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Interaktiv-Trends 2015/2016 (5): Local Commerce

19.12.2014 Die meisten großen Einzelhändler sind bereits online vertreten. In den nächsten zwei Jahren werden immer mehr lokale Händler nachziehen und ihr Marketing und ihren Verkauf mehr und mehr ins Netz verlagern. Vor allem vier Crosschannel-Strategien werden sich durchsetzen.

Warum sollten sich nicht auch Blumenzwiebeln online verkaufen lassen? (Bild: PublicDomainPictures/Pixabay)
Bild: PublicDomainPictures/Pixabay
Warum sollten sich nicht auch Blumenzwiebeln online verkaufen lassen?

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Was zu tun ist:
Heute: Onlinezielgruppe und deren Bedarf ermitteln
Morgen: Crosschannel-Strategie starten und bewerben
Übermorgen: In der Nische etablieren
Bisher ist der lokale Handel im Internet noch kaum sichtbar. Ein Google-Eintrag mit Adresse und Öffnungszeiten und eine rudimentäre Webseite sind normalerweise das Maximum, was man bisher erwarten konnte. Doch der Leidensdruck aus dem Internet wächst immer stärker. In Zukunft kommen lokale Händler nicht mehr umhin, dort präsent zu sein, wo ihre Kunden Produkte recherchieren.

Während sie das Geschehen im Netz bisher vor allem beobachtet haben und vielleicht sogar in Schockstarre vor den scheinbar übermächtigen ECommerce-Riesen verharrten, werden viele von ihnen in den nächsten 24 Monaten aktiv. Einige wenige Vorreiter in dem Bereich haben wir schon in diesem Jahr gesehen:
  • Bei dem Pilotprojekt Online-City Wuppertal   sollen Einzelhändler ihre lokale 1A-Lage mit den Vorzügen des Onlineshoppings für Kunden kombinieren. Rund 40 lokale Einzelhändler verkaufen über die Plattform ihre Produkte ausschließlich an Kunden in der Umgebung. Gelockt werden sollen sie vor allem mit der schnellen Lieferung: Wer bis 17 Uhr bestellt, bekommt sein Paket noch am selben Tag.
  • Das Portal Buchhandel.de   präsentiert auf einer Plattform angeschlossene lokale Buchhändler, bei denen der Kunde direkt bestellen kann.
  • Schuhe.de   dagegen macht den lokalen Schuhhandel durchsuchbar. Zum ausgewählten Schuh erhält der Nutzer eine Liste der Einzelhändler in seiner Umgebung, die dieses Modell vorrätig haben. Alternativ kann der Kunde auch online bestellen - ebenfalls bei einem der Shops.

Der Einzelhandel steckt in der Strukturkrise

In den nächsten zwei Jahren werden immer mehr lokale Einzelhändler einem dieser oder einem ganz anderen Beispiel folgen. Denn sie müssen etwas tun. Der Handel steckt zweifellos in einer schweren Strukturkrise. Dies belegen die nackten Zahlen des Einzelhandels: Der Gesamtumsatz stagniert in Deutschland nahezu und konnte zwischen 2000 und 2013 lediglich von 411,9 Milliarden Euro um fünf Prozent auf 433,8 Milliarden Euro zulegen. Inflationsbereinigt ergab sich dadurch bereits ein Minus von 16 Prozent.

Die Konsolidierungswelle unter den Händlern ist schon in vollem Gange. Wer weiterhin bestehen will, muss schleunigst etwas ändern. Dem Kunden wieder näher kommen, lernen, was dieser sich wünscht, und sich seinen Bedürfnissen anpassen; so lauten die Ziele. Und auch wenn das Internet nicht die Triebfeder der negativen Handelsentwicklung ist, sondern der Wunsch der Konsumenten nach einem besseren Einkaufserlebnis, wird das Internet dem Einzelhändler nun helfen, die Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Folgende Crosschannel-Strategien des lokalen Handels werden wir in Zukunft immer häufiger sehen:
Vor- und Nachteile von Onlinehandel und lokalermHandel aus Sicht der Kunden
Vor- und Nachteile von Onlinehandel und lokalermHandel aus Sicht der Kunden (Grafik: ECC Köln) Quelle: http://www.ecckoeln.de/News/Regionale-Online-Marktpl%C3%A4tze%3A-Eine-Chance-f%C3%BCr-lokale-H%C3%A4ndler%3F
  1. Lokale Onlineshops: Das ist prinzipiell nichts Neues, denn schon viele lokale Händler verkaufen ihre Produkte im Internet, sei es aus Umsatz- oder nur aus Marketinggründen. Ihre Anzahl wird aber demnächst stark ansteigen, weil alle hoffen, etwas von ECommerce-Kuchen abzubekommen. Einige Händler werden damit zwar scheitern, weil sie den Aufwand und die Arbeit, die dahinter stecken, unterschätzen. Doch die, die es schaffen, entweder die lokalen Kunden an den Onlineshop zu binden, oder aber eine deutschlandweite Nische zu besetzen, werden Erfolg haben.
  2. Regionale Shoppingportale: Immer mehr Städte oder Handelsverbände werden ihren lokalen Händlern eine ECommerce-Plattform anbieten, über die sie mit wenig Aufwand online verkaufen können. Schließlich haben auch die Kommunen viel Interesse daran, dass der lokale Handel floriert.
  3. Branchenspezifische Shoppingportale für lokale Händler: Sei es nun Whiskey, Herrenmode, Schuhe oder Porzellan; immer mehr ECommerce-Portale, die sich auf ein Warensegment spezialisieren, werden lokale Händler und Kunden zusammenbringen.
  4. Digital durchsuchbare Innenstädte: Es muss nicht immer Onlineverkauf sein. Viele Kunden wünschen sich ausschließlich, dass sie im Internet recherchieren können, wo welches Produkt gerade verfügbar ist, um sich die Suche in mehreren Geschäften zu ersparen. Hier werden sich in Zukunft Initiativen entwickeln, die die Innenstädte durchsuchbar machen.
Allerdings eignet sich nicht jedes Portal für jeden Händler. Besonders große Zukunftschancen haben Portale und Shops, die für den Einzelhändler kaum Mehraufwand bedeuten und ihm gleichzeitig eine große (regionale) Reichweite schaffen. Auf der anderen Seite werden vor allem die lokalen Einzelhändler erfolgreich online verkaufen, die eine onlineaffine Zielgruppe haben, eine starke Marke besitzen, Produkte in der Nische anbieten, sehr loyale Kunden haben oder genug Budget, um sich für den Start überregional Reichweite einzukaufen. Denn auch im Netz wächst der Konkurrenzdruck rasend schnell und da sollte man von Beginn an zukunftsfähig aufgestellt sein.
Thema: Interaktiv-Trends 2015/2016 (5): Local Commerce

Kommentar von Verena Gründel

Echten Mehrwert schaffen

Einfach nur online verkaufen, ist nicht die Lösung für den Einzelhändler. Er muss das volle Potenzial seinen Crosschannel-Auftritts ausspielen.

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Verena Gründel, iBusiness-Redakteurin (Privat)
Bild: Privat
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