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KEP-Exklusivstudie: Was den E-Commerce im Lockdown verändert
22.06.2020 Die Bundesbürger haben mit den deutschen Paketdienstleistern während des Corona-Lockdowns fast durchwegs gute Erfahrungen gemacht, wie unsere aktuelle repräsentative Deutschlandumfrage zeigt. Aber das Nutzungsverhalten an der letzten Meile hat sich verändert - und nicht alle KEP-Anbieter waren darauf gleich gut vorbereitet.
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Mit der Durchführung von zwei identischen Befragungswellen wollten wir herausfinden, wie gut oder schlecht die einzelnen KEP-Dienstleister mit den Herausforderungen von Abstandsregelung, Homeoffice und Lockdown umgegangen sind - und welche Auswirkungen das für Bekanntheit und Reputation der Lieferdienste hatte. DHL und Hermes kennen jeweils mehr als neun von zehn Bundesbürgern als ECommerce-Paketdienstleister. Auf eine Bekanntheit von mehr als 80 Prozent kommen auch DPD und UPS sowie die Deutsche Post - die zweifelsfrei eine höhere Markenbekanntheit aufweist, aber nicht von jedem als Logistikdienstleister für Onlineshops wahrgenommen wird.
Ebenfalls relativ bekannt ist Auslandsversender GLS - knapp drei von vier Bundesbürgern können mit der Marke etwas anfangen, während Amazon nur von 60 Prozent auch als Paketdienstleister wahrgenommen wird. Relativ unbekannt sind das US-amerikanische Kurier- und Logistikunternehmen Fedex , das nur jedem zweiten Bundesbürger ein Begriff ist und der niederländische KEP-Dienstleister (und FedEx-Tochter) TNT , den nur zwei von fünf Deutschen kennen. Der vor allem regional aktive Briefversender PIN AG , Tochter der Ratinger Postcon , ist den meisten Nutzern in Deutschland unseren Erhebungen zufolge unbekannt.
Hier zeigt sich, dass die bekannten Dienste ihre Bekanntheit nochmals steigern konnten - vor allem TNT und DHL legten zu. Umgekehrt sind die Dienste, die überwiegend im B2B-Umfeld aktiv sind wie GLS und UPS, etwas aus dem Blickwinkel verschwunden. Amazon, außerhalb der großen Ballungszentren weniger vertreten, verlor in dieser Zeit am stärksten.
Im Mai wie auch im März haben wir abgefragt, ob diejenigen Bundesbürger, die den jeweiligen Paketdienstleister kennen, diesen auch genutzt haben - und auf welche Weise. In der Tabelle grün markiert sind die besonders herausragenden Abweichungen der Ergebnisse nach oben, rot die nach unten.
Hermes wurde danach weniger genutzt, die anderen Paketdienstleister mit Ausnahme von PIN mehr. Am stärksten schlägt dieser Trend bei DPD und der Deutschen Post durch. Der Wert "keinen Service genutzt" schrumpfte jeweils um knapp zwei Prozent. Deutlich wird, dass bei fast allen Paketdienstleistern der Wert für "nur Empfangen" angestiegen ist: Auch diejenigen Dienstleister mit weniger Marktdurchdringung klingelten zwischen März und Mai öfter an Haustüren, um Pakete abzugeben.
Während des Lockdowns: Mehr Versand bei den Marktführern
DHL, Hermes und Deutsche Post gehörten in der Lockdown-Zeit zu den Gewinnern, wenn es um den Fullservice aus Empfangen und Versenden geht. Bei diesen drei Anbietern steigt der Anteil derer, die diese auch zum Verschicken von Paketen nutzen, deutlich. Hermes konnte einen Teil seiner Empfänger-Stammkunden wohl auch zum Verschicken motivieren - das dürfte vor allem an der wachsenden Zahl von Retouren liegen, die direkt von der Haustür aus retourniert wurden.| Veränderung der Nutzung bei KEP-Dienstleistern in Deutschland Befragungen März 2020/Mai 2020 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| DHL | Hermes | DPD | GLS | UPS | Deutsche Post | Fedex | PIN | Amazon | TNT| nur Versenden | -0,26% | 0,35% | -0,03% | -0,61% | -0,02% | -1,95% | -0,10% | 0,00% | -0,01% | -0,01% | Versenden und Empfangen | 2,74% | 2,16% | -1,39% | -0,48% | -0,39% | 3,18% | -0,33% | -0,10% | 0,18% | 0,47% | nur Empfangen | -1,35% | -3,65% | 3,71% | 1,56% | 0,71% | 0,83% | 1,73% | -0,21% | -1,66% | 1,25% | Keinen Service genutzt | -0,12% | 1,50% | -1,87% | -1,19% | -1,63% | -1,82% | -0,49% | 0,18% | -1,12% | -0,09% | größte negative Entwicklung zwischen März und Mai 2020 | größte positive Entwicklung zwischen März und Mai 2020 | | |||||||||||||||||||||
Unverändert gilt: Post, Hermes und DHL sind diejenigen Dienstleister, die man am ehesten als Fullservice-Anbieter bezeichnen kann: Der Anteil derjenigen, die den Anbieter sowohl für das Versenden als auch das Empfangen von Paketen verwenden, ist bei diesen drei KEP-Dienstleistern besonders hoch. Umgekehrt ist es neben DPD, UPS und GLS vor allem der ECommerce-Riese Amazon, der für das Empfangen von Paketen genutzt wird. Das ist kein Wunder: Wird doch über Amazon ein nicht unerheblicher Teil des deutschen E-Commerce abgewickelt. Führend beim Versenden sind DHL und Deutsche Post, gefolgt von Hermes: Wenn Bundesbürger Pakete verschicken, dann über einen der drei Dienstleister.
Die deutschen KEP-Dienstleister machten auch in der Corona-Hochzeit einen guten Job
In unserer bevölkerungsrepräsentativen Studie haben wir zusätzlich jeweils abgefragt, welche Erfahrungen die Bundesbürger mit den einzelnen Paketdiensten gemacht haben. Die Fragen nach generellen Erfahrungen, Nutzerfreundlichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit stellten wir für jeden Paketdienst einzeln. Dabei haben wir ausschließlich diejenigen befragt, die angegeben hatten, vom jeweiligen Paketdienstleister Services in Anspruch genommen zu haben. Die Ergebnisse der gemittelten Antworten haben wir auf eine Fünf-Sterne-Skala übertragen, wobei fünf Sterne für "sehr gut", drei Sterne für "geht so" und ein Stern für "sehr schlecht" steht.Die Abweichungen der beiden Untersuchungen sind minimal. PIN und TNT hatten in der Studie jeweils die niedrigste Zahl von Antworten, deswegen fallen hier die Unterschiede aus statistischen Gründen etwas größer aus. Aber generell kann man sagen: Die generelle Zufriedenheit der Deutschen mit ihren ECommerce-Lieferdienstleistern hat auch in den vergangenen Monaten - trotz schwieriger Situation - nicht gelitten.
| Veränderung der Nutzererfahrung bei KEP-Dienstleistern in Deutschland bei den Befragungen im März 2020 und im Mai 2020 (Index: 1: sehr schlecht - 5: sehr gut) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| DHL | Hermes | DPD | GLS | UPS | Deutsche Post | Fedex | PIN | Amazon | TNT| Gesamterfahrung | 0,05 | 0,09 | 0,11 | 0,02 | -0,08 | 0,02 | -0,01 | 0,25 | -0,07 | 0,47 | Zuverlässigkeit | 0,04 | 0,04 | 0,04 | -0,01 | -0,08 | 0,04 | -0,24 | 0,09 | -0,02 | -0,13 | Pünktlichkeit | 0,01 | -0,01 | 0,02 | -0,03 | -0,10 | 0,02 | -0,24 | 0,01 | 0,00 | -0,10 | Nutzerfreundlichkeit | 0,04 | 0,01 | 0,04 | 0,05 | -0,03 | 0,04 | -0,10 | 0,00 | 0,01 | -0,07 | größte negative Entwicklung zwischen März und Mai 2020 | größte positive Entwicklung zwischen März und Mai 2020 | | |||||||||||||||||||||
Anne Putz , Head of Communication and Marketing bei der GLS Group, bestätigt unsere Untersuchungen aus eigener Sicht.
Sie begründet die Verschiebungen mit einer Verlagerung von B2B zu B2C - "mit anhaltender Tendenz". Die Menschen hätten die mit dem Onlineeinkauf verbundene Bequemlichkeit entdeckt, "die sie nicht wieder aufgeben wollen. Auch, dass sie andere Sachen online bestellen können, wie beispielsweise Rasenmäher, was die Zustellung zur eine Herausforderung macht."
Auch bei DHL liegen die eingelieferten Paketmengen "nach wie vor auf einem überdurchschnittlichen Niveau", erzählt DHL-Sprecher Alexander Edenhofer . "Allerdings nicht mehr in der Größenordnung wie in der Zeit um Ostern herum, in der wir an Spitzentagen bis zu 9 Millionen Paketsendungen pro Werktag im Netz hatten (statt 5 Mio. im Durchschnitt in normalen Zeiten)." Der Zuwachs liege gegenüber dem Vorjahr aber weiter im zweistelligen Prozentbereich. Er ist sich sicher, dass der Boom weitergeht: "Aktuell sehen wir keine Anzeichen, dass das Volumen kurzfristig zurückgehen wird."
Auch für Peter Rey , Sprecher bei DPD Deutschland decken sich unsere Erkenntnisse mit seinen Erfahrungen: Das ECommerce-Paketvolumen bei DPD sei seit Ende März sehr deutlich angestiegen. Dagegen sei das B2B-Volumen zeitgleich deutlich zurückgegangen. "Die B2B-Paketmengen erholen sich mittlerweile wieder, liegen aber noch immer unter Vorkrisenniveau. Dennoch sind unsere Mengen in Summe ungewöhnlich hoch." Die Auftragslage sei bei DPD aktuell ebenso hoch wie gewöhnlicherweise nur vor Weihnachten.
Hermes wiederum beobachtete im bisherigen Verlauf der Corona-Krise, dass sich "die Sendungsmengen sehr heterogen entwickelt" haben, wie Julia Kühnemuth , Managerin Corporate Communications bei Hermes Deutschland, sagt: "Während die Paketmengen zu Beginn der Corona-Krise leicht rückläufig waren, verzeichnen wir seit Anfang April massiv ansteigende Sendungsmengen." Nachdem in den vorangegangenen Monaten vorwiegend Hartwaren wie Heimwerkerbedarf, Elektrogeräte etc. und Güter des täglichen Bedarfs bestellt wurden - würden seit Ostern auch wieder vermehrt andere Warengruppen wie Modeartikel geordert.
In der aktuellen KEP-Studie geht der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) von einem Sendungsvolumen im gesamten Kurier-, Express- und Paketmarkt (KEP) in Deutschland für 2019 von 3,65 Mrd. Sendungen aus. 2019 nahmen insbesondere die nationalen Paketsendungen an Endkunden (B2C) an Fahrt auf. Sie legten um 8,6 Prozent zu. Die Anzahl der nationalen B2B-Paketsendungen sank um 2,8 Prozent. Die Ursachen für den Rückgang sind die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, die rückläufige inländische Produktion in Kundenmärkten, wie dem Fahrzeug- und Maschinenbau, sowie die zunehmenden handelspolitischen Unsicherheiten. Der Verband rechnet trotz Corona mit weiterem Wachstum - pro Jahr zwischen 3,6 und 4,2 Prozent. Bis 2024 klettert das Sendungsvolumen nach der BIEK-Prognose auf einen Wert zwischen 4,35 und 4,48 Mrd. Sendungen.
