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Zwischen Ramsch und Reichweite: die Zukunft der Onlinemarktplätze
01.08.2013 Onlinemarktplätze sind die Gemischtwaren-Läden des Internets - nicht schön, aber mit hoher Reichweite. Wann sich Amazon und Ebay für Shopbetreiber in Zukunft lohnen, was ihre Konkurrenten taugen und wie die neue Generation von Marktplätzen aussieht.
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Aber nicht für alle: Die Sportartikelhersteller Deuter , Lowa und Mammut verbieten seit Kurzem den Verkauf ihrer Schuhe unter anderem über Amazon (iBusiness berichtete). Und Adidas will schon seit Anfang 2013, dass keine Artikel mehr über Amazon oder Ebay verkauft werden. Diese Machtkämpfe und unterschiedlichen Interessen werden den Markt der Onlinemarktplätze und nicht zuletzt den E-Commerce verändern.
Onlinemarktplätze sind ein unverzichtbares Standbein für den deutschen E-Commerce. Insgesamt 500.000 angemeldete Händler zählen die neun größten Marktplätze in Deutschland zusammen. Mehr als die Hälfte geht auf das Konto von Amazon (ca. 268.000 laut Hochrechnung entsprechend der Umsatzzahlen) und ein gutes Drittel auf das von Ebay (175.000). Die restlichen Händler befinden sich bei deutschen Anbietern und dem japanischen Rakuten . Erst diese Onlineportale erlauben es so vielen Händlern, ihre Waren online anzubieten, weil sie zum Beispiel die Einstiegshürde senken.
Gerade für kleine und mittelgroße Händler bieten sich Onlinemarktplätze an. "Fachhändler in Nischensegmenten, die noch über eine geringe Markenbekanntheit verfügen, können von der Reichweite der Marktplätze profitieren" argumentiert beispielsweise der Geschäftsführer der ECommerce-Agentur Dotsource , Christian Grötsch .
Neben der Reichweite liefern die Marktplatzbetreiber Werbung und Suchmaschinenmarketing, stellen die technische Infrastruktur bereit und wickeln in den meisten Fällen auf Wunsch Zahlung und Versand ab, zum Teil außerdem die Retouren. Ein weiteres Plus: Jeder beliebige Händler kann sich bei ihnen anmelden. In Bezug auf die Produkte und das Design sowie den Informationsgehalt der Produktpräsentation sind sie nicht wählerisch.
Die wichtigsten Onlinemarktplätze am deutschen Markt |
|---|
| Name | Händler | Angemeldete Kunden | Angebotsformate | Services für Händler | Zentraler Check-out | Wettbewerb zum Händler | Preis |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Amazon Marketplace | 2 Mio. weltweit | 215 Mio. weltweit | Versand durch Amazon, bezahlen über Amazon, Zahlungssicherheit | Nein | Ja | 7 bis 15 Prozent Provision + 0,99 € pro Verkauf (netto) | |
| Ebay | 175.000 | 17 Mio. | Sofort Kaufen, Auktion, Inserat | Übersetzungshilfen, Anleitungen zum internationalen Verkaufen, Marktanalysen | Nein | Nein | 24,95 bis 299,95 € pro Monat + |
| Rakuten | 7.800 | k.A. | Festpreis | Schulungen, weitestgehende Gestaltungsfreiheit, Super Sale, Shopping Marathon | Ja | Nein | Einrichtung: 49 € + 39 € pro Monat + 5 bis 9 % Provision |
| Yatego | 10.000 | 1 Mio. | Festpreis | Protected Shops, eigene Subdomain, Gutschein-Funktion, 20 Importformate, Handlungsfreiheit bei Preis- und Angebotsgestaltung | Nein | Nein | Einrichtung: 78 € + 39,95 € pro Monat + 8 % Provision |
| Meinpaket.de (DHL) | 2.500 | 1,4 Mio. | Festpreis, Sonderformate: Oberhammer und B-Ware-Channel | Print-Kundenmagazin, Postpay-Zahlungsschutz, Onlinemarketing | Ja | Nein | 20 € pro Monat (erste 12 Monate gratis) + 0,2 € Transaktionsgebühr + 2 % Postpay-Provision, + 4 bis 8 % Provision (netto) |
| Hood.de | 7.700 | 1,31 Mio. | Shopkauf, Sofort-Kauf, klassische Auktion, Power-Auktion, Rückwärtsauktion, Preis vorschlagen | C2C/B2C, Händler können Käufer bewerten, selbstlernende Schnittstelle für Produktimporte, Google-Shopping-Werbung für alle Produkte, Direktimport von Ebay-Angeboten | Nein | Nein | a) keine Monats-/Einstellgebühren + 1 bis 6 % Provision; b) Hood-Shop in Silber/Gold/Platin für 9,95/24,95/40,95 € pro Monat |
| Hitmeister | 4.000 | 1,3 Mio. | Hitmeister verkauft im Namen der Händler und tritt als alleiniger Verkäufer auf, Festpreis | Zahlungssicherheit, Bonusprogramm für Kunden, Vermittlung bei ungerechtfertigten Bewertungen | Ja | Nein | Marketingpaket für 19,95 bis 54,95 € pro Monat + 5,9 bis 12,5 % Provision (netto) |
| Gimahhot | 1.300 | 600.000 | Sofortkaufen, bieten eines niedrigeren Preises durch die Kunden (Feilschen) | Versandkostenfreie Lieferung, Zahlungssicherheit, SEM, flexible Schnittstellen, Produktredaktion, Statistiken | Ja | Nein | 3 Modelle: 0 bis 329 € pro Monat + 0,90 bis 4,10 € Abschlussgebühr + 2 bis 6,5 % Provision |
| Auvito (Unister) | k.A. | 0,41 Mio. | Auktionen, Sofortkauf, Mindestpreis, Ein-Cent-Auktion | Ebay-Schnittstelle | Nein | Nein | Kostenlos, finanziert sich über Werbung |
Die Vor- und Nachteile der einzelnen Handelsplätze:
Amazon:
Amazon hat ganz klar den Vorteil, dass das Portal den Händlern enorm viel Traffic beschert. Viele Kunden nutzen Amazon bereits als Produktsuchmaschine und -informationsportal - und umgehen sogar zum Teil Google. Der große Nachteil ist aber, dass Amazon mithilfe der Händler die Kundennachfrage und das Preisniveau analysiert. Erfolgreiche Produkte nimmt der Händler dann schnell selbst ins eigene Angebot auf und kann seine Preise fast in Echtzeit an das allgemeine Preisniveau anpassen. Damit wird er zur kritischen Konkurrenz für seine eigenen Händler. Händler müssen sich also Alleinstellungsmerkmale im Portfolio herausarbeiten. Das können zum Beispiel Eigenmarken, Produktsets oder exklusive Produkte sein.
Ebay:
Der Ebay-Marktplatz, auf dem inzwischen 70 Prozent der Waren neu und zum Festpreis verkauft werden, beschert seinen Händlern als zweitgrößter Marktplatz ebenfalls eine große Kundenansammlung. Im Gegensatz zum wichtigsten Konkurrenten aber tritt Ebay nicht in Konkurrenz zu den Händlern. Ein wichtiger Nachteil für den Käufer ist, dass weder Check-out noch Versand und Versandkosten händlerübergreifend möglich sind. Bei mehreren Artikeln bestellt der Kunde da vielleicht lieber auf Amazon, weil immerhin alle Produkte mit "Versand durch Amazon" unter die versandkostenfreie Lieferung ab 20 Euro fallen.
Die Alternativen:
Trotz dieser Nachteile haben die Alternativen Chancen, sich Marktanteile zu sichern. Zum einen versuchen viele von ihnen sich von den Platzhirschen zu differenzieren. Sei es durch weitere Verkaufsformate, Bonusprogramme oder günstigere Händlerpreise. Zum anderen können sie davon profitieren, dass Amazon und Ebay mit ihrer Außenwirkung kämpfen. Christian Grötsch: "Ebay kämpft immer noch mit dem Image der Ramschbude und Amazons Reputation hat mit dem Logistik-Skandal und den Bedingungen für Marketplace-Händler empfindlich gelitten."
Peter Mähner fügt hinzu: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Endverbraucher immer mehr nach Alternativen zu Amazon und Ebay sucht." Sein Unternehmen Magnalister bietet Software und Services für das automatische Einstellen von Artikeln in verschiedene Verkaufsportale an. Er nennt einen weiteren Aspekt: "Händler tun gut daran, neben Amazon und Ebay auf einigen weiteren Portalen zu verkaufen, auch wenn diese je nur wenige Prozent des Umsatzes ausmachen." Schließlich summieren sich die geringen Prozentzahlen und zudem wird das Risiko verteilt. "Wenn ein Amazon-Marketplace-Händler aus irgendeinem Grund von Amazon gesperrt wird, steht er ohne Alternative auch schnell ohne Umsatz da."
Shops im Aldi-Design
Onlinemarktplätze haben einen großen Nachteil: Auf ihnen tobt der Preiskampf besonders - und das, obwohl der E-Commerce schon längst aus der preisgetriebenen Kommerz-Ecke heraus will. Christian Grötsch warnt: "Aber durch die erhöhte Transparenz, aufgrund der Kundenbewertungen und dem standardisierten Design der Marktplätze, werden Produkteigenschaften und Preise direkt vergleichbar." Das bringe besonders für reine Händler, die keine Eigenmarken anbieten, Gefahren, weil sie für den Kunden austauschbar sind.
"Hier wird sich der Anbieter mit finanziellen und personellen Ressourcen weiter durchsetzen und die kleinen verdrängen", ist sich Peter Mähner sicher. "Um dem auf lange Sicht entgegen zu gehen, kann und sollte der Händler seine Endkunden über die Verkäufe der Marktplätze auch auf seinen Webshop hinweisen." Etwa über Beilagen in den Versandpaketen oder Newsletter.
Ein weiteres Manko der Onlinemarktplätze: Sie sehen - nett ausgedrückt - sehr funktional aus. Dem Händler bleiben kaum Gestaltungsspielräume - nur bei Rakuten kann man das Shopdesign anpassen. Die meisten wirken, als seien sowohl die Designerboutique, der Technikshop als auch der Schuhladen in der Fußgängerzone allesamt in ehemaligen Aldi-Räumen untergebracht. Eine emotionale Kundenansprache, abgestimmt auf Produkt, Zielgruppe und Markenimage, sieht anders aus. "Wird der Kauf nicht anhand des Preises entschieden, sondern beispielsweise anhand von Beratung, Shoppingerlebnis oder der Marke selbst, dann haben Marktplätze das Nachsehen gegenüber eigenständigen Shops", stimmt Christian Grötsch zu. Aus dem Grund sei das Marktplatzmodell für den Premium-Bereich und emotionale Themen wie Fashion weniger interessant.
Deshalb wehren sich einige Hersteller dagegen, dass ihre Produkte auf den Marktplätzen verkauft werden. Sie wollen sich von dem Billig-Image distanzieren und wieder selbst in der Hand haben, wie ihre Produkte präsentiert werden. Unter anderem hat es Adidas vorgemacht, und andere Hersteller ziehen nach. Noch ist zwar nicht klar, ob das Bundeskartellamt diese Strategien unterbinden wird. Doch sollten sie als zulässig eingestuft werden, dann werden wir in Zukunft immer mehr Markenartikler sehen, die versuchen, ihre Produkte von den Marktplätzen fernzuhalten.
Dadurch könnten, wenn langsam immer mehr Marken abwandern und damit das Umfeld immer weniger attraktiv wird, Onlinemarktplätze nach und nach zu den Discountern des E-Commerce werden. Eine weitere Entwicklung begünstigt laut dem Dotsource-Chef diesen Trend: "Für stationäre Händler ist ein Shop auf einem Marktplatz vor allem deshalb interessant, um Auslaufmodelle, Rückläufer und B-Waren zu verkaufen." Sollten sich die Onlinemarktplätze tatsächlich zu den ECommerce-Discountern entwickeln, werden nicht nur immer mehr hochpreisige Marken abwandern. Sondern ebenfalls für kleinere Shops, die exklusive Produkte anbieten, wird es dann immer attraktiver, einen eigenen Onlineshop zu eröffnen.
Spezialisierte Marktplätze sind im Kommen
In dem Zuge wird der Markt für spezialisierte Onlinemarktplätze vermutlich wachsen. Ihr Vorteil ist, dass sie durch die thematische Abgrenzung und die entsprechende Gestaltung dem Kunden ein besseres Einkaufserlebnis bieten können. Der Händler erhält ein produkt- und markengerechtes Umfeld statt eines digitalen Gemischtwarenladens. Schon jetzt kann man den Trend an etlichen Beispielen beobachten:
- Auf Schuhe.de präsentieren stationäre Schuhhändler ihr Portfolio online. Kunden können direkt über das Portal bestellen oder sich die Filiale anzeigen lassen, wo sie den Schuh kaufen können.
- Das Delikatessenportal Delinero ist nach eigenen Angaben Europas größter Onlinemarktplatz für Lebensmittel. Erst Anfang Juni stieg Gruner + Jahr bei Delinero ein (iBusiness berichtete).
- Bei Chrono24 handelt es sich um einen weltweiten Marktplatz für Luxusuhren, der bereits seit 2003 existiert. Laut eigenen Angaben frequentieren täglich mehr als 100.000 Besucher die Plattform, auf der 900 professionelle Händler und zudem Privatanbieter ihre Uhren verkaufen.
- Erst seit Ende 2012 gibt es Froschking , einen Marktplatz für nachhaltige Produkte, zu dem außerdem ein soziales Netzwerk für angemeldete Käufer gehört, die Ökommunity.
- Mit Parfumdeal.de hat Gimahhot seinen ersten Marktplatz in einer Produktnische platziert. "Wir analysieren derzeit weitere Produktbereiche, um gegebenenfalls noch weitere Marktplätze mit engerem Produktsortiment zu eröffnen oder Dritten als White-Label-Version anzubieten", erläutert Henning Fredersdorf , Geschäftsführer von Gimahhot, seine Strategie.
Dagegen scheint das Eröffnen von allgemeinen Onlinemarktplätzen wesentlich schwieriger zu sein: Der Softwareriese Microsoft hatte sich in diesem Jahr an einem eigenen Marktplatz versucht und bereits Gespräche mit Einzelhändlern geführt. Microsoft wollte die Preise sogar subventionieren, um lukrativ zu werden, hat die Pläne dann aber letztlich doch verworfen. Die Otto Group ist noch einen Schritt weiter gegangen und eröffnete 2011 unter der Marke Quelle einen Onlinemarktplatz, der aber im Herbst 2012 wieder geschlossen wurde. Seit Frühjahr 2013 ist Quelle.de ein Onlineshop mit den Produktportfolios Technik und Wohnen aus dem Otto-Konzern.
Die Alternative: von Shop-in-Shop bis One-Stop-Shopping
Ein dem Marktplatz ähnliches System, das dem Point-of-Sale-Modell Shop-in-Shop gleicht, betreibt Otto auf Otto.de . Der Konzern nennt es One-Stop-Shopping und hat dabei ein altes Katalog-Konzept für das Internet wiederbelebt: Rund 2.000 Marken- und Handelspartner bieten hier ihr Sortiment über Otto.de an. Weitere 2.000 Marken führt Otto im darüber hinaus gehenden Sortiment. Otto legt jedoch - im Gegensatz zu den klassischen Marktplätzen - Wert darauf, gegenüber dem Kunden als Händler aufzutreten. Auch wenn die Verkaufsoptik im Prinzip der der Website gleicht, bemüht sich der Konzern um eine markenspezifische Präsentation für den Marken-Shop-in-Shop. Ein weiterer Unterschied zum klassischen Marktplatzmodell: Otto wählt aus, welche Marken Partner werden und hat außerdem Mitspracherecht bei den angebotenen Produkten in den Markenshops. Je nachdem, welches Modell der Partner wählt, das Integrations- oder das Kooperationsmodell, kümmert sich Otto oder der Händler selbst um die Logistik.
Auch Zalando hat 2012 ein Partnerprogramm gestartet, das dem Marktplatzmodell ähnelt. Hier kooperiert der Händler mit anderen Händlern und Marken, die Zalandos Sortiment über eine Schnittstelle zum eigenen Shop erweitern. Inzwischen gehören mehr als hundert Partner dazu, die Zalando auswählt. Sie müssen die Produkte im Zalando-Look darstellen und beschreiben. Der ehemalige Nur-Schuh-Shop kassiert eine Provision für die Vermittlung.
Da beide Händler ihre marktplatzähnlichen Modelle erfolgreich gestartet haben, werden in Zukunft sehr wahrscheinlich andere große Onlineshops nachziehen und ebenfalls kleinere Händler unter Vertrag nehmen.
Damit gruppieren auf der einen Seite Otto, Zalando und die spezialisierten Marktplätze nur ausgewählte Händler und Marken um sich und bedienen den anspruchsvolleren Kunden. Für den Rest, für diejenigen, die
- kein so gefragtes Sortiment haben,
- auf kein entsprechendes Marketingbudget für eine hochwertige Präsentation zurückgreifen können,
- in ihrer Portfolio-Nische sicher sind oder
- sich auf den Preiskampf bewusst einlassen,
Vier Szenarien zur Zukunft von Onlinemarktplätzen
Die Kluft wird größer
Das Bundeskartellamt stoppt die Adidas-Strategie nicht. Die Folge: Immer mehr Marken verbieten ihren Händlern, über die Marktplätze zu verkaufen. Marktplätze werden immer mehr zur markenfreien Zone. Dadurch werden sie zunehmend unattraktiv und ihr Marktanteil im E-Commerce sinkt. Nur einige hochwertige Nischenmarktplätze können sich etablieren.
Die kleinen Marktplätze bauen aus
Amazon hat bei den Kunden einen schlechten Stand, weil es immer mehr negative Schlagzeilen gibt. Bei den Händlern wird es aufgrund der fehlenden Fairness und der Preisparität immer unbeliebter. Deshalb wandern viele zu kleineren allgemeinen Marktplätzen ab, die dadurch immer mehr Marktanteile gewinnen. Auch die spezialisierten Marktplätze sind beliebt.
Amazon dominiert den Markt
Das Bundeskartellamt verbietet die Adidas-Strategie und die Händler verkaufen weiter fleißig auf den Marktplätzen alle erdenklichen Markenartikel - vornehmlich auf Amazon, weil hier der meiste Traffic stattfindet. Zähneknirschend nehmen sie aufgrund der anderen Vorteile die Preisparität und die Konkurrenz durch Amazon in Kauf.
Das Modell Marktplatz stirbt aus
Shopsoftware-Anbieter übernehmen mehr und mehr die Funktion der Shops: Sie bieten die technische Plattform, stellen Marketing und SEO bereit und lassen dem Händler dennoch Gestaltungsspielraum. Dadurch braucht niemand mehr Onlinemarktplätze und sie verlieren immer mehr Marktanteil, bis sie komplett aussterben. Dadurch wird außerdem das Adidas-Problem obsolet.
Zu: Zwischen Ramsch und Reichweite: die Zukunft der Onlinemarktplätze
1. Anwenderfreundlichkeit - insbesondere für den Händler
Was macht Lifestyle-Lösungen von Apple, Nespresso, Dyson oder Weber Grill so erfolgreich? Jeder und jede versteht das Produkt im Nu und braucht keine 100-seitige Anleitung für die Benutzung.
Händler müssen sich mit drögen Excel-Listen für die Einstellung oder Pflege von Produktinformationen auf den Marktplätzen rumschlagen und - sowohl bei Amazon als auch bei all den Nachahmern - hinnehmen, dass diese Vorlagen oftmals mit falschen Formatierungen geliefert werden, sodass fehlerhafte Importe resultieren.
Ein Händler hat aber oftmals weder die Zeit, noch die Lust und vielfach auch nicht das Knowhow dazu.
Es braucht - wie so häufig im Online-Handel - einen weiteren Dienstleister in der Wertschöpfungskette, der die eh geringen Handelsmargen schmälert.
Warum? Da wir in der Evolution des Online-Handels immer noch in der prähistorischen Tech-Denke stecken, warum punktet dann immer noch kein Shophersteller oder Marktplatzanbieter mit einem anwenderfreundlichen, intuitiven Backend-Prozess für die automatisierbare Pflege von Produktinformationen und Bildern?
2. Design als integraler Bestandteil der Usability
Was macht Lifestyle-Lösungen von Apple, Nespresso, Dyson oder Weber Grill so erfolgreich?
Design ist Selbstverständnis im Produktentwicklungsprozess. Die zehn Thesen von Rams sollten auch für Online-Marktplätze und deren Shop-Templates gelten. Vielleicht liest die bei Amazon, Ebay und Raketen mal einer.
Mit Design ist dabei auch gemeint, dass Abläufe intuitiv verständlich sind und der Anwender, ob Händler für Backend- und Frontend-Arbeit oder der User für das Kauferlebnis mit Freude vor dem Bildschirm sitzen. Gerne die Systeme nutzen und anbieten - oder eben gerne mit Erlebnissen dort einkaufen.
Wenn sich hierzu im Markt etwas tut - und nicht nur in den x-mailigen Wiederhol-Threads von Jochen Krisch zur K5, sondern flächendeckend in der Branche, dann kommen wir den oben gewünschten Zielen vielleicht etwas näher.
Am: 02.08.2013
Zu: Zwischen Ramsch und Reichweite: die Zukunft der Onlinemarktplätze
zwei sehr interessante Aspekte, die Sie da - vermutlich aus leidiger Erfahrung - ansprechen. Scheinbar gibt es tatsächlich noch einen ganze Menge Optimierungspotenzial bei den Marktplätzen. Oder vielleicht sogar Potenzial für neue, die sich die Menge an Kritik zu Herzen nehmen und es besser machen. Bis dahin ist es, denke ich, wichtig, die Probleme immer mal wieder anzusprechen.
Hier für alle Interessenten noch der Link zu den 10 Thesen von Dieter Rams:
http://www.designwissen.net/seiten/10-thesen-von-dieter-rams-ueber-gutes-produktdesign
Sollten Sie einen Marktplatz gefunden haben, der voll und ganz Ihren Ansprüchen genügt, dann weihen Sie uns gerne ein!
Am: 02.08.2013
Zu: Zwischen Ramsch und Reichweite: die Zukunft der Onlinemarktplätze
zwei sehr interessante Aspekte, die Sie da - vermutlich aus leidiger Erfahrung - ansprechen. Scheinbar gibt es tatsächlich noch einen ganze Menge Optimierungspotenzial bei den Marktplätzen. Oder vielleicht sogar Potenzial für neue, die sich die Menge an Kritik zu Herzen nehmen und es besser machen. Bis dahin ist es, denke ich, wichtig, die Probleme immer mal wieder anzusprechen.
Sollten Sie einen Marktplatz gefunden haben, der voll und ganz Ihren Ansprüchen genügt, dann weihen Sie uns gerne ein!
Hier für alle Interessenten noch der Link zu den 10 Thesen von Dieter Rams:
http://www.designwissen.net/seiten/10-thesen-von-dieter-rams-ueber-gutes-produktdesign
Zu: Zwischen Ramsch und Reichweite: die Zukunft der Onlinemarktplätze
So wie der Einzelhandel auf den teuren Einheitsmeilen unserer Innenstädte seinen emotionalen Reiz vollständig verloren hat und Nischen-Händler in C- oder D-Lage als Einzelne wenige, in der Summe aber viele zum Impulskauf mit Langzeitfreude überzeugen, beherrscht Langeweile die Innovations-Sprints der Teams reichweitenstarker, effizienzgetriebener Marktplätze.
Die Mischung aus VC-Erfüllungsgehilfen, Technokraten, Werkbank-Codern und Erbsenzählern als Geschäftsmodell-Treiber bei den Marktplätzen lässt aber hoffen, dass es in den kommenden Jahren viel Raum für Unternehmertypen gibt, die mit den richtigen Leuten das Richtige richtig gut machen.
Ansätze im Markt sind ja erkennbar, aber die Medien haben hier in der Berichterstattung über Trends und Tendenzen mit ihrer Ranglisten-Fokussierung großen Anteil am Totschweigen und Plattmachen von guten Trends. Welcher Wirtschaft- oder Technik-Journalist hat den schon mal etwas von Dieter Rams gehört?
Hier wird ebenso hart mit der Story gerechnet, wie auf unseren bekannten Marktplätzen. Es fehlt der Raum für blühende Landschaften im Neuland :-)
Danke, Frau Gründel, dass Sie die zehn Thesen verlinken!
Die Erkenntnis der Hersteller, sich endlich von den Hochregallagern der Tech-Szene befreien zu wollen und Händlern den markenschädigenden Verkauf verbieten zu wollen, ist ein Lichtblick und gutes Zeichen.
Ich stelle mal folgende steile Utopie auf und tue das mit Augenzwinkern:
In Kärrnerarbeit hinter verschlossenen Türen in kleinen Zirkeln treffen sich Hersteller mit Top Service-Designern, Business Model-Experten und pfiffigen Programmierern, gelegentlich laden sie einen visionären Architekten, einen bühnenpräsenten, sprachgewaltigen Musiker oder einen nachweislich trendsetzenden Zukunftsforscher ein mit der Auflage, einen guten Wein mitzubringen, ... und arbeiten. Am Abend wird dann in entspannter Runde der Wein getrunken oder ein gemeinsamer Spaziergang in inspirierender Umgebung gemacht. Die Ideen werden dabei fliessen und tagsüber in Form gebracht.
So könnte man als SCRUM-Prozess schön regelmässig an wechselnden Orten vorantreiben und ... voilá, das Einkaufserlebnis mit kinderleichtem Händlerbackend und durchdachten Geschäftsmodell kann losgehen.
Herrn Rams könnte man sicher auch fragen, er wird sein Honorar zehnfach mehr wert sein als ein Team der Top 10 Unternehmensberatungen, Top Agenturen oder Versandhandels-Gurus.
Vielleicht wird ja bereits daran gearbeitet und wir wissen nichts davon.
Warum der Wein mitgebracht werden soll?
Jeder soll das tun, von dem er was versteht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die genannten Gäste besseren Wein mitbringen als die sich Formierenden oder der Catering Service, ist meines Erachtens sehr hoch.
Zum Wohl mit den besten Wünschen für ein sonniges Wochenende!
