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Zukunftsfähige Logistik-Konzepte: Der Run auf den Kunden
06.07.2015 Deutsche Online-Shopper werden 2015 pro Kopf 1.200 Euro online ausgeben. Bei der Frage, wie und wo sie ihre Waren erhalten, in Empfang nehmen oder abholen, fordern sie immer mehr Flexibilität und Service seitens der Logistik ein. iBusiness hat die verschiedenen Logistikkonzepte und ihr Potenzial analysiert.
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Zusätzliche Services der Paketdienste haben beim Kunden eine erhöhte Konsumbereitschaft zur Folge, hat eine repräsentative Befragung von bevh und MRU ergeben. Die Zufriedenheit des Kunden mit dem Gesamtprozess - Bestellvorgang, der Bezahlung und der Auslieferung der Ware - werde für den Erfolg des Interaktiven Handels zukünftig eine deutlich größere Bedeutung bekommen, so das Fazit der Studie.
Wer wie liefert und welche Konzepte die besten Zukunftsaussichten haben:
| Same Day Delivery (SDD) |
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Der Hype um Same Day Delivery als der neuen Logistik-Wunderwaffe im Multichannel-Commerce kochte vor rund zwei, drei Jahren hoch. Inzwischen ist es wieder etwas ruhiger geworden. Zwar prognostizierte McKinsey vor gut einem Jahr dem Markt für SDD bis 2020 in Westeuropa ein Wachstum auf drei Milliarden Euro und damit einen Anteil von 15 Prozent des Umsatzes mit Standardprodukten.
Der aktuelle Anteil lag da aber noch unter einem Prozent und dürfte sich seitdem nicht signifikant erhöht haben, obwohl sich diverse Start-ups und Spin-Offs an diesem schwierigen Markt versuchen, wie beispielsweise Tiramizoo , die u.a. für Media Markt/Saturn liefern und über den DPD mit einer 20-Prozent-Beteiligung 2013 in den SDD-Markt eingestiegen ist. Das Stadtkurierportal bietet in 19 deutschen Städten eine Lieferung innerhalb von 90 Minuten oder eines definierten Zeitfensters an. Die Preise orientieren sich an den Preisen der örtlichen Kurierpartner. Berechnet wird jede Lieferung individuell nach Sendungsgröße, Fahrstrecke und Liefergeschwindigkeit.
Ein Knackpunkt ist sicher der Preis solcher speziellen und damit auch teureren Lieferservices. Denn damit der Kunde 15 bis 20 Euro für eine taggleiche Lieferung locker macht, muss der Bedarf schon unaufschiebbar sein. Und dann geht es auch nicht um Klopapier oder neue Sneakers. Für die preissensiblen deutschen Kunden hatte Time Matters deshalb an der Preisschraube gedreht. Musste man vorher noch 15 bis 20 Euro bezahlen, hat der SDD-Dienstleister letztes Jahr den Kampfpreis von 6,99 Euro für SDD eingeführt.
Wie sich das trägt, erklärte Geschäftsführer Franz-Joseph Miller seinerzeit: "Wir haben ein großes Kontingent an Kurier-Kapazitäten über Kombination von B2B und B2C eingekauft, so dass wir weltweit mehr als 750.000 Lieferungen pro Jahr innerhalb eines Tages ausliefern." Das Konzept der Lufthansa-Cargo-Tochter beruhe auf einer Mischkalkulation, um gleichermaßen attraktiv für Konsumenten und Retailer zu sein.
Besonders gut funktioniert SDD mit verderblichen Premium- Lebensmitteln: Der Online-Händler Otto Gourmet beispielsweise liefert ausschließlich Fleisch und Meeresfrüchte. Hier liegt der Preis für SDD nur fünf Euro über dem der Next-Day-Lieferung. Und wer sich schon ein Kobe-Beef-Barbecue-Paket für 100 Euro gönnt, der bezahlt auch gerne fünf Euro mehr, damit das Edelfleisch schnell und frisch zu Hause ankommt.
Doch eine größere Lieferflotte des Logistik-Dienstleisters allein reicht für den Händler natürlich nicht aus, um SDD so günstig anbieten zu können: Otto Gourmet subventioniert da kräftig mit. Aber es lohne sich, freuen sich die Macher: Die Conversion Rate sei seit Einsatz der SDD-Option um 17 Prozent gestiegen - sechs Prozent durch Same Day und elf Prozent durch die Wunschlieferzeit-Option. Zugleich wären die Warenkörbe durchschnittlich um 20 Prozent größer.
"Der Onlinehandel freut sich gegebenenfalls etwas zu früh, weil er wahrscheinlich wie bei allen neuen Zusatzservices im Onlinehandel nur sehr kurz den Zusatzaufwand auf den Kunden umlegen kann. Der strenge Wettbewerb wird dafür sorgen, dass am Ende die Händler den größten Teil der Logistikaufwände tragen dürfen", analysierte Alexander Graf von Kassenzone.de bereits vor zwei Jahren. Klar sei nur: Die Logistiker gewinnen . Daran hat sich bis heute nicht wesentlich etwas geändert.
Fazit: Etablierte Lieferservices funktionieren - allen Unkenrufen zum Trotz - sehr gut. Und die deutschen Kunden setzen bei der Lieferung nach wie vor andere Prioritäten (siehe Zeitfenster-Lieferoptionen). So bleibt Same Day Delivery auch auf absehbare Zeit ein Nischenmarkt.
Anbieter: Tiramizoo, Time Matters, Liefery (Time-Matters-Tochter) und auch Anbieter wie MyTaxi , daneben gibt es "Misch-Konzepte" wie Shippies , das Einkäufe und Bestellungen aus Onlineshops am selben Tag über die Crowd ausliefert oder auch SDD-Service der großen Logistiker wie DHL Same Day .
| Click & Collect (C&C) |
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Ich finde im Ladengeschäft zwar mein Wunschkleid, aber nicht mehr in der passenden Größe. Ich recherchiere im Onlineshop und lasse es mir zur Abholung in die Filiale liefern. Solche Click-und-Collect-Szenarien (alternativ auch: In-Store-Pick-Up oder Ship-to-store) sind nicht neu und mitunter sogar schon als Must-Have ausgerufen . Von einer flächendeckenden Ausbreitung sind wir hierzulande aber noch weit entfernt. Auch wenn Deloitte für dieses Jahr europaweit rund eine halbe Millionen Pick-up-Stationen prognostiziert, was einem Plus von 20 Prozent im Vorjahresvergleich entspräche.
Sieben von zehn Kunden erwarten zwar einer Studie von Forrester Consulting zufolge aktuelle Informationen zur Filialverfügbarkeit. Und jeder zweite möchte die gewünschten Waren online kaufen und dann vor Ort abholen. Lediglich ein Drittel der Händler kann aber seinen Kunden die Filialabholung der bestellten Waren, aktuelle Informationen zur Produktverfügbarkeit und die In-Store-Abwicklung von Online-Käufen anbieten.
Clickt-and-Collect-Szenarien nutzen vor allem große Multichannel-Händler, wie Media Markt, C&A , Ernstings Family oder Douglas für sich, um den großen Online Pure Playern etwas entgegen zu setzen, was sie selbst nicht haben: ein Filialnetz, mit dem sie mit alternativen Zustellmethoden ihre Services aufpimpen können. Der Gartenmarkt Dehner beispielsweise verspricht, dass die Artikel spätestens vier Stunden nach der Online-Bestellung in der Wunschfiliale abholbereit sind. Bislang operierte ein Multichannel-Händler in Europa in der Regel über ein Warenlager für E-Commerce, ein Großhandelslager und seine Läden: Ist ein Produkt im ECommerce-Lager ausverkauft, erscheint im Onlineshop der Hinweis "ausverkauft". Es kann aber sein, dass es in 32 Läden noch verfügbar ist. Die Herausforderung für Händler ist nun, ihre Supply Chain ganzheitlich zu betrachten, um die Gesamtwarenströme zu optimieren.
Das funktioniert aber nicht immer: Ist das Wunschprodukt vor Ort nicht mehr verfügbar und wird online zur Abholung in die Filiale bestellt, kann das unter Umständen sogar länger dauern, als wenn der Kunde es direkt online nach Hause geordert hätte. Click-and-Collect-Szenarien böten zwar in den "Feldern Warenverfügbarkeit, Kauf, Auftragsabwicklung, Auslieferung und Retoure große Potenziale", schlussfolgert die Universität Eichstätt-Ingolstadt im Rahmen ihrer Studie "Wie steuern Multichannel-Retailer warenbezogene Kundenprozesse?" Die Praxis hinkt aber noch gewaltig hinterher.
Dabei bietet C&C gerade für Händler Potenzial zur Umsatzsteigerung. Denn laut Ebay-Studie "Zukunft des Handels" kaufen 53 Prozent der Verbraucher, die Click & Collect genutzt haben, bei der Abholung eines Produkts im Geschäft zusätzliche Artikel gleich mit. Händler, die gezielt einen Mehrumsatz erreichen wollen, lassen die Ware im Rahmen der Filialbelieferung offen ausliefern und sind dem Kunden bei der Anprobe und dem Zusammenstellen eines Outfits behilflich, skizzieren die Unternehmensberater von Tailorit . So würden Retouren frühzeitig abgefangen, die Kundenzufriedenheit steige, und der Händler könne Zusatzumsätze generieren.
Fazit: Von einer flächendeckenden und reibungslos funktionierenden Versorgung mit C&C-Services profitiert vor allem der stationäre Handel, der allerdings vielerorts noch deutlichen Nachbesserungsbedarf hat. Zudem erwartet der Verbraucher, dass sich die Logistikleistung der Händler auf ihre veränderten, mobileren Online-Nutzungs- und Kaufgewohnheiten einstellt.
Anbieter: Vor allem größere Multichannel-Händler mit einem großen Filialnetz bieten Click & Collect. Wer nicht über ein großes Filialnetz verfügt, muss Omnichannel anders definieren - beispielsweise über Kooperationen mit anderen Händlern oder Abholstationen.
| Ship from Store |
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Ship-from-Store, also der Versand aus der Filiale, soll es Präsenzhändlern erleichtern ins Web einzusteigen. Bei diesem Modell nutzen Händler und Marken lokale Filialbestände, um Onlinebestellungen zu erfüllen. Die Filialen verwandeln sich in virtuelle Versandcenter, um Artikel aus den jeweils sinnvollsten Standorten zu versenden.
Interessanterweise hätten in Deutschland viele Händler den Einstieg in das Omnichannel-Fulfillment über In-Store-Pickup oder auch Click & Collect versucht. "Dieses Modell hat aber höheren Implementierungsaufwand, da verlässliche Bestandsdaten kontinuierlich auf dem Onlineshop verfügbar sein müssen und der wirtschaftliche Vorteil daher schwieriger umzusetzen ist", analysierte Michael Kliger, seinerzeit noch Managing Director International Ebay Enterprise und mittlerweile Präsident von Mytheresa.com . Alle Modelle hätten einen hohen Kundennutzen, aber der beste Einstieg ergebe sich über Ship-from-Store, so Kligers Überzeugung.
Die Tücken stecken im Detail. In Manhattan hat der hierzulande umstrittene Taxi-Konkurrent Uber ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Uber-Fahrer zunächst nur für den Schuhanbieter Cole Haan, dann für weitere Luxus Marken, Online-Bestellungen auf Wunsch aus den dem Kunden nächst- bzw. bestgelegenen Filialen versenden sollten. Die Zustellung soll binnen zwei Stunden erfolgen. Online-Shop, Order- und Warenhaus-Management-Systeme sowie die Kassensysteme der Händler werden dabei über ein Omnichannel Management System vernetzt und an das Uber-System angebunden. Dabei zeigen sich neben der Verbindung von bislang in Silos konzipierten Handels- und E-Commerce-Einzellösungen noch weitere Herausforderungen, die im Omnichannel berücksichtigt werden müssen, erklärt Andreas du Plessis , bei Tradeglobal zuständig für das Business Development: "So benötigt der Fahrer beispielweise für viele Apartments einen Klingelcode oder Angaben zum in Wohnblocks Pakete annehmenden Concierge, die ihm über das System mitgeteilt werden." Der "Kampfpreis" für diesen Service: 19,99 Dollar.
Fazit: Im Vergleich zu den USA und Großbritannien, wo bis zu 50 Prozent des Onlinehandels führender Händler durch Filialen mit abgewickelt werden, hinkt der deutsche Markt einmal mehr hinterher. Dem Einsparungspotenzial, schneller und günstiger versenden zu können, stehen vor allem kleinere Händler, die nicht über ein dichtes Filialnetz verfügen, skeptisch gegenüber.
Anbieter: Bislang gibt es hierzulande nur wenige Dienstleister wie Gaxsys , die Ship-from-store anbieten. Amazon hatte eine entsprechende Shoplösung 2012 in Deutschland eingeführt, 2014 aber wieder eingestampft - offenbar wegen mangelnder Akzeptanz von Händlerseite. Ebay dagegen positioniert sich als solcher Anbieter und stellt eine SaaS-Lösung zur Verfügung. Damit sollen Händler die Daten verschiedener Quellen zusammenfügen und Aufträge entsprechend der Warenströme verteilen können, um lokale Filialbestände durch Onlinebestellungen abwickeln und Produkte vom nächstgelegenen Standort verschicken zu können.
| Abhol- und Bringstationen |
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Wer nicht über ein großes Filialnetz verfügt, muss Omnichannel anders definieren - beispielsweise über Kooperationen mit anderen Händlern oder Abholstationen, wie bei Ebay und Argos in UK. Dort können Käufer in 750 Argos-Filialen Ebay-Sendungen abholen. Von Lieferzeiten unabhängig soll der Kunde bei den Packstationen der Deutschen Post sein, die schon vor über zehn Jahren an den Start gingen. Speziell der Markt für Abhol- und Bringstationen scheint die Fantasie der Händler und Logistiker zu beflügeln: In diesem Markt ist besonders viel Bewegung.
So hatte der schwedische Autobauer Volvo zum Mobile World Congress 2014 einen Zustellservice gestartet, bei dem im Internet bestellte Waren direkt in das eigene Auto geliefert werden - egal, wo der Besteller sich gerade befindet. Dazu wird ein digitaler Schlüssel erstellt. Wenn der Lieferdienst Waren zustellen oder auch abholen möchte, wird der Nutzer per Smartphone oder Tablet benachrichtigt. Mit der Annahme der Lieferung gibt der Nutzer den digitalen Schlüssel für den Boten frei und kann nachverfolgen, wann das Auto geöffnet und wieder abgeschlossen wird. Nach Abschluss der Zustellung oder Abholung erlischt der digitale Schlüssel. Das neue System basiert auf der Telematik-App 'Volvo On Call', zu deren Funktionen beispielsweise auch das Vorheizen oder Kühlen des Fahrzeugs mittels Smartphonesteuerung gehört. Zudem können sich Nutzer den Standort des geparkten Fahrzeugs oder den Tankfüllstand über das Mobiltelefon anzeigen lassen.
Naturgemäß sind Automobil- und Logistikbranche gute Partner für Testballons dieser Art. Auch in Deutschland, wo DHL , Amazon und Audi jüngst ein ähnliches Pilotprojekt zur Kofferraumzustellung gestartet haben. Und auch Start-ups wie Cardrops versuchen sich an diesem Prinzip. Aus versicherungstechnischer Sicht und aufgrund von Fragen der Vertrauenswürdigkeit gelten für das Lieferpersonal die gleichen Vorgaben wie für Hotelpersonal. Wie das Konzept im deutschen Markt ankommt, bleibt abzuwarten. Denn das Auto ist für viele Deutsche so etwas wie eine heilige Kuh. Da darf mitunter nicht mal die Ehefrau ans Steuer - geschweige denn ein Lieferant an den Kofferraum.
Zwischen den großen Logistikern tobt der Konkurrenzkampf um alternative Zustelloptionen besonders hart. DHL , GLS , UPS , Hermes , TNT , FedEx - im Grunde weiß jeder Anbieter, dass die Preise für Paketsendungen steigen müssen, damit sie langfristig überleben. Aber an der Preisschraube zu drehen, traut sich niemand. Schlagzeilen hat die Branche in der Vergangenheit vor allem wegen niedriger Löhne und langer Arbeitszeiten gemacht - der jüngste Post-Streik ist da sicher noch nicht das Ende der Entwicklung. Solche Preissteigerungen kann man dem Kunden aber nur mit verbessertem Service plausibel machen.
Und so versuchen sie sich mit Pilotprojekten und Ideen zu überbieten. In diesem Herbst soll die gemeinsame "Unibox" von Hermes, GLS, DPD und UPS starten - quasi als Gegenstück zum Paketkasten der Deutschen Post. Diese hatte vor einem Jahr im Alleingang die Box eingeführt, den Kunden ab 1,99 Euro pro Monat mieten oder ab 99 Euro bis zu knapp 600 Euro kaufen. Im Gegensatz zur Paketbox soll die Unibox ein offenes System sein, so dass jeder Wettbewerber mit einem Pin-Code Zugang dazu hat. Und auch im Preis soll die gelbe Konkurrenz unterboten werden, heißt es in Branchenkreisen. Seit Februar testet DHL nun gemeinsam mit Zalando und der Telekom den Paketbutler in einem Feldversuch, eine Art Klappbox und Alternative zum Paketkasten für Mehrfamilienhäuser, die bei Bedarf an der Haustüre angebracht und wieder abgenommen werden kann. Zustellungen und Retouren sollen darüber diebstahlsicher abgewickelt werden können.
Auch Start-ups wie Lockbox bieten diesen "kontaktfreien" Lieferservice: Lebensmittel und Non-Food-Lieferungen werden in einer speziellen Kiste ("Lockbox") -je nach Produkt als Kühlbox - an der Wohnungstür mit einem patentierten einbruchs- und diebstahlsicheren System angekettet. Für einen bestimmten Zeitraum werden Kisten und Zubehör kostenlos an Händler und Kunden ausgegeben. Eine gebrauchte Box soll mit der nächsten Lieferung wieder abgeholt werden, so sind auch Retouren möglich. Besteht kein Bedarf mehr, kann die Box gegen Gebühr wieder abgeholt werden. Es sind zwei Abrechnungsmodelle geplant: Der Kunde bezahlt eine Gebühr von 2,50 Euro pro Zustellung oder ein als Lockbox-Partner registrierter Onlineshop übernimmt die Gebühr. Die Box soll dabei als Anreiz für die Händler dienen, die Gebühr zu übernehmen, weil sie so Verpackungskosten sparen. Auch Abgabestationen, wie die Packstationen der Post, sind für die Lockbox im Gespräch.
Neben Partnerschaften für den Versand über Boxen kocht jeder der Logistiker natürlich weiter am eigenen Süppchen. Features wie Zustellung an einem Wunschtag und/oder in einem frei wählbaren Zeitfenster sowie die Ankündigung des konkreten Lieferdatums per E-Mail oder SMS sind inzwischen Standard. Hermes beispielsweise versucht sich noch an einem Mitnahmeservice, das hießt online frankierte Sendungen können ab sofort überall einem für Hermes tätigen Zusteller mitgegeben werden, etwa wenn dieser eine andere Sendung zustellt oder auf der Straße angetroffen wird. Das Angebot ist aufpreisfrei und gilt ausschließlich für Sendungen mit Online-Paketschein. Kassiert wird durch den Zusteller vor Ort. Bei UPS kann der Kunde, wenn er über den Status seines Paketes benachrichtigt wird, noch die Lieferadresse ändern oder einen späteren Liefertermin auswählen. In Europa soll der Dienst im Oktober starten.
Fazit: Die genannten Beispiele sind nur einige wenige, die im Test- und Regelbetrieb derzeit laufen. Im Bereich der alternativen Bring- und Abholoptionen werden wir in den kommenden Jahren wohl noch einige Konzepte sehen. Hier sind die Marktanteile noch längst nicht verteilt, noch ist das Potenzial hoch.
Anbieter: Neben allen großen Logistik-Unternehmen mit Ausgründungen wie die DHL-Tochter MyWays für Crowdsourcing oder Kooperationspartner großer Retailer, wie der Schweizer Mitbringservice Bring Bee für Ikea , tummeln sich zahlreiche Start-ups auf dem Markt - auch als lokale C2C-Services wie die App MyLorry , die Transporteure für einen Auftrag am selben Tag sucht.
| Amazon |
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Dem in weiten Teilen der Welt immer noch größten Online-Händler muss man ein eigenes Kapitel zum Thema Logistik widmen. Zum einen wegen der Tragkraft: Niest Amazon, bekommt die Branche Schnupfen. Und zum anderen, weil Amazon einfach wahnsinnig umtriebig und experimentierfreudig ist. Schließlich ist der Online-Reise gerade wegen den enormen Logistik-Leistungen so beliebt bei den Kunden. Selbst im Poststreik gab's für Amazon eine Extrawurst .
Auf Amazon Fresh , den eigenen Lieferdienst für frische Lebensmittel, wartet man hierzulande schon seit vergangenem Jahr . In diesem Jahr soll es endlich soweit sein. Ob es nun so kommt oder nicht: Allein die Ankündigung eines eigenen Lieferdienstes versetzt die Logistiker hierzulande in Hab-Acht-Stellung. Und auch wenn hierzulande der Markt für tag- oder gar stundengleiche Lieferung noch mehr als überschaubar ist, horcht man auf, dass Amazon Prime Now nun immerhin schon auch in London angekommen ist.
Ansonsten will Amazon - wie die großen Logistiker auch - Medienberichten zufolge unter dem Motto "On my way" Privatleute stärker in die Lieferkette miteinbeziehen und sie zu Lieferanten machen. Dazu sollen sich Handelspartner in den Städten finden, die die Ware vorrätig haben, von wo der Privatfahrer die Pakete abholt und ausliefert. Koordiniert wird der Dienst per App.
Zu den spektakulärsten Projekten der alternativen Zustellung gehört sicherlich Amazon Prime Air , ein "unbemanntes Fluggerät", für das Amazon schon einen Patentantrag gestellt hat. Die Drohne, ein Octocopter, also Fluggerät mit acht Rotoren, liefert Waren in einem kleinen Kasten, etwas weniger als Schuhkartongröße, aus. Neu ist das Prinzip nicht. DHL ist mit seinem Paketkopter sogar schon in den Regelbetrieb übergegangen und auch bei der Schweizer Post läuft ein Drohnen-Testprojekt. Die Amazon-Drohne setzt aber noch einen drauf: Sie kann den Empfänger nicht nur unterwegs aufspüren und beliefern, sondern sie kann auch mit anderen Drohnen kommunizieren, um sich über die äußeren Bedingungen im Lieferumfeld (Wetter, Hindernisse etc.) auszutauschen und gegebenenfalls die Flugroute zu ändern.
Nicht weniger spektakulär ist die Ankündigung, bestellte Waren während der Lieferung im LKW mit einem 3D-Drucker erst herzustellen - quasi on-the fly - um eine möglichst kurze Lieferzeit zu erreichen. Netter Nebeneffekt: Lagerkosten für die Waren fallen weg. Auch dafür hat Amazon ein Patent eingereicht. Voraussetzung: Der Kunde bestellt Produkte nach STL-Dateien, also digitale 3D-Modelle für den 3D-Druck.
Kein Lieferkonzept ist so absurd, dass Amazon nicht zumindest drüber nachdenkt: So ist auch die Lieferung von Produkten im Gespräch, bevor der Kunde sie überhaupt bestellt hat . Zumindest die Lieferung bestimmter Waren, deren Affinität über vorherige Bestellungen, Retouren oder sogar nur Mauszeigebewegungen über Produkten ermittelt werden soll, werden vorausschauend an ein Versandzentrum geschickt, in dessen Nähe sich ein oder mehrere Kunden aller Wahrscheinlichkeit nach für das Produkt interessieren. Bestellt jemand tatsächlich, ist der Lieferweg natürlich kürzer. Auch für den vorausschauenden Versand ("Anticipatory Shipping") hat der Online-Riese ein Patent angemeldet.
Fazit: So abgefahren manches Projekt noch anmuten mag, es zeigt: Der Logistikmarkt ist in konzeptioneller Hinsicht noch lange nicht ausgereizt. Und wenn Amazon für den Großteil der Aufträge für die Paketdienste sorgt, eigene Lieferkonzepte umsetzt, ändert das Marktverhältnisse grundlegend.
| Gesamtfazit |
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Der Logistikmarkt ist längst keine Domäne der klassischen KEP-Dienste (Kurier, Express und Paketdienste) mehr. Händler, Autobauer und andere branchennahe Player mischen zunehmend mit. Die größten Überlebenschancen in dem umkämpften Markt haben Konzepte, in denen der Kunde die Entscheidungshoheit und Flexibilität hat, wann, wie und wohin er seine Ware geliefert haben will - möglichst einfach und nach wie vor möglichst kostenlos. Den Aufpreis für mehr Service bei der Lieferung geben Logistiker, die eh mit sehr knappen Margen kämpfen, an die Händler weiter. Und dieser kann sie viel zu selten an den Kunden weiterreichen.
