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Interaktiv-Trends 2011 (5): Virtuelles Geld wandert in Web und Smartphone

22.12.2010 Der Siegeszug der mobilen Endgeräte verändert die Rolle, die das Digital Device für die Menschen hat. Sie werden langfristig die Rolle des Geldbeutels übernehmen. Den Markt 2011 vorbereiten werden die Währungswirren der Social Games. Hier setzt sich vermutlich ein alter Bekannter durch. Oder der andere.

 (Bild: Microsoft/HighText)
Bild: Microsoft/HighText
 (Bild: Microsoft/HighText)
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Es ist kaum ein halbes Jahr her, als Apple   einen Experten für Near-Field-Communication (NFC) zu seinem Mobile Commerce Manager    macht: Benjamin Vigier ist nach einer Meldung der Near Field Communication World   neu an Bord in Cupertino. Davor hat er für Mfoundry   an einem Projekt namens 'Mobile Wallet' gearbeitet.

Aus dem iPhone eine Geldbörse zu machen - einen anderen Grund gibt es für Apple nicht, einen NFC-Experten für teuer Geld einzukaufen. Und dass NFC langfristig aus einem Mobiltelefon eine Geldbörse machen kann (und dass Apples Steve Jobs feuchte Träume bei der Vorstellung bekommt, bei jedem Bezahlvorgang eines Apple-Nutzers seine Hand aufzuhalten), davon sind Experten überzeugt.

Doch selbst wenn NFC in jedem iPhone 5 eingebaut würde: Die nötigen Kassensysteme und Abrechnungsmethoden sind weit. Vor 2015 ist mit einer Markteinführung, die diesen Namen auch verdient, nicht zu rechnen. Was wir 2011 hingegen durchaus sehen werden, ist der Siegeszug des M-Payment bei virtuellen regionalen Gütern: Flugtickets. Zugfahrkarten. Parkscheine. Konzertbons. Rabattgutscheine. Barcodes oder QR-Codes können von jedem PC ausgespuckt und von jedem Mobilgerät mit Kamera auch gelesen werden. Im Umweg über die Optik wird 2011 der Boden bereitet für ein virtuelles Geld, das auch zwischen Nutzern hin und her transferiert werden kann.

Ob das soziale Netzwerk Facebook   bei dem Geldgeschäft mitspielen kann, wird sich ebenfalls 2011 zeigen. Zurzeit dümpelt das Geschäft mit seiner virtuellen Währung 'Facebook Credits' noch vor sich hin. Das Netzwerk hat nun angekündigt, in den ganzen USA Geschenkkarten in Credits herauszugeben. Die Wertmarken kosten je nach Ausgabe 15, 25 oder 50 Dollar und sollen vor allem dazu dienen, Social Games und Applikationen in Facebook zu erwerben.

Langfristig soll das Bankgeschäft zu einer fetten Säule bei den Einnahmen des größten sozialen Netzwerks der Welt werden. Bislang akzeptiert Facebook bei den vielen tausend Social Games noch andere virtuelle Währungen - irgendwann 2011 wird der Shift stattfinden, ab dann ausschließlich mit Facebook Credits digitale Damaszenerklingen, Pixel-Pizzas und Bit-Blumen bezahlt werden dürfen. Der nächste Schritt ist dann nur folgerichtig: Die Erweiterung von Facebook Credits ins Web und auf mobile Endgeräte.

Das Phänomen 'virtuelles Geld' ist an sich nicht neu: Bereits um einige Massively Multiplayer Online Role-Playing Games (MMORPGs) wie "World of Warcraft"   haben sich Parallel-Wirtschaften gebildet, in denen virtuelle Güter gegen echtes Geld gehandelt werden. Am bekanntesten sind die Linden-Dollar   der 3D-Welt Second Life  , für die es seit Jahren reale Wechselstuben   gibt.

Der Unterschied zu Facebook ist die jeweilige Größe der Plattform: Theoretisch ist Zuckerberg-Land mit seinen knapp 600 Millionen Einwohnern deutlich größer als Euro-Land mit seinen 495 Millionen Einwohnern. Wer hier eine einheitliche Währung schafft - und sei sie virtuell - der ist eine Macht im weltweiten Geldgeschäft.

Als Facebook 2010 jedem seiner Nutzer Facebook Credits im Wert von einem US-Dollar geschenkt hat, kostete diese Marketingmaßnahme das Zuckerberg-Land richtiges Geld: Das Ausreichen der Gutscheine in Credit-Währung muss nämlich, so schreiben es internationale Bankenregularien vor, für solche 'Electronic Money Institutions (ELMIs)', durch echte Geldwerte unterfüttert werden. In der Bilanz von Facebook taucht seitdem eine 'Exposure' auf, die die Deckung von 500 Millionen Credit-Gutscheinen durch echte Dollars ausweist. Schließlich kann man mit den Facebook Credits auch richtige Waren bezahlen.

Zumindest in den USA hat die virtuelle Währung der Facebook-Credits bereits die Realwirtschaft erreicht: Die Ladenkette 7-Eleven   hat für den Anschub als Partner eine Art von Bonusprogramm   aufgelegt. Wer bei 7-Eleven Credits erwirbt, bekommt Bonus-Credits. Das Angebot wird zusammen mit dem Bezahldienst PayNearMe   des Unternehmens Kwedit   in den Markt gebracht, wie Techtorial   berichtet.

Das heißt: Mit diesem Deal erschloss sich Facebook 2010 einen Millionenmarkt der Bezahlsysteme. Zugleich öffnet dies einen riesigen Markt (Nordamerika und Asien) der den Zugang zu Facebook und seinem Bezahlsystem mitsamt seiner eigenen Währung ungeheuer erleichtert. Zumindest theoretisch hat Facebook damit die Nase vorn vor etwaigen Konkurrenten. Ob aus dieser theoretischen Chance ein Marktmodell für Facebook wird, wird 2011 zeigen.
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