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Interaktiv-Trends 2011 (8): Multi-Channel verzahnt E-Commerce und Offline-Handel
27.12.2010 In den kommenden Monaten entstehen immer mehr ECommerce-Modelle, die den lokalen Einzelhandel befeuern. Gleichzeitig entwickeln lokale Händler webbasierte Geschäftsmodelle, um vom Smartphone-Boom zu profitieren.
Schon heute können lokale Dienstleister wie Gastronomen über Live-Shopping-Dienste wie Groupon verschiedene Rabattaktionen fahren, um Internetnutzer in ihren Betrieb vor Ort zu locken. In den kommenden Monaten werden solche Vermarktungsmodelle auch für den lokalen Einzelhandel an Bedeutung gewinnen. Aus gutem Grund. Schließlich belegen beispielsweise Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (AGOF), dass sich nahezu jeder Internetnutzer online über Produkte informiert. Den meisten Umsatz macht der Handel aber nach wie vor vor Ort. So wurden beispielsweise im Jahr 2009 gerade einmal 7,4 Prozent der deutschen Einzelhandelsumsätze über den Versandhandel - also E-Commerce und Kataloggeschäft - generiert, wie der Bundesverband des deutschen Einzelhandels berichtet.
Es liegt also geradezu auf der Hand, die ausgesprochen Shopping-affinen Internetnutzer in lokale Läden zu locken. Gerade das Couponing-Geschäft aber ist traditionell ein wenig knifflig. Denn wer mit Rabatten wirbt, lockt meist nur undankbare Schnäppchen-Hopper und vergrault mit zuvielen Sonderaktionen unter Umständen die loyale Stammkundschaft. Gutschein-Anbieter wie Groupon werden daher ihr Business-Modell aufbohren und sich überlegen, wie man Internetnutzer auch ohne 50 Prozent Preisersparnis auf Produkte oder Dienstleistungen aktiviert: beispielsweise durch exklusive Bundles ohne satte Rabatte.
Online-Preisvergleichsdienste und Einzelhändler verbrüdern sich
Doch auch der lokale Einzelhandel ist gefordert und muss neue Businessmodelle entwickeln, um Kunden vor Ort zu begeistern und nicht an (günstigere) Online-Händler zu verlieren. Bereits heute nutzen immer mehr Smartphone-Nutzer so genannte Barcode-Sacnner, um Produkte in einem Geschäft zu fotografieren und online bei einem günstigeren Anbieter zu kaufen. Der deutsche Einzelhandel reagiert auf diesen Trend aktuell mit Schrecken und schmeißt Smartphone-Nutzer kurzerhand auf die Straße. Dabei könnten gerade lokale Händler davon profitieren, dass Verbraucher mit Smartphones gerüstet durch die Straßen ziehen.In den USA übermitteln bereits erste Einzelhändler ihre Produktdaten an Google . Wenn Smartphone-Nutzer dann über die Android -App Google Shopper nach Produkten suchen, sehen sie in einer Google-Maps-Ansicht alle Ladengeschäfte, die den gewünschten Artikel momentan vorrätig haben. Im Jahr 2011 wird Google diesen Service auch für deutsche Einzelhändler verfügbar machen, die auf diese Weise Smartphone-Nutzer mit einem konkreten Kaufinteresse in ihr Geschäft lotsen können: ähnlich wie ein Online-Preisvergleich heute Internetnutzer in Online-Shops spült.
Ein denkbares Anwendungsszenario wäre außerdem, dass Ladenbesitzer künftig ein Gratis-WLAN in ihrem Geschäft einrichten und auf einer speziellen Smartphone-Site verschiedene Videos und Kundenmeinungen zu einem Produkt aggregieren. Ein Service-Modell, das bis vor einigen Jahren nur mit spezieller Hardware möglich gewesen wäre. Da Nutzer heute aber ohnehin ein Multimedia-Device in der Tasche haben, brauchen Händler nicht einmal mehr in eine eigene Infrastruktur investieren, um Nutzern vor Ort interaktive Mehrwerte zu bieten.
Vielleicht kommt es 2011 ja auch zum Schulterschluss zwischen Preisvergleichsportalen und lokalem Einzelhandel. Ein Ansatz wäre, dass künftig Ladenbesitzer die bei Preisvergleichen übliche Provision erhalten: wenn Verbraucher in ihrem Geschäft ein Produkt scannen und anschließend online bestellen. Über die GPS-Daten jedenfalls lässt sich immer exakter bestimmen, wo sich ein Nutzer genau aufhält. Und wenn die Bestellung in einem Ladengeschäft angestoßen wird, geht die Provision eben an den Besitzer.
Kaum tracken lässt sich aber auch künftig, wenn Nutzer erst Tage nach einem Ladenbesuch ein Produkt online bestellen. Auch in diesem Fall hätte eigentlich der Ladenbesitzer eine Provision verdient, wenn Nutzer zuvor in seinem Geschäft das Produkt angefasst und getestet haben. Es könnte daher durchaus sein, dass der lokale Handel künftig nur noch als eine Art Ausstellungshalle für den Online-Handel fungiert. Das klassische Einzelhandelsgeschäft würde dann aussterben und die Hersteller selbst in deutschen Innenstädten spezielle Flagship-Stores eröffnen, um den Online-Vertrieb zu stärken. Ein Szenario, das aktuell zwar noch in weiter Ferne liegt. Der Grundstein für diese Entwicklung wird vielleicht allerdings schon in den nächsten Monaten gelegt.
