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Studie Internet-Recruiting: Programmierer und Designer verzweifelt gesucht
23.07.2015 Das Personalkarussell in der Interaktivbranche dreht sich immer schneller: Agentur-Geschäftsführer und Personaler müssen weniger lange suchen, um Positionen zu besetzen - suchen aber gleichzeitig auch immer mehr Personal.
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Seit im vergangenen September rund um die Dmexco mit in der Spitzenzeit über 4.800 Einträge von unbesetzten Stellen in der iBusiness-Jobbörse veröffentlicht wurden, ist die Zahl abgesehen vom Jahreswechsel 2014/2015 nie wieder unter die 4.500er-Marke gesunken. Zu Quartalsende im Juni waren bis zu 4.900 Stellen unbesetzt. Das sind rund zehn Prozent mehr als in demselben Zeitraum 2014 - und ein Fünftel mehr als zu Anfang des Jahres 2014.
Das geht aus der Auswertung der Stellenanzeigen hervor, die der Crawler der iBusiness Jobbörse auf den Online-Jobseiten von Agenturen und Dienstleistern der Interaktivbranche gefunden hat. 3.661 interaktive Jobausschreibungen hat unser Robot Ende Juni 2015 gefunden und auf iBusiness.de/jobs eingestellt. Das macht das iBusiness-Jobportal zur weitaus größten Fach-Stellenbörse der Interaktivbranche. Und lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt. Denn auch wenn das eine oder andere Dienstleistungsunternehmen, Systemhaus oder Agentur ihre Stellenanzeigen bei großen Jobportalen einstellt (die der iBusiness-Robot nicht crawlt): In aller Regel werden internetaffine Unternehmen ihren Stellenbedarf doch zumindest auch auf der eigenen Homepage kommunizieren - und hier werden sie erfasst und auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereitgestellt - sofern das technisch automatisiert möglich ist.
Der aktuelle schummerige Lichtblick: Im Mai zählte unser Jobrobot mit über 4.900 noch einmal 150 Einträge mehr - aber das liegt im Bereich der statistischen Schwankung.
Personalbedarf macht einen erneuten Sprung auf ein neues Plateau
In den vergangenen Jahren lag die Zahl der ausgeschriebenen Interaktiv-Stellen stets deutlich oberhalb der 4000er-Marke. Dabei findet der iBusiness-Jobcrawler vor allem nach der Sommerpause besonders viele Stellenangebote. Offenbar suchen die Internet-Verantwortlichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allem im Herbst nach neuen Mitarbeitern.Doch seit der Dmexco 2014 ist es anders. Deutlich zu erkennen ist der Anstieg der Angebote von Mai bis September - dem allerdings kein saisonaler Rückgang mehr folgt. Im Gegenteil: Seit dieser Zeit pendelt die Zahl der Job-Einträge um eine deutlich höhere Marke - aktuell liegen wir seit dem Frühjahr konstant oberhalb der Marke von 4.700 Einträgen.
Diese Reihenfolge ist seit einem knappen Jahr unverändert. Auf den folgenden Plätzen sind es fast gleichauf in den Agentur-Wunschlisten
- Vertriebsmitarbeiter (387)
- Consultants (357)
- Onlinemarketer (347) und
- Projektleiter (327)
200 Einträge mehr für Designer und Techniker sowie ein deutliches Wachstum bei den Onlinemarketern, während Vertrieb und Projektleitung konstant nachgefragt werden: Diese Reihung der nachgefragtesten Mitarbeiter zeigt, dass es den meisten Geschäftsführern in diesem Sommer vor allem um das Abarbeiten bereits akquirierter Projekte statt um potenzielles Neukundengeschäft geht. Der unverändert hohe Bedarf an Consultants zeigt, dass die akquirierten neuen Projekte immer auch eine starke Beratungskomponente rund um digitale Transformation aufweisen.
Die Nachfrage nach ECommerce-Experten in den Agenturen wächst ebenfalls. Sie hat sich gegenüber dem Jahreswechsel 2012/2013 mehr als verdreifacht - wenn auch von bescheidener Basis aus: Lediglich vier Prozent aller im iBusiness-Jobmarkt gelisteten Stellenanzeigen stammen aus diesem Bereich. Das ist allerdings nicht verwunderlich, weil der iBusiness-Crawler vor allem die Webseiten von Dienstleistern und Agenturen besucht - Onlineshops, die logischerweise für den Löwenanteil der offenen ECommerce-Jobs in Deutschland verantwortlich sind, werden bislang nicht berücksichtigt.
Das Personalkarussell dreht sich schneller
Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Unser Robot überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche sichtbar waren. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.Aktuell liegt die Standzeit der ausgelaufenen Stellenanzeigen bei durchschnittlich 111 Tagen (gegenüber 181 Tagen noch im Februar). Das bedeutet: Die Stellenanzeige, die ein Personalverantwortlicher der Internetwirtschaft heute abschalten lässt, weil die Stelle endlich besetzt worden ist, ist vor knapp vier Monaten live gegangen. Im Herbst 2014 lag dieser Wert noch bei durchschnittlich fünf Monaten. Waren also in den vergangenen Monaten Standzeiten von einem dreiviertel Jahr durchaus üblich, so hat sich dieser Wert auf durchschnittlich drei (Onlinemarketing) bis vier Monate (Redaktion, Design, Consulting) reduziert. Dieser gegenläufige Effekt kann zwei Ursachen haben:
- Entweder drängen mehr potenzielle Mitarbeiter auf den Markt (kürzere Standzeit der einzelnen Jobausschreibung, weil sie schneller besetzt wird), der gleichzeitig eine höhere Nachfrage nach mehr Projekten besitzt (mehr Stellenanzeigen)
- oder die Mitarbeiter bleiben nicht so lange bei einem Arbeitgeber, weil es immer mehr attraktive Projekte gibt und die Aufstiegschancen besser werden.
Der ersten Theorie widerspricht die Branchenerfahrung:
- Erstens: Der Digitalanteil in den Unternehmen steigt - immer mehr Arbeitnehmer brauchen Internet-Fähigkeiten.
- Zweitens: Die Dienstleisterszene, die digital Hochgebildete benötigt, wächst, weil PR-Agenturen und Berater, Systemhäuser und Werbeagenturen in das Geschäft um digitale Transformation und Internet-Kommunikation einsteigen.
- Drittens: Der Anteil der Berufseinsteiger wächst, die sich selbstständig machen, statt sich einstellen zu lassen.
- Viertens: Die Zahl der Berufseinsteiger sinkt demografisch.
- Fünftens: Die digitalen Herausforderungen wachsen, wodurch die Anforderungen an digital beschäftigte Arbeitnehmer steigen.
Wenn sich aber das Angebot nicht ausweitet, dann kann es nur bedeuten, dass Mitarbeiter häufiger wechseln - oder die erfolgreicheren Agenturen die Mitarbeiter von den kleineren oder nicht so erfolgreichen Agenturen abwerben.
E-Commerce und SEO werden wichtiger
Eine interessante Erkenntnis kann man gewinnen, wenn man die Zahl der im Januar 2014 von deutschsprachigen Dienstleistern, Agenturen und Unternehmen gesuchten Mitarbeiterarten mit einem Index von 100 ansetzt und dann die Veränderung in den vergangenen anderthalb Jahren betrachtet.
Hier stellt man fest, dass neun Berufsgruppen seit Anfang 2014 mehr als zehn Prozent stärkere Nachfrage aufweisen. Im Juni 2015 suchen Agenturen ein Drittel mehr SEM- und SEO-Experten und 60 Prozent mehr ECommerce-Experten. Ein Dank dem Crosschannel-Boom. Auch operative Experten werden deutlich mehr nachgefragt als noch vor 18 Monaten: Technik, Programmierung, Redaktion und Design. Bei den anderen Gewerken sind die Schwankungen wohl überwiegend auf statistische Effekte zurückzuführen.
Die zurzeit relativ hohe Nachfrage nach Onlinemarketern ist auf das zyklische Einstellungsverhalten der Branche zurückzuführen. Wenn man unsere Zahlen bis ins Jahr 2012 zurück verfolgt, so sieht man, dass Agenturen und Dienstleister Onlinemarketer vor allem mitten im Jahr suchen. Wenn die Marketingpläne der Unternehmen (endlich) stehen und der Bedarf deutlich wird.
Folgerungen für Agentur-Chefs
Ob man neue Mitarbeiterquellen anzapfen will, gar mehr selber ausbilden oder ein Outsourcing- oder Offshoring-Programmierprojekt startet: All diese Maßnahmen benötigen Zeit. Was weniger Zeit benötigt, sind Maßnahmen, die Ressourcen zu beschützen, die man schon hat: Die eigenen Mitarbeiter.Mitarbeiter-Bindungsmaßnahmen ausbauen heißt darum das Gebot der Stunde, will man dem wachsenden Jobhopping-Trend in der Branche begegnen. Es scheint einfacher geworden zu sein, gute Leute zu finden. Sie zu halten, ist die Herausforderung.
Die Dmexco findet am 16. und 17. September 2015 in Köln statt. Auf iBusiness.de/dmexco berichten wir über alles Wissenswerte vor, während und nach der größten deutschsprachigen Onlinemarketingveranstaltung.

