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Apples gefährlicher Sieg über Samsung: Wer die wahren Verlierer im Patentkrieg sind
29.08.2012 Apple hat eine Schlacht gewonnen, aber nicht den Mobile-Patentkrieg. Leicht kann der Triumph über Samsung nach hinten losgehen, schlimmstenfalls verlieren alle. Was als nächstes geschehen wird: Fünf Zukunftsszenarien.
Nachdem Samsung nunmehr die Berufung gegen das Urteil angekündigt hat, sind vor allem zwei Fragen interessant:
- Wie geht der konkrete Konflikt Samsung gegen Apple aus?
- Was bedeutet diese Entwicklung für den weiteren Verlauf des mobilen Patentkrieges - läutet der Sieg Apples den Niedergang von Android ein? Oder ist es tatsächlich eine strategische Niederlage im Gewand eines Triumphs?
Samsung gegen Apple: Was als nächstes geschehen wird
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Neben dem öffentlichen Diskurs läuft auch der Apple/Samsung-Konflikt weiter. Einige Meilensteine der weiteren Entwicklung sind sehr wahrscheinlich:
1. Das Urteil wird in Teilen revidiert
Das hastig anmutende Tempo, mit dem die Juroren zu ihrem Spruch kamen, ist für Pallenberg ein starker Indikator dafür, dass das Urteil noch korrigiert werden wird: "700 einzelne Fragen sind den Geschworenen zur Beurteilung übergeben worden. In drei Tagen stand das Urteil fest - minus Schlaf macht das 2 Minuten und 45 Sekunden, um jeweils einen der Aspekte zu beurteilen, für die Marktforscher Monate gebraucht hätten." Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Geschworenen sogar noch um zwei Millionen verrechnet hatten, als sie die einzelnen Posten der Schadensersatz-Forderungen addierten. Eine Reduzierung der Schadenersatzsumme ist ebenso wenig auszuschließen wie die Einschränkung der Patente, die Apple zugesprochen wurden - denn so gute Rahmenbedingungen wie dieses Mal wird Apple nie wieder bekommen:- Ein aus US-Bürgern zusammengesetztes Geschworenengericht hat in den USA in einem Verfahren geurteilt, in dem ein heimisches Unternehmen einem expansiven asiatischen Unternehmen gegenübersteht.
- Der Gerichtsstandort San José ist lediglich 16 Kilometer von Apple-Firmensitz Cupertino entfernt.
- Einer der wichtigsten Geschworenen ist selber Patentinhaber und dominierte laut Interviews die anderen Geschworenen in seiner Haltung.
2. Verhandlungen unter Erzfreunden
Samsung und Google setzen sich danach an einen Tisch und kungeln aus, was der eine dem anderen zu bieten hat. Bleiben entscheidende Patente bei Apple, kann Samsung zum Tausch den Zugriff auf das eigene Portfolio anbieten.
3. Google liefert Munition
Google wird seinem Zulieferer Samsung Patente zukommen lassen, die es selbst dank des Kaufs von Motorola besitzt: Damit kann Samsung entweder handeln oder drohen. Oder aber Google verzichtet auf die indirekte Strategie und greift Apple selbst vor Gericht an. Das Säbelrasseln soll Apple kompromissbereiter bei der Vergabe von Patenten und Lizenzen am Verhandlungstisch machen.
4. Samsung und Google lernen dazu
Samsung wird künftig vermeiden, ein weiteres Mal in die Falle zu tappen und seine Designs und Features von denen Apples abheben. Wie die Japaner, die die deutsche Phonoindustrie erst kopierten und dann überholten. Oder die Deutschen, die im 19. Jahrhundert dasselbe mit der englischen Stahlherstellung machten (wo im übrigen das Zwangs-Label "Made in Germany" herkommt - das als Demütigung gedacht sich zum Qualitätssiegel mauserte). Parallel dazu sammelt und schützt auch Google einfache und grundlegende Patente nach Apple-Vorbild: Auch der Suchmaschinenriese wird sein Portfolio an simplen, jederzeit als juristische Waffe einsetzbaren Patenten weiter vergrößern. Wie sehr dieser Prozess schon im Gange ist, zeigt eine Liste von iOS-Features, die sich auf Patente von Android zurückführen lassen oder auf die Konkurrenz von Microsoft , RIM und Co.
5. Tablets, die Zukunft und der Rest der Welt
Unter dem Strich ist das Urteil also eine herbe Niederlage in einer Schlacht, aber nicht der Anfang vom Ende für Android-Mobilgeräte. Dagegen spricht zum einen die Tatsache, dass nur Smartphones betroffen waren und es keinerlei Beanstandungen an den Samsung-Tablets gab. Hinzu kommt die Rechtsprechung im Rest der Welt, die sich deutlich von der nordamerikanischen unterscheidet: Urteile in China, Deutschland und Australien haben Samsung als Sieger in ähnlichen Auseinandersetzungen festgestellt. Ungeachtet aller ernstzunehmenden Probleme im extrem wichtigen Mobile-Markt USA wird Samsung hier nicht ohne Weiteres untergehen.Außerdem: Wie substanziell kann die Klagepolitik Apples auch künftig noch sein, wenn das Unternehmen nicht mal drei Prozent seines Budgets in Forschung und Entwicklung steckt? Bei Samsung sind es nach eigenen Angaben neun Prozent , bei Google 13 und bei Microsoft 14 Prozent, berichtete die Wiwo (Stand Ende 2011). Es stellt sich die Frage wem langfristig zuerst die Munition an patentierten Innovationen ausgeht?
Wie der Patentkrieg langfristig und global ausgehen wird - welche anderen Beteiligten und Unbeteiligten er schwer schädigen wird - zeigt ein Blick auf die Geschichte der bisherigen Patentscharmützel. Hier lassen sich Erkenntnisse darüber gewinnen, wohin wohl der erbitterte Rechtsstreit um mobile Innovationshoheit langfristig führen wird.
