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Content, Content, Content: Warum die Agenturen andere Leute als bisher suchen
06.11.2015 Recruiting in der Interaktiv-Wirtschaft wird immer schwerer, der digitale Fachkräftemangel spitzt sich zu: Erstmals überschritt die Zahl der von deutschsprachigen Agenturen gesuchten Interaktiv-Profis die Schwelle der 5.000 Einträge. Besonders eine Sorte Mitarbeiter wird deutlich häufiger gesucht als bisher.
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Das geht aus der Auswertung der Stellenanzeigen hervor, die der Crawler der iBusiness Jobbörse auf den Online-Jobseiten von Agenturen und Dienstleistern der Interaktivbranche gefunden hat. 3.926 Stellenanzeigen hat unser Robot Ende Oktober 2015 gefunden und auf iBusiness.de/jobs eingestellt. Das macht das iBusiness-Jobportal zur weitaus größten Fach-Stellenbörse der Interaktivbranche. Und lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt. Denn auch wenn das eine oder andere Dienstleistungsunternehmen, Systemhaus oder Agentur ihre Stellenanzeigen bei großen Jobportalen einstellt (die der iBusiness-Robot nicht crawlt): In aller Regel werden internetaffine Unternehmen ihren Stellenbedarf doch zumindest auch auf der eigenen Homepage kommunizieren - und hier werden sie erfasst und auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereitgestellt - sofern das technisch automatisiert möglich ist.
Damit liegt die Zahl der aktuell offenen Interaktiv-Stellen noch einmal zehn Prozent oberhalb dessen, was Ende Juni dieses Jahres in unserer Datenbank verzeichnet war.
Personalbedarf macht einen erneuten Sprung auf ein neues Plateau
In den vergangenen Jahren lag die Zahl der ausgeschriebenen einzelnen Interaktiv-Positionen stets deutlich oberhalb der 4000er-Marke. Dabei findet der iBusiness-Jobcrawler vor allem nach der Sommerpause besonders viele Stellenangebote. Offenbar suchen die Internet-Verantwortlichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allem im Herbst nach neuen Mitarbeitern. Das ist auch jetzt der Fall.Doch seit Jahresbeginn 2015 hat es einen neuen Sprung nach oben gegeben: Inzwischen pendelt die Zahl der Job-Einträge um eine deutlich höhere Marke - aktuell liegen wir seit dem Frühjahr konstant oberhalb der Marke von 4.700 Einträgen.
Im Oktober 2015 sind es - wie auch schon in den Monaten zuvor - immer noch vor allem die Programmierer (1278), die von den Agenturen gesucht werden. In jeder vierten Stellenanzeige suchen die Agenturen nach einem solchen. Ebenfalls stark gesucht werden Technik-Mitarbeiter (641) und Designer (574).
Diese Reihenfolge ist seit über einem Jahr unverändert. Auf den folgenden Plätzen sind es in den Wunschlisten
- Vertriebsmitarbeiter (413)
- Onlinemarketer (383) und
- Consultants (310) sowie
- Projektleiter (316)
Mehr Designer und Techniker sowie ein deutliches Wachstum bei den Onlinemarketern, während Vertrieb und Projektleitung konstant nachgefragt werden und Consulting verliert: Diese Reihung der nachgefragtesten Mitarbeiter zeigt, dass es den meisten Geschäftsführern in diesem Herbst vor allem um das Abarbeiten bereits akquirierter Projekte statt um potenzielles Neukundengeschäft geht. Der unverändert hohe Bedarf an Consultants zeigt, dass die akquirierten neuen Projekte immer auch eine starke Beratungskomponente rund um digitale Transformation aufweisen.
Die Nachfrage nach ECommerce-Experten in den Agenturen bleibt stabil. Aber die ganz großen Wachstumsraten sind nicht zu verzeichnen. Offenbar ist konkretes Handels-Knowhow in deutschen Agenturen nicht so wichtig.
Die Nachfrage nach SEO- und Content-Experten hat das stärkste Wachstum
Einen großen Sprung nach oben hat mit der Dmexco die Zahl der ausgeschriebenen Redakteursstellen gemacht. Sie kletterte mit Ende der Sommerferien um gut ein Fünftel nach oben und hält sich seitdem kontinuierlich oberhalb der 200er-Marke. Auch SEO-Experten werden inzwischen wieder verstärkt gesucht. Offenbar sorgt der Boom beim 'Content-Marketing' dafür, dass Unternehmen verstärkt redaktionelle Dienstleistungen nachfragen und deswegen die Agentur-Entscheider Spezialisten in diesem Gewerk suchen.Dies bestätigt sich, wenn man die Zahl der im Januar 2014 von deutschsprachigen Dienstleistern, Agenturen und Unternehmen gesuchten Mitarbeiterarten mit einem Index von 100 ansetzt und dann die Veränderung in den vergangenen knapp zwei Jahren betrachtet.
Hier stellt man fest, dass neun Berufsgruppen seit Anfang 2014 mehr als zehn Prozent stärkere Nachfrage aufweisen. Im Oktober 2015 suchen Agenturen ein Drittel mehr SEM- und SEO-Experten und 60 Prozent mehr Redakteure. Dank dem Crosschannel-Boom auch ein Drittel mehr ECommerce-Experten. Auch operative Experten werden deutlich mehr nachgefragt als noch Anfang 2004: Design, Onlinemarketing, Programmierung, Technik, Vertrieb und Projektleitung. Bei den anderen Gewerken sind die Schwankungen wohl überwiegend auf statistische Effekte zurückzuführen.
Wieder etwas längere Standzeit der Stellenanzeigen als im Juni
Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Unser Robot überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche sichtbar waren. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.
Aktuell liegt die Standzeit der ausgelaufenen Stellenanzeigen bei durchschnittlich 120 Tagen (gegenüber 181 Tagen noch im Februar und 111 Tagen im Juni). Das bedeutet: Die Stellenanzeige, die ein Personalverantwortlicher der Internetwirtschaft heute abschalten lässt, weil die Stelle endlich besetzt worden ist, ist vor vier Monaten live gegangen. Vor einem Jahr, im Herbst 2014, lag dieser Wert noch bei durchschnittlich fünf Monaten. Waren also im vergangenen Jahr Standzeiten von einem dreiviertel Jahr durchaus üblich, so hat sich dieser Wert auf durchschnittlich drei (Administration, Redaktion) bis knapp über vier Monate (Projektleitung, Design, Consulting) reduziert. Dieser gegenläufige Effekt - einerseits mehr Stellenausschreibungen, andererseits aber durchschnittlich kürzere Standzeit der einzelnen Stellenanzeige - kann zwei Ursachen haben:
- Entweder drängen mehr potenzielle Mitarbeiter auf den Markt (kürzere Standzeit der einzelnen Jobausschreibung, weil sie schneller besetzt wird), der gleichzeitig eine höhere Nachfrage nach mehr Projekten besitzt (mehr Stellenanzeigen)
- oder die Mitarbeiter bleiben nicht so lange bei einem Arbeitgeber, weil die Abwerberate steigt, weil es woanders immer mehr attraktive Projekte gibt und die Aufstiegschancen woanders besser werden.
Der ersten Theorie widerspricht die Branchenerfahrung:
- Erstens: Der Digitalanteil in den Unternehmen steigt - immer mehr Arbeitnehmer brauchen Internet-Fähigkeiten - auch in der Industrie.
- Zweitens: Die Dienstleisterszene wächst, die digital Hochgebildete benötigt. Unter anderem weil PR-Agenturen und Berater, Systemhäuser und Werbeagenturen in das Geschäft um digitale Transformation und Internet-Kommunikation einsteigen.
- Drittens: Der Anteil derjenigen Berufseinsteiger wächst, die sich selbstständig machen, statt sich einstellen zu lassen.
- Viertens: Die Zahl der Berufseinsteiger sinkt demografisch.
- Fünftens: Die digitalen Herausforderungen wachsen, wodurch die Anforderungen an digital beschäftigte Arbeitnehmer steigen.
Bleibt die zweite Theorie: Mitarbeiter wechseln häufiger freiwillig - oder die Abwerbung innerhalb der Branche steigt. Das erscheint wahrscheinlich: Die großen Agenturnetzwerke, Consultingfirmen und Systemhäuser - sowie die traditionell besser zahlenden Kundenunternehmen sitzen schließlich weiter vorne in der Nahrungskette. Sie alle werben auch bei den größeren Interaktivagenturen die guten Leute ab. Diese wiederum wildern bei den kleineren Agenturen.
Diese Entwicklung wird sich voraussichtlich auch in den kommenden Monaten und Jahren fortsetzen. Das Beschützen von dem, was man hat - die eigenen Mitarbeiter - wird darum für Agenturgeschäftsführer eine immer wichtigere Aufgabe. Egal, welche Größe die Agentur hat.
