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Interaktiv-Trends 2016/2017 (5): Analog-Rollback

23.12.2015 Die ungebremste Euphorie digitaler Entrepreneure wird 2016/2017 starke Dämpfer erhalten: Ambitionierte Gamechanger werden aufgekauft werden, mit juristischen Rahmenbedingungen kämpfen - oder schlicht von den alten Playern überholt.

Alte Marktplayer sehen nicht in Ruhe zu wie die Start-ups ihr Geschäft übernehmen. (Bild: Pixaby)
Bild: Pixaby
Alte Marktplayer sehen nicht in Ruhe zu wie die Start-ups ihr Geschäft übernehmen.

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Es mangelte 2015 nicht an Todesurteilen für bestehende Branchen, ausgestellt und unterschrieben von Digital-Euphorikern.
  • So sollten Wearables die Hersteller nicht-smarter Accessoires vernichten: Die Smartwatch etwa "ist ein Problem für die Uhrenindustrie in der Schweiz"  
  • Der Taxibranche bescheinigten diverse Experten das Aus wegen der preislichen Disruption, die Fahrtenvermittler Uber   auslösen würde
  • Und der Autoindustrie droht wegen Apple   und Tesla   mit ihren elektrischen und selbstfahrenden Pkw das gleiche Schicksal wie Nokia  , schlussfolgerte Sascha Lobo im Spiegel Online  

Im Laufe von 2015 hat sich ein Trend abgezeichnet, der in den kommenden zwei Jahren voll zum Tragen kommen wird: Der Analog-Rollback - das Real Life schlägt zurück.

1. Die Produkte schlucken Wearables statt umgekehrt


Wearables werden künftig immer weniger als eigene Produkte wahrgenommen und vermarktet werden - vielmehr warten die Hersteller ab, inwieweit vernetzte, tragbare Accessoires einen Markt finden und nehmen dann die Smart-Funktionalitäten in ihre Produkte auf. So haben bereits erste Hersteller ihre Uhren um smarte Funktionalitäten erweitert. Und es gibt ein smartes Armband, das jede klassische Uhr zur Smartwatch machen kann: Das kommt nicht etwa von einem Start-up, sondern von Uhrenhersteller Montblanc  . Mit 250 Euro ist es gute 150 Euro billiger als das Apple-Watch-Einstiegsmodell.

2. AirBnB, Uber und die Realität

iBusiness hat bereits analysiert wie die Geschäftsmodelle einiger Start-ups durchaus perfide in ihrer Ignoranz gegenüber Nutzer und Gemeinschaft vorgehen - die an Sicherheitsauflagen, Sozialabgaben und sonstigen Schutzmaßnahmen gesparten Kosten senken die Preise von Unternehmen wie Uber und AirBnB   und verbessern die Margen. Am Ende bleiben die Mehrkosten jedoch an der Gemeinschaft hängen. So unterwandern kommerzielle Anbieter nachweislich die Wohnungsbörse AirBnB und bieten dort ihre Immobilien als Ferienwohnungen an - gewerbliche Nutzung unter dem Radar der Steuer (den Beleg und die Stellungnahme von AirBnB dazu gibt es in einer entsprechenden iBusiness-Analyse). Uber dagegen spart an vielen Fronten Kosten: Lizenzen, Sicherheitschecks, das Unternehmen hat keine eigenen Fahrzeuge - alles Ausgaben, an denen Taxifahrer nicht vorbeikommen.

Doch zuletzt musste Uber von Deutschland bis in die USA vor Gericht um seine Existenz kämpfen: Richter bremsen den Fahrdienst mit einstweiligen Verfügungen aus, weil seine Fahrer keine Lizenzen besitzen - unlängst sah sich der Fahrdienst dadurch so unter Druck gesetzt, dass er seinen Fahrern die Lizenzen bezahlen will: Die Marge beginnt zu sinken.

Auch AirBnB gerät ins Visier staatlicher Organe: Behörden in Berlin haben ihren Personalstamm an Kontrolleuren aufgestockt, um vermeintliche Privatanbieter auf gewerbliche Nutzung der Immobilien zu durchleuchten. Im Oktober reichte das Unternehmen außerdem eine Haftpflichtversicherung für die Nutzer nach.

3. Die deutschen Autobauer schlafen nicht

Der Untergang der deutschen Autoindustrie ist ein Szenario, das nur unzureichend bis gar nicht von Fakten gedeckt ist:
  • Trotz aller beeindruckenden Vorstöße von Google   beim autonomen Fahren schickte Daimler  recht unbeeindruckt im Oktober einen selbstfahrenden Lastwagen in den öffentlichen Verkehr auf einer Autobahn, gute sechs Wochen bevor Googles autonomes Auto wegen Langsamfahren von der Polizei in Mountainview gestoppt wurde.
  • Teslas Elektroauto ist aktuell noch extrem teuer: Die Einstiegsmodelle liegen bei 75.000 Euro, ein unverbindlich vom Firmen-Chef angekündigtes Billigmodell soll etwa 30.000 Euro kosten - BMW   hat zu diesem Preis bereits einen (kleineren) Elektrowagen im Portfolio.
Darüber hinaus sind die analogen Konkurrenten der neuen Player auf dem Automarkt nicht untätig, sondern beobachten den Markt und entwickeln eigene Lösungen. Zudem darf bei einem störungsanfälligen Produkt wie dem Auto ein Erfahrungsvorsprung von bis zu 129 Jahren bei den alteingesessenen Marktteilnehmern nicht außer Acht gelassen werden.

Wieso der Analog-Rollback 2016/2017 relevant für die Internetbranche sein wird

Auch die DAX-Unternehmen sehen generell den Aktivitäten der Internetunternehmen nicht tatenlos zu. iBusiness hat in einer Analyse herausgefunden, dass de facto alle DAX 30 Unternehmen ihre eigenen Digitalstrategien pflegen, indem sie Inkubatoren oder Innovations-Labore betreiben oder sich eigene Abteilungen mit digitalem Wandel befassen (Wie sich die deutsche Wirtschaft zukunftsfähig macht).

Start-ups und selbst große Internetunternehmen wie Apple können nicht ohne weiteres bestehende Marktplayer ausstechen. Parallele Entwicklungen und längere Erfahrung sind nur zwei Aspekte des Themas - hinzu kommen noch die Bedenken der Käuferschaft gegenüber Produkten von Unternehmen, die als notorische Datenkraken bekannt sind.
Thema: Interaktiv-Trends 2016/2017 (5): Analog-Rollback

Kommentar von Sebastian Halm

Digital-Hybris

Unsere Branche spendiert Start-ups und neuen Technologien immer wieder und wieder einen Heils- und Schreckensüberschuss.

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