Jetzt zum Webinar anmelden
Agenturwert berechnen
November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk
35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.
Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.
Alle Inhalte im November kostenlosRegistrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.
Facebook at Work: Der wahre Plan hinter Zuckerbergs Intranet-Projekt
02.12.2014 Facebook bringt ein zum Scheitern verurteiltes Social Intranet an den Start. Wieso eigentlich? Die Analyse der wahren Gründe hinter Zuckerbergs 'Facebook at Work'-Projekt zeigt: Der Konzern kämpft um sein zukünftiges Überleben.
HANDLUNGSRELEVANZ
|
|
Operativ |
Strategisch |
Visionär |
|
Technik |
|
|
|
|
Medien |
|
|
|
|
Wirtschaft |
|
|
|
|
|
heute |
morgen |
übermorgen |
Damit tut es Facebook Google gleich - vor etwas über zwei Jahren lancierte die Suchmaschine in seinem sozialen Netzwerk Plus eine Reihe von Funktionen, die es zum cloudbasierten Intranet machten: Geschlossene Gruppenchats, die Integration des Videokonferenz-Tools Hangout in Googles EMail- und andere Dienste oder gemeinsame Dokumentenbearbeitung.
Nun versucht also bereits der zweite Internet-Gigant den Intranet-Markt aufzumischen. Die iBusiness-Analyse zeigt, wie erfolgreich Googles Vorstoß war, welche Chancen Facebook hat - und vor allem: Wieso Facebook meint, ausgerechnet in diesem Markt aktiv werden zu müssen.
Google versus Facebook: Welcher Gigant ist mehr Intranet?
Google Plus hat gegenüber Facebook mittlerweile über zwei Jahre Vorsprung als Intranet (der weniger bekannte Kollaborations- und Webseiten-Dienst Site ist sogar seit 2009 online). Doch konnte sich Google Plus in dieser Zeit bei Unternehmen in diesem Marktsegment etablieren? Nein, sagt Wilms Buhse, CEO bei der auf digitale Transformation spezialisierten Managementberatung Doubleyuu : "Bei mittleren und großen Unternehmen ist mir Google Plus als Intranet kaum begegnet. Microsoft bleibt der dominante Player. Und als Cloudlösung aus den USA dürfte Google heute noch schlechtere Karten haben - nach dem NSA-Skandal." Wenig positiv fällt auch die Bilanz des Intranet-Experten Oliver Ueberholz aus. "Google Plus hat es nicht geschafft, in irgendeiner Form nennenswerte Nutzerkreise zu erreichen, weder als Netzwerk noch als Intranet. Das nutzt kaum einer - eine schlechte Basis für die Akzeptanz des Dienstes als Intranet", sagt der Geschäftsführer des Intra- und Extranet-Anbieters Mixxt GmbH .
Hat Facebook nun bessere Karten als Google, die interne Kommunikation in den Betrieben zu beherrschen? Das offenbart eine Analyse der beiden Unternehmen, in Bezug auf ihre Qualitäten als Intranet-Anbieter.
| Im Check: Die Intranet-Kompatibilität der großen Zwei | ||||
|---|---|---|---|---|
| Betätigungsfelder in der Interaktiv-Branche | ||||
| Erfahrung | Intranet und Netzwerke sind nicht Googles Domäne. Andere Firmen haben Jahre Vorsprung. | Auch Facebook ist kein Intranet-Spezialist, aber sie verstehen immerhin etwas von Social und Kommunikation. | ||
| Zu erwartende Akzeptanz | Jeder kennt Google, fast jeder nutzt es. Ein passables Einfallstor, um die Mitarbeiter an ein Intranet heranzuführen und Akzeptanz zu erzeugen. | Wahrscheinlich sind eh schon alle Mitarbeiter eines Betriebs bei Facebook - nur halt inoffiziell. Gute Voraussetzungen für die Nutzung. | ||
| Features | Videochat, Online-Speicher, Mailserver und vieles mehr - Google besitzt ein gutes Portfolio an Lösungen, die ein Intranet braucht. Allerdings: Modulare Bauweisen, also die Integration google-fremder Lösungen, sind schwer. | Schwer zu sagen, welche Features Facebook at Work genau haben wird, schließt man von Facebook auf das Angebot, so fehlen viele kritische Tools, die ein Intranet braucht. Allem voran eine gescheite Bookmarking-/Suchfunktion. | ||
| Angebots-Stabilität | Sowas von nicht vorhanden: Hat Google keinen Bock mehr auf einen Dienst, wird er plattgemacht. Schlechte Vertrauensbasis für eine B2B-Lösung. | Was nicht klappt, wird kaputt gemacht - Start-up-Mentalität auch beim ähnlich volatilen Facebook. Nicht so gut für ein Intranet. | ||
| Service | Google hat eine Menge auf dem Kasten, aber Kundensupport gehört nicht dazu. | Dito. Für ein Netzwerk, bei dem sich die halbe Menschheit trifft, ist Facebook ganz schön gesichtslos. | ||
| Datenschutz und -sicherheit | Googles Geschäftsmodell ist die Analyse von Daten, also malen wir ein dickes Fragezeichen hinter Datenschutz. Und Sicherheit? Google sitzt in den USA, der Nation, die fast noch mehr Geheimdienste als Staatsfeinde hat. Da ist gar nichts sicher. | Alle Vorbehalte gegenüber Google gelten auch hier - hinzu kommt noch, dass Facebook sogar öfter ins Visier von Hackern zu geraten scheint, als Google. Sehr bedenklich. | ||
| Wieviel Intranet steckt in der Firmen-DNA? | Google will Menschen das Leben einfacher machen, das ist hilfreich - allerdings hat das Unternehmen kaum Ahnung von Menschen, sondern ist ein Algorithmus-Monster: Arbeitsroutinen, Alltags-Fallstricke, Zwischenmenschliches - nicht Googles Expertise. | Vernetzung, das kann Facebook, ABER: Es dreht sich um die Weitergabe von Daten und um Werbung. Beides passt so überhaupt nicht zu Lösungen, deren Kern- und Angelpunkt vertraulicher Datenaustausch unter Mitarbeitern ist | ||
| Erfolgsaussicht insgesamt = 18 Punkte von 35 | Erfolgsaussicht insgesamt = 13 Punkte von 35 | |||
Es zeigt sich: Facebook hat ähnlich maue oder sogar schlechtere Chancen als Google, auf breiter Basis als Intranet akzeptiert zu werden. Und Google spielt de facto keine Rolle als Intranet. Für große Unternehmen bietet Zuckerbergs Intranet kaum Anreize, urteilt Buhse - und auch als Einstiegslösung für Start-ups kann er sich 'Facebook at Work' nicht so richtig vorstellen: "Start-ups sind vielleicht mit dem Best-of-Breed-Ansatz besser bedient, bei dem für jede Herausforderung die beste Lösung genutzt wird." Da böten modulare Kommunikationsplattformen wie Slack aussichtsreichere Perspektiven, um als Intranets für kleinere Unternehmen zu dienen.
Unter dem Strich stehen also wenig Erfahrung und wenig geeignete Features für einen durchschlagenden Erfolg. Wieso also versucht Facebook dennoch den Social Intranet-Markt zu betreten?
Szenarien für Facebooks Intranet-Zukunft
Die Antwort darauf, wieso Facebook mit dem Intranet-Markt flirtet, ist für Oliver Ueberholz klar: "Facebook sieht sich einer wegbrechenden Nutzerschaft in den Kernmärkten USA und Europa gegenüber - denen rennen die jungen Leute weg in andere Netzwerke."
In den USA verlor Facebook tatsächlich zwischen 2011 und 2014 drei Millionen Teenager bis 17 Jahre - ein Verlust in der Altersgruppe von 25 Prozent. Bei den 18- bis 24-Jährigen wanderten immer noch fast acht Prozent ab. (Quelle: istrategylabs.com ). Zugleich sind die USA Haupteinnahmequelle für Facebook, gefolgt von Europa.
Auf Basis all dieser Rahmenbedingungen, Prognosen und Einschätzungen bieten sich vier Szenarien dafür an, wohin Facebook als Intranet steuert.
Vier Szenarien für Facebooks Intranet-Zukunft
Marktführer
Facebook at Work wird die dominante Lösung auf dem Intranet-Markt - vom Start-up bis zum Großkonzern wird es genutzt. Das Netzwerk erschließt neue Nutzungsszenarien und steigt - dank der analysierten Firmendaten - groß ins B2B-Advertising ein.
Teurer Fehlschuss
Das mit dem Intranet wird nichts, obwohl Facebook ordentlich Gas gibt, in Marketing, Vertrieb und Service investiert, sogar die Intranet-Abteilung aus dem (datenschutztechnisch vorbelasteten) Unternehmen ausgliedert. At Work floppt, Facebook verliert Geld und setzt auf andere Strategien neben seiner Netzwerk-Tätigkeit.
Nischenprodukt
Das Zuckerberg-Intranet wandert in die Nische. Es wird als Start-up-Tool oder in einigen Social-Media-Marketing-Abteilungen genutzt, wo die Mitarbeiter sowieso dauernd bei Facebook abhängen.
Billiger Fehlschuss
Facebook lässt seine Intranet-Ambitionen bald schleifen und widmet sich anderen Zukunftsfeldern - etwa dem Kauf konkurrierender Netzwerke und Messenger-Applikationen (siehe Whatsapp ). Sein Intranet wird bald, ohne dass viel Geld oder Mühe hineingeflossen wäre, wieder eingestellt.

