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Anti-Amazon-Strategie: Wie Shops vom Riesen profitieren - und unabhängig bleiben
10.04.2019 Umsätze auf Amazons Marktplatz zu generieren, ist kein Fehler - darauf zu vertrauen, das würde ewig gut gehen schon. So investieren Shops in Unabhängigkeit und lassen den Marketplace für ihre Zukunft arbeiten.
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Amazons Macht und Aufstieg ist beeindruckend: Binnen fünf Jahren hat sich die Zahl der Händler auf seinem Marktplatz etwa versechsfacht, von 23.000 in 2014 auf über 135.000 heute. Insgesamt macht der Shop fast neun Milliarden Euro Umsatz in Deutschland, dabei hat der Marktplatz-Umsatz den Eigen-Umsatz mittlerweile überholt: Amazon ist ein Marktplatz und Analysesoftware-Unternehmen (AWS) mit angehängtem eigenem Shop - eine gefährliche Kombination für Konkurrenten. Und zugleich erscheint es nahezu unmöglich auf Amazon zu verzichten.
Deutsche Shops und Marken benötigen also eine Strategie für Amazon - denn ohne ist es nahezu unmöglich, auf dem deutschen Markt zu bestehen. Und mit Amazon begibt man sich in eine gefährliche Abhängigkeit: "Es gibt Beispiele von Händlern mit Umsätzen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich", sagt Dominik Haupt: "Dort hat Amazon schrittweise das Geschäft selbst übernommen. In der Hinsicht sind die in den Verticals sehr umtriebig: Ab einem gewissen Umsatzvolumen besteht die Gefahr, dass Amazon sich selbst des Geschäftsfeldes annimmt."
Strategien zur Emanzipation von Amazon
Denn selbst wenn ein Händler oder eine Marke selbst das Fulfillment von via Amazon verkauften Waren abwickelt, darf kaum etwas unternommen werden, um eine direkte Kundenbeziehung aufzubauen - Werbeflyer oder Rabattgutscheine im Paket sind untersagt, oder wie Amazon auf iBusiness-Anfrage mitteilt: "Wir empfehlen (!), keine Werbemittel beizulegen." In Handlungen übersetzt bedeutet diese diplomatische Formulierung dann: "Legt man ein Mal etwas bei, wird man abgemahnt, bei zweiten Mal kann man von der Plattform fliegen", sagt Dominik Haupt.
Händler und Marken müssen also entweder außerhalb des Systems Amazon operieren oder dieses ausbeuten ohne zugleich gegen seine Restriktionen zu verstoßen, um sich davon zu emanzipieren. Unsere Strategien lassen sich einzeln anwenden oder aber konsekutiv - aufeinander aufbauend wie eine Leiter, beispielsweise in der hier vorgeschlagenen Reihenfolge.
Strategie/ Stufe eins: Ausbeutung schneller Amazon-Umsätze für nachhaltiges Wachstum
Shops und Händler können auf Amazon relativ schnell Sichtbarkeit und Umsatz generieren. Ebenso schnell können diese aber wieder verloren gehen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, die schnellen Umsätze von Amazon zum Aufbau nachhaltiger Geschäftsmodelle zu nutzen: Etwa zum Aufbau und zur Optimierung eines eigenen Shops, in Bestandskundenbindung und SEO (siehe unten), aber eben nicht in eine Optimierung der Amazon-Präsenz oder den Ausbau seiner Marketplace-Aktivitäten: Damit schmisse man dem launischen Ernährer seine Brosamen direkt zurück in den Hals. Als Faustformel empfiehlt Dominik Haupt darauf zu achten, ab wann "30 Prozent vom Umsatz über Amazon Marketplace generiert werden - ab da wird es dann gefährlich. Jeder hat verschiedene Umsatzkanäle, aber wenn ein bestimmter Anteil von Dritten stammt, generiere ich immer gleich Risiko mit." Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch nur Teilsortimente oder spezielle Angebots-Pakete auf Marketplace abbilden: Man lässt Produkte weg oder kombiniert sie miteinander (Handy plus Hülle, Drucker plus Toner), sodass Amazon die Analyse und Kopie des Sortiments erschwert oder unmöglich gemacht wird.Strategie/ Stufe zwei: Markenaufbau
Händler und Hersteller müssen zu Marken werden, wollen sie auch unabhängig von Amazon wahrgenommen werden: Wer austauschbare Waren verkauft und seinen Gewinn im Einkauf erzielen möchte, kann in diesem Spiel gegen den Shopgigant nicht gewinnen. Doch bekannte Marken sind Assets - sowohl außerhalb des Amazon-Kosmos (direkter Traffic auf die eigene Homepage) als auch innerhalb (bei einer Produktsuche, die mehrere Kinderfahrräder als Ergebnis zeitigt, wird die renommierte Qualitätsmarke stärker wahrgenommen werden). Eine Marke lässt sich in verschiedenen Dimensionen aufbauen. Denkbar ist etwa, eine Spezialisierung auf ein begrenztes Segment, für das man sich als Experte etabliert und das anschließend über Jahre hinweg ausgebaut wird. "McDonalds stand einmal für Burger und Pommes", sagt Thomas Praus. "Heute, im Zuge einer stärkeren Orientierung auf gesündere Produkte, haben sie es geschafft andere Produkte in ihr Portfolio aufzunehmen, ohne ihren Markenkern als beachtete Fastfood-Kette zu verlieren - vielen anderen ist das nicht gelungen."| Amazons-Suchergebnisse vs. Googles Suchergebnisse | |
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| Konversionsrate hoch, hohe Kaufintention | Niedriger als bei Amazon, Informationssuchende stärker vertreten |
| Am Ende des Funnels positioniert | Eher zu Beginn des Funnels angesiedelt |
| Generiert kleine Warenkörbe (kostenloser Primeversand lässt Kunden oft bestellen) | Warenkörbe via Adwords generierter Kunden sind größer (wollen Mindest-Bestellwerte erreichen) |
| Geringe Marge | Höhere Marge |
| Schnelles Erreichen von Toppositionen | Langsamer Aufbau von Sichtbarkeit |
| Rankings extrem volatil | Sichtbarkeit eher nachhaltig |
Strategie/ Stufe drei: SEA/SEO
Amazon stellt sich als Adwords-Konkurrent auf: Die bezahlten Treffer in den internen Amazon-Produktsuchen stehen verglichen mit Googles etabliertem Revenue-Stream noch am Anfang, die Funktionalitäten sind eingeschränkt und die Preise noch verlockend niedrig. Aber Amazon spannt hier ein weiteres Netz auf, um Händler und Marken einzufangen und nachhaltig an sich zu binden (siehe iBusiness-Analyse Amazon SEA). Grundsätzlich sollte jeder Verkäufer auf Amazon, der Werbegelder in die Plattform investiert, einen Split vornehmen und Budgets in Amazon-unabhängige Kanäle stecken - neben klassischem Google-SEA bietet sich hier etwa SEO an, empfiehlt Liesa Schulz, Senior SEA Growth Consultant bei Smarketer : "SEO ist teurer, dauert länger, erweist sich aber als lohnend: Es generiert potenziell treuere Kunden und ist nachhaltiger. In den organischen Amazon-Suchergebnissen geht es schnell nach oben und schnell fliegt man wieder hinaus."Strategie/ Stufe vier: Lead Nurturing
Den langsam mit diesen Strategien aufgebauten Bestandskundenstamm müssen Shops immer wieder adressieren und umwerben. Personalisiert, sorgsam, dosiert - dafür stehen ihnen viele Instrumente zur Verfügung, alle haben eigene Fallstricke. Das Ziel ist indes immer, aus den eigenen Kunden eine eigene mediale Reichweite zu generieren: Newsletterverteiler, Social-Media-Fans.| Kanäle und Tools im B2C-Lead-Nurturing |
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Facebook-SeiteLeads lassen sich direkt ansprechen mit Popup-Werbung oder gesponserten und ungesponserten Posts zu Angeboten/Coupons. Abgleich mit dem sozialen CRM möglich - bei gutem und gepflegtem Datenbestand sehr wirksames Tool. Premium-DiensteAmazon oder Conrad ködern Kunden mit Prime/Tek Flat nicht nur in einen Lock-in, sie füttern Leads am untersten Ende des Trichters - es ist die vollendete Bestandskundensicherung in einem eigenen Ökosystem. TransaktionsmailsWer sie nicht liebt, macht was falsch. Anlassbezogene Mails haben Öffnungsraten jenseits aller Newsletter und erlauben es der Marke, zu verschiedenen Punkten im Lifetime Cycle den Lead anzuschubsen. Liegt die Permission für Werbung vor, kann man hier gezieltes Up- und Cross-Selling betreiben. Obacht: Die Transaktionsmails müssen mit dem gleichen Engagement wie Newsletter gestaltet werden - keine brutal anzusehenden Buchstabenhaufen wie direkt aus dem ERP-System.Der Klassiker hat einen großen Fallstrick bei der jungen Zielgruppe - sie nutzt Mails oft nur noch für formelle Kommunikation - etwa Schreiben an den Uni-Prof. Wer hier mit Mails Lead Nurturing betreibt, stört schnell. BannerManchmal geht nichts anderes - etwa wenn keine guten Daten für andere Touchpoints vorliegen. Günstig, streut aber ohne Ende, geringe Klickrate.Print-MailingsTeuer. Aber edel und stark. Bitte immer Telefonnummern und Chat-Kontakt aufdrucken. Das erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer Kontaktaufnahme, es ist menschlich und seriös. |

