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Was auf den Mittelstand bei der Digitalen Transformation jetzt zukommt

08.03.2018 Es gibt wohl kaum ein Vorhaben, das einen längeren Atem erfordert als die Digitale Transformation des Mittelstands. Auf die nächste Unternehmergeneration zu warten, kann aber nicht die Lösung sein. Sieben Entwicklungen, die Entscheider jetzt in den Mittelpunkt stellen müssen.

 (Bild: jg)
Bild: jg

HANDLUNGSRELEVANZ

 
Operativ
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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Die Digitale Transformation wird den Mittelstand jahrzehntelang beschäftigen.
Digitale Technologien sind laut Studie der Unternehmensberatung EY   für die Geschäftsmodelle von Großunternehmen im Durchschnitt deutlich bedeutsamer als für die kleinerer Unternehmen. Doch auch im Mittelstand wächst der Digitalisierungsdruck. Immerhin begreift die Mehrheit der Unternehmen (72 Prozent) Digitalisierung als Chance für sich. Jedes fünfte begrüßt sie sogar uneingeschränkt. Lediglich jedes 14. Unternehmen sieht in der Digitalisierung eine Bedrohung. Allerdings zeigen sich laut Studie auch hier Unterschiede: Während 77 Prozent der wachstumsstarken Unternehmen die Digitalisierung als Chance sehen, sind es bei den Unternehmen, die gar nicht oder nur leicht wachsen, lediglich 63 Prozent.

Aber wie weit sind mittelständische Unternehmen überhaupt schon, die Anforderungen Digitaler Transformation umzusetzen? Und was kommt noch auf sie zu? Sieben Thesen:

1. Kunden- und Service-Erwartungen mit aller Konsequenz in das Zentrum unternehmerischen Handelns stellen:


"Die Kundenorientierung in allen Unternehmensbereichen ist im Mittelstand gut durchgedrungen - wahrscheinlich war diese hier schon immer gut verankert, weil die Unternehmen traditionell nah am Kunden arbeiten", urteilt Jana Eschweiler , Director Marketing and Sales Communications bei der TWT Digital Group   . "Wichtig ist die Übertragung der Kundenorientierung in die digitale Welt. Dazu gehört die personalisierte Beratung und Inspiration, die Kunden aus dem traditionellen Kontakt gewohnt sind.

Jana Eschweiler (Bild: TWT)
Bild: TWT
Jana Eschweiler



Dazu sollten hilfreiche Informationen über Websites oder Social Media bereitgestellt werden, wichtig seien aber auch technische Lösungen wie Chatbots. Die digitalen Assistenten können die Anfragen von Interessenten und Kunden in Echtzeit klassifizieren und so die Übernahme der Kommunikation durch einen persönlichen Berater vorbereiten. Ein großer Trend ist laut Eschweiler Messenger-Marketing über Tools wie Whatsapp und Facebook Messenger. Kunden nutzen diese Kanäle zunehmend, um mit Unternehmen in Kontakt zu treten. Auch hier spielen Chatbots bei Anfragen eine große Rolle, aber auch Newsletter lassen sich über die Messenger aktiv und zielgruppengenau versenden.

2. Digitale Megatrends: Big Data, digitales Marketing und Social Media Tools

Der Einfluss von Big Data ist ungebrochen und hat sich weiter ausdifferenziert - Daten bilden die Grundlage für nahezu alle aktuellen technischen Innovationen. Matthias Schrader , CEO von SinnerSchrader   , formuliert es in seinem Buch 'Transformationale Produkte' so: "Als Lernmaterial brauchen Algorithmen große Datenmengen, um akzeptable Ergebnisse zu erreichen." GAFA (Google, Apple, Facebook und Amazon) seien hier immens im Vorteil. Dank der riesigen Datenmengen könnten sie ihre vorhandenen Dienste noch wertvoller machen. Schrader: "Google Maps wird in Zukunft dafür gesorgt haben, dass das Taxi bereits auf uns wartet, noch bevor uns gewahr wird, dass wir den nächsten Termin bereits vergessen hatten."

Matthias Schrader



Künstliche Intelligenz ist auch für den Mittelstand einer der Megatrends. Hier dienen Daten als Trainingsmaterial für die Maschine, schildert Eschweiler: "Trainierte Künstliche Intelligenz ist dann beispielsweise in der Lage, aus großen und unstrukturierten Daten Zusammenhänge zu erkennen und Erkenntnisse zu gewinnen." Ein spektakuläres Beispiel ist die Entdeckung eines neuen Sonnensystems durch eine Künstliche Intelligenz von Google  . Die Wissenschaftler hatten es in der enormen Datenmenge in den letzten Jahren schlicht übersehen, bis die KI die Daten analysiert hat. Ein weiterer Megatrend ist Blockchain, eine Art digitales Register, mit der viele größere Unternehmen momentan experimentieren, um bessere Transparenz und Prozessoptimierungen zu erreichen. Ein bekanntes Beispiel ist die gemeinsame Entwicklung einer Blockchain von IBM und Maersk   zur Verbesserung der internationalen Abläufe des Logistikriesens.

3. Wertschöpfungsnetzwerk: Wie sich Strukturen in Unternehmen verändern


Viele mittelständische Händler haben mittlerweile sowohl ein stationäres als auch ein digitales Geschäftsmodell und schöpfen somit beide Kanäle ab. Die aktuelle Herausforderung ist die Verknüpfung der beiden Universen: Wie kann beispielsweise die Customer Journey von der Onlinewelt bis zum stationären Kauf nachverfolgt und optimiert werden? Wie kann der stationäre Handel rentabel gehalten werden, ohne das Angebot für Kunden zu unattraktiv zu machen? Eine große Rolle spielt auch die Sprachsuche und die Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Wie können zum Beispiel digitale Assistenten wie Alexa oder Google Home in den Kaufprozess integriert werden?

4. Kanalübergreifendes Denken als Basic im Transformationsprozess


"Kanalübergreifendes Denken hat sich durch die jungen Mitarbeiter in den mittelständischen Unternehmen längst etabliert", konstatiert Jana Eschweiler. Content wird normalerweise über verschiedene Kanäle wie Social Media oder EMail-Newsletter versendet. Wichtiger und schwieriger ist die Zusammenarbeit über Abteilungen und Gewerke hinweg. Ein wichtiger Trend kommt aus der IT. Beim DevOps-Ansatz arbeiten Entwickler und die späteren Administratoren der Software von Beginn an zusammen, um Synergien in der Entwicklung zu schaffen und reibungslose Abläufe im Betrieb zu erreichen. Auch die agilen Prozesse stammen wie der DevOps-Ansatz aus der IT und würden in vielen Unternehmen verstärkt umgesetzt.

5. Technologisierung und Arbeit


Neben mobiler Arbeit ist kollaboratives Arbeiten ein wichtiger Trend. Gerade junge Mitarbeiter legen großen Wert auf unkomplizierte Zusammenarbeit mit flachen Hierarchien. Neben den internen Strukturen wie agilen Prozessen und aktiver Personalführung gehören auch entsprechende Softwarelösungen zum Standard, weiß Eschweiler: "So lässt sich beispielsweise mit entsprechenden Tools gemeinsam und in Echtzeit an Dokumenten arbeiten. Die Software für die interne Kommunikation orientiert sich mittlerweile stark an bekannten sozialen Netzwerken wie Facebook, um die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen."

6. Herausforderung: Eigene Trends setzen


Haben vor zwei Jahren viele Unternehmen auf oberster Führungsebene noch an ihrer Digitalstrategie gefeilt, die in großen Teilen nicht umsetzungsreif war, fokussieren sie sich heute auf die Umsetzung digitaler Maßnahmen. Und hier fangen die Missverständnisse oft schon an. "Der Mittelstand sieht in digitaler Transformation vor allem eine IT-Herausforderung, die mit herkömmlichen Mitteln bewältigt wird: Eine Fachstelle schreibt einen Business-Plan, es wird ein Konzept erstellt, der im Rahmen eines IT-Projektes abgearbeitet wird", schildert Uwe Tüben , Geschäftsführer der Valtech GmbH   . Eine solche Wasserfall-Vorgehensweise sei zwar nicht die Regel, aber oft anzutreffen.

Hinzu kommt: "Mittelständische Unternehmen sind oft familien- und eigentümergeführt. Das bedeutet bei aller Weitsicht, die der deutsche Mittelstand für das eigene Geschäft hat, dass man Bewährtes ungern in Frage stellt", so Tübens Erfahrung. "Digitales ist etwas anderes als üblicherweise das, was man sonst macht und mehr als ein IT-Programm und braucht einen kulturellen Wandel. Das ist für den Mittelstand noch wichtiger als für einen Konzern und dies muss man ihm stärker vermitteln."

Uwe Tüben (Bild: Valtech)
Bild: Valtech
Uwe Tüben



Zu oft wird die Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen noch als reines IT- und Prozessoptimierungs-Thema betrachtet, pflichtet Eschweiler bei. "Der eigentliche Mehrwert liegt aber in der Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle. Ein Beispiel dafür ist der Laserspezialist Vision Lasertechnik: Anhand der Vibrationen und der Stromaufnahme der Maschine lesen Ingenieure ab, ob beispielsweise falsches Material für das Schweißen verwendet wird oder die Maschine gewartet werden muss. Zusätzlich haben die Arbeiter Smartwatches an ihrem Armgelenk, die Fehlermeldungen in Echtzeit darstellen."

7. Change Management: Top down oder bottom up?

Die Digitale Transformation gerade von Unternehmen mit etablierten Geschäftsmodellen und internen Prozessen ist eine komplexe Aufgabe, die präzise Analyse und Konzeption sowie konsequente Umsetzung erfordert. Es macht daher Sinn, das Thema Digitalisierung sehr hoch in der Geschäftsführung aufzuhängen, plädiert Jana Eschweiler: "Bei der Umsetzung kann die Bildung einer Art digitalen Keimzelle Sinn machen, in der Repräsentanten aus allen relevanten Abteilungen auf Projektbasis mitarbeiten. So können erste Ergebnisse im Sinne einer agilen Produktentwicklung sukzessive ins Unternehmen getragen werden."
Der Mittelstand kann im Vergleich zu Konzernen eine Stärke voll ausspielen, erklärt Tüben: "Man ist nicht so abhängig von der Stimmung an der Börse und kann das Unternehmen mit viel mehr Konstanz führen. Das hat einen großen Wert für die Digitalisierung." Als Beispiel: Wenn ein Unternehmen wie Kaba, Hersteller von Schließsystemen, frühzeitig erkannt hat, dass Schließsysteme in Zukunft nicht mehr unbedingt nur mit Schlüssel, sondern möglicherweise mit Keycard oder App bedient werden, können sie darin frühzeitig investieren, weil sie wissen, dass sie das Unternehmen langfristig führen. Das hätte ein Konzern an dieser Stelle möglicherweise noch nicht gemacht. Unternehmen, bei denen digitale Erweiterung des Produktes naheliegt, machen das auch frühzeitig.

Zusammenfassend formuliert Uwe Tüben als notwendige Voraussetzungen für Digitale Transformation:
  • Starre Prozesse sind innovationsfeindlich
  • Marketing und IT gehören zusammen
  • Kunden verdienen einen Chief Client Officer, oft auch als CDO bezeichnet, der als Stabsstelle des Vorstandes für die Belange der Digitalisierung eintritt.
    Tüben: "Digitalisierung ist nur Mittel zum Zweck. Und der Zweck ist, den Kunden besser zu bedienen. Deshalb ist der Chief Client Officer als ein vom Chef berufener Kundenversteher die treffendere Bezeichnung."

Der Mittelstand kämpft allerdings mit einem noch viel grundlegenderen Problem: dem zu langsamen Internet. Denn die Hidden Champions der deutschen Industrie sind oft nicht in Ballungszentren anzutreffen, sondern im Schwarzwald, Sauer- oder Emsland, also in der Provinz ohne entsprechende Internetanbindung. Unter diesen Bedingungen ein digitales Feuerwerk zu zünden, ist schwierig. Das nächste Problem: Wenn man im Sauerland oder Schwarzwald sitzt, ist es auch schwer, die Top-Digitaltalente anzuwerben. Das heißt, viele Unternehmen haben nur Zugriff auf einem begrenzten Talentpool. Der Fachkräftemangel verschärft sich für Mittelständler also noch.
"Als Dienstleister substituieren wir, was die Unternehmen selbst nicht organisch aufbauen können", erklärt Uwe Tüben. Das macht die Abhängigkeit von Beratern und Dienstleistern mittelständischer Unternehmen im Vergleich zu Konzernen noch größer.
Thema: Was auf den Mittelstand bei der Digitalen Transformation jetzt zukommt

Kommentar von Christina Rose

Hands-on trifft Vision

Im Mittelstand ist Digitale Transformation eher transaktionaler Natur, hier geht's um einzelne Maßnahmen.

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 (Christina Rose)
Bild: Christina Rose
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