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Neun Trends: So lukrativ wird die Autobranche für Internetunternehmen

09.09.2014 Der Online-Direktvertrieb mit Neuwagen kommt nicht in Fahrt. Trotzdem birgt das Internet unzählige Geschäftsmodelle für die Automobilbranche. Zum Beispiel die Neuwagenvermittlung und die Onlineberatung. Neun Digitaltrends bestimmen die Zukunft von Autohandel, -marketing und -werbung und zeigen, welche Geschäftspotenziale sich für Interaktivagenturen durch die digitale Transformation eröffnen werden.

 (Bild: Alden Jewell/Flickr)
Bild: Alden Jewell/Flickr
Bild: Alden Jewell/Flickr unter Creative Commons Lizenz by

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Die Automobilwirtschaft ist im Umbruch. Dank Internet, Social Media, Vernetzung und veränderten Mobilitätsvorstellungen wird sie in zehn Jahren kaum wiederzuerkennen sein. Dieser Wandel ändert nicht nur die Fahrzeuge selbst, sondern der Handel bringt neue Verkaufsmodelle hervor und die Hersteller arbeiten an alternativen Geschäftsmodellen. In der Konsequenz werden Marketing und Werbung interaktiver und die Budgets verschieben sich stärker ins Digitale.

Das macht den Automobilbereich zu einer besonders lukrativen Zukunftsbranche für Interaktivagenturen. Sie verspricht auf der einen Seite mehr Umsatz für große wie kleine Agenturen und stellt sie gleichzeitig vor eine spannende Herausforderung: neue Marketingkonzepte für eine Branche im Umbruch zu entwerfen.

Neun Trends analysieren, wie sich der Onlinehandel mit Autos entwickelt, und zeigen die Zukunftspotenziale auf, die sich für Interaktivagenturen und andere Internetunternehmen im Marketing, Advertising und digitaler Transformation im Automotivebereich ergeben.

Neun Trends zeigen, wie Internetunternehmen in Zukunft im Automotivebereich Geld verdienen

1. Neuwagen-Onlinehandel: Jetzt muss nur noch der Kunde mitmachen

2013 sind die deutschen Automobilhersteller Daimler   und BWM   in den Online-Neuwagenhandel eingestiegen. Daimler verkauft seitdem ausgewählte, vorkonfigurierte Modelle in Kooperation mit der Niederlassung in Hamburg über das Internet. Bei BMW kann man sich die Elektrofahrzeuge i3 und i8 im Web konfigurieren und bestellen. "Das Absatzvolumen ist für uns dabei nicht von vorrangiger Bedeutung", lautet das Fazit von Daimler. Deshalb wolle man keine Angaben zur Anzahl der verkauften Fahrzeuge machen. Schließlich sei "Mercedes-Benz connect me als Verkaufs- und Kommunikations-Plattform gedacht." Vor allem die Leadgenerierung stehe im Vordergrund, der Fokus liege auf den jüngeren Käufern. "Die bisher eingegangenen Bestellungen und vereinbarten Probefahrten zeigen: Mit unserem Online-Angebot treffen wir genau die Zielgruppe - junge Leute Mitte 20."

BMW dagegen äußerte sich bis zum Redaktionsschluss gar nicht auf die iBusiness-Anfrage. Fest steht, wer sich seinen i3   online bestellen will, braucht beim Konfigurieren viel Durchhaltevermögen und kennt sich am besten schon gut mit dem Fahrzeug aus, denn der Prozess ist kompliziert. "Die meisten Kunden wollen ihr Auto nicht allein zuhause konfigurieren. Das ist oftmals zu schwierig und für Rückfragen muss der Käufer dann doch wieder einen Händler konsultieren", weiß Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft. Aus dem Grund bietet Daimler ausschließlich vorkonfigurierte Mercedes-Benz-Modelle an.

Die Unternehmensberatung Arthur D. Little rechnet damit, dass der Anteil der international über das Internet gekauften Neufahrzeuge von heute drei Prozent bis 2020 auf nicht mehr als sechs Prozent klettern wird. Das geht aus der Studie Spinning the Wheel Online   von Anfang 2014 hervor. Die Hürden sind schließlich groß:
  • Das Auto ist ein besonders teures Konsumgut, für das die Kaufentscheidung vor allem emotional fällt.
  • Im Internet kann man das Auto nicht probefahren.
  • Der Onlinehändler kann ein Gebrauchtfahrzeug in den meisten Fällen nicht so einfach in Zahlung nehmen.
  • Die Vertragshändler der Hersteller haben eine starke Lobby und wehren sich dagegen, dass die Hersteller sie durch Onlineshops übergehen.
  • Der Neuwagenkauf ist durch Beratung, Vertragsaufsetzung, Authentifizierung, Finanzierung etc. zu kompliziert, als dass man ihn über einen einfachen Onlineshop abwickeln könnte.
  • Die meisten Kunden wollen so teure und komplexe Güter nicht online kaufen.
  • Die Hürde, 20.000 bis 40.000 Euro per Klick zu überweisen, ist für die meisten Kunden zu hoch.

Bereitschaft der Kunden weltweit ein Auto online zu kaufen: Zwar würden es 36 Prozent der deutschen Befragten in Betracht ziehen, ein Auto online zu kaufen. Jedoch ist die Zahl mit Vorsicht zu genießen, denn die Fragestellung besagt nichts darüber, ob der gesamte Kauf inklusive Zahlungsabwicklung ebenfalls online vonstatten geht. Der Anteil ist im Jahresvergleich fast gar nicht gestiegen.
Bereitschaft der Kunden weltweit ein Auto online zu kaufen: Zwar würden es 36 Prozent der deutschen Befragten in Betracht ziehen, ein Auto online zu kaufen. Jedoch ist die Zahl mit Vorsicht zu genießen, denn die Fragestellung besagt nichts darüber, ob der gesamte Kauf inklusive Zahlungsabwicklung ebenfalls online vonstatten geht. Der Anteil ist im Jahresvergleich fast gar nicht gestiegen. (Grafik: Capgemini)
Daimler zum Beispiel versucht einige dieser Hürden zu verringern: Bisher kann man die Mercedes-Modelle nicht kaufen, sondern nur Leasen - die Onlineüberweisung eines fünfstelligen Betrags entfällt also. Außerdem kann man Probefahrten über die Niederlassung in Hamburg vereinbaren und seinen alten Wagen in Zahlung geben. Es handelt sich im engeren Sinn also nicht um Onlinehandel, sondern eher um Crosschannel-Handel, bei dem der erste Kontakt über Online geht. Während des Vertriebsprozesses wird jeder Kanal entsprechend seiner Stärken eingesetzt.

Interessant für wen:
Commerce- und Kommunikationsexperten

Geschäftspotenzial:
Die Handelsexperten müssen Strategien entwickeln, die den Direktvertrieb von Neuwagen über das Netz für den Kunden praktikabel machen. Kommunikationsexperten werden dafür zuständig sein, den Onlinevertriebskanal bekannt und populär zu machen.

2. Andere Autohersteller werden nachziehen

Weitere Autohersteller sind (bis auf das amerikanische Start-up Tesla  ) in der Zwischenzeit zwar nicht in den Onlinehandel eingestiegen. Sie scheinen die Entwicklung der beiden Luxushersteller zu beobachten. Aber das Interesse ist da: "Der Online-Neuwagenhandel ist sicherlich ein Thema, mit dem sich alle Hersteller auseinandersetzen", ist sich Sascha Martini, CEO der Internetagentur Razorfish    sicher.

Sascha Martini, Razorfish (Bild: Razorfish)
Bild: Razorfish
Sascha Martini, Razorfish

Der Onlinemarketingexperte hat bereits für etliche Automobilhersteller gearbeitet. Als Hürden auf Händlerseite für den Einstieg nennt er die unterschiedlichen internen Strukturen sowie die Organisation der Händlernetze der einzelnen Autokonzerne. Dennoch ist er sich ganz sicher: "In den nächsten fünf Jahren werden etliche weitere Hersteller Ihre Autos online verkaufen." Vermutlich nicht nur wegen des blanken Absatzes, sondern ebenso aus Marketinggründen.

"Ich kann es mir gut vorstellen, dass durch die Tests von BMW oder Daimler die Welle des Neuwagenkaufs über das Internet weiter befeuert wird und weitere Hersteller diesem Beispiel folgen", sagt Ulf Heyden, Gründer des Neuwagenvermittlungsportals Rabatt-Auto.de  . In Bedrängnis sieht er sein Geschäftsmodell dadurch aber nicht: Jegliche Aktivität des Neuwagenvertriebs über das Internet werde diesen Kanal weiter stärken. "Unsere Rolle als Neuwagenvermittler ist dabei, für die Kunden eine Preistransparenz im Markt zu schaffen und die Kunden zu beraten."

Interessant für wen:
Eine Handvoll große Internetagenturen

Geschäftspotenzial:
Die Agenturen sind gefordert, die Webportale der Automobilhersteller einfach und intuitiv zu gestalten. Schließlich ist nach der Capgemini-Studie Cars Online 2014   der zweitwichtigste Grund für Kunden, ein Auto online zu kaufen, die einfachere und schnellere Kaufabwicklung. Der wichtigste Grund ist der günstigere Preis.


3. Neuwagen-Onlinevermittlung: Hier liegt das Potenzial

Unabhängige Neuwagenvermittlungsportale wie Rabatt-auto.de oder Mobile.de   sind im Gegensatz zu den Automobilherstellern bereits dabei, den Autohandel mit ihren Onlineportalen aufzumischen. Sie verkaufen nicht direkt, sondern führen Kaufinteressenten und stationäre Händler zusammen. Und dabei freuen sie sich über ein stattliches Wachstum: Zum Beispiel Rabatt-auto.de, das seit 2009 online ist, hat in den vergangenen zwölf Monaten die Zahl der Anfragen und Vermittlungen in etwa verdoppelt.

Ulf Heyden, Rabatt-auto.de (Bild: Ulf Heyden)
Bild: Ulf Heyden
Ulf Heyden, Rabatt-auto.de

"Wir vermitteln im Monat eine niedrige dreistellige Anzahl an Anfragen. Dabei wird eine niedrige zweistellige Anzahl an tatsächlichen Verkäufen generiert", berichtet Ulf Heyden. Er betont: "Da Neuwagenkäufer im Durchschnitt in Deutschland deutlich über 40, bei Premiummodellen gar über 50 Jahre alt sind, denke ich, dass wir hier erst am Anfang der Entwicklung sind."
Ähnlich sieht es Mobile.de. Das ursprüngliche Gebrauchtwagenportal hat Mitte 2013 die Neuwagenwelt gelauncht, die ebenfalls Neuwagenhändler und Kaufinteressenten zusammenbringt. Die Ebay-Tochter hat laut eigenen Angaben keine Information darüber, wie viele Vermittlungen zum Kauf führen. Immerhin haben knapp 7.000 Händler im Durchschnitt 128.000 Neuwagenangebote auf Mobile.de inseriert.

Die große Auswahl ist einer der Vorteile der Vermittlungsportale gegenüber den Herstellern. Laut Cars Online 2014 wünschen sich viele Kunden eine Anlaufstelle, um Modelle, Preise, Spezifikationen und Angebote verschiedener Hersteller zu vergleichen. Das Beratungsunternehmen zitiert in der Studie einen deutschen Teilnehmer: "Internetportale bieten dem Käufer eine größere und transparentere Auswahl. Viele Händler können auf diesen Plattformen ihre Fahrzeuge präsentieren und Käufer könnten darüber mehrere Autos von mehreren Anbietern vergleichen."

Der einfache und transparente Vergleich ist einer der wichtigen Gründe, warum der Onlinehandel in anderen Branchen so erfolgreich geworden ist. Nun wird er für die Neuwagenvermittlungsportale ein wichtiger Erfolgsfaktor werden.

Interessant für wen:
Interaktivagenturen, Start-ups, Autoportale

Geschäftspotenzial:
Der Markt der Neuwagenvermittlungsportale steht noch am Anfang und die Rollen der Player sind noch nicht verteilt. Vermutlich werden wir in den nächsten Monaten und Jahren noch etliche neue Player am Markt sehen - das Potenzial für weitere Unternehmen in diesem Bereich ist da. Gleichzeitig ergeben sich hier Geschäftschancen für Agenturen, die die Portale gestalten und programmieren, die Schnittstellen schaffen und die Apps bauen. Da ein Auto ein viel komplexeres Gut ist als ein Kleid oder ein Smartphone, sind die Ansprüche an den Aufbau der Webseiten besonders hoch. Die Herausforderung liegt darin, auf den Portalen möglichst viele Informationen vergleichbar und intuitiv bedienbar unterzubringen.


4. Autowerbung wird digitaler

Oliver Hülse, Rocket Fuel

Online-Autowerbung ist im Umbruch. Aus der punktuellen Kommunikation, die in regelmäßigen Abständen Launches oder ähnliche Neuerungen mit großen 360-Grad-Kampagnen bewirbt und dazwischen gar nicht, werden kontinuierliche Kampagnen. "Der Trend geht zur dauerhaften Kundenkommunikation rund ums Jahr, die contentgetrieben ist und vor allem über digitale Kanäle ausgespielt wird", hat Sascha Martini beobachtet. "Erst sie macht es möglich, dauerhaft mit dem Kunden in Kontakt zu bleiben." Oliver Hülse, Deutschland-Geschäftsführer von Rocket Fuel  , Anbieter von programmatischem Media-Einkauf, hat diesen Trend ebenfalls in der Onlinewerbung beobachtet: "Es geht immer häufiger um Storytelling - Werbung in Print und TV konsequent auch im Onlinebereich weiterführen." Dynamische Werbeanzeigen würden nicht mehr basierend auf Produktdatenbanken erstellt. "Stattdessen werden Inhalte der Automobilhersteller genutzt, um Anzeigen noch mehr auf die individuellen Interessen der Kunden abzustimmen."

Eine contentgetriebene dauerhafte Kommunikation macht vor allem im Automotivebereich viel Sinn, weil zwischen zwei Autokäufen meist mehrere Jahre liegen. Die Verbindung in dieser Zeit aufrechtzuerhalten, wird immer wichtiger. Denn ansonsten ist es eher Glückssache, den Kunden gerade dann mit der Werbung zu treffen, wenn er sich ein neues Auto zulegen will. Ein weiterer Grund ist die nachträgliche Kundenzufriedenheit: Wenn der Käufer auch in den Jahren danach über Kundenportale betreut und informiert wird, ist er auch im Nachhinein weiter mit seinem Kauf und der Marke glücklich, nimmt sie als hochwertig wahr.

Laut der Studie Cars Online 2014 informieren sich 97 Prozent der Konsumenten vor einem Autokauf im Internet. Social Media nutzen immerhin noch 38 Prozent. Die sozialen Netzwerke sind besonders bei der jüngeren Zielgruppe als Informationsquelle beliebt: Bei den 18- bis 34-Jährigen nutzen bereits 91 Prozent Social Media. Dementsprechend sind allgemeine Information, Support und regelmäßige sowie launchgetriebene interaktive Kampagnen über diese Kanäle ein Muss.

So sind Automobil-Onlinekampagnen erfolgreich
Rocket Fuel, Anbieter von programmatischem Media-Einkauf, hat 7.500 digitale Werbekampagnen analysiert und daraus die Erfolgsfaktoren   für die Automobilwerbung zusammengefasst:
  • Statt Bilder von Menschen sollten in Automobil-Anzeigen Bilder des Fahrzeugs im Vordergrund stehen. Menschliche Gesichter tragen nur dann zum Erfolg bei, wenn sie zusammen mit dem Auto erscheinen.
  • Auto-Anzeigen sollten entweder den Originalpreis zeigen oder gar keinen. Anzeigen, die Sonderangebote bewerben, haben eine tendenziell niedrigere Klick- und Conversion-Rate in einer Kampagne.
  • In Bezug auf die Inhalte sollte man in den Anzeigen die Sicherheit, Zuverlässigkeit oder Auszeichnungen hervorheben. Sie erzielen die höchsten klick- und Konversionsraten.
  • Die Nutzer bevorzugen Interaktivität: Die beliebtesten Kampagnen sind die, in denen die Benutzer die Auswahl der Farbe des Autos wechseln können.
  • Nach der Konfiguration sind andere beliebte Call-to-Actions geordnet nach der Wirksamkeit: "Details anzeigen", "Finden Sie Ihr Modell", "Vergleichen", "Angebote ansehen", "Händlersuche", "Erfahren Sie mehr", "Hier klicken" und "Jetzt kaufen".
  • Schwarz und die Option, die Farbe selbst zu bestimmen, sind in Bezug auf den Lack am beliebtesten und bringen am meisten Conversions.
  • Bei den Hintergrundfarben der Anzeigen sind Schwarz und Weiß in Bezug auf die Konversionsrate am effektivsten.
Außerdem stehen Kundenportale hoch im Kurs. Zum Beispiel Daimler bietet seinen Kunden mit Mercedes Me   eine Art Blog rund um das Thema Automotive und kombiniert es mit einem Log-in-Bereich, der aus den vernetzten Autos die Fahrzeugdaten wie Spritverbrauch und CO2-Ausstoß abruft und anzeigt.

Interessant für wen:
Interaktivagenturen, Social-Media-Agenturen, Content-Marketing-Agenturen, Start-ups

Geschäftspotenzial:
Automobilhersteller werden in Zukunft einen immer größeren Bedarf an Digitaldienstleistungen haben. Seien es Social-Media-Kampagnen, Contentstrategien oder Webprogrammierungen. Hier brauchen die Hersteller in Zukunft Spezialisten, die entsprechende Strategien für die 365-Tage-Kommunikation entwickeln und umsetzen.


5. Mobile Strategie rückt in den Vordergrund

Mobile Marketing etabliert sich in der Automotive-Sparte immer stärker. Zum Beispiel Mobile.de gibt an, dass mittlerweile rund 53 Prozent der Seitenaufrufe von mobilen Endgeräten stammen. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl der Seitenaufrufe über Smartphones und Tablets mit einem Plus von 241 Prozent mehr als verdreifacht. Ulf Heyden sieht bei Rabatt-auto.de die Verschiebung ebenfalls: "Wir haben seit einem Jahr die Seite im Responsive Design umgestellt und sehen vor allem im mobilen Kanal weitere Dynamik."

Das bedeutet auf der einen Seite, dass jedes Vertriebsportal inzwischen einen Mobilauftritt benötigt, sei es über eine App oder eine responsive Webseite. Auf der anderen Seite sollten Werbungtreibende als Konsequenz einen großen Teil der Desktop-Werbung in den Mobilkanal verschieben.

Bisher ist das noch nicht der Fall: Wie iBusiness in einer aktuellen Analyse feststellte, erfolgt ein Viertel des deutschen Webtraffics über mobile Endgeräte. Aber nur 5 Prozent aller Display-Werbeausgaben fließen in Mobile (Die Mobile-Advertising-Lücke: Warum in Deutschland viel zu wenig Geld in Mobilwerbung fließt). Dabei ist der Kraftfahrzeugmarkt eine Branche, die relativ viel in Mobilwerbung investiert: Sie liegt nach Dienstleistungen und Telekommunikation auf Platz drei. Dennoch haben Automotivekonzerne, die diesen Kanal als Werbeplattform nutzen, die Bühne für sich.

Darüber hinaus werden Apps für die Servicekommunikation ein unentbehrliches Tool und kurbeln die Kundenbindung über mobilitätsaffine Anwendungen an: Zum Beispiel BMW bietet über Start-up-Investitionen unter anderem die App ChargePoint   an, die Autofahrern die nächste E-Tankstelle zeigt, sowie Mycityway Now  , eine App, die für mehr als 70 Städte regionale Infos wie Verkehrsaufkommen, Notfallapotheken, Restaurants oder den nächsten Geldautomaten anzeigt.

Werbeinvestitionen in Mobile-Werbung nach Wirtschaftsbereichen: Die Kraftfahrzeugbranche liegt auf Platz drei
Werbeinvestitionen in Mobile-Werbung nach Wirtschaftsbereichen: Die Kraftfahrzeugbranche liegt auf Platz drei (Grafik: Nielsen/BVDW/MAC) Quelle: www.nielsen.de
Sogar für Automobilzulieferer oder andere autoaffine Unternehmen bietet es sich an, mobile Services als Marketingmaßnahmen anzubieten. Der Autozulieferer Bosch launchte erst kürzlich die AutoKostenApp  . Damit können Nutzer rund 10.000 Automodelle vergleichen und für ihre Anwendung das im Unterhalt günstigste Auto heraussuchen.

Interessant für wen:
Interaktivagenturen, App-Entwickler, Advertiser

Geschäftspotenzial:
Jedes Unternehmen aus dem Automotivebereich wird in Zukunft mobile Services oder Webseiten anbieten. Hier verbirgt sich viel Geschäftspotenzial für Agenturen. Darüber hinaus sollten Interaktive ihre Kunden aus dem Bereich von der Wirksamkeit von Mobile Advertising überzeugen; das sichert weiteres Budget. Zum Beispiel sollte jede neue App mit einer Mobile-Advertising-Kampagne beworben werden, damit die Nutzer überhaupt auf sie aufmerksam werden.


6. Beratung wandert zunehmend ins Internet

Die Kunden suchen zu fast 100 Prozent im Internet nach Informationen zum Neuwagenkauf sowie zum Support. Hersteller und Anbieter, die sich hier besonders prominent, transparent und hilfreich präsentieren, werden einen großen Vorsprung haben. Trotzdem, zu dem Schluss kommt Arthur D. Little, schöpft die Branche die Potenziale der Onlinetransformation in Sachen Kundenkommunikation nicht hinreichend aus.

Dabei haben Online-Anbieter heute die Chance, sich positiv vom stationären Handel abzusetzen. Denn laut Capgemini war nur gut die Hälfte der deutschen Autokäufer mit dem letzten Offline-Kaufprozess zufrieden. Hier ziehen die Hersteller und Anbieter bereits nach: "Das Niveau der Onlineberatung steigt", hat Sascha Martini beobachtet. "Zum Beispiel bieten einige Hersteller inzwischen die Onlineberatung per Videochat an."

Für den nachträglichen Support werden sich solche Modelle ebenfalls etablieren. Genauso werden wir neue Beratungslösungen sehen, vor allem von den Autoherstellern, die bereits online verkaufen, sowie von den Vergleichsportalen, die auf diese Weise ihre Händler und Interessenten zusammenbringen. Außerdem werden Foren, die von den Unternehmen selbst geleitet und moderiert werden, zum wichtigen Tool, über das die privaten Nutzer ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig Hilfestellung geben.

Interessant für wen:
Kundenserviceanbieter, Social-Media-Experten

Geschäftspotenzial:
Vor allem Unternehmen, die sich auf Kundenservice spezialisiert haben, können hier ihre Expertise über Beratung und Support einbringen. Social-Media-Agenturen unterstützen beim Aufbau einer Kunden-Community und einer Facebook-Support-Seite.


7. Autohändler müssen von der digitalen Transformation überzeugt werden

Zwar sind sich laut Arthur D. Little 66 Prozent der Autohändler bewusst, dass es durch das Internet zu weitreichenden strukturellen Veränderungen im Autohandel kommt. Dennoch hapere es an konkreten Ansätzen, um potenzielle zu tatsächlichen Kunden zu machen. Diese Tendenz zeigt sich auch in den nach wie vor langsamen Reaktionen von Händlern auf Anfragen von Kunden. Die meisten Kunden erwarten heute, dass in Echtzeit reagiert wird, während sich die Händler mit durchschnittlich 9 Stunden zufrieden geben - für viele Kunden ist dies jedoch zu lang.

Die Unternehmensberatung hat fünf Handlungslinien formuliert, die Automobilhändlern in Zusammenarbeit mit Interaktivagenturen und Handelsexperten helfen soll, Vorteile aus der Onlinetransformation zu ziehen:
  • Hersteller und Händler müssen ihre Marketing- und CRM-Prozesse weiter anpassen, um eine glaubwürdige und durchgängige Kundenerfahrung über alle Onlinekanäle hinweg gewährleisten zu können. In erster Linie sollte ein besserer Abgleich mit den Kundenbedürfnissen im Fokus stehen.
  • Neue Vertriebsformate sind gefragt, die Kunden an einem Ort ihrer Wahl bedienen.
  • Preis- und Produktstrategie müssen nachhaltig auf das Multi-Kanal-Konzept abgestimmt sein und zwischen Händlern und Herstellern abgesprochen werden.
  • Anspruchsvolle mobile Apps sowie integrierte Fahrzeugdienstleistungen haben nachhaltigen Einfluss auf die Kundenloyalität, die eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle darstellt.
  • Komplexe Standortstrukturen können auf lange Sicht nicht mit dem neuen Internetwettbewerb mithalten. Deshalb müssen Hersteller und Händler Vertriebsinitiativen starten, sonst werden sie von Zwischenhändlern überholt.

Interessant für wen:
Interaktivagenturen mit Knowhow in der digitalen Transformation, Handelsexperten

Geschäftspotenzial:
Hier sind die lokalen Interaktivagenturen der Autohändler gefragt, die digitale Transformation ins Rollen zu bringen. Online, Mobile, Social Media und Kundenservice - die gesamte Palette ist hier gefragt, um die Händler fit für die nächsten fünf Jahre zu machen.


8. Viel Potenzial im Teilehandel

Während der Autohandel im Internet - der echte mit Onlinebezahlung etc. - kaum vorhanden ist, boomt der Teile- und Reifenmarkt. Jährlich kaufen in Deutschland mehr als fünf Millionen Autofahrer Ersatzteile, Reifen, Felgen oder Zubehör für ihr Fahrzeug online ein. Das Jahresumsatzvolumen für Autoteile und Autoreifen via Internet liegt mittlerweile bei mehr als zwei Milliarden Euro. Zu diesen Ergebnissen kommt TNS Infratest im aktuellen Auto Teile Online Monitor (ATOM)   .

Besonders bemerkenswert sei, so die Experten von TNS Infratest, dass das Internet nicht einfach nur zusätzlich, sondern vielmehr vorzugsweise oder gar ausschließlich zum Teilekauf genutzt wird. Über die Hälfte der Onlinekäufer von Ersatz- und Zubehörteilen erwerben ihre Teile hauptsächlich oder nur noch im Internet.

Zwar haben sich große Player wie Kfzteile24.de   oder Tirendo   bereits am Markt breitgemacht. Doch die Analysten von TNS sind sich sicher, dass das Marktwachstum auch für Neueinsteiger weiterhin gute Aussichten auf Erfolg bietet. Hierbei spiele eine Rolle, dass sich die Kaufentscheidungsprozesse auf Seiten der Konsumenten noch nicht zu sehr gefestigt haben und der Kunde weiterhin offen sei für Alternativen. Einfachheit, Schnelligkeit, seriöse Angebote und günstige Preise seien hier die wichtigsten Kriterien. Außerdem werden die Hersteller selbst ihren Online-Teileverkauf stärker forcieren.

Interessant für wen:
Start-ups, Offline-Teilehändler, Interaktivagenturen

Geschäftspotenzial:
Da der Markt noch nicht gesättigt ist und weiter wächst, besteht Potenzial für Neulinge am Online-Teilemarkt - und sei es nur das Ziel, von einem der großen Player übernommen zu werden. Davon profitieren wiederum Internetagenturen, die für die Online-Auftritte zuständig sind.


9. Neue Mobilitätslösungen sind gefragt

Prof. Dr. Willi Diez (Bild: IFA)
Bild: IFA
Prof. Dr. Willi Diez

Nicht nur in der Kommunikation macht die Automotivebranche große Veränderungen durch, sie muss darüber hinaus auf das veränderte Mobilitätsbedürfnis der Menschen eingehen. Hersteller und Händler müssten in neuen Verwertungszyklen denken, sagt Willi Diez im Mobile.de-Experten-Workshop: "Wo können sich weitere Geschäftsfelder auftun? Carsharing ist eine Möglichkeit, aber Hersteller müssen über weitere Add-ons nachdenken."

Schließlich sei Carsharing, wie es BMW mit Drive Now   und Daimler und Europcar   mit Car2Go   anbieten, nur ein Modell für Ballungsgebiete, kritisiert Sascha Martini. "Die Hersteller werden sich neue Konzepte überlegen, die dem Wunsch entgegen kommen, auch ohne eigenes Auto jederzeit auf eines zugreifen zu können." Er sieht eine weitere Herausforderung für Mobilitätslösungen: die Flexibilität. "Viele Kunden wollen heute ein Cabrio für die Ausfahrt bei Sonnenschein und morgen einen Kombi für den Wochenendtrip mit der Familie ans Meer." Auch für solche Anforderungen werden sich die Automotive-Unternehmen Lösungen überlegen.

Interessant für wen:
Start-ups, Berater für digitale Geschäftsprozesse

Geschäftspotenzial:Transformationsexperten können mit den Automobilunternehmen neue Strategien für das veränderte Mobilitätsbedürfnis entwickeln. Daten in Blogs, sozialen Portalen et cetera helfen, die Anforderungen der potenziellen Kunden einzuschätzen. Ebenfalls für Start-ups, die innovative Ideen in dem Bereich entwickeln, ergeben sich gute Chancen im Bereich neue Mobilität.

Thema: Neun Trends: So lukrativ wird die Autobranche für Internetunternehmen

Kommentar von Verena Gründel

Nur einen Bremsweg entfernt

Das größte Geschäftspotenzial für Interaktivagenturen liegt beim Autohändler um die Ecke. Wenn dieser Gas geben statt bremsen will.

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Verena Gründel, iBusiness (Privat)
Bild: Privat
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