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13 Gründe, wieso Autos die Smartphones der Zukunft sind

06.07.2012 Apps sind die neuen PS: Autos werden zu Smartphones auf Rädern - vernetzt, voller Anwendungen, personalisiert. Neue Geschäftsmodelle in Marketing und App-Entwicklung entstehen, Nutzung ersetzt Besitz. 13 Trends zeigen, wie das Auto zum persönlichen Assistenten wird.

 (Bild: brabus.de)
Bild: brabus.de
Von Autos zu rollenden Smartphones zu mobilen Assistenten: Die Autos der Zukunft (Bild: brabus.de)
Bild: brabus.de
Von Autos zu rollenden Smartphones zu mobilen Assistenten: Die Autos der Zukunft
Künftig wird das Smartphone nicht nur stärker ins Auto integriert, sodass der Nutzer begonnene Anwendungen nahtlos im Fahrzeug weiter nutzen kann. Das Automobil wird selbst zum Endgerät und auf der nächsten Evolutionsstufe zum mobilen Assistenten: Mit den Mobilgeräten synchronisiert, wertet es deren Inhalte aus, Agentenlösungen erstellen optimale Routen, Tagesabläufe oder kümmern sich selbsttätig um Werkstatttermine oder optimieren den Einkaufszettel.

Diese Zukunft ist näher als man annehmen sollte und bietet viel Potenzial für die Interaktivbranche: Wenn Autos rollende Endgeräte werden, öffnet sich der Automobilmarkt für nahezu alle Dienstleistungen und Tools des Internets. 13 Trends geben die Reiseroute vor.

Trend 1: Autos werden Assistenten

Die aktuelle Entwicklung der Handytechnologien zeigt, wie Smartphones zu mobilen Assistenten werden: Sprachgesteuerte Agenten wie Siri helfen den Tagesablauf zu organisieren. Unlängst hat Google die nächste Stufe gezündet und seinen Assistenten Google Now   mit neuen geräte-agnostischen Funktionen versehen: Blogger Cashy   durfte erleben, dass sich sein Android-Handy bei ihm meldete, nachdem er am Notebook eine Krankenkasse gegoogelt hatte: Das Smartphone präsentierte ihm die Route zum Sitz der gesuchten Versicherung, hatte als mobiler Device also geschlussfolgert: "Vielleicht will er ja dorthin, also gebe ich ihm die Route!" Solche Assistentenfunktionen werden das Auto erobern - es ist der Zugriff des Nutzers zur individuellen Mobilität, da ist die Evolution zum mobilen Endgerät auf Rädern nur folgerichtig.

Verschiedene Szenarien sind denkbar, in denen der automobile Assistent das Leben seines Besitzers erleichtert:

Assistenten-Lösung eins: Fortbewegungsmittelübergreifende Mobilität
Das Auto kennt die Stau- und Wetterlage. Es liest die Kalendereinträge des Nutzers aus und kommt zu dem Ergebnis: Den 10-Uhr-Termin zu schaffen wird schwer, in Anbetracht der Vollsperrung nach Unfall auf der Strecke. Und so legt es dem Nutzer nahe, nahe einer U-Bahnhaltestelle auf der Strecke zu parken und von dort aus via Bahn, Bus und zu Fuß weiterzureisen, weil es die schnellere Lösung ist.
Hier zeigt sich bereits, wie Technologie im Auto den Nutzer ein Stück weit vom physischen Gegenstand des Autos emanzipiert (siehe auch Trend 10).

Assistenten-Lösung zwei: Interaktion mit anderen vernetzten Endgeräten
Das Auto kann auch noch vorausschauender planen. Seine Sensoren merken, dass der Tank nahezu leer ist, also ein Tankstellenbesuch fällig ist, weil die Strecke zur Arbeit sonst nicht bewältigt werden kann. Da aber mein Handy-Wecker zu knapp eingestellt ist, als dass ich diesen Umweg pünktlich schaffen könnte, bekomme ich am Abend eine Nachricht: "Sie müssen morgen früh noch tanken, wollen sie zehn Minuten eher losfahren?"

Assistenten-Lösung drei: Service-Offensive
Blinkt heute eine Warnleuchte auf, so müssen Autobesitzer vieler Modelle noch zum Handbuch greifen und die Bedeutung dieses Warnlichtes heraussuchen. Künftig nimmt das Auto dem Nutzer Wartungsstress ab: Es erkennt während der Fahrt, dass ein Reifen Luft verliert und lotst den Fahrer nach einem Warnhinweis automatisch zur nächsten Vertragswerkstatt auf der Route. Der Mechaniker dort ist bereits mit einer Nachricht über die anstehende Ankunft informiert worden (siehe auch Trend 12).

Diese Szenarien zeigen; Das Auto interagiert in immer stärkeren Maße mit seiner ebenfalls vernetzten physischen Umwelt, dem Internet der Dinge. Das führt zum nächsten Trend.


Trend 2: Autos als Bestandteil der Ambient Intelligence

Immer mehr künstliche Intelligenz wandert in Alltagsgegenstände. Künftig wird etwa ein Kühlschrank mitteilen können, welche Lebensmittel in ihm fehlen. Der ans Auto angebundene Kühlschrank generiert eine Einkaufsliste und spielt sie dem heimkehrenden Autobesitzer auf sein Display auf - verbunden mit einem Routenvorschlag zum nächsten Supermarkt. Dort soll der Nutzer aber nur einen Teil der Produkte einkaufen: Für den Rest lotst ihn das Auto zu einem anderen Händler, bei dem es die benötigten Artikel so viel günstiger gibt, dass sich der zweite Stopp lohnt.
In solchen Anwendungsfeldern verschmelzen die Benefits eines intelligenten Assistenten mit den Potenzialen von Ambient Intelligence.

Trend 3: In-Car-Advertising

Wenn Autos beginnen, ihre Nutzer zu bestimmten Supermärkten zu lotsen, führt der Weg des Advertising künftig über das Auto. Schnittstellen, um Sonderangebote oder Couponing-Aktionen für Fahrer in Echtzeit auffindbar zu machen, werden wichtig. Vorstöße, ein klassisches Autofahrer-Medium mit Onlinemarketing-Tools wie Coupons zu verknüpfen, existieren bereits. Kennt ein Restaurant-Betreiber die Vorliebe eines Fahrers für beispielsweise indische Küche, kann er den Vorbeifahrenden ansprechen und Tische direkt buchbar machen.
Je mehr ein Händler oder eine Marke über Profil und Situation des Autofahrers weiß, desto besser: Per Augmented Reality lassen sich auf dem Display in der Windschutzscheibe Hinweise auf Punkte von Interesse einblenden. Hörfunkwerbung wird so getargeted, dass das Autoradio in den Werbepausen passende Spots einspielt: Wer im Stau steht, bekommt die Teilnahme an einem interaktiven Quiz zur Zerstreuung angeboten. In-Car-Advertising gehört bald fest zum Werbewerkzeugkasten der Zukunft. Ein Kampf um die Fahrer-Daten wird entbrennen (siehe Trend 13).

Trend 4: Car-Appstore

Mit dem vernetzten Auto der Zukunft erhebt sich der spezialisierte Auto-Appstore als Marktplatz. Er ist ein Marketing- und Commercetool für Marken, Entwickler und Hersteller. Das Potenzial ist umso größer, je mehr der gefühlte Wert eines Autos über die Anwendungen definiert wird: Exklusive Kooperationen zwischen Marken und OEMs entstehen. Ein solider Bestand an Killer-Applikationen wird zum zusätzlichen Kaufargument für ein bestimmtes Kfz-Modell. Sichtbarkeit im Car-Appstore ist ein potenzieller Weg auf das Kundenradar, ein Branding-Instrument und führt ins Relevanzset der vernetzten Nutzer.
Experten für mobile Anwendungen gehen davon aus, dass die populärsten Car-Apps der nahen Zukunft zunächst mehrheitlich aus vier Feldern stammen werden:
  1. Sicherheit
  2. Entertainment
  3. Navigation
  4. Kommunikation (Social und Messaging)

Trend 5: Schnellere Update-Zyklen für Autotechnik

Uwe Vieth (Bild: Microsoft)
Bild: Microsoft
Uwe Vieth

Sind Autos künftig an das Internet-Innovationstempo gekoppelt, so wachsen die Ansprüche an die technische Infrastruktur. Prozessorleistungen der Headunits (der Bordcomputer) müssen ständig erhöht werden, will der Nutzer die aktuellsten, hochleistungsfähigen Anwendungen nutzen. Killer-Applikationen, die man als hipper Fahrer unbedingt haben will, erfordern das neueste Automodell. Die Handylogik dominiert den Autobesitz: Autos werden temporär geleast und wieder ausgetauscht, Nutzungsmodelle verdrängen den dauerhaften Besitz (siehe Trend 10). Technologie und Anwendungen werden Marketing-Tools der Automobil-Branche, ist Uwe Vieth überzeugt, Sales Manager Automotive   bei Microsoft   - mit wachsender Bedeutung: "Die Konsumenten von heute wachsen auf, indem sie Unmengen an Informationen aufnehmen. Diese Generation ist ständig auf dem neuesten Stand, lässt sich kaum durch Pferdestärken oder Design beeindrucken. Sie interessiert sich vor allem für die Technik im Inneren, das Inventar an attraktiven Funktionen oder die integrierten Entertainment-Lösungen. Sie werden das Verkaufsargument des Autos der Zukunft."

Trend 6: Frictionless

Dieser Trend lässt sich am oben genannten Beispiel der Suche nach einem Krankenversicherer illustrieren, die im Vorschlag einer Route auf dem Handy resultiert. Übergangslose Nutzung wird entscheidend, denn der Nutzer unterscheidet immer weniger zwischen Mobile und Desktop, zwischen Handy, Tablet oder Notebook und PC: Geräteganostik dominiert. Der Nutzer will begonnene Games im Auto fortsetzen (wir gehen hier von einem Beifahrerszenario aus), die Internetrecherche vom PC vielleicht während der Fahrt fortsetzen und eine halbfertig gelesene Mail genau an der Stelle des Abbruchs weiter vorgelesen bekommen, nachdem er die Fahrt aufgenommen hat. Der nahtlose Übergang zwischen mobilem und automobilem Endgerät wird sich auch in einem neuen Layout der Instrumente manifestieren, prognostiziert Uwe Vieth: "Künftig wird der Fahrer beim Blick auf die Instrumente nicht mehr das Layout aus Tacho, Tankanzeige und Tourenzähler sehen, das der Hersteller vorgesehen hat, sondern sein eigenes, persönlich angeordnetes Handydisplay sehen, das kabellos - etwa durch Bluetooth oder andere Technologien - dort aufgespielt wird."
Übergangslosigkeit ist jedoch ein Trend, der sich in Deutschland höheren Hürden ausgesetzt sieht als etwa in den USA - Grund: Unsere schlechte Netzverbindung erschwert die sorgenfreie Nutzung cloudbasierter Anwendungen.

Angenehme und unterbrechungsfreie Nutzung ist ein wichtiges Feature des Autos der Zukunft, wer hier führt, wird verkaufen. Das leitet über zum nächsten Trend.

Trend 7: Usability als USP

Die Fahrer werden Nutzer und Autobahnen werden ein eigenes Internet im Internet: Die dort produzierten Daten werden heiß begehrt sein (Bild: Brett Weinstein / wiki commons)
Bild: Brett Weinstein / wiki commons
Die Fahrer werden Nutzer und Autobahnen werden ein eigenes Internet im Internet: Die dort produzierten Daten werden heiß begehrt sein

Die Apple-Logik erobert das Auto: Der Hardware- und Computerhersteller versteht es wie kein anderer die intuitive Techniknutzung an sich als Marketing-Tool zu instrumentieren. Touchscreen und Siri waren im Kern keine neuen Technologien, aber ihre Inszenierung und Integration in ein massentaugliches Endgerät hat sie auf das Radar der breiten Masse gebracht. Wer die Unmengen an Anwendungen, die dem Fahrer künftig zur Verfügung stehen, als erster in ein intuitives Interface einfließen lässt, wird den Markt anführen.

Trend 8: Sprach- und Gestensteuerung

Die Steuerungsmechanismen der Zukunft heißen - zumindest im Auto - Sprache und Geste. Das Auto gibt Sprache aus, wenn es Mails vorliest. Es erkennt Sprache, weil fast alle Interaktionen im Dienste der Sicherheit ohne Hände ausführbar sein müssen. Das Auto wird damit zum Katalysator für die Etablierung von Sprach- und kinetischen Interfaces im Alltag auch außerhalb des Autos, weil es uns in einem geschützten Raum damit vertraut macht.

Trend 9: Personalisierung to go

Der Nutzer nimmt künftig seine Konfigurationen ins Auto mit: Er trägt sie auf seinem Handy, das sie kabellos an den Wagen überträgt: Der Sitz und die Außenspiegel stellen sich auf mich ein, noch bevor ich einsteige. Meine Bibliothek an Songs findet sich im Autoradio, sobald ich es einschalte. Verlasse ich das Auto und steige in den Wagen meiner Frau, einen Leihwagen oder das Firmenauto ein, so nehme ich meine persönliche Usability mit. Noch weiter in der Zukunft ist dafür sogar nicht einmal mehr das Handy notwendig - und ich werde beim Einstiegen von kinetischen Sensoren gescannt: Sie erkennen meine Größe, die Länge meiner Beine und Arme im Verhältnis zum Körper und richten Sitz, Spiegel und Lenkrad optimal für meine Maße aus. Das Gefühl der Vertrautheit, des Persönlichen wird damit vom physischen Gegenstand entkoppelt.

Trend 10: Nutzen statt Besitzen - Carsharing-Turbo

Horst Rechner (Bild: Fraunhofer Institut / Fokus)
Bild: Fraunhofer Institut / Fokus
Horst Rechner

Verschwindet die Verbindung zwischen persönlich und Besitz immer mehr und wird durch mobile Technologie ersetzt, so bedeutet dies: Die persönlich konfigurierte Technik steht zukünftig im Zentrum. Aber nicht mehr der physische Besitz Auto. Ich nehme meine persönlichen Attribute überallhin mit - auch in einen Mietwagen oder Leihwagen. Die Hemmschwelle, Carsharing zu betreiben sinkt, weil auch das fremde Auto automatisch auf mich konfiguriert wird. Fortschritt wird zum Carsharing-Turbo, glaubt Horst Rechner vom Fokus    (Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme): "Man muss sich vorstellen, dass ein Anbieter eine Flotte von Leihautos hat - und die werden für die Fahrer ganz simpel personalisiert: indem die Fahrzeugeinstellungen über eine Applikation konfiguriert werden. Schon hat man das persönliche Car-to-go. Ich nutze es nur, ohne es zu besitzen, und trotzdem ist es konfiguriert."
Das gilt auch deshalb, weil intelligente Agenten es immer einfacher machen, spontan und ohne organisatorischen Aufwand zwischen öffentlichem Verkehr und Leihwagen zu wechseln: Mein Handy lotst mich zum nächsten Parkplatz mit einem Leihwagen, ich öffne es mittels persönlicher Identifikation, die ich per NFC ans Schloss übertrage, die Abrechnung erfolgt automatisch auf den Kilometer genau per Micropayment: Mobilität wird granularisiert, Besitzen wird Nutzen.

Trend 11: Elektro-Turbo

Das intelligente Auto wird auch zu einem Turbo für die Nutzung von Elektroantrieben: Das Auto wird Ambient Intelligence und wird Teil des Inventars an heimischen Möbeln - und als solches an den heimischen Stromkreislauf angeschlossen. Intelligente Navigationssysteme erkennen, wie weit ich bei batteriefressendem Sonnenschein mit einem Elektromotor auf einer Strecke komme, die besonders viele energiezehrende Steigungen hat: Sie nehmen dem Fahrer die Sorge, ohne Saft auf der Autobahn stehen zu bleiben. Wird der Energiestand kritisch, schleust mich das Navi zum nächsten Energie-Tank-Spot und integriert die Ladezeit intelligent in meinen Tagesablauf: Ich lade etwa während eines Außentermins an einer Tankstelle nahe meines Treffpunktes.

Trend 12: Automobiles Social CRM

Motor dieses Trends sind die unter Trend eins erwähnten Assistentenlösungen, bei denen sich das Auto selbst in die Werkstatt schickt. Und natürlich die Nutzung von Carsharing-Lösungen im Micropayment-System: Autos sind künftig auch rollende Social-CRMs, vernetzt mit Datenprofilen ihrer Nutzer oder Besitzer. Das Auto füllt automatisiert Datensätze aus, weil es meine Vorlieben kennt, weiß wo ich mich bewege - und es empfängt Datensätze, um mir optimal zu assistieren. Abrechnungen in der Werkstatt, an Maut-Punkten oder bei Mietwagennutzungen geschehen über mein automobiles Social CRM. Es teilt der Werkstatt mit, dass ich in der Nähe bin und erlaubt es ihr, mir einen Coupon für eine Motorwäsche zu senden und vieles mehr. Die hochgradige Vernetzung des automobilen Nutzers in der Zukunft führt schließlich zu Trend 13:

Trend 13: Datenschlacht


Timo Salminen (Bild: Timo Salminen/Ixonos)
Bild: Timo Salminen/Ixonos
Timo Salminen

Von Fahrern auf den Straßen werden künftig nahezu ebenso viele Daten produziert werden wie von Nutzern im Internet. Und dieser Datenstrom wird ebenso heiß begehrt sein, wie derjenige aus dem Netz. Die automobilen Daten lassen sich etwa für nutzungsabhängige Tarifierungen verwenden: "Pay-as-you-drive"-Versicherungen - "Es existieren bereits Autoversicherungen, die den Tarif abhängig von Fahrverhalten und Nutzungsmenge machen ", sagt Timo Salminen , Head of Automotive and Home beim auf mobile Anwendungen und Technologien spezialisierten Unternehmen Ixonos  : "Das Auto produziert Unmengen an Daten. Und deren Monetarisierung bietet Unmengen an Potenzial für intelligente Geschäftsmodelle. Und für Anwendungen: Nahezu jedes Auto hat für Einparkhilfen künftig integrierte 360-Grad-Kameras. Mit diesen Bildern ließe sich theoretisch ein Echtzeit-Streetview speisen."

Ist das Auto wirklich künftig kein Besitzgegenstand mehr und die Nutzung dominiert? Sind Apps tatsächlich die neuen PS? Oder ist das eine reine Vision, die an der Wirklichkeit zerbrechen wird? Anhand dreier, verschiedener Szenarien lässt sich illustrieren, in welche Zukunft automobile Anwendungen und Geschäftsmodelle wahrscheinlich fahren werden.



Szenario 1: Die App-Schlacht - Anwendungen sind die neuen PS
Die Unterscheidung der Autos nach verschiedenen Klassen verlagert sich von Motorhaube und Innenraumgröße in die Anwendungen: Luxus bedeutet nicht mehr 500 PS und Beinfreiheit auf dem Rücksitz, sondern primär leistungsfähige, coole und zuverlässige Apps. Autos werden nach gleichen Gesichtspunkten wie Smartphones erworben: Wie gut ist die Usability? Was gibt es an technischen Features und welches Markenimage liegt dahinter? "Ist die Technologie von BMW cooler und einfacher zu bedienen als die von Mercedes?" lautet dann etwa eine kaufentscheidende Frage. Doch besonders wichtig wird der Aspekt: Wie viel kosten Apps und was können sie?

Die großen Player des Internetmarktes wie Google  , Apple  , Amazon   werfen Apps auf den Markt, die in Car-Appstores erworben werden können. Wesentliche Teile des Umsatzes, den ein Auto abwirft, werden dort generiert; und zwar über bezahl- und abopflichtige Services der Apps: Aktuelle Daten für das Navigationssystem müssen abonniert werden. Wetter-Apps mit garantierter Daten-Zuverlässigkeit für den Bordcomputer kosten Geld. Kostenfreie Anwendungen existieren, bieten aber keine Haftung, wenn der Nutzer etwa in ein Stauende rasselt, vor dem ihn seine Billig-App nicht gewarnt hat. Es gilt kreative Geschäftsmodelle für Apps zu finden (Werbefinanzierung, Freemium-Modelle und so weiter). Hier liefern sich die Autohersteller mit hausgemachten Apps einen Kampf mit den Internetriesen. Die App-Schlacht wird auch exklusive Bündnisse sehen: Vielleicht ist künftig zum Beispiel der Name Google fest mit Volkswagen oder Opel verknüpft, während man bei Microsoft an Toyota oder Ford denkt.

Wahrscheinlichkeit:
50 Prozent

Szenario 2: Nutzen statt Besitzen
In Szenario eins gibt es noch eine auf Besitz aufgebaute Verbindung zwischen Automarke und Nutzer - in diesem Szenario löst sie sich auf: Die Entkopplung der Automobilität von Eigentum und Besitz findet statt. Das persönliche Verhältnis zum Auto wandert in das Smartphone. Auf dem Smartphone sind sämtliche individuellen Einstellungen gespeichert, dockt der Nutzer es in einen beliebigen Wagen ein, hat er Zugriff auf seine Songs, sein Lieblingssender spielt in seiner bevorzugten Lautstärke, die Klimaanlage sorgt für die bevorzugte Temperatur und die Sitze stellen sich auf ihn ein. Das Auto ist nur ein weiteres Endgerät, so wie Tablet, Smartphone, Smart-TV-Bildschirm oder PC. Der eigentliche Luxus ist die endgeräteunabhängige Personalisierung, sind die individuellen Daten.

Dieses Szenario fördert Carsharing und Elektromobilität, da Eigentum egal und PS noch zweitrangiger geworden sind.

Wahrscheinlichkeit:
Die autoverliebten Deutschen vom Besitztum Auto entkoppeln? Das wird ohnehin nur teilweise funktionieren, Voraussetzungen dafür sind obendrein noch die Akzeptanz des technischen Fortschritts durch die breite Masse sowie eine gute Verbindungsqualität zum Internet auf allen Straßen. So richtig ist das noch nicht in Sicht. Daher:
30 Prozent

Szenario 3: Gehemmte Entwicklung
Mangelhafte Verbindungsqualität, Datenschutzbedenken beim vernetzten Auto, teures Internet: Nur drei Gründe, die dafür sorgen, dass das smarte, vernetzte Auto in Deutschland nur mit angezogener Handbremse seinen Weg in den Mainstream findet: die Verbindungsqualität ist nicht gut, was für Verbindungsstörungen bei der Nutzung cloudbasierter Dienste führt. Und wer mag es, wenn sein Navi aussetzt oder der Lieblingssong nicht geladen werden kann? Oder wenn die Kinder hinten das Heulen anfangen, weil die Einfahrt in einen Tunnel das Videospiel unterbricht? Solche Faktoren bremsen den Traum vom intelligenten Auto-Assistenten aus. Deutschland wird Ländern wie den USA oder Japan in der automobilen Zukunft hinterherhinken.

Wahrscheinlichkeit:
Heute liegt die Wahrscheinlichkeit sicher noch bei über 50 Prozent. Doch auf Dauer lässt sich dieser Fortschritt nicht aufhalten; Vorreiter werden wir jedoch wohl nie werden. Langfristig daher:
20 Prozent

Thema: 13 Gründe, wieso Autos die Smartphones der Zukunft sind

Kommentar von Sebastian Halm

Apps und ihre Geschäftsmodelle entscheiden über die automobile Zukunft

Wenn Apps zu den neuen Pferdestärken werden, mit denen die Hersteller punkten - dann werden die automobil produzierten Nutzerdaten zur alternativen Währung.

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