Applikation abgebildet, die (möglichst) eigenständig lauffähig ist. Über API-Schnittstellen kommunizieren die Module und bilden die Gesamtanwendung. Die einzelnen Module bilden optimalerweise einen Geschäftsprozess ab und sind so dimensioniert, dass sie von einem kleinen Entwicklerteam in rund einem Monat komplett neu geschrieben werden können. Im Chart ist rot beispielhaft die Abhängigkeit in einem Checkout-Prozess abgebildet. (Grafik: iBusiness.de)

Hoher strategischer Nutzen

Aber nicht nur die Entwicklungsgeschwindigkeit profitiert von der Microservice-Architektur. Noch bedeutender ist der gesamtstrategische Vorteil: Das gesamte Unternehmen gewinnt an Agilität, Flexibilität und Integrationsfähigkeit.
Ringsherum werden immer mehr Geräte und Software-Agenten - Messenger, Lautsprecher und Smartphones - vernetzt und benötigen einen möglichst niederschwelligen Zugang zu Services und Ressourcen, wenn sie nahtlos angebunden werden sollen.
  • Distributed Computing. Eine Microservice-Architektur ermöglicht es, Software-Dienste - etwa eine Fahrplanabfrage oder eine Recommendation-Engine - anzubieten und nahtlos in andere Applikationen einzubinden.
  • Internet der Dinge. Auf API-Ebene lassen sich Informationen aus einer Vielzahl von Quellen entnehmen. So können Sensoren und IoT-Geräte in die eigene Applikation eingebunden werden.
  • Headless-Service. Informationsbereitstellung und -aufbereitung sind getrennt. Ein Shopsystem kann den Lieferstatus über Microservice und API direkt aus seiner Datenbank an eine Smartwatch-Applikation ausliefern, ohne dass jedesmal ein Visit ausgelöst werden muss. Die Datenaufbereitung findet im Frontend statt, der Microservice stellt nur die Daten bereit.
  • Prozesslogik. Ein Microservice zerlegt einen Geschäftsvorgang in einzelne Prozessschritte. Dadurch können sehr einfach neue Geschäftsmodelle modelliert werden. Will ein Shopbetreiber ein Abo-Modell ausprobieren, muss er die bestehenden Microservices nur neu gruppieren und wenige Prozesse (Aboverwaltung) neu programmieren.
Die Auflistung zeigt, dass ein konsequenter Einsatz von Microservices nicht nur die Performance der Entwicklungsabteilung beschleunigt und die Time-to-Market verkürzt, sondern zusätzlich die Vernetzung von internen und externen Prozessen deutlich vereinfacht.

Gerade in letzterer Eigenschaft liegt ein besonderer strategischer Vorteil. Sowohl im Back- als auch im Frontend werden die Integrations-Fähigkeiten in Zukunft wichtiger. Im Frontend, weil die Gerätevielfalt kontinuierlich zunimmt. Die Microservice-Fähigkeit, Daten headless bereitzustellen, erleichtert die Integration neuer Plattformen. Zugleich kann das Backend flexibel an neue Prozess-Anforderungen angepasst werden.
Thema: Interaktiv-Trends 2017/2018 (4): Microservices und agile Informationsarchitektur

Kommentar von Dominik Grollmann

Schrittweise in die Zukunft

Nicht jedes Unternehmen hat jederzeit die Gelegenheit, seine komplette IT-Infrastruktur über den Haufen zu werfen. Eine schrittweise Transformation ist daher nötig, die die bestehenden Ressourcen schont. Ein Ansatz aus der Headless-Architektur kann dabei helfen.

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Dominik Grollmann, iBusiness-Analyst (Dominik Grollmann)
Bild: Dominik Grollmann
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