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Interaktiv-Trends 2014 (10): Pure Player drängen an den POS
24.12.2013 Der persönliche Kontakt zum Kunden wird vor allem für Online-Pure-Player immer wichtiger. Deshalb werden wir in den kommenden zwölf Monaten beobachten können, wie es immer mehr von ihnen in den stationären Handel zieht. Sei es mit Popup-Stores, Shop-in-Shop-Systemen oder eigenen Filialen. 2014 wird das Jahr des Crosshannel-Handels.
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Hinzu kommt, dass die Luft im E-Commerce enger wird: Auf der einen Seite drängen immer mehr Start-ups in den Onlinehandel, auf der anderen Seite sind es viele stationäre Geschäfte, die 2014 online gehen werden. Experten sind sich einig: "Kanalübergreifende Ansätze nehmen zu", sagt die Studie "Trends im Handel 2020" von KPMG und EHI . Gleichzeitig bestätigt sie, dass die Eröffnung eigener lokaler Geschäfte durch bisher reine Onlinehändler zunimmt.
Zwar scheint die Hürde erst einmal groß, an den Point of Sale zu gehen, aber es muss ja nicht gleich die deutschlandweite Filialkette sein. Pure Player werden immer mehr unterschiedliche Crosschannel-Strategien für sich entdecken: Schließlich geht Offline-Expansion für Onlineshops auch günstig, mit wenig Aufwand und sogar skalierbar. Je nachdem, wie hoch die Initial- und Betriebskosten sein dürfen, welches Risiko akzeptabel ist und wie groß die Reichweite und der Arbeitsaufwand sein sollen beziehungsweise dürfen, werden sich die Crosschannel-Shops für eine oder mehrere der folgenden sechs Strategien entscheiden:
- Platzierung von Produkten der Eigenmarke in Partnerläden
- Event-Popups
- Zeitlich begrenzte Popup-Stores
- Showroom, meist am Firmensitz
- Rollout von Shop-in-Shops in Partnerläden
- Rollout eigener, stationärer Läden
| Platzierung in Partnerläden | Event-Popups | Popup-Stores | Showroom | Rollout von Shop-in-Shops | Rollout stationärer Läden | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Vorteile | - günstig - große Reichweite - Versand- und Retouren-Management | - persönlicher Kundenkontakt - Publikum gezielt auswählbar - Werbung ohne Werbecharakter | - Eigenregie - evtl. mediale Aufmerksamkeit - Shop mit Eventcharakter | - Eigenregie - wenig Aufwand - repräsentativ für Kunden und Partner | - zum Großteil Eigenregie - profitiert von der Laufkundschaft des Kaufhauses - Versand- und Retouren-Management | - Eigenregie - maximale Reichweite und Präsenz - Versand- und Retouren-Management |
| Nachteile | - nur für exklusive Produkte - wenig Eigenregie über Präsentation | - rudimentäre Shopgestaltung - kein Verkauf | - kleine, wenig spezifische Reichweite - komplette Shopausstattung nötig | - geringe Reichweite | - nur für etablierte Onlinehändler - muss Anspruch des Kaufhauses genügen | - hohes Risiko - nur für etablierte Onlinehändler |
| Reichweite | groß, hoher Streuverlust | klein, aber zielgruppenspezifisch | klein, mittlerer Streuverlust | klein, mittlerer Streuverlust | groß, mittlerer Streuverlust | groß, mittlerer Streuverlust |
| Marketing vs. Abverkauf | Marketing: 20%, Abverkauf: 80% | Marketing: 95%, Abverkauf: 5% | Marketing: 85%, Abverkauf: 15% | Marketing: 50%, Abverkauf: 50% | Marketing: 20%, Abverkauf: 80 | Marketing: 20%, Abverkauf: 80% |
| Betriebskosten | € | €€ | €€€ | €€€€ | €€€€€ €€ | €€€€€ €€€€€ |
| Initialkosten | * | ** | *** | *** | ***** *** | ***** ***** |
Dass die Crosschannel-Aktivitäten von ehemaligen Pure Playern Erfolg versprechen, zeigen einige prominente Beispiele: Der Online-Lebensmittelhändler Food.de etwa präsentiert sich regelmäßig auf Endkundenveranstaltungen, die sich mit den Themen Online und Genuss auseinandersetzen. Ziel ist es dabei in erster Linie, den Kunden über den Online-Lebensmittelhandel aufzuklären und eventuelle Bedenken aus dem Weg zu räumen. Mymüsli dagegen fährt eine ganz andere Strategie: Die Müslidosen stehen mittlerweile in den Regalen von einigen hundert Supermärkten. Die Otto-Tocher Lascana will mit den mittlerweile 300 Shop-in-Shop-Flächen im In- und Ausland in die Reichweite erhöhen. Und auch an ehemaligen Pure Playern, die ganze Ladenketten betreiben, mangelt es nicht: Zu ihnen zählen Bonprix , Cyberport , Notebooksbilliger.de , Digitec und Reuter.de .
Die E-Commerce-Branche wird erwachsen und die Händler professionalisieren sich immer mehr. Dazu gehört auch, dass sie neue Märkte erschließen, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Wie den Offline-Handel.
Vier Szenarien zur Zukunft des Crosschannel-Handels
Offline und Online verschmelzen
Onlineshops können es sich kaum noch leisten, nur online verfügbar zu sein. Die meisten setzen neben dem Versandhandel auf stationäre Touchpoints mit dem Kunden. Seien es nun Stände auf Veranstaltungen oder ein europaweites Filialnetz.
Crosschannel floppt
Die stationären Bemühungen der meisten Pure Player scheitern, weil sie sich die Ladengeschäfte in den besten Lagen nicht leisten können und in den B- und C-Lagen nicht genügend Laufkundschaft vorbeikommt. Ausschließlich im Möbel-Versandhandel und in anderen Branchen teurerer, erklärungsbedürftiger Produkte lohnen sich Showrooms.
Die Großen verkaufen kanalübergreifend
Kleine Pure Player bleiben auch in Zukunft im Internet, weil der stationäre Handel zu teuer für sie ist. Aber die meisten Shops aus den Top 200 gehen an den Point of Sale, auf Events und in Showrooms. Daher können sie vor allem bei ausschließlich stationären Händlern Umsätze abgreifen.
Kooperationen boomen
Große Pure Player gehen vermehrt mit eigenen Läden und Shop-in-Shops offline. Kleine Onlinehändler knüpfen vermehrt Kooperationen mit bestehenden stationären Einzelhändlern und verkaufen ihre - exklusiven - Produkte über die Regale der Partner.

