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Wie sich Digitalagenturen bis 2020 ausrichten
26.03.2019 Digitale Transformation und die rasanten Entwicklungen im digitale Marketing machen es Interaktivagenturen nicht leicht. Ständig müssen sie sich neu erfinden, Knowhow aufbauen und immer mehr Disziplinen abdecken - bei wachsender Konkurrenz im Digitalgeschäft. So fragen sich viele Agenturgeschäftsführer: Wohin soll ihre Full-Service-Agentur steuern? iBusiness ermittelte, was die Branche plant.
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Die Rolle der Agentur wandelt sich und damit das, was sie anbieten muss: Outgesourct wird die Suche nach Wissen, granulare Teilaspekte, strategisches Consulting oder technische Hilfestellungen. Das hat zwangsweise Auswirkungen auf die Portfolios der Branche. Agenturen stehen zunehmend vor der Herausforderung, sich für einen Weg zu entscheiden: Entweder als Spezialist eine (vielleicht immer kleiner werdende) Nische kompetent zu besetzen. Oder als Full-Service-Agentur immer mehr Disziplinen (vielleicht immer schlechter) bedienen zu müssen. Oder sich mit vereinten Kräften mehrerer Spezialisten als Zusammenschluss in Netzwerken zu organisieren. Oder den Agentur-Fokus auf regionale Umsetzungen legen. Agenturen stehen am Scheideweg. Das zeigt sich beispielsweise in den Veränderungen, die sich im Internetagentur-Ranking alljährlich ergeben und das inzwischen von großen Netzwerken beinahe komplett dominiert wird. Auch wer die Nachrichten verfolgt, kommt schnell zu der Erkenntnis, dass die Agenturlandschaft vor allem von Zusammenschlüssen, Buy-outs oder Übernahmen bestimmt wird. Wirklich große inhabergeführte Full-Service-Agenturen gibt es immer weniger.
Vor dem Hintergrund fragen sich viele Agenturgeschäftsführer berechtigterweise, in welche Richtung sich eine Digitalagentur eigentlich entwickeln soll. Aus diesem Grund hat iBusiness in einem Onlinepanel 70 deutschsprachige Interaktivagenturen gefragt, wie sich die deutschsprachigen Digital- und Interaktivagenturen künftig strategisch ausrichten wollen.
Der Auswertung nach wollen fünf Prozent der befragten Agenturen ihr Hauptaugenmerk auf den regionalen Bezug legen. Obwohl das mit Abstand der kleinste Teil ist, sollte der regionale Faktor nicht unterschätzt werden; viele Unternehmen fühlen sich nur durch eine räumlich nahe Agentur verstanden. Das dürfte gerade kleineren Agenturen zugute kommen, da ein regionaler Bezug immer wieder ein wichtiger Punkt in der Auswahl von Unternehmen bei der richtigen Agentur ist. Besonders relevant sind diese Agenturen für klein- und mittelständische Unternehmen, denn hier wird großer Wert auf enge und persönliche Zusammenarbeit vor Ort gelegt.
Spezialisierung am wichtigsten
Die Umfrage zeigt, gut vier von zehn Agenturen legen ihren strategischen Fokus künftig auf Spezialisierung. Diese Entwicklung ist wenig verwunderlich:- Die Granularisierung im Marketing steigt weiter. Tools, Technologien und neue Marketingdisziplinen sorgen für eine zunehmende Spezialisierung unter den Dienstleistern.
- Die Spezialisten-Strategie eröffnet zugleich die Option, als (kleinere) Agentur eigenständig zu bleiben.
- Spezialwissen wird verstärkt Voraussetzung für die Auftragsvergabe.
Da Unternehmen technologisch massiv aufrüsten und sich verstärkt selbst Knowhow ins Unternehmen holen, verlagert sich der Mittelbau an Agenturtätigkeiten sukzessive in die Unternehmen. Gestaltung, Durchführung und Optimierung von Kampagnen werden in Zukunft häufiger intern erledigt. Naturgemäß betrifft dies vor allem Aufgaben, die regelmäßig und massenhaft anfallen. Spezialkompetenzen werden dagegen weniger intern aufgebaut. Daher ist (hoch)spezialisiertes Dienstleister-Knowhow ein entscheidender Hebel in der Agentur-Kunden-Beziehung. Für Agenturen macht es in Zukunft unter Umständen sehr viel Sinn sich zu spezialisieren. Das kann eine bestimmte Technologie, eine Marketingdisziplin oder ein Kundensegment sein, in denen man über fundierte Kompetenzen verfügt.
Generell sind die großen Generalisten unter den Agenturen vom Aussterben bedroht. Das Versprechen alle Bereiche abdecken zu können, wirkt unter den gesetzten Marktbedingungen so unglaubwürdig wie nie zuvor. Für Marcus H. Starke, bis vor kurzem CEO der UDG , sind Spezialagenturen die Zukunft. One-Stop-Shopping im Marketing sei ein Konzept der Vergangenheit, "Generalisten werden es künftig schwer haben. Die besten Aussichten haben Agenturen mit eindeutiger Profilierung, die sich auf bestimmte Services spezialisiert haben und technologisch innovativ sind." Auch Christian Hanke, Creative Director Edenspiekerman , sieht eine Option für Agenturen sich kleiner und spezieller aufzustellen. Das heißt für ihn: Full Service nicht mehr für alle Branchen anzubieten sondern weniger Branchen zu fokussieren; oder ein interessantes Portfolio aufzubauen (z.B sich auf Innovationsteil plus digitale Produkte zu spezialisieren). (Siehe Analyse Wo Agenturen 2019 zu kämpfen haben)
Obwohl Full Service immer schwerer abbildbar ist, orientieren sich 40 Prozent der Agenturen in diese Richtung. Vor allem aus Kundensicht macht das natürlich Sinn. Er möchte nicht mit 20 Agenturen arbeiten und diese koordinieren. Heißt, Full Service ist nach wie vor gefragt - der Kunde will alles aus einer Hand. Denn trotz der ständigen Vereinfachungen der etablierten Prozesse sehen sich die Agenturkunden daher ständig neuen, komplexeren Herausforderungen gegenübergestellt. Kaum hat der Kunde einen Kanal im Griff, kommt ein neuer dazu. Die Verkaufs- und Marketing-Kanäle werden vielfältiger und spezieller, die Zahl der Zugangsgeräte steigt und das Optimierungspotenzial wird immer kleinteiliger. In diesen Fragen haben die Kunden Beratungsbedarf und suchen Vereinfachung in der Komplexität. Daraus resultiert der Wunsch, nicht vier oder mehr Dienstleister orchestrieren und koordinieren zu müssen, sondern mit wenigen - optimalerweise einem - zusammenzuarbeiten. Dies führt für Agenturen zu einem Wachstumszwang: Sie müssen thematisch breit aufgestellt sein, um die zahlreichen Anforderungen erfüllen zu können. Das erfordert zugleich ein gewisse Größe in Kunden- und Umsatzdimension, da sich sonst keine wirtschaftliche Auslastung erzielen lässt.
Agenturausrichtung justieren
Agenturen müssen anspruchsvolle Wachstumsaufgaben bewältigen, um künftig überlebensfähig zu sein. Es bieten sich nur wenige Alternativen zu einer Wachstumsstrategie. Eine Lösung kann etwa darin liegen, sich auf einen bestimmten Bedarfstyp zu spezialisieren. Naturgemäß kann dies nicht allen gelingen - die Plätze an der Spitze der Rankings sind knapp. Alle anderen stehen vor der Aufgabe, ihre Agenturausrichtung nachzujustieren. Dazu bieten sich folgende Optionen:- Innovationsführerschaft Eine Agentur kann sich entsprechend den granularer werdenden Anforderungen auf die neuesten technologischen Entwicklungen konzentrieren. Als Innovationstreiber besetzt sie ausschließlich Themen mit hohem Beratungsbedarf (beispielsweise Sprachassistenten). Vorteil dieses Vorgehens ist, dass die Wettbewerbssituation gering ist.
- Technische, inhaltliche Spezialisierung Ein weiterer Weg wäre, durch inhaltliche Spezialisierung auf eine bestimmte Dienstleistung sehr hohe Skaleneffekte zu erzielen und diese daher sehr kostengünstig anbieten zu können (beispielsweise: Preisbeobachtung). Auf diese Weise kann die Abwanderung der Dienstleistung in das Kundenunternehmen unterbunden werden.
- Branchen-Spezialisierung Ein anderer Weg liegt in der Spezialisierung auf bestimmte Branchen. Finanzen und Versicherungen, Touristik, Automotive ... jede Branche hat ihren eigenen Rhythmus. Wer ihn versteht, ist im Vorteil und eine einmal gefundene Lösung lässt sich mehreren Kunden verkaufen.
- Partnerschaften, Netzwerke, Zusammenschlüsse Agenturen müssen nicht organisch wachsen. Zukäufe, Zusammenschlüsse, Netzwerke oder Partnerschaften bieten eine weitere Wachstumsmöglichkeit. Allerdings lauern in der Praxis Tücken: Die Unternehmen müssen von ihrer Kultur, Struktur und Größe zusammenpassen. Inhaltlich dürfen keine Überlappungen auftreten, die Partner müssen gleichermaßen von Aufträgen profitieren. Bestimmte Bereiche (Vertrieb, Verwaltung) müssen Einsparpotenzial aufweisen. Im Alltag muss daher oft viel Blut aus den Konferenzräumen gewischt werden. Nicht wenige Zusammenschlüsse scheitern.
- Spezialisierung auf Bedarfstypen Bleibt die Lösung, sich auf einen bestimmten Bedarfstyp zu spezialisieren. Beispielsweise auf mittelständische Unternehmen mit umfangreichem Produktangebot, historisch gewachsenen IT-Systemen und Vertrieb an zahlreiche Direktkunden. Oder Versandhändler mit Schwerpunkt Papierkatalog, die hohe Anforderungen an die langfristige Verfügbarkeit ihrer Produkte haben und deren Lagerkosten sich optimieren lassen. Oder Hersteller, die einen Direktvertrieb über Marktplätze anstreben. Bedarfstypen haben den Vorteil, dass sie oft mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind, ohne in derselben Branche tätig sein zu müssen. Sie sind überregional zu finden, haben ähnliche Ansprüche an die Agentur was Größe, Angebot und Kosten anbetrifft. Wer weiß, welche IT- Integrations-, Prozess- und Systemleistungen bei seinen Kunden typischerweise auftreten, kann sich auch als kleinere Agentur als Full-Service-Anbieter präsentieren und alle Leistungen aus einer Hand bieten.
