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Wer Deutschlands Lebensmittel-Onlinehandel dominieren wird
04.02.2016 Rewe, Edeka, Allyouneed, Amazon, Lidl und in Zukunft vielleicht sogar Aldi wollen beim Onlineversand von Lebensmitteln mitmischen. Hinzu kommen immer mehr Start-ups. Sie alle wollen einen möglichst großen Anteil vom langsam wachsenden Lebensmittel-ECommerce abhaben. Der Kampf um die digital verlängerte Frischetheke ist also eröffnet.
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Gleichzeitig tummeln sich unzählige Start-ups in der Branche, die sich beachtliche Marktanteile erkämpft haben. Auch sie werden sich in Zukunft mit den Großen der Handelslandschaft messen müssen.
Mit knapp 250 Milliarden Euro Umsatz in 2014 ist der deutsche Lebensmittelhandel der größte Europas. Laut den Analysten von Trade Dimensions kontrollieren die fünf größten Lebensmittelhändler 73 Prozent des Marktes. Das sind Edeka , Rewe , die Schwarz-Gruppe unter anderem mit Lidl sowie Aldi . Sie alle sehen sich einem harten Preiskampf mit entsprechend kleinen Margen im niedrigen einstelligen Prozentbereich ausgesetzt. Das liegt zum einen an der großen Verbreitung der extrem preisaggressiven Discounter, zum anderen an der hohen Dichte an Lebensmittelgeschäften hierzulande. Laut Christian Seiz hat jeder deutsche Haushalt im Schnitt 3,5 von ihnen in einem 10-Minuten-Radius.
Am gesamten E-Commerce, der rund 47 Milliarden Euro schwer ist, haben Lebensmittel immerhin einen Anteil von 4,3 Prozent. Das klingt auf den ersten Blick nach einer beachtlichen Menge - nicht aber wenn man den gesamten Einzelhandel mit dem Umsatz mit Lebensmitteln vergleicht. Denn am gesamten deutschen Einzelhandelsumsatz hat der LEH einen Anteil von mehr als der Hälfte (53 Prozent). Um online auf ein vergleichbares Niveau zu kommen, müsste sich der Lebensmittel-ECommerce also auf einen Schlag mindestens verzwölffachen.
Was den Lebensmittel-Commerce ausbremst
Diese Entwicklung aber wird ausgebremst von zahlreichen Faktoren:- Vom enormen Preisdruck und den niedrigen Margen, die den Handlungs- und Experimentierspielraum der Händler enorm einschränken.
- Vom starken Preisbewusstsein der Käufer. Viele sind nicht bereit, für Services wie die Lieferung Aufschläge zu bezahlen.
- Von der herausfordernden Logistik: Schließlich sind Kühlkette, flexible Lieferzeiten und die letzte Meile im Versand kostspielige Herausforderungen, die von den niedrigen Margen nicht abgedeckt werden.
- Von der großen Flächendichte der Lebensmittelgeschäfte in Deutschland.
- Von den hohen Ansprüchen der Kunden: Viele wollen spontan einkaufen, sich inspirieren lassen und sich vor allem Frisches selbst aussuchen. Dieses Einkaufserlebnis geht online verloren.
Abgesehen von dem Discounter steigen in Deutschland aktuell immer mehr Händler in den Lebensmittel-ECommerce ein. Hier gibt es verschiedene Kategorien:
Die Player am deutschen Lebensmittel-Onlinemarkt
Lebensmittel-Boxen: Da sind zum einen die Boxversender wie Hellofresh oder Kochzauber , die bisher mit mittelmäßigem Erfolg am Markt unterwegs sind: Kurz vor dem Aus des Start-ups hatte Lidl im November 2015 Kochzauber gekauft. Seitdem dümpelt es weiter vor sich hin. Das Rocket-Internet-Unternehmen Hellofresh musste den geplanten Börsengang aufgrund überhöhter Erwartungen absagen.Nischen- und Delikatess-Shops: Daneben gibt es die Nischenversender von Delikatessen, Spezialsortimenten, Wein, Diätlebensmitteln, Süßwaren und mehr, die sich durch ihr Sortiment vom Standard-Supermarkt unterscheiden. Ihre Produkte bekommt der Kunde nicht im Laden um die Ecke, daher bestellt er sie online. Diese Art des Lebensmittel-Commerce funktioniert in der Nische, weil der Kunde höhere Preise, Wartezeiten und die Umstände des E-Commerce dafür in Kauf nimmt.
(Lokale) Pure-Play-Start-ups: Shops wie Fresh Foods stellen sich als Vollsortimenter auf und versuchen, es mit den großen Lebensmittel-Handelskonzernen aufzunehmen. Sie bieten Frisch- und Tiefkühlware an und liefern diese meist mit eigenen Logistikflotten. Sie werden es in Zukunft schwer haben, weil sie gegenüber den etablierten Unternehmen schlechtere Einkaufskonditionen haben und nicht auf bestehende Logistiknetze zurückgreifen können.
Onlineshops der großen Lebensmittel-Einzelhändler: Allen voran rollt Rewe mit einem eigenen Onlineshop den Lebensmittel-Commerce auf. Der Händler punktet mit einer großen Produktauswahl inklusive Frischwaren und Tiefkühlkost und mehr als 60 angeschlossenen Städten. Aber auch Globus , Kaiser's Tengelmann mit Bringmeister bieten frische und haltbare Lebensmittel zum Onlinekauf an. Edeka versendet nur haltbare Waren. Neu seit diesem Jahr im Lebensmittel-Commerce sind Netto und Lidl mit der Vorratsbox, die ebenfalls nur Haltbares verschicken.
Lebensmittelshops der etablierten Onlinehändler: Amazon ist mit seinem generalistischen Sortiment ohnehin schon einer der größten Lebensmittelversender in Deutschland. Nun hat der Konzern Ende 2015 den Service Amazon Pantry gestartet, bei dem sich Kunden eine 20-Kilo-Box mit Drogerieartikeln und Lebensmitteln für fünf Euro nach Hause liefern lassen können. Für frische Lebensmittel müssen Amazon-Kunden noch auf den schon mehrfach angekündigten Dienst Amazon Fresh warten. Mit dem eigenen Lieferdienst und Same-Day-Delivery hat Amazon gute Chancen, sich im Online-Lebensmittelhandel noch größere Marktanteile zu erkämpfen. Außerdem hat er erst kürzlich den größten Lebensmittel-Pure-Player der Welt, Ocado aus Großbritannien, gekauft und könnte sich damit auch hierzulande weitere Marktvorteile verschaffen. Neben Amazon ist Ebay und der Onlineshop von der Deutschen Post , Allyouneed Fresh in Deutschland verbreitet.
Das sind die größten Lebensmittel-Onlinehändler Deutschlands
Aktuell sind die größten Lebensmittel-Versender Edeka24 , Rewe, Amazon und Ebay. Sowohl Amazon als auch Rewe haben hier aufgrund ihres immer breiter und besser werdenden Angebots die Chance, ihre Marktanteile noch massiv auszubauen. Selbst wenn der Markt insgesamt noch sehr klein ist, ist er doch schon verteilt. Aufgrund der Marktmacht der großen Player haben junge Unternehmen kaum mehr eine Chance, sich zur ernsthaften Konkurrenz zu entwickeln. Bevor das nächste Lebensmittel-Start-up in die Top-10 der Lebensmittelversender aufsteigt, wachsen erstens die, die bereits im Markt sind, und zweitens etablierte Lebensmittelhändler, die erst noch in den E-Commerce einsteigen. Als Beispiel ist hier der Discounter Lidl zu nennen, der Ende 2015 überraschend seine Vorratsbox auf den Markt geworfen hat. Oder die Aldi-Brüder, die seit Kurzem den Lebensmittel-Commerce in Großbritannien schon mal austesten.Selbst die kleineren Lebensmittel-Ketten wie Hit , Tegut oder Kaufland überlassen in Sachen E-Commerce das Feld den Großen - wohl wissentlich, dass die Marktchancen für sie überschaubar sind (siehe iBusiness-Analyse zu Tegut). Schließlich machen selbst die Großen bisher kaum Umsatz mit ihren Online-Lieferdiensten. Zum Beispiel der größte Lebensmittel-Onlinehändler, Edeka24, erwirtschaftet im Onlineshop gerade mal 0,9 Prozent des Edeka-Gesamtumsatzes (selbstständiger Einzelhandel und Regie-Einzelhandel). Rewe kommt auf 1,6 Prozent. Mit knapp 3 Prozent hat Bringmeister.de an Kaiser's Tengelmann noch den größten Anteil. Vielleicht ist das der Grund, weshalb der Tengelmann-Konzern ihn nicht einstampft, auch wenn Tengelmann schon seit Monaten die komplette Lebensmittel-Sparte an Edeka verkaufen will - weil der Händler nach eigenen Angaben zu klein ist, um eine Chance am Markt zu haben.
Auch für die Allergrößten ist der E-Commerce heute noch eine Investition in die Zukunft. Aber diese Händler wissen: Wenn sie jetzt nicht Erfahrungen sammeln, sich einen Namen machen und das Vertrauen der Kunden gewinnen, haben sie in wenigen Jahren keine Chance mehr.
- hat Lidl Lebensmittel in den Olineshop aufgenommen,
- hat Netto sein Onlinesortiment um Lebensmittel erweitert,
- hat der Lebensmittelgroßhändler C+C Schaper einen Onlineshop gestartet und
- haben - im Zeichen von Crosschannel - einige Händler Mobile Payment eingeführt: Billa , Aldi, Lidl und Globus.
Für die weitere Entwicklung im Lebensmittel-ECommerce ergeben sich aus der Analyse vier Szenarien:
Vier Szenarien zur Zukunft des Lebensmittel-ECommerce
The Big Five
Die Marktverteilung im Lebensmittel-Onlinehandel wird ähnlich aussehen wie im Einzelhandel: Eine Handvoll große Händler wie Rewe und Edeka werden sich den Markt aufteilen. Hinzu kommt in Zukunft Amazon. Mit dem Angebot Fresh wird er ebenfalls zu den großen gehören. Daneben positionieren sich einige Category Killer für Delikatessen und Spezialsortimente sowie Nischenhändler. Der Online-Anteil im Lebensmittelhandel pendelt sich auf etwa sechs Prozent ein.
Amazon dominiert
Mit seinem Same-Day-Delivery-Netz und dem Knowhow aus der Übernahme von Ocado wächst Amazon in den kommenden Jahren zum mit Abstand größten Lebensmittel-Onlinehändler. Er punktet durch ein wesentlich größeres Sortiment als Rewe oder Allyouneed Fresh - nur Discounter-Waren hat der Händler nicht im Programm. Dem stationären Lebensmitteleinzelhandel nimmt er aber nur wenig Marktanteil weg.
Anstieg auf 15 Prozent
Durch die immer besseren Logistikangebote sowie wachsende Bekanntheit und Vertrauen verschiebt sich immer mehr LEH-Umsatz in den E-Commerce. Große Händler wie Aldi, Penny oder Netto haben den Einstieg verpasst und können den Vorsprung von Pure Playern, Amazon, Rewe oder Edeka nicht mehr einholen. Dadurch verlieren sie auch offline. Der Online-Anteil im Lebensmittelhandel steigt auf 15 Prozent.
Lebensmittel bleiben offline
Die steigenden Umsätze im Lebensmittel-ECommerce stammen aktuell von Kunden, die den Onlinehandel in dem Segment austesten. Die meisten von ihnen aber kommen zu der Erkenntnis, dass der Nutzen gering und der Aufwand größer als vermutet ist. Daher kehren die meisten in die Supermärkte und Discounter zurück. Der Lebensmittel-Onlinehandel kommt über zwei Prozent Anteil nicht hinaus. Nur bei Spezialsortimenten und Delikatessen blüht der Onlinehandel.
