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Interaktiv-Trends 2020/2021 (7): Employer Branding
20.12.2019 Das Thema Employer Branding bleibt in den kommenden Jahren Dauerbrenner, denn der War of Talents ist längst im vollen Gange und wird sich tendenziell verschärfen. Personalverantwortliche stehen mit beiden Beinen tief in interessanten Zeiten.
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Kurze Innovationszyklen versus Fachkräftemangel, steigende Leistungsanforderungen versus Work-Life-Balance - komplexe Spannungsfelder, denen sich Interaktiv-Unternehmen mit differenzierten Personalstrategien stellen müssen. Sich in diesem Umfeld als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, ist zu einer vielschichtigen Herausforderung geworden.
Wie prekär die Marktsituation mittlerweile ist, zeigt die aktuelle Hochrechnung des Bitkom zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte: Die Zahl der offenen Stellen für IT-Fachkräfte erreicht eine neue Rekordmarke. In Deutschland gibt es aktuell 124.000 offene Stellen für IT-Spezialisten. Das entspricht einem Anstieg um 51 Prozent verglichen mit dem Vorjahr (82.000). Innerhalb von zwei Jahren hat sich damit die Zahl der unbesetzten IT-Stellen mehr als verdoppelt (2017: 55.000). 83 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie einen Mangel an IT-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt erleben, vor zwei Jahren waren es erst 67 Prozent. Zugleich erwarten zwei Drittel (65 Prozent), dass sich die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. Auch die Zahl und die Laufzeiten der Stellenangebote auf dem iBusiness-Stellenmarkt verdeutlichen die äußerst schwierige Situation im Jobmarkt der Interaktiv-Branche. Knapp 5.000 offene Stellen sind gleichzeitig ausgeschrieben. Dem stehen aktuell null Stellengesuche gegenüber. Die Standzeit der ausgelaufenen Stellenanzeigen etwa bei Programmierern liegt zwischen 180 und 360 Tagen. Das bedeutet: Die Stellenanzeige, die ein Personalverantwortlicher der Internetwirtschaft heute abschalten lässt, weil die Stelle endlich besetzt worden ist, ist mindesten vor mehr als sechs Monaten live gegangen.
Thema Personal beherrscht den Agentur-Markt
Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat bereits dazu geführt, dass sich die Fachkräfte die Unternehmen aussuchen - nicht umgekehrt. Treiber der Entwicklung sind neben dem Fachkräftemangel auch sinkende Geburtenraten und die alternde Bevölkerung. Entsprechend gehen Agenturen immer mehr über Active-Sourcing an Kandidaten ran und nutzen auch ihre Mitarbeiter als Corporate Influencer, um neue Talente zu finden. Entsprechend gehen Agenturen immer mehr über Active-Sourcing an Kandidaten ran und nutzen auch ihre Mitarbeiter als Corporate Influencer, um neue Talente zu finden. Die Studie Recruiting Trends des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg und des Karriereportals Monster hatte 2018 ermittelt, dass bereits jede fünfte Stelle bei Digitalunternehmen über Active-Sourcing besetzt wird - die restlichen Neueinstellungen werden über klassische Recruiting-Kanäle generiert. Als Top-Kanäle dafür nutzen Unternehmen nach wie vor die eigene Webseite und Internet-Stellenbörsen.Active-Sourcing wird immer wichtiger, denn: 59,1 Prozent der Kandidaten wollen angesprochen werden, anstatt sich selbst zu bewerben, das entspricht einer Steigerung von 20 Prozentpunkten seit 2012. Ein wesentliches Element im Recruiting und im Active-Sourcing ist inzwischen Social Media. Unternehmen mit expliziter Social-Media-Strategie sind im Active-Sourcing fast doppelt so erfolgreich. Die Top-Performer zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Mitarbeiter besser geschult, die Zielgruppen besser definiert und die Anschreiben individueller sind. Zusätzlich haben sie das Nachfassen bereits angesprochener Kandidaten sowie die Kontaktaufnahme für ein erstes Gespräch definiert.
Eine detaillierte iBusiness-Sonderauswertung der Datenbasis zum Internetagentur-Ranking zeigt, dass es bei der Abfrage verschiedener Thesen zum Markt der digitalen Wirtschaft zwei Themen gibt, die bei den Agenturen besonders hohe Zustimmung finden: "Größte Herausforderung ist fachlich geeignetes Personal zu finden." Nicht nur bei Agenturen, sondern überall in der deutschen Wirtschaft fehlt es an Fachkräften, der Weiterbildungsbedarf läuft aus dem Ruder. Es mangelt an Digital-Experten, die entsprechendes Know-how haben und digitale Prozesse managen beziehungsweise umsetzen können. Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Fachkräftemangel in der Internetwirtschaft wird strukturell schlimmer:
- Der Digitalanteil in den Unternehmen steigt - immer mehr Arbeitnehmer brauchen Internet-Fähigkeiten.
- Die Dienstleisterszene, die digital Hochgebildete benötigt, wächst, weil PR-Agenturen und Berater, Systemhäuser und Werbeagenturen in das Geschäft um digitale Transformation und Internet-Kommunikation einsteigen.
- Aufgrund der großen Nachfrage steigen die Gehälter für Digital-Experten exorbitant.
- Der Anteil der Berufseinsteiger, die sich selbstständig machen statt einstellen zu lassen, wächst.
- Die Zahl der Berufseinsteiger sinkt demografisch.
- Digitale Herausforderungen wachsen, wodurch die Anforderungen an digital beschäftigte Arbeitnehmer steigen.
Was die Mitarbeiter betrifft, bleibt es unter dem Strich ein massives Branchenproblem, Personal zu finden. Zusammengefasst: Nachfrage wächst, Angebot sinkt.
