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Google Plus: Der Facebook-Konkurrent des Unsozialen
29.06.2011 Googles Ambitionen eines sozialen Netzwerkes nehmen konkretere Formen an: Einem exklusiven Kreis erwählter Nutzer ist Google+ bereits zugänglich, seit vergangener Nacht ist für den Rest außerdem eine Projektseite online.
| Rang April (März) | Brand | Unique Audience in Tausend im April 2011 |
|---|---|---|
| 1 (1) | Google | 37.771 |
| 2 (2) | Facebook | 22.773 |
| 3 (3) | eBay | 20.689 |
| 4 (6) | MSN / WindowsLive / Bing | 20.089 |
| 5 (5) | YouTube | 19.786 |
| 6 (4) | Microsoft | 19.682 |
| 7 (7) | Amazon | 16.929 |
| 8 (9) | T-Online | 15.703 |
| 9 (8) | Wikipedia | 15.595 |
| 10 (10) | RTL Network | 13.196 |
| Rang im April 2010 | Brand | Unique Audience in Tausend im April 2010 |
| 1 | Google | 37.341 |
| 2 | eBay | 21.491 |
| 3 | Microsoft | 20.674 |
| 4 | MSN/ WindowsLive/ Bing | 19.313 |
| 5 | Wikipedia | 17.812 |
| 6 | Amazon | 16.987 |
| 7 | T-Online | 16.608 |
| 8 | YouTube | 16.380 |
| 9 | RTL Network | 15.042 |
| 10 | Facebook | 12.301 |
Quelle: Nielsen, NetView
Erste Analysen zeigen sogar, dass nach Nutzerminuten Facebook gegenüber Google vorne liegt. Das strategische Problem ist klar: Social Network ist ein ebenso wichtiges Feld wie die Suche. Ohne soziales Netwerk kann der Google-Siegeszug nicht weitergehen. Nun versucht Google deswegen, mit Google Plus ("Google+") seine Erweiterung zum Netzwerk. Eleganter als Facebook, aber eben auch nicht mehr. Der vor Wochen gestartete "Plus"-Button - die Antwort auf Facebooks "Like"-Button - ist nicht Teil des jetzt gestarteten Projekts - auch wenn er vorab aus dem Projekt ausgegliedert worden war.
Google hat in der Tat gute Gründe, sich gegen Facebook in Stellung zu bringen. Zumal Facebook inzwischen beginnt, in Googles angestammtem Terrain zu wildern: Seit neuestem gibt es eine Suchfunktion, die zumindest die von Facebook-Nutzern ge-like-ten Seiten außerhalb des Netzwerks findet. Menschlicher Faktor wird gegen Algorithmen gesetzt. Zudem präsentiert sich das soziale Netzwerk als Plattform für Entwickler, die via Facebook neue Nutzer finden wollen. Auch für Unternehmen und ihre Werbung zeigt sich das soziale Netzwerk offen.
Google seinerseits stößt mit seinem Geschäftsmodell langsam an die Wachstumsgrenze. Will der Suchmaschinen-Gigant weiterhin so wachsen wie bisher, müssen neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Zumal Google mit Anwendungen wie Buzz, Wave oder Google Me immer wieder Schritte in dieser Richtung unternommen hat, allerdings nicht mit durchschlagendem Erfolg. Ihr Netzwerk Orkut hat vor allem in Lateinamerika Nutzer gefunden, sonst blieb es nur Eingeweihten ein Begriff.
Google+: Alle Komponenten unter einem Dach
Google Plus besteht aus mehreren Komponenten, die unter dem Dach einer neuen Navigationsleiste namens Sandbar am oberen Bildschirmrand angesteuert werden können. In einem Info-Video zeigt Google verschiedene Funktionen des geplanten sozialen Netzes:Die wichtigsten Funktionen des neuen Social Network:
- Circles: Circles ist das, was Facebook über Gruppen und Listen realisiert - ein Einteilungsschema für Freunde und Kontakte. Was grob an Facebook erinnert, aber einen deutlich prominenteren Platz in der Gesamtkonzeption von Googles Social Network einnimmt. So ist die Einteilung des Freundeskreises in private und geschäftliche Kontakte, sowie das zielgerichtete Teilen entsprechender Informationen einfach möglich.
Mit Drag und Drop sowie Klicks auf verschiedene Kreisflächen kann der Nutzer Freundeskreise anlegen und entscheiden, welche Kontakte welche Informationen zu sehen bekommen, wie Marcus Schwarze , Blogger der Rhein-Zeitung , bei einem Vorab-Test erkundet hat. Auch die Kollegen von Techcrunch haben einen genaueren Blick auf Google+ werfen können.
- Sparks: Ferner gibt es den automatischen Empfehlungsdienst Sparks, die Antwort auf den Facebook-Stream. Sparks empfiehlt Nutzern Videos oder Artikel anhand angenommener Relevanz.
- Hangout: Hangout ist die Konkurrenz zu Skype , ein Videochatdienst.
- Huddle: Mit Huddle spendiert Google der Android-Version des ganzen noch einen Gruppenchat nach dem Vorbild von WhatsApp .
Detaillierte Beschreibungen und Videos zu allen Funktionen finden sich auf der Produktseite Gplusproject .
Die Projektseite gibt Auskunft über die Funktionen des geplanten Netzwerkes. Dort können sich Besucher außerdem per E-Mail anmelden, um Interesse an einer Einladung zu bekunden, sobald der Nutzerkreis ausgeweitet wird. Wer bereits drin ist, kann anderen Nutzern eine Einladung schicken - allerdings gibt eine Infobox auf der GooglePlus-Projekt-Seite die Auskunft, dass die "Kapazitäten zur Zeit ausgelastet" seien.
Google kann keine Menschen
Google verfügt, wie Google+ beweist, zwar über Expertise und das richtige Personal, um ein solch komplexes Produkt wie eine Social-Media-Plattform zu konzipieren und zur Marktreife zu entwickeln. Doch heraus kommt auch diesmal eine Social-Media-Plattform, wie sie sich Nerds vorstellen.Das erklärt sich vielleicht auch aus der Geschichte des Suchmaschinen-Giganten: Mit der Suchmaschinen-Technik fing es an, dann kam das auf Werbung basierende Geschäftsmodell hinzu. Seitdem wurde und wird immer wieder an der Technik geschraubt, verbessert, um dieses Kerngeschäft auch gegen eventuelle Mitbewerber zu schützen, die mit den Entwicklungsschüben in hoher Geschwindigkeit von Google nicht mithalten konnten und bis jetzt können.
Während also Googles Kerngeschäft von Technik getrieben wird, lebt ein soziales Netzwerk von der Begeisterung und Emotion seiner Nutzer. Begeisterung vermag Google letztlich nicht zu wecken. So sind die ersten Kommentare aus dem Web auch in der Kategorie nett angesiedelt: "Im Moment drängt sich ein Wechsel von Facebook zum eleganten Google-Gegenstück nicht auf - radikal anders ist hier nichts, nur etwas eleganter", heißt es beispielsweise bei Spiegel Online .
Adjektive, die Google treiben sind stets kopfgesteuert: "nützlich", "schnell" oder "technisch ausgefeilt". Denn Emotionen verlangt niemand, der eine Datenbank benutzt. Und mehr ist Google letztlich nicht: Ein Unternehmen, dessen DNA eine Datenbank ist. Nun also eine soziale Datenbank.
