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Interaktiv-Trends 2016/2017 (13): Journalistische Zielgruppenportale
31.12.2015 Zeitungen werden 2016/2017 auf der Suche nach funktionierenden Online-Geschäftsmodellen auf neue Portale und Sub-Marken setzen.
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Es hat vor allem zwei Gründe, dass Zeitungen nun in konzertiert anmutender Aktivität Jugendportale vom Stapel laufen lassen:
- Es hat schon seit längerer Zeit keinen ernsthaften Versuch der großen deutschen Qualitätsmedien mehr gegeben, die junge Zielgruppe anzusprechen. Sie könnten damit eine inhaltlich-qualitative Lücke füllen, die Viralschleudern wie Buzzfeed und Heftig mit ihren Listicals und "unfassbaren" Meldungen, "die dich zum Weinen bringen werden" offenlassen.
- Anders als thematische Formate wie etwa ein Salzwasser-Sportfischerei-Magazin setzt man mit einem Jugendportal auf die nachwachsende Zielgruppe.
Trend eins: Anhaltende Diversifikation
Weitere Portale werden folgen - sowohl weitere an die junge Zielgruppe adressierte Formate anderer Verlage als auch Portale, die ganz neue Zielgruppen zu adressieren versuchen: Lifestyle etwa. Dahinter steckt eine richtige Schlussfolgerung: Die Zeitungsleser von einst, der geschlossene Familienverbund mit festem Einkommen, der nicht pendelt und einer Heimatstadt verbunden ist, löst sich als Konstrukt zugunsten einer granularisierten Zielgruppe auf.
Trend zwei: Primat des Geschäftsmodells
"Die Kreation einer neuen Marke erlaubt auch Werbeformate, die unter der Dachmarke oder einer Markenfamilie nicht funktionieren", sagt Christoph Kappes, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Fructus : "Spiegel Online beispielsweise könnte Bento leichter ein ECommerce-Layer aufsetzen, weil man dem Jugendportal bei Trendartikeln eine Onlinehandelskompetenz eher zutraut als dem sachlich informativen Mutterschiff." So sind es vor allem Geschäftsmodelle, die das Überleben des Verlags sicherstellen, von denen her man neue Publishing-Formate verstehen muss.
Trend drei: Advertorial-Vorherrschaft
Die neuen Zielgruppenportale werden vor allem die Werbeform des Advertorials verstärkt einsetzen, glaubt Christoph Kappes: "Die Dachmarke würde in der Regel von Native Advertising beschädigt - deswegen werden wir sie künftig verstärkt auf Sub-Marken wie Bento und Co. sehen, das Aufweichen von Journalismus und Ad findet dort verstärkt statt. Das ist Kulturindustrie - Inhalte sind vor allem da, um in Geld transferiert zu werden."
Trend vier: Die Abwesenheit einer haltbaren Strategie
Aus diesem Hang zum Advertorial ergibt sich auch, dass Bento und Co. nicht für lange Zeiträumen konzipiert sind: Sie existieren vor allem für die Umsätze, die sie abwerfen und werden anhand dieser Umsätze neu justiert, geändert oder aufgelöst. Kein Bento, Ze.tt oder Byou hat einen inhaltlich getriebenen Zehn-Jahres-Plan.
