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Werbung im Internet der Dinge: Harte Zeiten für Agenturen
27.01.2015 Werbung in Autos und auf Kühlschränken wird im Internet der Dinge nicht funktionieren: Smarte Geräte brauchen mehr als dumme Formate. Wieso Banner scheitern werden und harte Zeiten für Agenturen kommen. Neun Trends.
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Dieses Szenario passt in eine Reihe mit dem in Marketer-Kreisen fast schon sprichwörtlichen smarten Kühlschrank, der seinem Besitzer mitteilt: "Hey, in mir ist keine Milch mehr? Warum nicht zum Discounter um's Eck gehen - da gibt es nämlich zeitgleich Rabatt auf alles außer Tiernahrung".
Beide Beispiele dafür, wie Werbung im Internet der Dinge aussehen könnte, haben eines gemein: Sie gehen von der falschen Prämisse aus, ein altbekanntes Format ließe sich statisch in ein neues Umfeld smarter Geräte transportieren. Doch wahr ist etwas anderes.
- Targeting macht ein Banner nicht smarter und auch nicht wünschenswerter - der Nutzer begreift Targeting nicht als Mehrwert, sondern meist als digitales Stalking (wie etwa eine exklusive iBusiness-Analyse zeigte).
- Die Vielzahl der Advertiser, die sich um die Displays im Web der Dinge prügeln, wird tendenziell den Rückzug des Nutzers zur Folge haben.
- Das Internet der Dinge wird sich dem Zugriff der altbekannten Player, vornehmlich der Agenturen entziehen, und neue Machtverhältnisse schaffen.
Das Internet der Dinge wird einen anderen Einfluss auf die Onlinewerbung haben, als es sich viele Marketer und Agenturen wünschen. Sieben Trends zeigen wohin die Reise geht.
Trend eins: Ent-Standardisierung
"Es ist noch ein weiter, weiter Weg, bis wir im Internet der Dinge Standard-Werbeformate sehen werden, wie wir sie heute im Internet bei Bannern haben", sagt Klaas Bollhoefer , Chief Data Scientist beim Datendienstleister The Unbelievable Machine Company . Es wird vorerst und auch auf lange Sicht also keine Banner-Ads geben, die statt im Browser künftig auf Drucker-Displays, Kühlschranktüren oder im Auto-Cockpit auftauchen. Denn ein Banner ist ein relativ dummes Format, das den neuen smarten Geräten nicht gerecht werden wird. Stattdessen werden komplexere Marketingmechanismen entstehen.Trend zwei: Datenquelle statt Inventar-Netzwerk
Die Zukunft mag voller Displays sein, die auf der neuen Flut vernetzter Geräte zu finden sind, vom Auto über Haushaltsgerät bis hin zum Wearable. Doch diese Displays werden kein neues Inventarnetzwerk formen, auf das Advertiser ihre Botschaften schießen können. Die Geräte sind Datenquellen für Kampagnen, die an anderer Stelle mit dem Nutzer in Kontakt treten werden.Trend drei: Das IoT-Ökosystem
IoT-Werbung wird weniger ein bestimmtes Displayformat haben und uns als Banner begegnen, sondern sich im Kontext eines Ökosystems abspielen: Marken spielen Werbebotschaften nicht auf Haushaltsgeräten aus, sondern sammeln in einem Netz aus tausenden von Haushaltsgeräten Daten über deren Verwendung, um Rückschlüsse über das Verbraucherverhalten zu ziehen. Die Daten sind Gold für Onlinehändler wie Amazon, die damit ihre Warenwirtschaften optimieren können (in welchem Postleitzahlengebiet wird welche Ware benötigt?). 1000 Nutzer eines Fitness-Armbands liefern Datenberge: "Ich erfahre viel über diese Menschen und kann sie individualisiert ansprechen - nicht zwingend auf dem Fitness-Wearable, aber auf dem Desktop, dem Handy, im Auto oder offline, weil ich ja beispielsweise weiß, wo sich viele Routen von Joggern kreuzen", sagt Klaas Bollhoefer. "Da reicht aber eben nicht ein Banner, sondern Werbung muss eine Unterstützungsleistung sein, intelligent ein Bedürfnis ansprechen, das der Nutzer hat, ein Service sein."
Trend vier: Das relevante Display bleibt das Mobilgerät
"Bald ist der Toner alle, geh doch zum Büromarkt nebenan, da gibt's den günstig" - diese Nachricht ist in einer rundum vernetzten Welt vielleicht bald Alltag; aber sie wird nicht auf den Displays der Drucker auftauchen. So wenig wie Werbebotschaften generell auf den Displays der Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronikartikel und im Auto-Cockpit aufploppen werden - der zentrale Ankerpunkt und einheitliches Interface aller IoT-Devices bleibt das Smartphone- oder Tabletdisplay.
Trend fünf: Der teilnehmende Nutzer
Warum hat getargetete Werbung die miserablen Klickraten nicht gerettet? Weil sie allzu oft nicht funktioniert: "Man weiß trotz aller Daten oft noch wenig darüber, was der Nutzer wirklich will", sagt Bollhoefer: "Werbung im IoT wird nicht einseitig sein: Ich spiele dem Nutzer etwas aus und er ist Rezipient einer Werbebotschaft. Er muss umworben werden, seinen Beitrag zu leisten, weil er Nutzen davon hat: Er legt vielleicht individuelle Einkaufslisten an, bei deren Abarbeitung ihm eine App dann hilft."Trend sechs: Agenten
Das Internet der Dinge wird das Web der Agenten - intelligente Assistenzprogramme, die dadurch möglich werden, dass Maschinen miteinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Sie organisieren den Alltag des Nutzers, treffen oder sagen Verabredungen für ihn ab, schicken automatisiert Blumen an die Schwiegermutter oder buchen Restauranttische und Reisen. Hier ein Einfallstor zu finden, wird entscheidend sein, um künftig an den Nutzer herantreten zu können - SEO wird Agenten-SEO, SEA wird bezahlte Agentenwerbung.Trend sieben: Auch die nicht vernetzte Umwelt verschmilzt mit dem IoT
Ein Ding braucht weder Stecker noch Internetanschluss, um Teil des Internets der Dinge zu werden: Autos, die bei Taxidiensten gemietet werden können, Wohnungen, die auf Couchsurfing-Portalen angeboten werden - all das wird im Web erfasst, vermessen, getrackt, beworben und verhandelt, ohne dass es überhaupt ans Web angeschlossen ist.Trend acht: Audio
Das Ausgabe-Medium des Webs der Dinge muss nicht allein das Display sein - Audio wird genauso relevant sein, sagt Timo Salminen , Gründer des auf mobile und automobile Anwendungen spezialisierten Ficonic Solutions: "Es gibt im Web zahlreiche Unterhaltungsangebote, die nach einem Freemiummodell funktionieren: Musikstreaming etwa, bei dem der Nutzer Werbung erdulden muss. Wenn diese Audio-Spots mit der Intelligenz aus dem Internet der Dinge kombiniert werden, können spannende Inhalte entstehen."Trend neun: Agentur-Problem
Was ist das Internet der Dinge? Es ist Sensorik, M2M-Kommunikation, Big Data, Ambient Intelligence, Smart Home und viele Themen mehr, bei denen klassische Agenturen - egal ob es sich um Werbe- oder Interaktivagenturen handelt - wenig bis gar nichts zu melden haben. Gemeinsam ist allen diesen neuen und durchaus disruptiven Geschäftsbereichen, dass die eigentliche Wertschöpfung nicht mehr unter den Augen des Menschen stattfindet, sondern außerhalb der Sicht. In der Welt des Nur-Digitalen. Und in dieser Welt sind die klassischen IT-Dienstleister zuhause: Die Programmierer und Systemhäuser, die Software-Entwickler und Chip-Produzenten, die ASIC-Häkler und Elektronikhersteller.Vier Szenarien für die Zukunft des Advertisings im IoT
Die Herrschaft der IoT-Werbung
Marken können Bedürfnisse hervorsagen und erfüllen. Das bedeutet das Ende der konventionellen und ungezielten Werbung: Sie geht in Agentenlösungen und dem rundum vernetzten Internet der Dinge auf. Gewinner sind die großen Konzerne, die sich eigene Apps leisten und gewaltige Nutzerdaten als Rohstoff dafür akkumulieren können.
Die mühsame Evolution
Es wird keinen Werber-Himmel der unendlichen Machbarkeiten geben. Teilweise löst sich die alte Werbung in Agentenlösungen auf: Statt des Werbebanners gibt es die Einbuchung in virtuelle Helfer wie Siri und Google Now: Advertiser bezahlen, damit die Agenten ihren Nutzern ihre Produkte und Dienste vorschlagen. Doch auch ungezielte Werbung auf den altbekannten Endgeräten bleibt wichtig wie eh und je: Sie allein kann Bedürfnisse wecken, die der Nutzer noch nicht hat.
Bleibt alles technischer
Advertiser und Agenturen nehmen die Nutzer mit allem unter Beschuss was geht. Sensoren, Daten, vernetzte Haushaltsgeräte - alles wird ausgeschlachtet, um eine optimale Ansprache mit Ads zu gewährleisten. Das stößt nicht nur viele Nutzer zurück, die plumpe Ausbeutung von Datensilos erhöht die Unschärfe und Fehleranfälligkeit. Nur wenige profitieren von den neuen Potenzialen; und das sind nicht zwingend große oder kleine Marken, sondern die mit einer funktionierenden Strategie.
Wir advertisen uns im IoT zu Tode
Die Marken versuchen mit aller Macht, die maximalen Erkenntnisse über den Einzelnen zu gewinnen. Der Ansturm auf seine unzählbar gewordenen Endgeräte - vom Smartphone bis zur vernetzten Heizung - brandet jedoch auf immer sparsamere, zurückgehaltene Aufmerksamkeit und Blockademechanismen, die mit den neuen Technologien mitwachsen.
